12. Sonntag im Jahreskreis B - 21. Juni 2015

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Die Frage des Herrn Jesus ist gewagt! "Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?"

Wer hätte nicht Angst, wenn ein Wirbelsturm losbricht? Wenn man auf einem See unterwegs ist und die Wellen schlagen immer höher in das Boot hinein, bringen es fast zum Kentern. Erst vor kurzem ist ein junger Mensch in einem Sturm am Neusiedlersee ertrunken. Und das Unglück im Wettersturm am Jangtsekiang forderte zahlreiche Todesopfer. 

Und dennoch. Der Herr fragt die Jünger. Und uns. Heute. In unserer konkreten Situation des Christseins des 21. Jahrhunderts. In der Sattheit unserer Zivilisation, wo wir uns abhängig gemacht haben - freiwillig abängig gemacht haben - von Fertigprodukten und Maschinen, von technischen Hilfsmitteln und Massenkommunikation - Und von Tag zu Tag hilfloser den Naturgewalten gegenüber stehen. 

Ich erinnere mich an einen Pfadfinderbuben, der deshalb am ersten Tag des Sommerlagers wieder nach Hause fahren wollte, weil es im Lager keinen Mikrowellenherd gab. Und ich denke an jene Lehrerin aus Wien, die mir von einem Wandertag berichtete, wo ihre Schützlinge über jede Wurzel stolperten und einfach gegen Bäume rannten, weil die eben nicht so auswichen wie die Menschen auf der Kärnterstrasse...

 "Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?" - Die Jünger beantworten dem Herrn die Frage nicht. Und wir? Können wir eine zufriedenstellende Antwort geben?

Blicken wir auf das Buch Ijob, auf jene kurze Stelle, die wir als erste Lesung dieses Sonntags hören, so erkennen wir den Aufruf des Herrn zur Demut. "Hier muss legen sich deiner Wogen Stolz..." Können wir dies noch, oder sind wir uns zu selbstsicher geworden, mit all unserem Wissen und unser Macht über die Elemente der Erde?

Bei allen großartigen Errungenschaften, die der Mensch erreicht hat, müssen wir doch immer wieder zugeben, dass die Wunder des Herrn unendlich größer und wunderbarer sind! Was ist der schönste gewobene Stoff gegen die feinen Linie eines einzigen Blattes am Baum? Was sind die schönsten Farben auf der Leinwand des Malers gegen die schillernde Farbenfülle im Federkleid eines kleinen Singvogels, gegen die Vielfalt in den Blüten, die uns umgeben? Was ist der schönste Duft aus den Kosmetiklabors der Welt gegen den Duft einer einzigen Rose?

Gottes Wunder neu erkennen - nicht Angst haben (denn zu Tode gefürchtet ist auch gestorben!), sondern ehrfürchtig auf den schauen, der unser Leben in seiner Hand birgt - und der uns die Verheißung gegeben hat, bis ans Ende der Tage bei uns zu sein. 

Amen.

 

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