5. Fastensonntag, A  22. März 2026

 

Gott öffnet unsere Gräber. Sagt uns Ezechiel heute. Im weiteren Kontext der Lesung des Ezechiel ist von einer Vision die Rede: Ezechiel sieht sich darin in ein Tal voll ausgetrockneter Gebeine versetzt, die auf wunderbare Weise wieder lebendig werden. Er deutet diese Gebeine auf Israel, auf zerstörte Hoffnungen und Träume, die zu neuem Leben kommen. Was sie lebendig macht, ist der Geist Gottes.

     Sind die Gräber, die ausgetrockneten Gebeine im Tal, nicht ein gutes Bild für manche Lebenssituationen, die aussichtslos erscheinen? Dort, wo unsere Lebensträume durch einen Unfall, durch eine Krankheit plötzlich vernichtet werden.    Dort, wo durch Todesfälle Hoffnungen vertrocknen, gestorben sind.   Wo durch den Verlust eines Arbeitsplatzes kein Ausweg aus dem finsteren Tal mehr sichtbar ist.   Dort, wo eine Beziehung vertrocknet, am Ende ist …

 Jeder und jede von uns hat wohl eigene Beispiele, was diese „ausgetrockneten Gebeine“, diese „Gräber“, im eigenen Leben beschreiben und bedeuten können.

 Hier aber setzt das hoffnungsvolle Bild der Lesung ein: Ezechiel erfährt von Gott, dass er auch aussichtslose Situationen ändern kann; er kann Leben bringen, wo alles tot scheint. Durch den Geist Gottes bekommen sie neues Leben. Wie in der Schöpfungserzählung berichtet wird, dass durch Gottes Hauch der Mensch den Lebensodem bekommt, so werden hier die Gebeine durch seinen Geist lebendig.

     Dies ist auch die Erfahrung der Menschen um Jesus: Er kann einem Totgeglaubten neues Leben geben. Lazarus beginnt auf seine Fürbitte wieder zu leben.

     Und genau das ist das größte Geschenk bei der Taufe: Wir erhalten die Zusage: Du hast als Getaufter am Leben Christi Anteil – an jenem Leben, das schon durch den Tod der Kreuzigung zur Auferstehung hindurchgegangen ist.

     Christus nimmt uns den Tod nicht ab – der Tod ist und bleibt Teil unseres Lebens; aber der Herr nimmt den Stachel, das Schreckliche des Todes: Dieser Stachel, der ewiger Tod heißen würde; ein Ende in Sinnlosigkeit, im Nichts.

     Wäre der Tod das letzte, das absolute Ende; wäre dieses Leben hier alles, dann müsste jeder schauen, dass er nichts versäumt; dass man keinen Genuss auslässt.

     Dann aber wäre dieses Leben total ungerecht: Es wäre ungerecht gegenüber jenen, die in arme Verhältnisse hineingeboren werden; es wäre ungerecht jenen gegenüber, die nur kurz leben; es wäre ungerecht jenen gegenüber, die ihr Leben, ihre Kraft für andere einsetzen.

     Wir glauben aber: Dieses Leben hat einen Sinn über den Tod hinaus; tote Gebeine werden wieder lebendig.

     Ist das aber nicht eine billige Vertröstung auf das Jenseits? „Ja, nach dem Tod wird alles besser werden“? Die Taufe sagt dazu: Das neue Leben beginnt nicht erst nach dem Tod, sondern schon jetzt; das Reich Gottes ist bereits am Wirken; der Geist Gottes weht längst hier und jetzt. Paulus sagt uns: Ihr habt den Geist Gottes in euch. Ihr seid daher vom Geist und nicht vom Fleisch bestimmt – schon in diesem Leben. Das ist das neue Leben, das uns von der Taufe her geschenkt und zugesagt ist.

     Die Stelle aus dem Ezechielbuch ist für Sie und für mich die Aufforderung, Visionen zu haben. 

Als Christen bekommen wir die Hoffnung, die Vision des wahren Lebens, in die Wiege der Taufe gelegt.

     Ich frage mich aber, ob wir nicht noch einen Schritt weitergehen sollen. Immer wieder ertönt der Jammerruf: Es gibt heute keine Propheten mehr. Wer kann uns hoffnungsvolle Wege in die Zukunft weisen?

     Und ich frage mich, ob wir nicht unsere gemeinsame Berufung von der Taufe her ernster nehmen könnten: Die Berufung, dass wir Anteil an Christi Priestertum, Prophetentum und Königtum haben.

Der Prophet Ezechiel spricht im Auftrag des Herrn – und plötzlich kommt Leben in die Gebeine.

Mit Ostern dürfen wir erkennen, was diese Prophetie bedeutet. Und wir sind aufgerufen, dieses neue Leben von Christus zu empfangen. 

Amen. 

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