15. Sonntag im Jahreskreis C - 10. Juli 2016

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Gottesliebe und Nächstenliebe als die Grundlage, die Zusammenfassung und die Vollendung und Erfüllung des göttlichen Gesetzes. Das ist so einfach gesagt. Gott zu lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit allen Gedanken und Regungen - ist das wirklich so einfach? Geht es uns Menschen doch nicht oft so - sogar im Momenten des Gebetes, beim wichtigsten und dichtesten Moment unseres Lebens während der Hl. Wandlung, wo der Herr gegenwärtig ist in unserer Mitte - dass unsere Gedanken abschweifen, anderes wichtiger nehmen? Ist es wirklich so leicht, Gott zu lieben, wenn es das Leben oft gar nicht so gut meint mit uns?

Es sind oft kleine, kurze Momente - so kann ich es nur aus eigener Erfahrung bezeugen - die alles andere wieder aufwiegen. Der Eindruck in einem schönen Gottesdienst, die Freude, wenn ein Mensch wieder zur Kirche zurückkehrt, das kleine Kind, das durch die Taufe in die Kirche aufgenommen wird, die Begegnung mit einem Menschen, wo man spürt, wie Gott da ist. Kleine, kurze Momente, die aber soviel Kraft geben, auch so manche Durststrecke des Lebens, so manches Tal der Tränen, so manchen Schatten durchzustehen. 

Wie steht es aber mit der Nächstenliebe? Ganz unberechtigt ist ja die Frage an Jesus nicht: Wer ist mein Nächster? Gilt das nur für den unmittelbaren Nachbarn, für den Angehörigen des eigenen Volkes, oder auch für den Ausländer, den Fremden, den Flüchtling, den Asylwerber? Wieviel politische Polemik kennen wir in diesem Zusammenhang - in der einen wie in der anderen Richtung - von blindwütigem Gutmenschentum bis menschenverachtenden Rassenwahn.

Die Antwort Jesu ist in das Gleichnis vom barmherzigen Samariter verpackt. Er weiß, was in diesem Moment nötig ist. Er unterbricht seine Reise, er nimmt sich Zeit, er setzt finanzielle Mittel ein für den, der seiner Hilfe bedarf - und er hilft auch weiter, indem er den Wirt anweist, den Verletzten zu pflegen und weitere finanzielle Mittel in Aussicht stellt. 

Der Nächste ist jener, der jetzt gerade meine Hilfe braucht. Ob Zeit oder manuellen Einsatz, ob finanzielle Mittel oder einfach ein offenes Ohr. Nächstenliebe ist kein oberflächliches Gutmenschentum, keine großspurige Geste auf den Charityparties der Reichen und Schönen, die ein wenig von ihrem Überfluß geben. Nächstenliebe beginnt an der nächsten Ecke, wo ich beweisen kann, wie ernst es mir mit dem göttlichen Gebot ist. 

Amen.

heiligenlexikon_button.png

 button praedicatio; Till Magnus Steiner;

 

button_evangelium_neu.jpg

  • Default
  • Titel
  • Datum
  • Random
MEHR ANZEIGEN Alle anzeigen