Predigt zum Fest der Kreuzerhöhung, 14. September 2025

 

Die Feier des Festes Kreuzerhöhung erinnert uns daran, dass das Kreuz nicht nur ein Symbol des Leidens, sondern das Zeichen der höchsten Herrlichkeit Gottes ist. In den heutigen Lesungen finden wir drei miteinander verwobene Bilder: die Kupfer‑Schlange in der Wüste, das „Erhöhen“ des Menschensohnes und das demütige, aber verherrlichte Wirken Christi. All diese Motive führen uns zu einer zentralen Frage: Wie dürfen wir das Kreuz heute in unser Leben „erheben“? 

Im Buch Numeri wird das Volk Israel wegen seiner Ungeduld und seines Aufbegehrens von Gott mit Schlangen bestraft. Moses erhält den Auftrag, eine Kupfer‑Schlange zu fertigen und sie auf einer Stange zu erhöhen; wer sie ansieht, wird gerettet. Dieses Bild ist mehr als ein historisches Ereignis: es ist ein Typus des Kreuzes, das später das Heil der ganzen Menschheit bringen wird. Papst Johannes Paul II betont die „starke Analogie zwischen dem Bild der Schlange und der Wirklichkeit des Kreuzes“ – beide sind Zeichen der Rettung, die jedoch nur durch den Glauben wirksam werden. 

Jesus erklärt Nikodemus im Johannesevangelium, dass er „wie die Schlange erhöht werden muss“, damit „jeder, der glaubt, ewiges Leben hat“. Hier wird das Bild der Kupfer-Schlange auf das Kreuz übertragen: Der Menschensohn wird nicht nur erhöht, weil er gekreuzigt wurde, sondern weil er durch das Kreuz die Quelle des ewigen Lebens eröffnet. Papst Franziskus erinnert uns daran, dass das „Erhöhen“ des Kreuzes die Liebe Gottes sichtbar macht, die die Welt rettet und nicht richtet. 

Paulus beschreibt Christus als „Gott gleich“, der jedoch „sich entäußerte“ und „wie ein Sklave“ wurde, bis zum Tod am Kreuz – und dann von Gott „hoch erhöht“ wurde, sodass jedes Knie beugt und jede Zunge bekennt, dass Jesus Christus der Herr ist. Dieses Kennen­lernen von Demut und Herrschaft ist das Herz des Kreuzes: Durch die freiwillige Selbsthingabe wird Christus zum Mittelpunkt der Schöpfung erhoben. Johannes Paul II erklärt, dass das Kreuz die „tiefste Demütigung“ ist, die zugleich den „Anfang der Auferstehung“ markiert. 

Die Verbindung von Schlangenbiss und Heilung, von Kreuz und Auferstehung, wird von den Kirchenvätern und Päpsten immer wieder betont: 

  • Augustinus sieht in der erhöhten Schlange das Bild des Kreuzes, das die tödliche Wirkung des Bisses umkehrt. 
  • Johannes Paul II spricht von der „Umkehr des Todes durch das Kreuz“, das die „letzte Hoffnung“ der Welt ist. 
  • Benedikt XVI weist darauf hin, dass das Holz des Kreuzes aus dem Baum der Erkenntnis stammt, aber durch Christus zur „Quelle des Lebens“ wird).

All diese Reflexionen zeigen, dass das Kreuz das Mittel ist, durch das das Böse besiegt, die Sünde geheilt und das ewige Leben eröffnet wird. 

Am Anfang habe ich die Frage gestellt, wie wir das Kreuz in unserem Leben »erheben« können: 

  1. Blicken wir im Glauben auf das Kreuz – Wie das Volk Israel zur Kupfer‑Schlange aufblickte, sollen wir unser Herz zum Kreuz wenden und im Glauben die Heilskraft Christi empfangen. Vielleicht können wir die früher übliche Gewohnheit wieder pflegen, uns selbst zu bekreuzigen, wenn wir an einer Kirche, einem Bildstock oder einem Kreuz vorbeikommen.
  2. Üben wir Demut – Die Nachfolge Christi bedeutet, uns selbst zu entäußern, anderen zu dienen und das Kreuz in unserem Alltag zu tragen. Dies bedeutet oft Anstrengung, doch es ist eine der schönsten Formen der Nächstenliebe. 
  3. Bekennen wir den Herrn – Jedes Wort, das wir sprechen, soll das Bekenntnis tragen: „Jesus Christus ist der Herr“. 
  4. Vertrauen wir auf die Auferstehung – Das Kreuz ist nicht das Ende, sondern der Anfang des neuen Lebens; wir dürfen hoffen, dass Gott uns durch das Kreuz zum ewigen Leben führt. Dies darf auch unser Trost sein angesichts des Verlustes lieber Menschen. 


Das Fest der Kreuzerhöhung ruft uns dazu auf, das Kreuz nicht als Last, sondern als Quelle des Lebens zu sehen. Durch das Ansehen des Kreuzes im Glauben, das Nachahmen der Demut unseres Herrn und das öffentliche Bekenntnis seiner Herrschaft werden wir Teil der Verheißung, dass „alle Wesen im Himmel, auf Erden und unter der Erde“ das Kreuz anbeten werden. Möge unser Herz heute und alle Tage von diesem lebendigen Glauben an das Kreuz durchdrungen sein.

Amen. 

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