16. Sonntag im Jahreskreis B - 18. Juli 2021

Der letzte Satz der heutigen Evangelienperikope hat mich ins Herz getroffen: „Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.Und er lehrte sie lange.“

Blicken wir auf die Situation der Kirche heute, gerade nach mehr als 18 Monaten der Pandemie, nach Lockdowns, geschlossenen Kirchen, und vielen sozialen Einschränkungen, dann erhält dieser Satz noch höhere Brisanz. 

Wie wird es NACH der Krise sein?, so fragen viele. Werden die Menschen, die eine Zeitlang von der Heiligen Messe ferngehalten wurden, oder die von selbst fern geblieben sind, wieder zurück kommen? Bei vielen Frauen und Männern aus der älteren Generation ist dies der Fall. Die Impfung hat sie wieder sicherer gemacht, ihnen wieder den Mut gegeben, sich der kirchlichen Gemeinschaft oder anderen Orten mit Menschenansammlungen auszusetzen. Doch bei den Jüngeren? Ist in diesen eineinhalb Jahren nicht vielleicht das Bewußtsein gewachsen, dass es sehr wohl auch ohne Kirche, ohne Gottesdienst, ohne Sonntagsmesse geht? - „Er hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ - Ich vermisse im Moment schmerzhaft den Aufruf, in Pfarre und Gemeinden neu auf die Menschen zuzugehen, sie nicht allein zu lassen, eben wie Schafe ohne Hirten. Ich vermisse ein Herausrufen aus jener Lethargie, in die viele in den vergangenen Monaten gefallen sind. 

Alle drei Evangelisten berichten von diesem Rückzug Jesu vor der großen Brotvermehrung. Während im Matthäusevangelium als Begründung das Gerücht über den Tod des Johannes des Täufers und die Pläne des Herodes angegeben wird, gibt das Lukasevangelium keine genauere Begründung. Und hier, im Markusevangelium ist die Erzählung gleichsam die Ouvertüre für das große Wunder der Brotvermehrung.

Was wird uns hier erzählt? Jesus fordert die Jünger zu einer noch innigeren Beisammensein mit ihm auf. Dies ist auch für heute der erste Schritt, dass die Menschen nicht ohne Hirten dastehen. Jesus will die Jünger ausruhen lassen, in seiner Gemeinschaft. Ist das nicht ein Aufruf an die Bischöfe, Priester, Diakone, an alle Frauen und Männer, die in Verkündigung, Mission und Pastoral tätig sind, sich zuerst selbst inniger mit dem Herrn zu verbinden? In der Eucharistiefeier, in der eucharistischen Anbetung. Weg von einem falschen Aktionismus, weg von Strukturdebatten und Beweinen der immer schwieriger werdenden seesorglichen Situation in Europa, hin zu einem neuen Beisammensein mit dem Herrn!

Die Stunde der Eucharistiefeier, der heiligen Messe, ebenso die Stunde der eucharistischen Anbetung ist für den Sendboten Christi de heilige Ruhestunde beim Herrn. Mitten in allem Getriebe, mitten im Seelsorgsbetrieb von heute, bleibt diese Stunde des innigen Zusammenseins mit dem Herrn. 

Auch wenn für die Apostel diese Zeit nur kurz war, weil die Volksmenge sie aufspürte, es war doch der Moment der Ruhe beim Herrn, bevor jene Schar, führerlos und ungeordnet, wie es Markus beschreibt, von Jesus gelehrt wird. Denn erste Weide und Speise für den Menschen, der zu dieser Herde Gottes gehören will, ist das Wort Gottes. 

Und das Bild vom Hirten führt uns weiter in die Tiefe. Wir erkennen die Grundlegung der großen Bedeutung des Hirtenamtes bereits im Alten Testament, heute in jener Vision des Jeremia. Und im Neuen Bund wird das Hirtenamt dort im Vollsinn ausgeübt, wo der Hirte seine Herde zur Speise führt, zum Brot des Lebens, wie wir es auch in dieser Feier neu geschenkt bekommen. 

Amen. 

 

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