Das Erntedankfest macht uns die Schönheit der Schöpfung bewusst. Die Erntesträusschen sind heuer besonders vielfältig bunt, weil das Material außergewöhnlich gut ist. Das menschliche Auge kann verschiedene Pflanzen, ihre Form, ihre Farbe unterscheiden. Die einzelnen Pflanzen bilden zusammen einen schönen Strauß, der zu Hause das Kreuz schmückt. Kreuz und Strauß, Jesus Christus und Schöpfung  gehören zusammen. Denn die Schöpfung entspringt dem Willen Gottes. Ohne Gott keine Schöpfung und die Schöpfung zeigt auf ihren Schöpfer. Der hl. Franz von Assisi hat es in seinem Sonnengesang besungen:

Höchster, allmächtiger, guter Herr,

dein ist das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.

Dir allein, Höchster, gebühren sie

und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,

besonders dem Herrn Bruder Sonne,

der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest.

Und schön ist er und strahlend in großem Glanz:

von dir, Höchster, ein Sinnbild.

 Sonne, Mond, Sterne, Wind, Luft, Wolken, Wasser, Feuer, Mutter Erde, Tod besingt der Heilige. Er bewegt damit unser eigenes Denken zu Gott hin. Die Sonne ist ein Sinnbild für den Höchsten. Mond und Sterne sind von Gott geformt. Wind, Luft, Wolken, das Wetter erhalten in Gottes Plan die Menschen am Leben – so wie die Erde mit ihren vielfältigen Früchten. Das Wasser ist demütig, kostbar, keusch und das Feuer fröhlich, kraftvoll und stark. Franziskus verbindet die Elemente mit menschlichen Eigenschaften, mit erstrebenswerten Fähigkeiten: demütig, kostbar, keusch, fröhlich, kraftvoll und stark. So wird die Schöpfung zum Bild für den Menschen, der mit Gott verbunden lebt. Dieser Mensch kann verzeihen, weil Gott ihn liebt. Er kann Not und Krankheit ertragen, in Frieden ausharren und wird einst von Gott gekrönt. Schöpfung und Mensch bewegen sich auf Gott hin.

Der heilige Franziskus starb vor 800 Jahren an einer schweren Krankheit, verbunden mit fast unerträglichen Schmerzen, aber er ließ sich diese Freude über Gottes Liebe nicht nehmen. Er dichtete den Sonnengesang an seinem Lebensende, als er krank in San Damiano bei Assisi darniederlag.

Dieser Ort war für den Heiligen von besonderer Bedeutung: Zu Beginn seiner Bekehrung hatte er in der kleinen Kirche von San Damiano die Stimme Christi gehört: „Franziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her, das, wie du siehst, schon ganz verfallen ist.“ Franziskus baute daraufhin die verfallene Kapelle wieder auf.

Das Kreuz aus dieser Kapelle ist berühmt. Es zeigt Jesus stehend am Kreuz, die beiden Füße parallel, nicht übereinander ausgerichtet. Er hat die Augen geöffnet, an seiner Seite stehen Heilige. Die Frauen, die zu Ostern zum Grab gingen, und Engel sind bei seinen Händen. Über dem Kopf des Gekreuzigten ist Er schon bei Seiner Himmelfahrt zu sehen. Das Kreuz war zur Zeit des hl. Franziskus schon über 100 Jahre alt, gemalt im ostkirchlichen Stil.

Die Schöpfung ist ohne Christus nicht denkbar, weil Er der Schöpfer ist. Noch wichtiger als die äußere Schönheit der Schöpfung ist die innere des Menschen. Deshalb ruft der Hl. Paulus die Philipper auf: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht.“ Er schreibt der einmütigen Gesinnung, der Eintracht, „in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.“

Erntedank zu feiern, bedeutet das Äußere und Innere der geschaffenen Welt zu betrachten, Gott dafür zu danken. Der Sinn der Schöpfung ist die gerade diese Schönheit. Und die Schönheit strahlt durch den Sinn der Schöpfung. Das Erntesträusschen, dass wir mitnehmen, erinnert uns an diese Gedanken. Amen.

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