Weihnachtshochamt 25.12.2018

Verbum caro factum est. Das Wort ist Fleisch geworden. Verstehen wir, was wir da gehört haben?

Verstehen wir, was wir, wenn wir den segensreichen Brauch noch halten, dreimal täglich zum Glockengeläut den Angelus, den Engel des Herrn beten? Was passiert hier? Was passiert hier mit Gott? Und was passiert hier mit uns? Und weiter gefragt, was haben wir denn in der alten Form des Glaubensbekenntnisses gemeint, wenn wir gebetet haben: "Wir glauben an die Auferstehung des Fleisches" ?

Die Auferstehung des Fleisches ist schwer zu begreifen, weil die Fleischwerdung unfassbar ist. Gott ist Fleisch geworden und vom Fleisch nicht mehr zu trennen. Primogenitus omniae creaturae. Er ist der Erstgeborene der gesamten Schöpfung.

Hier versagen alle Methoden der Wissenschaft, unser technisiertes Denken der postmodernen Innerweltlichkeit bleibt hier auf der Strecke.

Der Glaube allein kann uns helfen. Glaube als geschenktes Licht von oben.

Deus semper maior, sagt uns Augustinus, Gott ist immer größer, größer als alle unsere Bilder von ihm. Und daher ist sein Ratschluß nicht so schnell zu erfassen, wenn überhaupt.

Und die Frage drängt sich auf: Ist denn Gott verrückt geworden, seine unantastbare, unsterbliche Gottheit aufzugeben für ein zerbrechliches, begrenztes Menschendasein!

Katharina von Siena beantwortet diese Frage: Ja, Gott ist verrückt vor Liebe zu uns!

Und aus Liebe hat ER nicht nur den sündigen Menschen vor der Selbstvernichtung retten wollen, sondern den unglaublichsten Akt zu dieser Rettung gewählt. Descendit de caelo. Er stieg vom Himmel herab. Das ist Keine Reise, kein vorübergehendes Umkleiden mit menschlicher Gestalt, kein Maskenspiel, sondern ein Abstieg, ein Werden, ein Fleischwerden. Verbum caro factum est.

Sein Werk ist von Gott untrennbar, sonst würde es ins Nichts zurückfallen.

In einem gewissen Augenblick, an einem konkreten Ort, zu einem konkreten Zeitpunkt ist der transzendente, ewige Schöpfer Geschöpf geworden, im Schoß einer Frau, die Jungfrau war, Er ist in die Materie eingedrungen, in die besondere Materie des Menschenleibes eingedrungen. 

Und ER bringt dadurch nicht nur Heilung von Sünde, sondern Heiligkeit.

Eine menschliche Seele wurde auch für den Gottessohn geschaffen. Aber die Seele ist nicht der Mensch. Anima non est homo (Th.v.A.), daher bedurfte es der Fleischwerdung.

Und der Grund der Fleischwerdung: Gott wollte leiden. Leid kann nur Leiblichkeit empfinden. Der Sohn Gottes wollte nicht nur das Menschsein echt annehmen, sondern das Sündesein und dessen Folgen: Leid und Tod. Er wird zur Sünde, zum Schmerzensmann, der unsere Schmerzen getragen hat. 

Das ist das eigentliche Motiv der Fleischwerdung.

Sie hat das Durchdringen der Gottheit deren WESEN die Liebe ist in die sündige Menschheit ermöglicht. Eine Heilung von innen her wird so möglich gemacht.

Das ist die Torheit der Liebe Gottes. Die Gabe des göttlichen Lebens an die sterbliche Menschheit. Gott nimmt das Wrack der sündenverfallenen Menschheit auf sich, belebt diese Sterbende, vergöttlicht die Kreatur.

Die Fleischwerdung ist Verleiblichung der Liebe Gottes zu uns. 

Denn so viele Male hat er seine Stimme durch die Propheten erhoben, aber die Menschen haben seine Liebe nicht erkannt. Durch die Fleischwerdung ist er uns Menschen auf Augenhöhe begegnet, mehr noch, er ist ein kleines Kind geworden, das wir in der Krippe anbetend schauen dürfen, wohl wissend, dass dieses Kind die Welten trägt und uns erlöst.

Amen.

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