Zweiter Fastensonntag B - 1. März 2015

Liebe Pfarrgemeinde, Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Gedanke, dass Gott der Ersthandelnde ist, der uns das Angebot des Lebens macht - wie wir ihn am vergangenen Sonntag überlegt haben - wird dieses Angebot Gottes nicht empfindlich gestört von den Worten des Buches Genesis. 

Was ist das für ein Gott, der von Abraham verlangt, ein Menschenopfer, seinen geliebten Sohn, darzubringen. Wie dunkel erscheint uns Gott da! - Wie in so manchen Situationen unseres Lebens, wo uns der Wille Gottes nicht mehr klar ist, wo wir uns sehr schwer damit tun, von seiner Gnade oder Liebe zu sprechen. Wo von uns Übermenschliches oder Unmenschliches gefordert wird, wo unsere Seele verwundet wird und uns kein Ausweg in den Blick kommt. 

Wir können uns wohl vorstellen, wie es dem Abraham in diesem Moment ergangen sein muss, auch wenn das Buch Genesis sich darüber ausschweigt. Jener Gott, zu dem er bisher unverbrüchliches Vertrauen hatte, jener Gott, dessen Verheissungen allesamt eingetroffen waren, jener Gott, der ihm noch in hohem Alter den über alles geliebten Sohn geschenkt hat - dieser Gott verlangt jetzt, das Liebste herzugeben - noch dazu auf solch brutale Weise…

Wir spüren schon in diesen Zeilen, wie Gott der ganz Andere ist, unbegreiflich in seiner Größe und in seinen Wegen. 

Und wir dürfen nicht am Befehl Gottes allein hängen bleiben. Wir kennen den Ausgang der Geschichte. Dem Abraham wurde gezeigt, dass er aus Liebe, aus Ehrfurcht vor Gott bereit war, alles - sogar das Liebste - zu geben. Das Beispiel des Abraham zeigt auch uns, wie wir durch Schmerz, durch Verzicht reifen können. Und vor allem zeigt es uns, dass wir das Vertrauen auf Gott niemals aufgeben dürfen. Auch nicht in den dunkelsten Momenten des menschlichen Schicksals. So kann Paulus, dem das Leben auch nicht nur gut mitgespielt hat, mit tiefer Überzeugung sagen: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“ Und der heilige Völkerapostel zeigt uns auch, wie Gott aus Liebe zu uns Menschen bereit ist, seinen einzigen Sohn zu opfern. Bis zum Letzten, bis zum Äußersten. 

Das ist Gottes Angebot an uns. Das ist sein Weg mit uns. Dass er uns auch durch Schmerz und Verzicht reifen lässt, dass er aber stets bereit ist, alles dafür zu tun, dass wir für immer gerettet werden. Das Kreuzesopfer des Herrn ist er unumstößliche Beweis dafür. 

Die Jünger konnten dies nicht fassen. Im Hochgefühl der Verklärung des Herrn wollen sie diesen Augenblick festhalten. Doch auch die Apostel müssen lernen, dass der wahre Glaube sich zwar die Kraft aus den Momenten des Hochgefühls nimmt, sich aber immer neu auch in den dunklen Stunden menschlichen Daseins bewähren muss, wo das Vertrauen auf den Herrn die einzige Triebfeder für den nächsten Schritt ist. 

„Auf ihn sollt ihr hören“ - Nehmen wir den Auftrag Gottes an uns ernst. Er hat uns das größte Geschenk gemacht, das auf dieser Erde möglich ist. Seinen Sohn, der uns im Wort der Schrift anspricht, der sich uns in der Eucharistie ganz schenkt. Hören wir auf ihn - vertrauen wir. Und auch die dunklen Wege unseres Lebens werden von seinem Licht erhellt werden. 

Amen. 

 

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