Palmsonntag 14. April 2019

Liebe Schwestern und Brüder, versammelte Gemeinde!

Im Nachhinein wissen wir, dass der Jubel jener Stunden des Palmsonntags für viele Menschen in Jerusalem nur eine flüchtige Euphorie war. Die frischen Zweige waren bald verdorrt. Das begeisterte „Hosianna“ sollte sich fünf Tage später in ein blindwütiges „Kreuzige ihn!“ verwandelt. Wir wissen nicht, wieviele das Todesurteil gegen den Herrn geschrieen haben, die 5 Tage zuvor jubelnd „Herr hilf - Hosianna“ gerufen haben. 

Gibt es überhaupt eine Erklärung für einen solchen Umschwung? Der Blick in unser eigenes Herz lässt uns hier einiges erahnen. 

„Wie verschieden klang es doch“, erläuterte Bernhard von Clairvaux, „wenn gerufen wurde: Weg mit ihm, kreuzige ihn, oder aber: Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hosanna in der Höhe! Wie anders die Stimmen, die ihn jetzt König Israels nennen und einige Tage später „Wir haben keinen König außer dem Kaiser“ rufen. Was für ein Kontrast zwischen den grünen Zweigen und dem Kreuz, den Blumen und den Dornen! Dem sie zuvor die eigenen Kleider als Teppich vorgelegt haben, dem reißen sie bald darauf die seinen vom Leib und würfeln um sie.“

Vor dem Hintergrund dieses tragischen Umschwungs wollen wir bedenken, dass unsere Liebe zu Christus beharrlich sein muss, unsere Treue beständig, unsere Absichten nicht nur kurzlebige Lichter. In unseren Herzen finden wir tausend widersprüchliche Möglichkeiten: Wir sind fähig zum Erhabensten und fähig zum Gemeinsten. Das Leben der Freundschaft mit Gott ist nur möglich, wenn wir fest bleiben in der Liebe zu Christus, beharrlich im Ringen, alles beiseite zu lassen, was uns von Gott trennt, treu in der Nachfolge bis zum Kreuz!

Der Weg, den wir nun gehen wollen, ist alles andere als ein alltäglicher Weg. Am Anfang steht der Jubel, am Ende der Tod des Herrn. Und mittendrin stehen wir, die diese Schritte hin zur Passion nun nützen können, einen Schritt dem Herrn entgegenzugehen. 

In den Tagen der heiligen Woche wird uns auf oftmals sehr brutale Weise bewußt gemacht, dass Gott nichts unversucht läßt, um uns zu retten. Jeder Blutstropfen des Herrn ist für unsere Sünden vergossen, jeder Stachel der Dornenkrone sticht, wo wir hart und unzugänglich geworden sind, jeder Geißelhieb sühnt die Hiebe unserer schnell hingesprochenen Worte, die Mitmenschen verletzen und erniedrigen. Und der liebevolle Blick des Herrn am Kreuzweg, sein Blick auf die Frauen von Jerusalem, gilt heute uns. Tauchen wir ein in das Geheimnis der Erlösung. Gehen wir den Weg mit dem Herrn und öffnen wir unser Herz für das Leben, das er uns in seiner Auferstehung am Ostermorgen erwirbt. 

Amen. 

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 button praedicatio; Till Magnus Steiner;

 

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