14. Sonntag im Jahreskreis - A - 9. Juli 2017

Liebe Brüder und Schwestern!

Wie stellt sich Jesus seine Kirche vor? - Welche Menschen sollen sie bilden? 

Hört man auf so manche „Bibelwissenschafter“ in anderen christlichen Gemeinschaften, so habe Christus ja gar keine Kirche gründen wollen. Blickt man auf das Reformationsjubiläum, dann hören wir von Martin Luther, der das „sola scriptura“-Prinzip proklamierte. Nur die Schrift gilt. Nicht die Jahrtausende der Tradition der Kirche, des gelebten Glaubens, der Konkretisierung des Betens und Feierns in den Gemeinden. 

Doch diese Fehlinterpretationen von Schrift und Tradition können wir hier außer acht lassen. Wir wissen um das Gründungswort des Herrn aus dem Matthäusevangelium vom Felsen Petri. Doch was baut der Herr darauf auf?

Eine Kirche der „mündigen Christen“, wie das Schlagwort der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts lautete? Oder der „Unmündigen und Kleinen“, wie Jesus es uns heute im hohepriesterlichen Gebet sagt?

Egal, auf welche Seite wir uns hier schlagen, wir gehen sofort fehl, wenn wir nur mit irgendwelchen Schlagworten hantieren. Dazu ist der Wille Jesu zu wertvoll und kostbar, als ihn einfach in Grabenkämpfen oder Richtungsstreitigkeiten zu mißbrauchen. 

Die Antwort finden wir schon in der ersten Lesung. Was der Prophet Sacharja über den kommenden Messias sagt, muss Lebensprogramm für die Kirche, ja für alles christliches Wirken sein. 

Von Demut und Einfachheit im eigenen Auftreten ist hier die Rede. Nicht das Schlachtross ist das Reittier der Erlösung, sondern das einfache Eselfohlen, gerade so gross, um einen Menschen zu tragen, gerade so klein, dass der Mensch den Kontakt zum Erdboden nicht verliert, nicht abhebt in weltfremde Sphären! Das Eselsfohlen verhindert, dass der Mensch „von oben herab“ agiert und regiert. Er bleibt auf Augenhöhe. 

Diese Aussage des Sacharja sei all jenen ins Stammbuch geschrieben, die meinen, etwas von oben herab oder von unten hinauf erzwingen zu können. Jenen, die nur mit den Paragrafen des Kirchenrechts argumentieren ebenso wie jenen, die irgendwelchen „Reformbewegungen“ anhangen, anstatt sich dem Angebot der Erlösung zu stellen, die uns dieser „König“ gebracht hat. 

Alle „Streitwagen“ werden vernichtet - nicht nur jene antiken, die Sacharja vielleicht in seiner Vision vor Augen hatte, sondern auch die der modernen Zeit, die medialen, von Aufdeckerjournalismus bis zu den fragwürdigen Dokumentationen des Fernsehens über kirchliche Fragen. 

Denn Jesus sagt uns eines: „Lernt von mir!“ - Und in diesen lebenslangen Lernprozess dürfen wir alle immer wieder eintreten. 

Kirche heißt für uns: Mit offenen Armen den Menschen das Leben anbieten - und diese offenen Arme dem Herrn entgegenstrecken: Juble laut, denn dein König kommt zu dir. 

Amen. 

 

heiligenlexikon_button.png

 button praedicatio; Till Magnus Steiner;

 

button_evangelium_neu.jpg

  • Default
  • Titel
  • Datum
  • Random
MEHR ANZEIGEN Alle anzeigen