Christkönigssonntag - 25. November 2018

„Was ist Wahrheit?“, - diese Frage des Pilatus klingt in unseren Ohren nach der Rede Jesu zu seinem Königtum. Auch wenn die Perikope des heutigen Sonntag diesen Satz nicht mehr anführt. „Was ist Wahrheit?“ - stellt sich auch uns, wenn Jesus so klar und deutlich - auch für unsere Tage - sagt: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“. 

Das Evangelium des Christkönigssonntags gibt uns einen Teil des dramatischen Verhörs wieder, dem Jesus durch Pontius Pilatus unterzogen wurde. Vielleicht hätten wir für heute ein anderes Evangelium erwartet, als jenes der Auslieferung Jesu, seiner Anklage. Doch gerade die Anklage gegen ihn lautet, er habe sich angemaßt, „König der Juden“ zu sein. Und auf die Frage des römischen Statthalters antwortet Jesus, dass er König sei, aber nicht von dieser Welt. Er ist nicht gekommen, um über Völker und Länder zu herrschen, sondern um die Menschen von der Knechtschaft der Sünde zu befreien und sie mit Gott zu versöhnen. Und Jesus fügt hinzu: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme!“

Was aber ist die „Wahrheit“, die Christus in der Welt zu bezeugen gekommen ist?

Seine gesamte Existenz offenbart, dass Gott Liebe ist: Das also ist die Wahrheit, für die er mit dem Opfer seines eigenen Lebens auf Golgatha ein vollkommenes Zeugnis abgelegt hat. Das Kreuz ist der „Thron, von dem aus er das erhabene Königtum Gottes, der die Liebe ist, offenbart hat: Durch seine Selbsthingabe zur Sühne der Sünden der Welt hat er die Macht des „Herrschers dieser Welt“ besiegt und hat endgültig das Reich Gottes errichtet. 

Dieses Reich wird sich am Ende der Zeiten in seiner ganzen Fülle offenbaren, nachdem alle Feinde, und zuletzt auch der Tod, unterworfen sein werden. - So bezeugt es auch die Offenbarung des Johannes, wo Jesus sich als das Alpha und Omega, den Anfang und das Ende bezeichnet. 

 Der Sohn Gottes wird dann das Reich dem Vater übergeben, so dass Gott schließlich „alles in allem“ sein wird. 

Der Weg, dieses Ziel zu erreichen, ist lang und erlaubt keine Abkürzungen, denn der Mensch muss die Wahrheit der Liebe Gottes aus freiem Willen annehmen. Gott ist Liebe und Wahrheit, und weder die Liebe noch die Wahrheit drängen sich je auf: Sie klopfen an die Tür des Herzens und des Verstandes, und dort, wo sie eintreten dürfen, bringen sie Frieden und Freude. Das ist Gottes Art zu herrschen; das ist sein Heilsplan, ein „Geheimnis“ im biblischen Sinne des Wortes, das heisst ein Plan, der sich nach und nach in der Geschichte offenbart. 

Der Weg hin zur Vollendung des Reiches Gottes erlaubt keine Abkürzungen. Aber wir können ihn tiefer erfassen und ergreifen, wenn wir uns auf diesen Gott einlassen, der Wahrheit und Liebe ist - nichts anderes. All die kleinkrämerischen Sorgen um Welt und Kirche, das Suchen nach menschlich-vernünftigen „Struktur-Veränderungen“ in der Kirche, all das „Raunzen“ über die schwindenden Zahlen christlicher Gläubiger in unseren Ländern, sollte letztlich verstummen, wenn wir auf den blicken, der als König hier vor uns steht. Eben nicht als weltlicher König, sondern als der, der uns das Reich der Wahrheit und Liebe Gottes in unserem Leben aufrichten will. 

Amen. 

 

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