Was ist ein Mensch Gottes? Der Hl. Paulus erwähnt diesen Begriff. Was erwarten wir von einem Menschen Gottes? Sind wir Menschen Gottes? Der Hl. Paulus gibt gleich eine Antwort: Das ist ein Mensch, der aus dem Wort Gottes lernt, treu dabeibleibt und das Wort Gottes unerschrocken weitergibt. Welchen größeren Schatz könnte einer haben als die Nähe Gottes. Wort Gottes meint Jesus Christus selbst, der zu uns bis heute spricht.

Durch diese Unmittelbarkeit zu Jesus wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk gerüstet.

Ich habe den Eindruck, dass unser neuer Erzbischof ein Mensch Gottes ist. Man soll keinen Menschen beurteilen, aber etwas Positives darf man immer sagen. Ich kenne Erzbischof Josef Grünwidl seit er Jugendseelsorger in der Erzdiözese Wien war, dann wurde der Sekretär von Kardinal Schönborn. Durch seine Tätigkeit als Sekretär war er an das Büro gebunden, wollte aber wieder bei den Menschen in der Seelsorge sein. Kardinal Schönborn schätzte ihn sehr als Sekretär. Hw. Grünwidl wurde Pfarrer in Kirchberg am Wechsel und später in Perchtoldsdorf.

Was bedeutet es, als Mann Gottes zu leben?

„Bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast.“ Die Treue zum eingeschlagenen Weg ist ein besonderes Kennzeichen, weil sie die Quelle der eigenen Kraft zeigt. Wer kann von sich schon im Vorhinein sagen, dass er lange durchhält bei dem, was er sich vornimmt? „Ich muss nicht perfekt sein. Die Vollkommenheit ist ein Wesenszug Gottes. Meine Aufgabe ist es, verfügbar für Gott zu sein“, so ähnlich kommentierte Hw. Gründwidl seine Ernennung zum Erzbischof während der ersten Pressekonferenz. Jeden Tag verfügbar sein – das ist auf das ganze Leben betrachtet die Beständigkeit eines Menschen, der mit Gott verbunden ist. Daraus wächst Segen.

Wir haben im Buch Exodus ein großes Bild des Segens gehört, es steht uns vor Augen: Der betagte Mose hält die Hände über sein Volk, um es zu segnen. Zwei Männer stützen ihn: Aaron und Hur. Aaron ist sein Bruder aus dem Stamm Levi, Hur ist aus dem Stamm Juda (Ex 31,2). Die Priester der Israeliten waren alle aus dem Stamm Levi, die Könige aus dem Stamm Juda. Wenn wir den Gedanken weiterspinnen, können wir sagen, dass das Geistliche und das Weltliche zusammenwirken und den Segen Gottes weitergeben. Übrigens war Josef, der Ziehvater Jesu aus dem Stamm Juda so wie Hur, und Maria, Jesu Mutter, aus dem Stamm Levi so wie Aaron.

Der Mann Gottes, der uns das Leben im Segen Gottes vorlebt, ist Jesus Christus. Er verbindet in Seinem Wirken Gott und die Welt, den Stamm Levi und den Stamm Juda. Gehen wir noch einen Schritt weiter: In Ihm ist kein Gegensatz zwischen Leib und Seele, zwischen dem Äußeren und dem Inneren Wesen des Menschen.

Deshalb kann Jesus uns die Kraft Gottes vermitteln -  in jedem Segen, sei es der Segen des Priesters oder der Segen der Mutter, der Segen in der Liturgie oder der Segen zu Hause.

Es ist wirklich eine schöne Aufgabe, Gottes Gegenwart durch das eigne Leben in die Welt zu tragen – als Kind Gottes. Amen

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