Predigt zum Dritten Adventsonntag C, 16. Dezember 2018

 

Meine lieben Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir haben im Evangelium dort weitergelesen, wo wir am letzten Sonntag aufgehört haben.

 Johannes der Täufer steht vor der Menge und ruft mit den Worten Jesajas: „Bereitet dem Herrn den Weg.“

 Er rührt offenbar die Zuhörer an. Er läßt sie nicht teilnahmslos dastehen, sondern sie fragen: Was sollen wir also tun?

Und diese so einfach klingende Frage ist in ihrer Tiefe gar nicht abzuschätzen. Was soll ich tun, damit ich erkenne, wie Gott zu mir kommen will, ja mehr noch, damit ich endlich begreife, dass er ja schon längst vor mir steht und mit unendlicher Liebe anschaut, in jedem Atemzug meines Lebens?

Was soll ich also tun, was noch alles probieren, wo ich doch schon soviel versucht habe in meinem Leben, wo ich immer wieder meine Fehler und Sünden ausmerzen wollte und doch wieder in dieselben gefallen bin?

Was soll ich also tun, wenn mich Trostlosigkeit und Traurigkeit umfängt, weil mein Leben nicht so läuft, wie ich mir das so vorgestellt habe, wo ich den Eindruck habe, Gott schweigt, er entfernt sich weiter und weiter von mit, oder ich von ihm?

All das schwingt in der Frage der Menschen mit.

Und da die Antwort des Johannes: Nicht irgendein bestimmtes geistliches Programm, nicht Psychotricks und Meditationspraktiken, keine großen Strukturveränderungen in Welt und Kirche und Pastoral, nicht die großen Heldentaten, keine populistischen Gesten, die uns in den Augen der Menschen aufsteigen lassen, sondern ganz einfaches Handgreifliches.

Teilen mir den Bedürftigen, Gewaltlosigkeit, Bescheidenheit, und vor allem - und das sagt er von sich selbst: Einsicht der eigenen Niedrigkeit gegenüber dem, der kommt, dem Messias, dem Gottmenschen Jesus. Gerade die Art und Weise, wie er, der große Vorläufer des Messias, der Wegbereiter des Erlösers, mit größter Demut diese Aufgabe von Gott her annimmt, wie er sich selbst sieht, darf uns ein ideales Vorbild sein. Die Mönche des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz gehen im Kreuzgang niemals in der Mitte, sondern immer dicht an der Wand entlang. Sie bekennen damit die Größe Gottes und die eigene Niedrigkeit. Eine Niedrigkeit aber, auf die Gott mit Wohlgefallen schaut, wie es die selige Jungfrau Maria in ihrem Magnifikat ausdrückt. Am 4. Adventsonntag werden wir wieder davon hören. Nicht die großen lauten Töne jener gewaltvollen Um-Sich-Bläser unserer Zeit - die leider auch in der Kirche immer wieder anzutreffen sind -, die alles aus dem Beweggrund tun, das eigene Ich in den Vordergrund zu rücken, das eigene Fortkommen, die eigenen Karriere zu unterstützen, sich vielleicht sogar bei den einen oder anderen Karrieresprüngen selbst ins Spiel zu bringen. Sondern das Einfache, das Leise, das oftmals ungesehene, Unbedankte. 

Am Anfang also: Klare Werke der Nächstenliebe, die einen liebevollen Blick auf den anderen voraus setzen. Nicht die großen Gesten, nicht die Posen vor den Fernsekameras und auf den Bühnen der Welt, nicht die überdimensionalen Schecks, sondern das einfache Mitdenken, Mitfühlen, ja Mitleiden mit unserem Nächsten. 

An der wahren, ehrlichen Nächstenliebe, nicht an irgendwelcher weltlichen Betriebsamkeit, wird unsere Gottesliebe gemessen und umgekehrt. Denn ohne Gottesliebe gehen wir entweder am Nächsten, an seiner Bedürftigkeit, kaltherzig vorbei oder wir verlieren uns in innerweltlicher geschäftiger Betriebsamkeit ohne Tiefgang, die den Mitmenschen zum Objekt unseres Gutes-tun-Wollens degradiert und in seiner unverbrüchlichen Würde nicht ernstnimmt.

Und Johannes mahnt zur Gewaltlosigkeit, er traut sich den fragenden Soldaten sagen: Mißhandelt niemanden. Er weist auf die Gewaltlosigkeit des kommenden Gottesreiches hin, das niemanden zwingt, alle aber liebevoll einlädt. Christus zeigt die höchste Gewaltlosigkeit, Machtlosigkeit, wenn er sich ans Kreuz nageln lässt. Aber in der Ohnmacht des Kreuzes entfaltet er die ganze Allmacht Gottes, besiegt Sünde und Tod.

Johannes ruft zur Bescheidenheit auf: Begnügt euch mit eurem Sold. Wie glücklich wäre ich, wenn in unserem Land für den Schutz der ungeborenen Kinder, die jährlich zu Abertausenden ermordet werden, ebenso viel gestreikt und gestritten und verhandelt würde, wie um ein Viertelprozent bei den Gehaltsabschlüssen. Wir haben am ersten Sonntag von der Superbia vitae, von der Hoffart des Lebens, der Prahlerei mit dem Besitz, dem Nicht Genug Kriegen, als Gefahr für unsere Beziehung zu Gott gehört. Hier weist uns Johannes wieder darauf hin.

Und Johannes zeigt uns das Vorbild auch für unsere Einstellung vor Gott. Alles, was wir tun können ist nichts gegenüber der Macht und Herrlichkeit Gottes. Wir sind auf ihn verwiesen, nur im Vertrauen auf ihn erhält unser Leben Sinn und Ziel. Deshalb sagt uns Paulus: Sorgt euch um nichts, betet ohne Unterlass in Bitte und Dank voll Freude über diesen wunderbaren Vater im Himmel, der uns seinen Sohn schenkt, um uns in unserem irdischen Leben sichtbar nahe zu sein.

Und das Wort des Zefanja wollen wir im Herzen tragen: Juble, Freue dich, frohlocke! Der Herr ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt! Mit dieser Freude dürfen wir durch die Tage des Advents schreiten, dem Herrn entgegen!

 

Amen.

 

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