2. Fastensonntag C, 17. März 2019

Was uns das heutige Evangelium berichtet, war offenbar für die drei Jünger ein Aufweis, wenn nicht sogar Beweis dessen, was sie von Jesus schon über die Jahre des gemeinsamen Weges hin erahnt, gefühlt oder gehofft hatten. Und wenn schon nicht die Wunder, sein die Herzen bewegendes Wort, sein machtvolles Auftreten sogar als Herr über den Tod genügend Beweiskraft für die Jünger hatte, so doch dieser Augenblick auf dem Berg Tabor. 

Das Aufleuchten der göttlichen Herrlichkeit versetzt die Apostel in einen Zustand unsagbaren Glücks. Und wenn Petrus versucht, etwas zu sagen, gelingt ihm nur eine rührend naive Äußerung: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen… Er möchte die Zeit anhalten. So wie es uns oftmals auch geht, in den großen Glücksmomenten unseres Lebens. Die Zeit anhalten, den Augenblick festhalten, nicht an Morgen denken. Doch die Zeit läuft weiter. Und aus den Glücksmomenten unseres Lebens dürfen wir Kraft schöpfen für die Herausforderungen danach. 

Der Moment der Verklärung Christi am Tabor war ein ganz bestimmter Zeitpunkt. Er ist vorbeigegangen. Doch dies bedeutet nicht, dass uns nicht dasselbe Aufleuchten der göttlichen Herrlichkeit immer wieder neu geschenkt ist. Denn Christus hat für seine Existenz - um bei der eingangs erwähnten Frage nach einem „Beweis“ zu bleiben - eine ganz besondere „Beweisführung“ ersonnen. Jenen Apostel, der vor Glück überwältigt war bei der Erkenntnis der Wahrheit über seinen Herrn und Meister Jesus, diesen Petrus mit all seinen Stärken und auch Schwächen, mit einem Glauben, der von Überschwang und auch von Zweifel gekennzeichnet ist, diesen Petrus hat er zum Grundstein der Kirche gemacht. Und dass diese Kirche nicht Menschenwerk ist, dass sie über nun schon 70 Generationen den Menschen immer wieder neu von der Macht und Herrlichkeit des Gottessohnes Kundschaft bringen will, dass sie trotz sovieler menschlicher Schwäche, ja auch trotz sovieler Skandale,  in den vergangenen 2000 Jahren nicht irgendwann den stillen oder spektakulären Tod so vieler anderer weltlicher Institutionen gestorben ist, das ist für mich der schlagendste Beweis für diesen einen Herrn und Heiland Jesus Christus! 

Und vor allem ist es für mich ein Zeichen dafür, dass der Gottessohn sich nicht einordnen lässt in die menschlichen Kategorien, die wir heute so gerne an ihn und auch an seine Kirche anwenden. Dass er die Ehe und Familie geheiligt hat - das Sakrament der Ehe gestiftet hat - und dennoch selbst frei von jeder menschlichen Bindung war, dass diese tiefe und innige Beziehung zu seinem Vater im Himmel und zu seiner Kirche weiterlebt im zölibatären Leben der Bischöfe und Priester, das widerspricht den Ansichten jener Menschengeneration von heute, die nur sehen kann, was sie sehen will, und deren einziger Gradmesser am Leben der anderen ihre eigene Schwäche ist. Dass er seiner Kirche in Petrus und seinen Nachfolgern ein einigendes und führendes Prinzip mitgegeben hat, das als Kontrapunkt für den egoistischen Individualismus unserer Zeit wirkt. Dass er in der Einsetzung der Bischöfe und Priester ein Gegenbild schaffen wollte zu jenen weltlichen Machtverhältnissen, die von Seilschaften, Freunderlwirtschaft und Korruption geprägt sind. 

Was Jesus den Jüngern am Berg Tabor zeigt, was die Kirche durch die Sakramente -  insbesondere durch die Heiligste Eucharistie, wo wir Gemeinschaft halten können mit dem verklärten Gottessohn - uns schenken will, ist der Gedanke an die verheissene Herrlichkeit des Himmels. Und dieser Gedanke kann uns auf unserem Weg durch diese Zeit beflügeln, wenn wir uns müde fühlen. 

In Jesus Christus ist Gott gegenwärtig, durch ihn spricht der göttliche Vater durch die Jahrhunderte zu allen Menschen. Seine Stimme bleibt besonders in der Verkündigung der Kirche durch die Zeiten hindurch vernehmbar. Viel würde sich in unserem Alltag verändern, wenn wir uns der Gegenwart Gottes bewusster wären. Nehmen wir diese Tage der Fastenzeit als Chance, es von neuem zu versuchen. 

Amen

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