5. Sonntag der Osterzeit – 3. Mai 2026

So hätten wir es auch gerne – wie die Apostel zur Zeit Jesu – : »Zeige uns den Weg!, Zeige uns den Vater! Gib uns endlich die eindeutigen Antworten und damit jene Sicherheiten, die wir benötigen«.  Die Jünger wollten ganz einfach wissen, wie der Weg zu Gott gehen soll. Wir kennen dies aus anderen Religionen, aber genauso aus unserer Kirche.  Um selig zu werden, muss man dies und jenes tun. Rezeptbücher sind gefragt. Klare Anweisungen. 

Dies hat seine Berechtigung. Wenn es heißt: »Tu dieses!« oder »Lass das!«, dann wissen wir, woran wir sind. Wenn wir gesagt bekommen, »Das ist der richtige Weg«, dann benötigen wir uns weiter keine Gedanken zu machen. 

Aber gerade das – Gedanken machen, selbst denken – sollten wir tun. Denn die Worte, die Jesus an seine Jünger richtet, damit an alle Menschen, – besonders an uns in diesem 3. Jahrtausend – sprechen uns unmittelbar an und fordern uns heraus.  Um sie verstehen zu lernen, müssen wir uns darauf einlassen. 

Gebote und Verbote »Tu das, mach das nicht«, wenden sich zuerst an den Verstand. Da braucht es kein Gefühl dafür, kein Herz. Die rote Ampel muss mich in keiner Weise emotional berühren, ich halte mich einfach an das Gesetz (oder auch nicht …) Jesus aber wendet sich an unser Herz, an unser Innerstes. Und da dürfen wir uns schon die Frage stellen: »Hören wir darauf, was unser Herz sagt?« Ist es in der heutigen Zeit überhaupt gefragt, ist es möglich, »Herz« zu zeigen in dieser technisierten Welt, die sowohl in Berufs- und Arbeitswelt, als auch im ganz privaten Bereich immer herzloser und immer unmenschlicher wird? 

Geben wir uns da nicht eine Blöße, wenn wir Herz zeigen, wenn wir der Stimme unseres Herzens folgen?

Natürlich wäre es da viel einfacher, in allen Bereichen des Lebens anhand von Geboten und Verboten zu handeln. Rote Ampel – Grüne Ampel, im Umgang mit dem Mitmenschen, im Umgang mit mir selbst. Doch diese Gesetze sind uns Jesus schuldig geblieben – besser gesagt, er wollte uns nicht als Marionetten erziehen, die klaren Gesetzmäßigkeiten folgen, in der Berechenbarkeit von mathematischen Formeln. Er wollte aus uns Menschen machen, Menschen mit Herz und Verstand, Menschen, die mit ihren Sinnen erkennen können, was in dieser Welt Not tut. Menschen, die ein Herz haben, das nicht versteinert, verhärtet und erfroren ist. 

Deshalb gibt er dem Thomas eine – für ihn vielleicht unbefriedigende – Antwort. »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben«. 

Wenn wir den richtigen Weg in unserem Leben, in diesem Wirrwarr von Lebens- und Sinnangeboten suchen, dann muss unser Blick auf Jesus gerichtet sein. 

Wenn wir heraushören wollen, was Wahrheit ist, aus all den Stimmen dieser Zeit, aus den dröhnenden Lautsprechern ebenso wie den leisen Einflüsterern, dann müssen wir auf den schauen, der nicht nur die Wahrheit sagt, sondern selbst die Wahrheit ist. Weil er der Sohn Gottes ist, weil er all das ist, was Gut, Schön, Wahr in dieser Welt ist. 

Und wenn wir das Leben suchen, unseren Hunger nach Leben, unsere Sehnsucht nach »echtem« Leben stillen wollen, dann werden wir dieses Leben nicht so einfach finden, nicht in der von oben verordneten allgemeinen Lustbefriedigung der Spaßgesellschaft, nicht in den Wellnesszentren und Sporthallen unseres Landes, sondern bei ihm, der selbst das Leben ist, und der uns dieses Leben weiterschenken will, weil er uns im Wort der Schrift persönlich anspricht und im Brot des Lebens unsere Speise wird. 

Keine Rezeptbücher, die uns jede Handlung vorschreiben, sondern der Auftrag: »Schau auf ihn, der Weg, Wahrheit und Leben ist« – Wecken wir die Kraft unseres Herzens, die diese Weisheit Gottes verstehen kann.

Amen. 

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