Pfingsten 2019

Wenn wir das Pfingstereignis als Einzelereignis betrachten, dann gehen wir an der Wirklichkeit vorüber.

Die Herabkunft des Heiligen Geistes zu Pfingsten war kein isoliertes, einmaliges Geschehen im Leben der Kirche. Dieser Beistand, Helfer, Anwalt - wie Jesus den Heiligen Geist bezeichnet hat - heiligt die Kirche ständig. Er heiligt auch jede Seele durch zahlreiche Eingebungen - wenn wir diese zulassen. 

Der heilige Franz von Sales erinnert uns daran, wenn er sagt: „Gott ruft und weckt uns plötzlich und unerwartet durch seine Einsprechungen. Wir berauben ihn, wenn wir uns das Verdienst an unserem Heil zusprechen; und wir schmähen seine Barmherzigkeit, wenn wir sagen, sie habe uns gemangelt. Wir beleidigen seine Freigebigkeit, wenn wir seine Wohltaten nicht anerkennen; und wir lästern seine Güte, wenn wir leugnen, dass sie uns half, uns stützte.“ (Über die Gottesliebe)

Denken wir einmal darüber nach, welche Fortschritte wir alle in der persönlichen Heiligkeit machen würden, wenn wir die himmlischen Eingebungen voll und ganz aufnehmen und im Leben umsetzen würden. Aber wir wissen aus Erfahrung: Mag eine Quelle auch noch so stark sein, ihre Wasser fließen in den Garten nur in dem Maße, wie stark die Wasserleitung gebaut ist. So teilt sich uns der Heilige Geist auch nur in dem Maße mit, in dem wir für ihn empfänglich sind und seine Eingebungen freiwillig annehmen. 

Hier liegt die Problematik unserer Zeit - und vermutlich aller Zeiten in der Geschichte der Kirche. Sind wir bereit, den Geist Gottes in unserem Leben zuzulassen? 

Oder lassen wir uns viel zu oft vom Ungeist regieren? Vom Ungeist der Untergangspropheten, die der Kirche keine Zukunft mehr zubilligen wollen, obwohl sie die Ausspenderin der Zukunft schlechthin in den Sakramenten Gottes ist? 

Vom Ungeist einer Gesellschaft, die „Freiheit“ fordert, damit aber nur Freiheit VON der Moral, VON der Menschenwürde, VON Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit will, anstatt Freiheit FÜR ein gottgewolltes Leben, FÜR Liebe und Zuwendung, FÜR die Würde des Menschen in allen Momenten seines Lebens, FÜR das Leben schlechthin?

In kleinen Feuerzungen ist der Geist Gottes sichtbar auf die Jünger herabgekommen, mit Maria, der Mutter Gottes, in ihrer Mitte. 

Erbitten wir den Heiligen Geist für uns und für unsere Zeit!

Zu Pfingsten wurden die Apostel als Zeugen Jesu gestärkt, um allen Menschen die Frohbotschaft zu verkünden. Lassen wir uns genau diese Stärkung schenken. Und gehen wir - gleich den Aposteln - hinaus in die Strassen und Gassen unserer Gemeinde, strahlend mit dem Licht des Glaubens, der den Menschen zeigen kann, wie Christus ihr Leben für eine neue Zukunft öffnet. 

Amen. 

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