„Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie deinen Kindern wiederholen. Du sollst sie sprechen, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.“ (Lev 6,5) Das ist das Glaubensbekenntnis des Volkes Israel. Jesus kennt dieses Gebot und lebt danach. Er empfiehlt es dem Gesetzeslehrer, der ihn fragt, wer sein Nächster ist. Für Jesus kommt aus dieser Gottesliebe die Nächstenliebe. Deshalb predigt Er geduldig Tausenden von Menschen. Deshalb gibt Er sich für uns am Kreuz hin. Deshalb erscheint Er 40 Tage viele Menschen nach Seiner Auferstehung. Er ist der gute Hirte, der Sein Leben für die Schafe hingibt. „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10)

Wie beschreibt Christus die Schafe in Seinem Gleichnis? Er nennt sie nicht dumme Schafe oder schwarze Schafe, sondern hörende Schafe. Dieses Tier hat die Fähigkeit, zwischen der Stimme des Hirten und des Räubers zu unterscheiden. Nicht umsonst beginnt das Glaubensbekenntnis des Volkes Israel mit den Worten: „Höre, Israel“. Der Mensch hat ebenso diese Fähigkeit, im Stimmengewirr der Zeit den Hirten vom Räuber zu unterscheiden. (vgl. Predigtimpuls Radio Vatikan, 25.4.26) Wer sind die Räuber?

Immer wieder haben die Erfolgreichen über Menschen hinweggesehen und tun es bis heute. Die Propheten kritisierten es im eigenen Volk der Israeliten, wie leichtfertig einfache Menschen unter die Räder kommen. Amos wird ganz deutlich: „Wann ist das Neumondfest vorbei, dass wir Getreide verkaufen, und der Sabbat, dass wir den Kornspeicher öffnen können? Wir wollen das Hohlmaß kleiner und das Silbergewicht größer machen, wir fälschen die Waage zum Betrug, um für Geld die Geringen zu kaufen und den Armen wegen eines Paars Sandalen.“ (Am 1,5-6) Wer denkt an die Ungeborenen, denen das Leben genommen wird, weil sie anscheinend stören? Wer kümmert sich um die Kinder, die sich mehr Aufmerksamkeit wünschen, aber dem Erfolg der Erwachsenen zum Opfer fallen? Wer fragt die Alten, deren Lebenserfahrung in Vergessenheit gerät?

Papst Leo war in Angola, einem Land, das an Bodenschätzen reich ist. Trotzdem leben dort sehr viele Menschen in Armut. Warum können die Menschen nicht von dem leben, wofür sie arbeiten?

Wir merken es schnell, welche Einstellung jemand von uns hat, gerade als Arbeitgeber, Vorgesetzter. Jesus kennt die vielen „Chefs“, die den Schwachen unbeachtet lassen: „Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.“ (Joh 10,8)

Und er ermahnt seine Apostel: „Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“ (Mt 20,26) Jesus beruft als Hirte nicht aufgrund einer Fähigkeit. „Schon im Mutterleib hast Du mich berufen“, bekennt Jeremia voller Staunen. Jesus formt den Menschen in der Berufung.

Viele sind Seinem Beispiel gefolgt. Sie haben mit ihrem wirtschaftlichen Erfolg nicht den Sinn für ihre Mitarbeiter verloren. Papst Leo hat gestern in einer Ansprache an europäische Politiker gesagt: „Politik ist die höchste Form der Nächstenliebe.“ Viele sind aufmerksam gegenüber denen, die es nicht leicht im Leben haben. Viele schätzen die Mühe und die Anstrengung, die ihre Mitarbeiter aufwenden, auch wenn es für sie nicht leicht ist.

So formt Jesus in uns gute Hirten für die Menschen, die uns anvertraut sind.

Die Apostel waren erst Fischer. Dann gingen sie in die Schule Jesu Christi, des Gottessohnes. Welcher Lehrer kann besser unterrichten, welcher Meister kann besser seine Erfahrung weitergeben als Christus? Er, der von den Toten auferstanden ist, der als Gott und Mensch in der Herrlichkeit ist, bleibt hier mitten unter uns.

Gott zu lieben heißt Ihn nachahmen.

Deshalb kann der Hl. Petrus so motivierend sprechen, weil er es selbst erfahren hat, wie Jesus führt – behutsam und konsequent, vorbildlich und einfühlsam: „Dazu seid ihr berufen worden;

denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.“ (1 Petr 2,21)

 

Fürbitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, denn Er ist unser Leben und unsere Auferstehung:

Wir bitten Dich für Deine Kirche auf der ganzen Erde:

  • Vollende Dein Volk in der Liebe.

Für alle, die von Krankheit und Trauer niedergedrückt sind:

  • Schenke ihnen Trost und Hilfe.

Für die Regierenden;

  • erleuchte sie, damit sie das tun, was vor Dir Recht ist.

Für alle, die in diesen Tagen Geburtstag feiern:

  • Stärke sie in der Freude des Glaubens an die Auferstehung.

Für die Firmkandidaten und die Erstkommunionskinder:

  • Zeige ihnen die Schönheit des Glaubens.

Für die Verstorbenen:

  • Führe sie heim in die himmlischen Wohnungen Deiner Herrlichkeit.

Denn Du schenkst uns Deine Gegenwart, dafür danken wir Dir heute und in alle Ewigkeit. Amen.

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