6. Sonntag im Jahreskreis B - 14. Februar 2021

Was uns heute in der ersten Lesung aus dem Buch Leviticus geschenkt ist, liefert den historischen Hintergrund zum Verständnis des Evangeliums von der Heilung eines Aussätzigen. 

Wir sehen, dass die strengen Bestimmungen des Gesetzes einen kultischen Sinn hatten, denn die Erkrankung des Aussatzes, wir nennen die Krankheit heute Lepra, machte kultisch unrein. Daher trat auch die Priesterschaft als Gesundheitsbehörde auf. Die Unreinheit des an Lepra Erkrankten übertraf jede andere gesetzliche Unreinheit, denn der Aussätzige machte nicht allein das, was er berührte, unrein, sondern schon seine Anwesenheit genügte, um den betreffenden Ort zu verunreinigen. Aussatz galt als legitimer Scheidungsgrund. Man erkannte im Aussatz eine unmittelbare Strafe Gottes. Der Erkrankte mußte sich so als ein von Gott Verfluchter, Verstoßener ansehen. Weil man den Aussatz als göttliches Verhängnis ansah, konnte auch dessen Heilung allein bei Gott liegen. Und so war es die gläubige Sehnsucht nach der messianischen Heilszeit, denn hier erwartete man sich auch eine Beseitigung dieser Krankheit. 

Blicken wir nun auf das Markusevangelium. Anders als Matthäus und Lukas, die diese Heilung des Aussätzigen zeitmäßig an die Bergpredigt anschließen, läßt Markus den Zeitpunkt offen. Die Heilung vom Aussatz, damit – wie wir vom AT her gesehen haben –-  ein untrügliches Zeichen für das Anbrechen der messianischen Heilszeit wird so zu einem Modell, an dem man das Wirken des Menschensohnes Jesus Christus erkennen konnte. 

Wir können annehmen, dass der Aussätzige von Jesus gehört hatte. Aufgrund seiner Erkrankung war es ihm aber unmöglich, Jesus einfach an der einen oder anderen Wirkungsstätte aufzusuchen. Nun sieht er ihn endlich in seiner Nähe, er setzt sich über die strengen Bestimmungen hinweg und wagt es, den Kreis der um Jesus Stehenden zu durchbrechen, um zum Herrn zu gelangen. Dieser Jesus ist für ihn die einzige Hoffnung. 

Und dann spricht der Kranke ein großes Wort aus: Herr, wenn du willst, dann kannst du!

In diesen Worten des Aussätzigen schwingt alles mit, was ihn gerade bewegt. Schuldbewusstsein über sein Tun, Demut, zugleich Sehnsucht und Hoffnung, ein unbedingter Glaube an die Macht Christi, ihm zu helfen, ebenso eine völlige Auslieferung seines Schicksals an diesen Unbekannten. 

Jesus bestätigt, dass dieser Kranke richtig gehandelt hat, auch wenn er sich über das mosaische Gesetz hinweg setzte. Auch Jesus setzt sich mit seiner Geste der Barmherzigkeit über das Gesetz hinweg. „Ich will es - werde rein“, spricht er zu dem Aussätzigen, während er die Hand nach ihm ausstreckt und ihn berührt. 

Und trotzdem läßt Jesus gleichzeitig auch seine Wertschätzung gegenüber dem Gesetz erkennen, wenn er dem nun Geheilten aufträgt, zu den Priestern zu gehen und das vorgeschriebene Reinigungsopfer darzubringen. 

Christus erweist sich hier wie in so vielen Situationen als die Verkörperung des göttlichen Erbarmens. Wir erkennen auch an dieser Begebenheit, wie Jesus gerade jenen Menschen nahe ist, die auf besondere Weise in ihrer Würde bedroht sind. 

Wir dürfen erkennen, was unsere menschliche Würde bedroht oder verwundet: Es ist in erster Linie die Sünde, die uns im wahrsten Sinn des Wortes „aussätzig“ macht. Sünde verunstaltet und spaltet, verletzt die Natur des Menschen und die menschliche Solidarität. Wir erkennen die geheimnisvolle Beziehung der Sünde zum Leiden Christi. Daher ist Jesu Mitleid uns gegenüber vor allem Mitleid wegen unserer Sünden. Der heilige Josefmaria Escriva sagt über Jesus: „Er ist Arzt und heilt unseren Egoismus, wenn wir seine Gnade bis ins tiefste unserer Seele eindringen lassen.“

Wir brauchen Läuterung, Sühne, Reue. Der Aussätzige ahnte und glaubte, dass nur Jesus ihn heiligen kann. So dürfen wir in diese Glaubensgewissheit eintreten: Nur Gott kann meine Sünden vergeben. Nur er - der Menschensohn - hat die Vollmacht, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Jesus lädt die Sünder an seinen Tisch ein, er lädt uns ein, mit ihm Mahl zu halten, uns von ihm heilen zu lassen und mit dem Brot des Lebens gestärkt Zeugnis für seine Wirkmacht abzulegen. Diese Stärkung möge uns helfen, im Leben zu verwirklichen, was uns Paulus heute aufträgt: „Gebt niemanden Anlass zu einem Vorwurf! Ob ihr esst oder trinkt oder etwas anderes tut: Tut alles zur Verherrlichung Gottes!

Amen. 

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