2. Sonntag im Jahreskreis B – 14. Januar 2024

»Rede, denn dein Diener hört« – Sowohl die erste Lesung aus dem ersten Buch Samuel als auch das Evangelium geben uns Berufungsgeschichten wieder. Berufungsgeschichten, die Anlass dafür sein können und sollen, die eigene Berufung, die eigene Berufungsgeschichte neu zu betrachten. Und – dies ist meine Hoffnung – auch mit großer Dankbarkeit im Herzen auf die eigene Berufungsgeschichte schauen zu können. 

Betrachten wir genauer, was Samuel sagt: »Rede, denn dein Diener hört«

Es ist eine Bitte an Gott: »Rede!«

Gelingt uns dies, diese Bitte auszusprechen? Gelingt es uns, Gott das erste und auch das letzte Wort haben zu lassen? Oder schreit unser eigenes Ich zu laut? Gibt es zu viele »weltliche« Argumente dagegen, auch wirklich den Berufungsweg zu gehen?

Was könnte uns hindern, einen Berufungsweg zu beginnen? Oder welche Gefahren gibt es, dass der Berufungsweg plötzlich einen Bruch erleidet?

Ich möchte einige Dinge aufzählen, ohne jedwede Rücksicht auf Vollständigkeit. 

Viele Beweggründe, einen Berufungsweg nicht zu gehen – oder nicht weitergehen zu wollen – liegen in der Angst. 

Angst vor der eigenen Unvollkommenheit.

Es stimmt schon, Jesus weist uns an, vollkommen zu sein. Aber oftmals verwechseln wir Menschen Vollkommenheit mit Perfektion. Die Perfektion duldet keinen Fehler. Und fehlerlos sind wir Menschen ganz sicher nicht! Die Angst vor der eigenen Unvollkommenheit lässt Menschen ihren eingeschlagenen Berufungsweg abbrechen oder zumindest an diesem Weg zweifeln. 

Hätte der Herr seine Kirche auf dem Fundament vollkommener, perfekter Menschen aufbauen wollen, es hätte niemals eine Kirche gegeben. Denn unter den Aposteln waren Menschen wie wir alle, mit Ängstlichkeit und Feigheit, mit Karrieredenken und Eifersucht, mit Neid und Zorn. Die Angst vor der eigenen Unvollkommenheit macht den Menschen mitunter blind dafür, dass Gott es ist, der ruft und beruft, dass er genau weiß, wie er ruft, und was der einzelne braucht. Es liegt an uns, diese Gnadenmittel, die Gott uns schenkt, auch richtig einzusetzen. Gott legt die Berufung in das Herz des Menschen. Und er weiß genau, wo dieser Mensch seine Schwachpunkte, seinen Hinfälligkeit zur Sünde, seine »Leichen im Keller« hat. Und trotzdem beruft er. Oder vielleicht gerade deshalb. 

Angst vor der Zukunft. Ich erinnere mich an einzelne Seminaristen, die ihren Weg deshalb abbrachen, weil sie sich nicht vorstellen konnten, in der Kirche von Heute wirklich als Priester arbeiten zu können. Zukunftsangst kann die Schönheit der Berufung vernebeln. Denn diese Zukunftsangst ist eine Angst vor dem Versagen. Und letztlich ein Hinweis, dass der Glaube an Gottes Allmacht noch gestärkt werden sollte. 

Fordern wir den Herrn immer neu auf: »Rede!«

Samuel sagt: »denn dein Diener hört«

Er nennt sich »Diener« – Und er drückt damit die Bereitschaft aus, das Wort des Herrn auch anzunehmen und danach zu handeln. Es ist für uns Menschen nicht einfach, freiwillig »Diener« zu sein. Der Blick auf Versklavung und Sklaverei in unserer Welt lässt uns vor diesem Bild erschauern. Doch was heißt es, Diener Gottes zu sein? Wenn wir diese Konsequenzen bedenken, dann bekommt dieser Ausdruck einen völlig neuen, positiven Glanz!

Samuel sagt: »dein Diener HÖRT«

Lernen wir wieder neu HÖREN auf Gott. Die Heilige Schrift ist Gottes unendlich liebevolles Wort an uns. In der Kirche wird es uns authentisch verkündet uns ausgelegt. Lernen wir neu Zuhören, beim Lesen der Bibel, aber auch in der eucharistischen Anbetung, wo uns der Herr durch die Stimme unseres Herzens ansprechen will. 

Johannes der Täufer zeigt auf Jesus und nennt ihn das »Lamm Gottes«. So kostbar ist dieser Satz des Johannes geworden, dass wir ihn in jeder heiligen Messe aussprechen mit Blick auf das eucharistische Brot, auf die Gegenwart des Herrn in den heiligen Gestalten. 

Und die Jünger gehen Jesus nach. Sie bleiben den Abend bei ihm. 

Oftmals sagt uns die Heilige Schrift viel mehr, indem sie etwas verschweigt. Wir wissen nicht, was Jesus mit den Jüngern gesprochen hat. Dieses Gespräch ist so intim und persönlich, dass der Evangelist es uns nicht preisgibt. Und es ist für uns die Chance, darüber nachzudenken, was Jesus in diesem Moment zu uns gesagt hätte. Wie er uns ganz persönlich und unverwechselbar angesprochen hat in unserer persönlichen Berufungsgeschichte. So bete ich für Sie alle, dass Sie wie die Jünger nach diesem Gespräch bezeugen können: »Wir haben den Messias gefunden!«

Samuel wird berufen, die Jünger spüren und hören den Ruf durch Jesus selbst. Menschen mit ihren Fehlern und Sünden, mit ihren Sehnsüchten, Ängsten und »Leichen im Keller«, aber Menschen mit ihren Talenten und Fähigkeiten sind es, die Christus beruft. Damals und heute. 

Und für alle – Sie und mich – gilt der Satz, den uns Paulus heute auf den Weg mitgibt: »Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden.« 

Wo uns Fragen und Zweifel bedrängen, die den konkreten Berufungsweg betreffen, sollten wir im Blick auf all das, was uns Gott bisher schon geschenkt hat, alle Angst und Sorge ablegen, und IHN um seine Kraft bitten, auf diesem Weg den nächsten Schritt zu tun. 

Amen. 

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