30. Sonntag im Jahreskreis C - 23. 10. 2016 - Wallfahrermesse in  Maria Zell

Liebe Mitbrüder im Priesteramt, liebe Seminaristen, Schwestern und Brüder im Herrn!

„Gott, sei mir Sünder gnädig“ - Das ist der zentrale Satz des heutigen Evangeliums! Wenn wir hier in die Wallfahrtskirche von Mariazell eintreten, dann sehen wir die Beichtstühle - und die Menschen, die das Sakrament der Vergebung empfangen wollen. Ein kurzer Satz aus dem Evangelium, eine ungeheure Tragweite für unser menschliches Leben. Was der Zöllner hier ausspricht zeigt die beiden konträren Pole eines Dramas das unsere Weltgeschichte bestimmt. 

Auf der einen Seite der allmächtige Gott, dem alle Attribute in vollendeter Form zugesprochen werden müssen, bei dessen Beschreibung unsere menschlichen Worte und Gedanken versagen, allzu schnell an eine Grenze stoßen! Und doch der gnädige und barmherzige Gott, der sich seinem Geschöpf zuneigt, der alles versucht, um sein Geschöpf wieder in seine Nähe, in seine Gegenwart zu bringen. 

Auf der anderen Seite der Mensch, der sich seiner Unvollkommenheit und Sündhaftigkeit bewußt geworden ist. Der erschrickt über die Abgründe, in die er in seiner Menschlichkeit gefallen ist, erschrickt über die Bosheit, zu der er als Mensch fähig war.  Gott gebe uns immer wieder neu diese Einsicht!
Der Heilige Benedikt sagt, dass es die höchste Stufe der Vollkommenheit bedeutet, diesen Satz sagen zu können. Denn er ist Glaubensbekenntnis in sich! Er ist Anerkennung der Größe und Schönheit und Vollkommenheit Gottes, Einsicht, dass er der liebende, gnädige, barmherzige Gott ist, Einsicht, wo ich als Mensch stehe und trotzdem wagen darf, zu ihm zu beten, ihn um Gnade und Verzeihen anzurufen. 

Vom verlorenen Sohn sagt der barmherzige Vater im Gleichnis: „Er war tot und lebt wieder!“ - Sünder ist also nicht jener, der einer falschen Lehre anhängt, kein Theoretiker, der die Existenz Gottes hinterfragt, sondern der Praktiker er Gottferne, einer, der sich von der Lebensader dieses Herrn und Gottes abgeschnitten hat und für den die Mahnung des Herrn aus der Bildrede vom Weinstock und den Rebzweigen gilt: „Getrennt von mir könnt ihr nichts tun!“

Aus dieser Trennung heraus, aus dieser Ferne, die sich beim Zöllner sogar dadurch zeigt, dass er ganz hinten im Tempel stehen bleibt, die Augen nicht zu heben wagt, aber trotzdem den Glauben und den Mut aufbringt, Gott um Vergebung anzuflehen, aus dieser Trennung heraus kann der Zöllner so in ein neues Verhältnis mit seinem Herrn und Gott eintreten, in die Sohnschaft neu aufgenommen werden. 

Jenem, der da verhärtet und selbstherrlich ganz vorne steht, der abfällig auf den sündigen Zöllner schaut, ihm wird die Vergebung verweigert, weil er sie gar nicht will, weil ihm jede Einsicht fehlt, wie falsch sein Tun hier ist, weil er sich selbst zu Gott gemacht hat. Ist dieser Pharisäer nicht ein Bild vieler Menschen heute, die von sich sagen: „Ich brauche die Kirche nicht, die mir irgendwelche Sünden einreden will, ich brauche die Vergebung im Beichtsakrament nicht, ich mache mir das mit meinem Gott selber aus!“?

Und wieviele unglückliche gibt es, weil sie so ihre Schuld selbst nicht mehr tragen, nicht mehr aushalten können? So einfach wäre es, wieder frei zu werden, mit den einfachen Worten „Ich bekenne“ und dem erlösenden Wort des Beichtvaters: „Ich spreche dich los!“

Bitten wir um die rechte Erkenntnis, um die Einsicht, wie sie der Zöllner hatte, vor allem bitten wir um den Mut, vor Gott hinzutreten, auch dann, wenn wir tief gefallen sind, wenn wir aus eigner Kraft kaum noch aufzustehen vermögen. 

Gott neigt sich uns zu, er erbarmt sich, er hebt auf und verzeiht - wenn wir ihn darum bitten.  Amen. 

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 button praedicatio; Till Magnus Steiner;

 

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