Es gibt Gelegenheiten im Leben, die uns mit Begeisterung erfüllen. Menschen können uns faszinieren, Gedanken, Projekte. Die ganze Aufmerksamkeit eines Menschen richtet sich darauf. Er ist davon erfüllt. Was begeistert Sie? Wofür setzen Sie sich mit voller Kraft ein? Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Das ist eine Quelle der Motivation für den Menschen. Wir leben auf, wenn wir uns dafür einsetzen können.

„Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören.“ Jeremia legt seine ganze Hingabe an Gott in diesen Satz. „Du hast mich gepackt und überwältigt.“ Gotteserfahrung ist nicht nebenbei, ein Schmuckstück für ein paar Tage. Die Gegenwart Gottes zu spüren, erfüllt den ganzen Menschen. Nicht nur der Kopf oder das Herz lassen sich „anstecken“. Das ganzer wird der Mensch Freund Gottes.

Und dann werden die Anliegen Gottes meine eigenen. Jeremia erkennt die Rohheit, die sich im Volk Israel breit gemacht. Menschen unterdrücken einander, stoßen einander aus. Sie verleumden, machen schlecht. Sie beuten die Hilflosen aus. Jeremia erlebt selbst, wie sie ihn an den Pranger stellen. Er wird in eine ausgetrocknete Zisterne geworfen, einzig ein Gastarbeiter aus Afrika bemerkt ihn und rettet ihn. „Gewalt und Unterdrückung“ muss ich rufen. „Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Hohn und Spott.“ Für Gott zu leben bedeutet nicht Ruhm oder Beliebtheit, sondern kann auch zu Widerspruch führen.

Gibt es für Jeremia eine Alternative? Er verneint. Mit seinem ganzen Wesen, mit Leib, Seele und Geist ist Jeremia mit Gott verbunden: „Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken

und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so brannte in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen.“ (Jer 20,9)

Jeremia hat es sich nicht ausgesucht, aber die Nähe Gottes übersteigt für ihn alles an Wert. Es gibt nichts Schöneres, nichts Erfüllenderes als Gott zu dienen. Das antwortet Jesus dem Petrus: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst,

nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Zuerst macht Petrus seinem Herrn und Meister, seinem Messias Vorwürfe. Er weist ihn zurecht, schreibt Matthäus in seinem Evangelium. Wie kann das Geschöpf seinen Schöpfer tadeln? Darin merkt man, wie offen die Apostel mit Jesus Christus sprechen konnten, wie unmittelbar ihnen der Meister war. Jesus lässt seinen Apostel nicht in der Illusion, dass er ein politischer Messias sei. Kreuz, Tod und Auferstehung sind Teil seines Leben, seines Auftrags. Auch wenn Er seine Kritik scharf zurückweist, spürt man daraus die Liebe, die Jesus für Petrus hat. „Denn wer sein Leben retten will,

wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert,

wird es finden.“

In Tallinn durften wir bei der Pfarrwallfahrt das Leben des sel. Eduard Profittlich kennen lernen. Er war Jesuit aus Deutschland und wurde der erste Bischof in Estland nach der Reformation. Sein Leidensweg durch die Gefängnisse der sowjetischen Regierung, sein Tod durch die Hand der kommunistischen Staatsmacht ist nicht vergessen. Stalin und Profittlich, der eine im Kreml, der andere im Gefängnis von Kirov im kalten Winter 1942, während die Armee des Deutschen Reiches die Sowjetunion überfiel und viele Menschen starben.

Die Freundschaft mit Christus wich nie aus dem Herzen von Bischof Eduard Profittlich. Er verstand seinen Lebensweg als Kreuz, das er mit Christus trug. Letztes Jahr wurde er unter großer Anteilnahme von gläubigen und nichtgläubigen Esten in Tallin seliggesprochen. Viele haben durch ihn den Weg in die Kirche gefunden.

Das Leben mit Christus erfüllt und begeistert, es gibt den Sinn, nach dem sich jeder Mensch zuinnerst sehnt. So erinnert uns der Hl. Paulus: „Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!“ Amen

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