Allerheiligen - 1. November 2025

Heute feiern wir eines der strahlendsten und hoffnungsvollsten Feste unseres Kirchenjahres: das Hochfest Allerheiligen. Es ist ein Tag, an dem wir nicht nur die berühmten Heiligen ehren, deren Namen wir kennen und deren Statuen unsere Kirchen schmücken, sondern auch die unzählbar große Schar derer, die bereits in der Herrlichkeit Gottes angekommen sind – jene, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation, aus allen Stämmen und Völkern und Sprachen, die vor dem Thron und vor dem Lamm stehen, in weiße Gewänder gehüllt, mit Palmzweigen in ihren Händen, wie uns das letzte Buch der Heiligen Schrift, die Offenbarung des Johannes, verkündet. 

Dieses Fest ist eine kraftvolle Erinnerung daran, dass der Himmel keine ferne, unerreichbare Fantasie ist, auch kein Konstrukt eines Verzweifelten, der mit der Begrenztheit und Endlichkeit seines Lebens nicht zurande kommt, sondern unsere wahre Heimat und unser Ziel. Es ist die Feier der Gemeinschaft der Heiligen, die uns auf unserem irdischen Pilgerweg begleitet und uns vorangeht.

Die Lesungen dieses Tages enthüllen uns die tiefste Wahrheit über unsere Identität und unsere Berufung. Der Apostel Johannes ruft uns zu: „Seht, welch eine Liebe uns der Vater geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es!“

Das ist die Grundlage unseres Glaubens: Wir sind bereits jetzt, in diesem Augenblick, Kinder Gottes. Das ist keine zukünftige Hoffnung, sondern eine gegenwärtige Wirklichkeit, die uns durch die Taufe geschenkt wurde. Die Welt erkennt uns vielleicht nicht als solche, so wie sie auch Christus nicht erkannt hat Aber wir wissen, wer wir sind. Wir dürfen dies nie vergessen. Christus hat uns gelehrt, im Gebet Gott unseren Vater zu nennen. Er ist kein fernes Numinosum, kein furchteinflößender Rachegott, er ist unser Abba, unser Papa! 

Johannes fährt fort und blickt in die Zukunft: „Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch ist noch nicht offenbar geworden,

was wir sein werden. Wir wissen,  dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“  Die Heiligen, die wir heute feiern, haben diese Verheißung bereits erfüllt. Sie sehen Gott, wie er ist, und sind ihm daher ähnlich geworden.

Diese Hoffnung auf die Vollendung unserer Gotteskindschaft hat eine unmittelbare Konsequenz für unser Leben hier und jetzt: „Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt, heiligt sich, so wie er heilig ist.“ Heiligkeit ist die Reinigung unserer selbst in der Hoffnung auf die ewige Schau Gottes.

 

Wenn wir uns fragen, wie wir zu dieser unzählbar großen Schar der Heiligen gehören können, gibt uns Jesus im Evangelium die klare Antwort: Er lehrt uns die Seligpreisungen.

Die Seligpreisungen sind kein Katalog unerfüllbarer Forderungen, sondern eine Landkarte, die den Weg der Heiligkeit beschreibt. Sie zeigen uns das wahre Antlitz Christi und den Charakter derer, die Gott suchen.

Die Armen sind selig, denn ihnen gehört das Himmelreich.  Das sind jene, die nicht an irdischem Reichtum festhalten, sondern ihr Herz ganz für Gott öffnen.

Die Trauernden sind selig, denn sie werden getröstet werden. Sie trauern nicht nur über Verluste, sondern vor allem über die Sünde in der Welt und in ihrem eigenen Herzen.

Die Sanftmütigen sind selig, denn sie werden das Land erben. Sie beweisen ihre Stärke nicht durch Aggression, sondern durch Geduld und Milde.

Die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, werden selig sein, denn sie werden gesättigt werden. Sie sind erfüllt von dem Verlangen, Gottes Willen zu tun und das Gute zu verwirklichen.

Die Barmherzigen sind selig, denn sie werden Erbarmen finden. Sie spiegeln Gottes eigene Liebe wider, indem sie anderen vergeben und ihnen helfen.

Die reinen Herzens sind, sind selig, denn sie werden Gott schauen. Der Psalm fragt: „Wer darf hinaufziehen zum Berg des Herrn? Und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?“ Die Antwort lautet: „Der reine Hände hat und ein lauteres Herz“.

Die Friedensstifter sind selig, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Sie bauen Brücken, wo andere Mauern errichten. Sie reichen dort die Hand, wo andere die ihre zurückziehen 

Die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, sind selig, denn ihnen gehört das Himmelreich. Sie tragen das Kreuz Christi, weil sie zu ihm stehen. Sie treten für den Mitmenschen ein, auch wenn sie selbst dadurch Nachteile erfahren. Sie helfen wie Simon von Zyrene anderen, das Kreuz zu tragen. 

