1. Fastensonntag C - 6.3.2022

 

Jesus sucht, vom Geist geführt, seinen Weg durch die Wüste. 40 Tage und 40 Nächte verbringt er mit Gebet und Fasten, bevor er sein öffentliches Wirken beginnt.

Die Wüste galt von je her als ein Ort der besonderen Nähe Gottes. In diese Gottesnähe zieht sich nun der Gottessohn zurück, um Kraft und Stärke für seinen Auftrag zu erhalten. Und hier setzt nun das Werk des Versuchers ein. Dreimal wird Jesus versucht, dreimal widersteht er der Versuchung durch seine tiefe Verbindung mit seinem Vater im Himmel.

"Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden".  Fast wie ein gutgemeinter Ratschlag klingt dieser erste Satz des Teufels. Was soll denn schon Schlimmes daran sein, wenn einer, der nach 40 Tagen Wüstenwanderung hungert, ein kleines "Wunderchen" für sich selber wirkt? Aber der Messias gebraucht seine ihm von Gott gegebene Vollmacht nicht für sich! Er widersteht dieser Versuchung, trotz des menschlichen Leidens an Hunger. Er ist nicht gekommen, um sich selbst ein gemütliches Plätzchen auf dieser Erde zu schaffen, er ist als Retter dieser oft so eigennützigen und egoistischen Welt gekommen, als ein Gegenbild unserer Einstellung, als ein Zeichen des Widerspruchs. 

Wieviele Witze reden davon, daß die Wünsche, die man der guten Fee sagt, ja letztlich nur unser eigenes Wohl betreffen. Wie schnell würden wir da oder dort ein kleines Wunder für uns selbst wirken, uns unser Leben "einrichten", wie wir es für richtig halten. 

Doch die Antwort Jesu ist klar: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Wir kennen die Fortsetzung dieses Satzes: "Er lebt von jedem Wort aus Gottes Mund". Viel wichtiger als irdisches Sattwerden ist die Nahrung, die Gott uns gibt, sein lebensspendendes, umwandelndes Wort.

"All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben: Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest."  Was heißt denn, alle Macht und Herrlichkeit der Welt?  - Der kleine Lottotreffer am Sonntag, würde uns doch schon genügen! Da oder dort ein wenig mehr Einfluß haben. In meinem Bücherkasten stand lange Zeit das Buch "Manipulieren, aber richtig!".  Es ist doch für uns immer wieder ein prickelndes Gefühl, ein wenig Macht über andere Menschen zu haben. Macht, die uns oft nicht zusteht, die wir uns erkämpfen, indem wir die anderen ein wenig schlechter machen, durch üble Nachrede, durch Mobbing, wo wir Haare in der Suppe finden, die gar nicht drin waren. Die Versuchung zu Herrlichkeit und Reichtum, zu Einfluß und Macht über andere ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Doch auch hier zeigt uns der Herr ein Gegenbild, eine neue Perspektive. Er läßt sich nicht versuchen durch Macht und Reichtum. Er lebt aus dem Gebot des Alten Bundes: "Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen, und ihm allein dienen!“

Immer noch gibt der Teufel nicht auf. Er führt ihn auf den Tempel, beginnt selbst die Schrift zu zitieren. "Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten". 

Das wäre doch eine Sensation! Das würde uns doch viele Gläubige in die Kirche bringen, Wenn ich vom Dach der Kirche springe, und - von den Engeln getragen - sicher zum Boden herunterschwebe....

Würde das uns wirklich Gläubige bringen? Oder Sensationslustige, Menschen, die eine Zirkusveranstaltung suchen, und nicht tiefe Vereinigung mit dem Herrn, Communio im Gottesdienst?  Jesus lehnt jegliche Sensationshascherei ab. Er antwortet wieder mit der Heiligen Schrift: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen".

Es darf  - auch heute bei uns  - in der Kirche nicht um Egoismus, Machtausübung oder Effekt- und Sensationshascherei gehen. Wir sind aufgerufen, unseren Glauben zu bezeugen, einen Glauben, der aus der Erfahrung des Volkes mit seinem Gott, aus der Erfahrung der Kirche über die letzten 2000 Jahre, aus der eigenen Lebenserfahrung genährt wird.  Ein Glaube, der nicht nach Sensationen fragt, der keinem aufgezwungen, sondern nur geschenkt werden kann. Ein Glaube, der dankbar den Gott bekennt, der immer wieder Befreiung schenkt! Nicht umsonst haben wir heute das jüdische Glaubensbekenntnis aus Dtn. gehört:  Mein Vater war ein heimatloser Aramäer, der als Fremder in Ägypten lebte. Gott aber führte uns mit starker Hand in die Freiheit, in ein Land, wo Milch und Honig fließen. 

Gott handelt an seinem Volk. Gott handelt auch heute an uns. Wir dürfen dies gläubig bekennen, wir dürfen uns zu unserer eigenen Wüstenwanderung aufmachen, in diesen 40 Tagen der Fastenzeit, um neu diesen Gott des Lebens für uns zu erkennen.

Amen.

 

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