2. Adventsonntag - C - 9. Dezember 2018

Liebe Schwestern und Brüder, versammelte Gemeinde!

Wenngleich wir uns auf das Kommen des Herrn Jesus Christus vorbereiten, steht an diesem 2. Adventsonntag eine andere Person im Mittelpunkt unserer Betrachtungen: Johannes, der Täufer. Ein Verwandter Jesu, etwa 6 Monate älter, so beschreibt das Lukasevangelium seine Geburt. Und heute haben wir jene Perikope gehört, die der Taufe Jesu unmittelbar vorausgeht. Johannes tritt als Rufer in der Wüste auf. Er erfüllt damit die alte Prophezeiung. Er ruft die Menschen auf, dem wahren Herrn den Weg zu bereiten. 

Was kann uns dieser Vorläufer des Herrn, Johannes, für unser konkretes Glaubensleben, unser kirchliches Tun sagen? 

Zum ersten: Auch wir sollen dem Herrn den Weg bereiten. Und da sind wir oftmals wahrlich „Rufer in der Wüste“. Da rufen wir das leise Wort vom Retter, der kommen wird, vom Erlöser der Welt, in eine laute Welt der Selbstgenügsamkeit. Da rufen wir leise in eine Welt der Beliebigkeit, der Wellnesskultur, die nur mehr die Frage stellt: „Was tut mir gut, jetzt, in diesem Augenblick?“, als ehrlich zu fragen: „Was ist gut für mich und alle anderen, auf Zukunft hin betrachtet?“ Wir rufen leise in eine Welt, wo schon lange nicht mehr die Zugehörigkeit zu einer Weltanschauung, einer Religion, einer politischen Bewegung, ein Leben lang Heimat und Sicherheit gegeben hat. Wir rufen leise in eine Welt, wo Menschen bereit sind, sich aus vielen verschiedenen Sinngebungsmodellen und Religionen ihr eigenes Lebensmodell zu basteln. Patchwork-Religion nennen wir dies - und es passt zu den Patchwork-Familien und -Beziehungen, die unser Gesellschaftsbild prägen. 

Da rufen wir leise in eine Welt, deren Antennen, deren Ohren gar nicht auf unser Rufen ausgerichet sind, weil viele - oft auch die öffentlichen Medien - der Kirche und ihren Gliedern jedwede Berechtigung abgesprochen haben, über einen kleinen Bereich geführter Familienfeste hinaus eine Botschaft an diese Welt und ihre Menschen weiterzugeben. 

Und das zweite: Die konkrete Situation unserer Welt, unseres Kontinent, unseres Landes sollte uns aber nicht entmutigen. Und keinesfalls sollte der Blick auf die Situation ein Nichtstun unsererseits entschuldigen, ein Zurückziehen auf den geschützten Bereich des Kirchenraumes, der kleinen Schar, die so halbwegs gleichgesinnt ist, die noch am Sonntag den Gottesdienst mitfeiert. Jeder einzelne von uns, nicht nur Bischof und Pfarrer und Diakon, sind aufgerufen, die Botschaft vom Kommen des Erlösers in diese Welt zu rufen, die Menschen aufzurufen, dem Herrn den Weg ins eigene Herz, ins eigene Leben wieder neu zu bereiten. Auch wenn so viel entgegensteht. Auch wenn man sich vor seinem Nachbarn vielleicht nicht lächerlich machen will. Umso lächerlicher macht man sich vor Gott, von dem man zwar alles für das eigene Leben erwartet, zugleich sich aber scheut, von ihm und seinen Wohltaten dem Mitmenschen weiterzuerzählen. 

Und ein drittes: „Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt!“, sagt Johannes der Täufer. Werden wir uns zuerst selbst bewusst, was dieses Heil bedeutet. Schauen wir auf die Momente unseres Lebens, wo uns der Glaube getragen, wo uns ein Gebet (das eigene, wie das der Mitmenschen) über so manche Felsbrocken auf unserem Weg hinweggehoben hat. Schauen wir auf jene Momente, wo wir hier in der Kirche, ob im Gottesdienst oder ganz allein, vielleicht hinten in der Marienkapelle, Trost gefunden haben, so manche Träne weinen konnten und wussten, dass unsere Trauer, unser Leid, unser Schmerz nirgendwo so gut aufgehoben sind, wie beim Herrn und seiner Heiligen Mutter. 

Und aus diesen persönlichen Erfahrungen können wir erzählen. Nicht von den großen Theologien über Gott, nicht von Philosophien über diese Welt, sondern von unseren ureigensten Erfahrungen mit diesem Gott, der die Liebe ist. Und damit können wir „das Heil, das von Gott kommt“ für uns selbst und für andere  sichtbar machen.

Seien wir in unserem Leben ein bisschen mehr Johannes der Täufer, der die Ohren und Augen und Herzen der Menschen geöffnet hat, dass jener einziehen konnte in ihr Leben, der als Sohn Gottes Retter und Erlöser unserer Welt ist. 

Amen. 

 

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