11. Februar 2024 - Unsere Liebe Frau von Lourdes

Patrozinium Pfarre Maria Lourdes, Sankt Pölten

 

An diesem 11. Februar, dem Welttag der Kranken, dem Fest unserer Lieben Frau von Lourdes und zugleich dem 6. Sonntag im Jahreskreis hören wir von der Heilung eines Aussätzigen. 

Am Anfang bitte eine Entwarnung! Wenn Sie heutzutage Menschen sehen, die ungepflegt erscheinendes Haar haben und in zerrissenen Kleidern umhergehen - keine Angst! Es sind keine Aussätzigen, sondern mitunter modebewusste Jugendliche! 

Damals – zur Zeit der Abfassung des Buches Levitikus, ebenso zur Zeit Jesu – war dies anders. Da war es dem »Lepros« – wie das griechische Wort den Aussätzigen nennt – verboten, in die Stadt zu kommen. 

Er musste sich von den Menschen fernhalten. Das Buch Levitikus hat dazu genaue Anweisungen überliefert. 

»Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen« - das tiefe Vertrauen des Aussätzigen führt ihn zu Jesus und läßt ihn mit dieser gläubigen Bitte ihm zu Füßen sinken. Tiefer Glaube, dass Jesus der Heiland und Erlöser ist, einer, der rein machen kann, paart sich hier mit dem Mut, auch vor allen Leuten diesen Glauben zu bezeugen, nicht mit den Zweiflern und Kritikern mitzureden, nicht mit den Lästerern und Spöttern mitzulachen. 

Mit diesem Glaubensmut, in diesem Vertrauen pilgern jährlich mehr als fünf Millionen Menschen in das kleine Städtchen Lourdes am Fuße der Pyrenäen in Frankreich. Mit der vertrauensvollen Bitte an Gott, um auf die Fürsprache der Jungfrau Maria von ihren körperlichen oder seelischen Leiden Heilung erfahren zu können.
Was ist dort passiert: Am 11. Februar 1858 sah Bernadette Soubirous in der Grotte Massabielle bei Lourdes zum ersten Mal »eine Dame«. Diese Erscheinungen wiederholten sich an siebzehn weiteren Tagen bis zum 16. Juli. Am Fest der Verkündigung des Herrn offenbart die schöne Frau ihren Namen: »Die unbefleckte Empfängnis«. Sie bittet um Gebet, um Buße, um Wallfahrt an diesen Ort. Und am Fuß der Grotte entsprang eine Quelle, der Wasser bis heute Menschen Heil und Segen bringt. 

Seit diesen Erscheinungen sind 166 Jahre vergangen. Die Faszination von Lourdes ist ungebrochen. Es ist die Faszination der Gegensätze. Einerseits die Hotels, Läden und Shops, wo Kunst und Kitsch nebeneinander angeboten werden, andererseits der »Heilige Bezirk«, wo man große Andacht und inniges Gebet, Sammlung, Stille, tiefe Frömmigkeit finden kann. Echtes Glaubenszeugnis in christlicher Spiritualität, und dies im 21. Jahrhundert. Dort kann man den Glauben an die Wirkkraft Jesu – wie ihn der Aussätzige im Evangelium bezeugt – an den Pilgern erkennen. 

Doch sonst?  Wo ist dieser Glaube an Jesu Wirkkraft heute? Nicht nur die Bänke in den Kirchen werden leerer, auch die Priesterseminare in unseren Breiten... 

Was ist hier passiert? Wer ist schuld an dieser Misere der Kirche in den westlichen Ländern? Es wäre kurzschlüssig, die Schuld bei irgendwelchen kirchlichen Strukturen zu suchen, an einzelnen Entscheidungen des Papstes festmachen zu wollen. Das Wort »Kirchenkrise« ist derzeit in aller Munde - und kaum jemand traut sich zu sagen, dass die wahre Krise, nämlich die des Glaubens, des Mutes eines gelebten Glaubenszeugnisses, schon lange besteht und nicht erst durch jüngste Entscheidungen ausgebrochen ist. Die »Progressiven« schieben den – wie sie meinen – »Ewig Gestrigen« die Schuld in die Schuhe, die Konservativen werfen den »Linksliberalen« vor, mit ihrem Getue die Kirche zu zerstören. Oberflächliche Schuldzuweisungen fruchten nicht. Ich meine, die Schuld liegt tiefer. Sie liegt im langsamen Verdunsten dessen, was über Generationen in unseren Breiten tradiert wurde. Christliches, ja kirchlich-katholisches Engagement gehörte über Generationen zum Grundbestand des Lebens, wie Ernährung oder Arbeit. Der Sonntag war – sicherlich auch durch nicht immer geringen gesellschaftlichen Druck – dem Gottesdienst und der Andacht reserviert. Heute ist es aber oftmals so, dass zuerst alles andere in der Rangordnung der Lebensgestaltung aufgezählt wird - Beruf, Familie, Freizeitgestaltung, und erst danach – ganz am Ende – bleibt vielleicht noch Zeit für gelebtes christliches Zeugnis beim Sonntagsgottesdienst. Als ein Pfarrer die Mutter eines Buben, der brav zu den Wochentagsmessen ministrieren kam, einlud, doch auch am Sonntag zu kommen, antwortete diese: »Herr Pfarrer, der Sonntag ist uns heilig! Da können sie nicht erwarten, dass wir in die Kirche kommen…« 

