1. Fastensonntag - Lesejahr C

Liebe Schwestern und Brüder, versammelte Gemeinde!

Wenn wir heute nach der Predigt das Glaubensbekenntnis beten, dann können wir daran denken, dass bereits in den beiden Lesungen, aber auch im Evangelium jeweils ein Glaubensbekenntnis Inhalt war. 

Das Credo  aus dem Buch Deuteronomium ist in der ersten Person verfasst. Es zeigt uns, wie der Text uns alle dazu einlädt, uns dieses Credo zu eigen zu machen, unsere eigene Lebensgeschichte zu suchen und als Glaubensgeschichte wahrzunehmen. 

Von Not und Errettung wird gesprochen. Und gerade hier können wir die eigene Lebensgeschichte gut unter diesem Blickwinkel betrachten. Stellen wir uns in diesen Tagen der Fastenzeit die Frage: „Wann war ich in meinem Leben bereits in existentieller Not? Das muss nicht unbedingt spektakuläre Ereignisse bedeuten wie Krankheit oder Krieg. Es gibt auch viel „stille“ Not, die nicht laut schreit, von der niemand Kenntnis nimmt, ja von der man sich oftmals sogar wünscht, es möge nie jemand davon erfahren. 

Gott ist ein „menschlicher Gott“. So stellt uns der Text von Deuteronomium den Gott Jahwe, den Gott Israels und Vater Jesu Christi dar. Ein Gott, der die Not und das Elend der Menschen wahrnimmt. Er sieht die Not, er hört den Hilfeschrei, er lässt sich bewegen, rettend einzugreifen. Das Schicksal der Menschen ist ihm nicht gleichgültig. Und dies kann und soll uns ermutigen, uns in Situationen von Not und Elend klagend an Gott zu wenden. In der Not vor Gott zu klagen ist keineswegs Zeichen des Unglaubens. Trennen wir uns von einer Religionsvorstellung, die uns weismachen will, dass für den Gläubigen alles in guten Bahnen verläuft und über ihm tagtäglich die Sonne scheint! Lassen wir uns daran nicht hindern, Gott schreiend und klagend anzuflehen, er möge unsere Not wenden. Wer dies nicht tut, ist nicht gläubig, sondern hat die Hoffnung bereits längst aufgegeben. 

Zugleich ermutigt uns das Buch Deuteronomium auch dazu, die positiven Erfahrungen des Lebens nicht zu übersehen. Auch sie müssen in den eigenen Glaubensvollzug integriert werden. Das Glaubensbekenntnis wird ja in der Situation des Erntedanks gesprochen. So dürfen wir nachdenken: „Wann und auf welche Art konnte ich in meinem Leben schon reiche „Ernte“ einbringen?“ Wir sind eingeladen, all das Gute und Hoffnungsvolle unseres Lebens dankbar zu betrachten und im Angesicht Gottes zu genießen. Jahwe, der Gott Israels und Vater Jesu Christi, ist ein Gott des Lebens, der Not und Tod überwindet in seiner Leben schaffenden Allmacht!

Auch die zweite Lesung aus dem Römerbrief beinhaltet ein Credo. Es ist das urchristliche Bekenntnis zu Jesus als dem Herrn und Zu Gott, der ihn von den Toten auferweckt hat. Wir sehen also wieder Jahwe als rettenden Gott. Seine Rettungsmacht ist stärker als der Tod. Diese göttliche Kraft hat sich erwiesen in der Auferweckung Jesu. An Jesus erfahren wir, wozu Gottes Macht in der Lage ist. Nicht einmal der Tod kann sie in die Schranken weisen. Und dieses Bekenntnis bezeugten die frühen Generationen der Kirche, denen in Not und Verfolgungszeit der Tod sicher viel näher vor Augen stand als unserer Wohlstands- und Vollkaskoversicherungs-Gesellschaft. 

Paulus stellt uns hier den Lebensweg Jesu als Modell des Glaubens vor, ganz in der Tradition der biblischen Prophetie verankert. Der Glaube an Gott ist der Gegensatz zur Neigung des Menschen, sich selbst duch Vertrauen in die eigene Macht, gestärkt durch militärische Rüstung, durch Technik und moderne Chemie - auch in den Medikamenten - zu retten. Das erweist sich nämlich vielerorts als Selbstbetrug, der nur Tod und Vernichtung in die Welt bringt. Rettung und Leben ist nur möglich im vollen Vertrauen auf Gott und seine Leben rettende Macht, auch aus dem Tod heraus. 

Jesus vollendet die Glaubensbekenntnisse des Alten Bundes. Wir sehen ihn im Evangelium als einen Menschen, der unerschütterlich fest steht im Glauben an Jahwe, seinen liebenden Vater. Im Gespräch mit dem Satan verteidigt er seine Treue zu Gott mit dem dreifachen Hinweis auf das eine und selbe Hauptgebot des Deuteronomium, das einzig und allein die Verehrung Jahwes als Gott und Herrn verlangt. 

Was in Deuteronomium als Bekenntnis des Verstandes und des Mundes, bei Paulus als Bekenntnis des Herzens gezeigt wird, das wird bei Jesus Christus gelebtes Zeugnis. Und dieses Zeugnis sollen wir uns zu eigen machen. Dieses Zeugnis ist eine Herausforderung an uns als Kirche inmitten einer Welt, die zusehends tiefer in den Strudel der Gewalt, des übersteigerten Selbstvertrauens, hinein gezogen wird. 

Einzige Voraussetzung dafür bleibt der glaube an den einen Gott, der stärker ist als der Tod, und der uns neues Leben schenken will. 

Amen. 

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