Die Heiligen sind jene, die diesen Weg gegangen sind. Sie waren Sünder, hatten ihre menschlichen Schwächen, sind nicht perfekt gewesen, aber sie haben sich entschieden, die Seligpreisungen zu leben, selbst inmitten großer Bedrängnis.

 

Stellen Sie sich die Szene vor, die der Apostel Johannes in der Offenbarung beschreibt: eine große Menge, die niemand zählen konnte, bekleidet mit weißen Gewändern und mit Palmzweigen in ihren Händen 1. Wer sind diese Menschen?

Ein Ältester erklärt es Johannes: „Das sind jene, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht“.

Diese Menge besteht nicht nur aus den großen Märtyrern und den Gründern von Orden, die wir namentlich kennen. Hier finden wir die zahllose Schar. 

Die junge Mutter, die in der Mühe der Kindererziehung geduldig blieb und jeden Tag aus Liebe zu Gott lebte. Den Arbeiter, der seine Arbeit ehrlich und gewissenhaft verrichtete, um seine Familie zu ernähren. Den Kranken, der sein Leiden mit heldenhafter Geduld trug und es mit dem Kreuz Christi vereinte. Den Nachbarn, der im Stillen Gutes tat, ohne dafür Anerkennung zu suchen.

Sie alle sind Heilige, weil sie die Liebe des Vaters angenommen haben, Kinder Gottes wurden und sich in der Hoffnung auf die Schau Gottes gereinigt haben. Sie sind der Beweis dafür, dass Heiligkeit keine Ausnahme, sondern die universelle Berufung eines jeden Getauften ist.

 

Was bedeutet das für uns heute, in unseren Gemeinden, in unseren Familien, in unserem Alltag?

Das Fest Allerheiligen lehrt uns, dass Heiligkeit nicht bedeutet, übermenschlich zu sein, sondern zuhause bei Gott zu sein. Es bedeutet, mit reinem Herzen zu leben, inmitten der Herausforderungen unserer Zeit. 

Wir sind heute aufgerufen, uns diese himmlische Stadt, das himmlische Jerusalem, als unsere Mutter vorzustellen, zu der wir als Pilger im Glauben eilen. Die Heiligen sind nicht nur Vorbilder, sondern auch Begleiter und Fürsprecher. Wir erfahren durch ihr Leben ein Beispiel und durch ihre Fürsprache eine sichere Unterstützung, um als Sieger im Wettlauf vor uns zu bestehen und mit ihnen die unvergängliche Krone der Herrlichkeit zu erringen.

Fragen wir uns:

Wo lebe ich die Seligpreisungen? Bin ich arm im Geist, indem ich auf Gott vertraue, statt auf meine eigene Macht? Bin ich barmherzig, wenn ich mit Menschen in Konflikt gerate?

Was hält mich davon ab, mich zu reinigen? Die Hoffnung, Christus zu sehen, wie er ist, soll uns anspornen, uns zu reinigen, so wie er rein ist. Welche Gewohnheit, welche Bindung muss ich loslassen, um meinem himmlischen Ziel näher zu kommen? Eine gute Beichte kann mich diesem Ziel einen großen Schritt näher bringen. 

Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind auf dem Weg. Wir sind die pilgernde Kirche, die sich nach der himmlischen Heimat sehnt, wo die große Schar unserer Brüder und Schwestern bereits den ewigen Lobpreis darbringt.

Lassen Sie uns heute die Freude der Heiligen annehmen. Sie haben das große Leid überwunden und ihre Gewänder im Blut des Lammes weiß gewaschen. Ihre Geschichte ist unsere Hoffnung.

Wir sind Gottes Kinder! hier und jetzt! Lassen wir uns von dieser unermesslichen Liebe verwandeln. Lassen wir uns von den Heiligen inspirieren, die uns in unserer Schwachheit sowohl Kraft als auch ein gutes Beispiel geben.

Die Heiligkeit beginnt heute, in der nächsten Begegnung, in der nächsten Entscheidung, in der nächsten Tat der Barmherzigkeit. Sie beginnt, wenn wir versuchen, mit reinem Herzen zu leben, damit wir eines Tages Gott sehen können, wie er ist.

 

Allerheiligen ist ein Fest der Freude, denn es feiert die Vollendung unserer Berufung. Es ist eine Feier der Liebe, die der Vater uns geschenkt hat, damit wir seine Kinder sind.

Möge die Fürsprache aller Heiligen uns helfen, unseren Pilgerweg auf Erden treu zu Ende zu führen, damit wir von diesem irdischen Tisch zum himmlischen Hochzeitsmahl gelangen.

Amen

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