15. Sonntag im Jahreskreis B - 12. Juli 2015

Liebe Schwestern und Brüder!

Wer in den Urlaubstagen einen schönen Dom betritt, oder einfach in Wien dem Stephansdom einen Kurzbesuch abstattet, der wird beeindruckt sein von der Vollkommenheit in den Proportionen, der Gliederung, der Raumgestaltung. Unser Stephansdom ist im wahrsten Sinne ein Schatz, freilich ein Schatz, dessen Erhaltung viel Geld und Arbeit kostet. Beides muss beschafft werden. Es ist da eigentlich Armut nicht möglich. 

Der Dom kündet von Gott und er kündet auch vom Glauben der Christen.

Im Evangelium heisst es aber: Nehmt nichts mit auf den Weg, seid arm, die ihr Christus, den Lehrer, zum Heiland habt, den ihr in eurem Herzen tragt, der euch sendet, zu heilen und die Dämonen auszutreiben und die Kranken zu salben und zu stärken.  Im Matthäusevangelium wird in der Parallelstelle das noch radikaler gesagt: Nehmt nicht einmal einen Wanderstab mit, keinen Stock gegen die Räuber oder die wilden Tiere, keine Vorratstasche?

Wie passt das zusammen?

Wir müssen uns fragen: Was ist mit den Häusern der Menschen? Nicht nur die Dome kosten Geld, auch die Häuser der Familien, in denen Kranke betreut, Kinder behütet werden, in denen Gastfreundschaft gepflegt wird - alles tugendhafte Dinge. Auch diese Häuser brauchen Erhaltung, materielle Vorsorge.

Kann wegen der materiellen Vorsorge dort Christus nicht mehr sein?

Wir wissen sehr wohl, dass die Schätze der Welt das Herz träge machen können. Mammon macht geizig. Reich werden die meisten Menschen nicht durchs Verdienen, sondern durch den Geiz und die eigene Gier, durch die Blindheit gegenüber der Not des anderen (und versuchen dies dann durch Alibihandlungen wie Charity-Parties zu kompensieren...)

Wir wissen auch: Die Macht hat schon viele ins Verderben gestürzt, in der Welt und auch in der Kirche. Da ist die Liebe Christi verdunkelt, da ist Christus selbst verdunkelt. 

Das Gegenbild der Armut und Machtlosigkeit muss tief in das Herz der Jünger eingeprägt sein. Wiewohl alles Geben ein Haben voraussetzt und alle Möglichkeit zu helfen eine gewisse Form der Macht. Ohne das Bild von der Armut in unserem Herzen wird alles verdorben, was wir in dieser Welt aufgebaut haben, wo es uns zu einem Schatz wird, der uns satt macht. 

Christus sendet uns aus, zu den Menschen zu gehen. Er muss in unserem Herzen einzig sein. Nicht unser Vermögen, nicht unsere gesellschaftliche Stellung, unsere Bildung, etc. sind es, sondern allein die Botschaft des Evangeliums. Diese zählt. Der Herr zählt, nicht das Wie und Was des Überbringers!

Blicken wir nochmals auf den Anfangsgedanken, auf den Stephansdom oder andere Dome der Welt: Wo die Fülle ihre grösste Schönheit bezeugt, durchweht diese Schönheit immer auch ein Hauch der Armut, der Bedürfnislosigkeit, sonst würde die Schönheit niemals unser Herz berühren können. Vollkommenheit heißt immer auch Bedürfnislosigkeit. Wer Christus im Herzen trägt, der hat alles, was er braucht. Und das andere wird ihm dazu geschenkt. 

Amen. 

 

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