16. Sonntag im Jahreskreis B - 19. Juli 2015

Liebe Pfarrgemeinde!

Endlich Urlaub! - Auch für die Jünger des Herrn. So könnte man den Text des Makursevangeliums heute voreilig deuten. 

Doch die Mitte des Textes sind nicht die Jünger mit ihrem Erholungsbedürfnis, bin nicht ich als Seelsorger mit meiner körperlichen und seelischen Erschöpfung, der sich nach ein paar ruhigen Tagen sehnt. 

Die Mitte des Textes ist das Volk. Mit seinen Sorgen, Ängsten und Nöten. Ein Volk wie Schafe ohne Hirten. Ein Volk, das wir in den Menschen unserer Tage und unseres Landes durchaus wieder finden. Paul Zulehner nannte die Menschen unserer Tage einmal "Psychonomaden". Bei allem wirtschaftlichem Auskommen (uns ging es noch nie so gut wie heute!) fehlt vielen Menschen das "Dach für die Seele", haben sie keine Wurzeln, wird ihnen oftmals der Boden unter den Füßen weggezogen. 

Menschen streunen oder jagen von einer "Erfahrung" zur anderen, von einem "Event" zum nächsten. Der Urlaub braucht Animateure, eigene Kinderbetreuer. Die Menschen bereisen die ganze Welt oder brechen in teuren Meditations- und Selbstfindungskursen auf nach innen und kommen doch nie bei sich selbst an. Und schon gar nicht bei dem, der alles Leben schenkt.

Im Evangelium heißt es, dass Jesus auf das Volk sah und Mitleid mit ihm hatte. Sein liebevoller Blick ruht auf dem Volk, das umherirrt, ein menschenwürdiges, volles, ganzes Leben sucht und es kaum findet. Und er stellt die Diagnose: Sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrt sie lange. 

Bei allem Suchen der Menschen von heute fehlt die Richtung. Es fehlt einer, der den Weg weiß hin zur Quelle, zur Weide, zum Stall, um bei dem Bild des Evangeliums zu bleiben. Die sogenannten "Hirten" von heute, die dem Volk die Richtung angeben, die in den Medien laut zu Wort kommen, haben nicht das volle Leben der Herde im Blick, sondern ihren eigenen Gewinn, ihren Vorteil, ihre Macht. Es sind Tagelöhner, oder sogar Metzger, nicht Hirten, die ihr Leben hingeben für ihr Schafe. 

Das Evangelium sagt uns nichts darüber, was Jesus die Menschen lehrte. Dass auf diese Stelle in der Leseordnung der Kirche am nächsten Sonntag die wunderbare Brotvermehrung folgt, darf uns aber ein wichtiges Zeichen sein. Er will das Volk nähren und satt machen - aus der falschen Sattheit der Zeit herausreissen. 

Das größte Wunder, das der Herr vollbringt, wird wohl gewesen sein, dass das Volk  aufhörte, umherzuirren, an der falschen Stelle zu suchen. 

Dass dieses Wunder heute immer wieder passiert, dass wir als Kirche das richtige Wort in der Kraft des Geistes finden und die rechte Tat, das wollen wir erbitten. 

Amen. 

 

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