Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit, 3. April 2016

Liebe Schwestern und Brüder!

Viele sehen das Christentum heute als Auslaufmodell. Der Kirche wird das Recht abgesprochen, zu brennenden Themen der menschlichen Würde und des Lebens Stellung zu nehmen. Viele sind immun geworden gegen christliche Werte, gegen christliche Worte und Ideen. Als Ersatz hat man die Psycho-Welle erfunden inklusiver zugehöriger Gurus. „Der versteht mich, in seinen Worten kann ich mich wiederfinden!“ 

Die christliche Botschaft - und die Art, diese Botschaft, diesen Glauben zu feiern - wird nicht mehr als authentisch empfunden. Wir haben vielfach die Tanzschritte verlernt, oder viele weigern sich, diese Tanzschritte zu lernen, um sich in der Welt von Glauben und Liturgie bewegen zu können. So manche Liturgiereformen und andere Ansätze sind letztlich nur Platzhalter für die grundsätzliche Schwierigkeit, dass man sich als Mensch nicht formen lassen will. Das Leben, die Welt, hat sich an mich anzupassen. Gender-Mainstreaming und alle Versuche, die christliche Ehe durch andere Formen mehr oder weniger sittlich bedenklichen partnerschaftlichen Zusammenlebens zu ersetzen oder zu überdecken, sind die Alarmsignale dieser Haltung. 

Wie kann der Panzer dieser Immunisierung gegen das Christentum, gegen die Kirche aufgebrochen werden. 

Die Antwort ist einfach und kompliziert zugleich: Wie ein hartes Herz nur durch eine echte, innige Liebe bewegt werden kann, so kann auch dieser Panzer des Unglaubens nur durch wahre Liebe und tiefgründige Barmherzigkeit aufgebrochen werden. 

Thomas, der Apostel, musste diese Erfahrung machen. Auf eine schmerzvolle, ja erschreckende Weise. Er kann und will sich nicht mit der Zeugenaussage seiner Freunde zufrieden geben.  Jesus ist tot. Das hat er beinhart miterleben müssen. Tot und begraben. Und auch das leere Grab kann ihn davon nicht abbringen. Vielleicht ist er in diesen Tagen auf die Suche gegangen nach dem Leichnam Jesu, in den Leichenhallen der Stadt, wo die Hingerichteten hingebracht wurden, weil ihnen sogar das Begräbnis verweigert wurde. 

Vielleicht hat er wie besessen gesucht, nach dem toten Leib seines Herrn, auf den er soviel Hoffnung gesetzt hat. Vielleicht war er deshalb nicht bei den anderen Jüngern an diesem Abend des ersten Tages der Woche, an diesem Auferstehungstag seines Herrn. 

Nun einfach dem Zeugnis seiner Freunde zu glauben, geliebt ihm nicht. ER will selbst sehen und begreifen - im wahrsten Sinne des Wortes. 

Es ist die Barmherzigkeit Gottes, die Wärme der Liebe Jesu zu seinem Jüngern, die dies möglich macht. Und diese Erfahrung des Auferstandenen wird für Thomas zu einer schockierenden Begegnung mit Gott selbst. Weder irgendwelche Argumente, noch Therapie, noch liebevolles Hinführen oder Streicheln der Seele sind der Weg der Aufhebung der Zweifel, sondern überwältigende Erfahrung der Gegenwart des persönlichen Gottes in Jesus.

Damals wie heute. 

Beten wir darum, dass vielen Menschen eine solche Erfahrung zuteil wird. 

Amen. 

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