2. Sonntag im Jahreskreis A - 15. Jänner 2017

Von heute an wird der erste Korintherbrief gelesen. Diesen Brief hat der Hl. Apostel Paulus um 53 n. Christus, also unmittelbar nach der Gründung der Gemeinde in Korinth dorthin geschrieben. Heute haben wir die Briefanrede gehört, in der, wie es der damaligen Sitte entspricht, Paulus sich selbst vorstellt, den Adressaten, eben die Gemeinde von Korinth angibt und seine Grußbotschaft übermittelt.

Paulus nennt die Christen  „Heilige“.  Wenn wir den Brief heute lesen, wenn der Geist Gottes uns durch Paulus heute anspricht, so dürfen wir dieses Wort „Heilige“ auch auf uns beziehen. Hier geht es nicht um eigenes Verdienst, nicht um große Leistungen, nicht um hervorragende Talente und Begabungen. 

Es geht darum, daß GOTT die Christen, also jene Menschen, die den Namen Jesu Christi unseres Herrn anrufen, in seine Nähe ruft und dadurch heiligt. Gott macht den Anfang dieses Werkes, nicht wir. Gott setzt den ersten Schritt. Er war es, der im Alten Bund immer neu seinem Volk entgegengetreten ist, immer neue Chancen der Umkehr und des Friedens eröffnet hat, immer treu zu seinem Volk stand, auch wenn sein Volk weit von seinem Weg entfernt war.

Gott ist es, der seinen Sohn gleichsam als Erstling und Vertreter des wahren Israels zum Licht für die Völker macht, wie uns Jesaja heute sagt, zum Licht für die Völker, das uns leuchten soll in die Dunkelheit unserer eigenen Schwäche und Sündhaftigkeit, in die Finsternis unserer Verzweiflung und Resignation.

Und Gott ist es auch, der durch die Erlösungstat seines Sohnes, dadurch, daß sein Sohn das Wahre Opferlamm für die Sünde der Welt wird, wie es uns Johannes heute erneut bezeugt, uns alle zu Heiligen in seinem Vaterhaus erwählen möchte. 

Wir sind die Heiligen Gottes, nicht aus unserer Leistung heraus, sondern weil ER den ersten Schritt auf uns zu getan hat. Es ist das Geheimnis der Erwählung durch den himmlischen Vater, das uns staunend auf dieses Wunder blicken läßt: Gott erwählt sich uns schwache Menschen zu seinen Heiligen. Gott nimmt jeden einzelnen von uns an als geliebten Sohn, als geliebte Tochter. In der Taufe hat Gott uns den Anfang dieses Weges geschenkt. Schon in der Taufe hat er uns als Heilige erwählt. Und er will diese Erwählung unser ganzes Leben lang vertiefen. Das Sakrament der tiefen Gemeinschaft mit dem Gottessohn, die Eucharistie soll uns Nahrung und Wegbegleiter sein in diesem Weg der Erwählung als Heilige Gottes. Das Sakrament der Firmung soll uns die Kraft und den Mut durch den Heiligen Geist schenken, als Heilige Gottes furchtlos aufzutreten, leuchtende Zeugen für seine heiligmachende Gegenwart zu sein. 

All dies ist aber nur möglich, wenn wir unverwandt auf diesen letzten und wahren Gottesknecht, auf Jesus Christus blicken, auf das Lamm Gottes, das all unsere Sünden und Schwächen getragen hat und immer neu trägt. Dieses Licht für die Völker soll uns den Weg leuchten zur wahren Freiheit als Gottes Hausgenossen. Es soll uns den Weg leuchten, daß auch wir durch Gottes Willen berufene Apostel Christi Jesu sein können, um seine Botschaft hinauszutragen, dort, wo Menschen andere Wege gehen, wo die Dunkelheit der Sünde und des Eigendünkels die Botschaft vergessen läßt. 

Lassen wir uns nicht von zeitlichen Strömungen unserer Welt entmutigen, sondern schöpfen wir Hoffnung und Zuversicht aus dem Wort Gottes und Seinem Sakrament, daß wir alle Kirche Gottes, Geheiligte in Christus Jesus sind, Menschen, die den Namen Jesu Christi unseres Herrn als einziges Zeichen der Hoffnung, als Wegweiser und Ziel allen Suchens anrufen und vertrauensvoll seine Wege gehen. 

Amen. 

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