Und doch gibt es immer wieder Hoffnungsmomente: Wir dürfen auch erkennen, wie vielen Menschen der Kirchenraum, die Gegenwart des Herrn, das Gebet, doch wichtig sind. Wie viele suchen den Trost der Kirche im Moment des Abschieds von einem geliebten Menschen, der gestorben ist. Selbst wenn sie sonst nicht wirklich mit der Kirche in Kontakt sind, spüren sie, dass es tröstlich sein kann, in diesen grausamen Abschiedsmomenten des Lebens von der heiligen Liturgie getragen und von den Worten des Priesters begleitet zu werden. Es gibt die jungen Familien, die »das Beste« für ihr Kind haben wollen und dies auch in der Kirche durch die Taufe suchen! Das sind die Hoffnungslichter unserer Zeit. 

Wenn ich auf »mein« Priesterseminar Leopoldinum in Heiligenkreuz denke, dann sage ich gerne: »Ich sehe schwarz!« – und das meine ich positiv, nicht pessimistisch. Denn die Zahl der afrikanischen und indischen Seminaristen steigt jährlich! Ich darf täglich neu lernen, am Glaubensmut eines Priesters aus Pakistan, der aus schwerster Verfolgung zu uns gekommen ist. Am Zeugnis des Erzbischofs von Lahore in Pakistan, der trotz der Progrome gegen Christen innige Liebe und Ruhe ausstrahlt. Am Zeugnis des Erzbischofs von Izmir, dem antiken Smyrna, das uns von der Apokalypse her bekannt ist, der mit vorbildhaftem Mut seine Diözese leitet. Am gelebten Glauben der indischen Christen, einer verschwindenden Minderheit in Andhra Pradesh, das ich letzten Sommer besuchen durfte, die aber eine Strahlkraft entwickelt, welche anzieht und mitreisst. Jene »heiße Eisen«, die bei uns immer heftig diskutiert werden, sind dort kein Thema und ringen den Menschen höchstens ein müdes Lächeln ab. 

Und dennoch dürfen und müssen wir im Blick auf unsere Breiten heute fragen: »Wo ist der Aussätzige heute, der sich dem Herrn zu Füßen wirft? Woran sollen - gerade die jungen Menschen - heute erkennen, dass Kirche und Glaube wirklich ihr Leben im Positiven verändern können? - Vor allem, wenn ihnen die Medien oftmals genau das Gegenbild zeichnen? Nicht Strukturveränderung sondern Kulturveränderung, könnte unser Wahlspruch sein. Der Blick auf Lourdes darf uns ein Auftrag sein: Ändern wir unsere religiöse Kultur vom passiven Kirchenkonsum hin zum gelebten Zeugnis für Christus und sein machtvolles Wort. Das gelebte Bußsakrament, das uns – wie kein anderes – die Worte Jesu: »Ich will, sei rein!« wirkmächtig an uns erfüllt, könnte der erste Anfang sein. Unsere Beichtstühle sollten nicht - wie es leider heute Normalfall ist - Versteck des Priesters sein, der fast sicher sein kann, dort nicht gesucht zu werden! Ein gelebtes Altarsakrament, das weiterwirkt, das uns zu eucharistischen Menschen macht, Menschen, die ihr Leben dankbar aus Gottes Hand empfangen und nicht auf eigene Kraft und Stärke vertrauen, kann mit dazu beitragen, das Antlitz der Kirche für die Welt neu zum Leuchten zu bringen. Jesus heilt in Worten und Zeichen. Lassen wir uns reinigen und heilen, und treten wir hinaus in die Welt, um von diesem Heiland und Erlöser Kunde zu bringen, durch unser Leben, durch unser Zeugnis in Wort und Tat. Bitten wir die selige Jungfrau Maria, die »Unbefleckte Empfängnis«, »Unsere liebe Frau von Lourdes«, als Patronin dieser schönen Kirche um ihre Fürsprache. Sie möge uns helfen, dass unser Glaube stark, unser Leben überzeugend und unser Vertrauen fest ist. 

Amen. 

 

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