1. ADVENTSONNTAG  A  - 30. November 2025

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Die Welt neigt sich dem Tode zu – das erleben wir derzeit in der Natur. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und kälter, die Pflanzen sterben ab oder haben sich schon lange auf die Winterruhe umgestellt. 

Nach der Berechnung etlicher Sekten müsste die Welt schon einige Male untergegangen sein. Oft wird dies belächelt. Dieser Irrtum verschiedener Gemeinschaften darf uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Im Gegenteil: Die Brüchigkeit unserer Welt muss uns herausfordern, nach vorn zu sehen, damit die Welt der Gerechtigkeit und des Friedens aufgehen kann.

Zwei Mönche wollten einst voller Angst beim Abendgebet die Kirche verlassen. Denn draußen tobte ein schreckliches Unwetter, als solle die Welt untergehen. Der Abt sah nur kurz von seinem Gebetbuch auf und beruhigte sie: »Brüder, entweder geht die Welt nicht unter, dann haben wir keinen Grund, unser Gebet zu unterbrechen. Geht aber die Welt jetzt unter, dann soll uns der Herr beim Gotteslob finden.«

Die Welt geht nicht unter. So manchen Fundamentalisten wird der heutige Text hervorragend in den Kram passen, wenn sie uns mit Tod, Fegefeuer, Hölle, Teufel und Weltuntergang drohen. Mit diesen Drohungen wird aber nichts besser in dieser Welt. Vom Krankreden und Totsagen ist noch nie etwas besser geworden. Die Welt geht nicht unter, aber eine neue Weltordnung muss entstehen. Das ist die Botschaft des Tages. Das ist die Botschaft des Advents. Das ist die Botschaft des Evangeliums.

Wenn es heißt, dass das Ende bevorsteht, dann sind zwei Richtungen möglich: Einmal, dass alles zur Hölle, buchstäblich zum Teufel geht, zum anderen, dass sich alles in Himmel verwandelt. Genau das ist die Verheißung Gottes und deswegen die Zielvorgabe Jesu: So verrückt das in unserer Welt erscheinen mag: Wir gehen auf den Himmel zu. So lese, so verstehe ich die Endzeit-Geschichten im Evangelium: Es werden Welten auseinanderbrechen, weil Jesus die bisherigen Ordnungen auf den Kopf stellt.

Etwa die Welt des Geldes. Nach wie vor wird den Menschen eingeredet, mit Geld ließen sich alle Fragen und Probleme lösen. Neunmal am Tag betet der Mönch, um den Tag zu heiligen. Aber viertelstündlich werden die neuesten Börsenberichte geliefert. Das Stundengebet gibt dem Tag eine heilige Struktur. Die ständigen Börsennachrichten dagegen machen das Suchtverhalten deutlich: Die Menschen setzen auf das Geld, das nicht wirklich hilft. Deshalb brauchen sie immer mehr davon.

Ein anderes Beispiel. Die Politik behauptet, man könne erst dann gut und glücklich leben, wenn alle Unterschiede überwunden und alle Feinde ausgemerzt seien. Auch unsere Kirche ist nicht ganz davor bewahrt, auf irdische Macht oder – in manchen Gemeinschaften – auf unkritischen Gehorsam zu setzen. 

Jesus hat nie einen Menschen gezwungen, er hat keinen überredet oder mit irgendwelchen Tricks auf seine Seite gebracht. Wer auch immer seine Ziele mit Gewalt zu erreichen sucht, muss wissen, dass das mit Glauben nichts zu tun hat. Aber gerade diesen Glauben fordert Jesus. Oft sagt er zu den Menschen, die ihm begegnen: Dein Glaube hat dir geholfen. Denn der Glaube macht Hoffnung und Liebe erst möglich. Es gibt keinen wahren Sieg der Religion, der durch Befehle, Gebote, Druck oder Zwang zustande gekommen wäre.

Wer auf all das angewiesen ist, der braucht keinen Gott. Er braucht im Himmel einen unerbittlichen »Oberpolizisten«. Mehr nicht. Der kann alles unter Kontrolle halten. Doch wir können auf eine Religion verzichten, die Gott für ihre Zwecke missbraucht. Wir brauchen keine Gotteskrieger, die sich wie gnadenlose Stellvertreter des »Oberpolizisten« fühlen können. Wir brauchen eine Religion, die furchtlos, aber ehrfurchtsvoll von Gott sprechen kann. Denn nur dann wird sie menschlich und achtsam mit dem Menschen umgehen.

Die Erwartung der Wiederkunft des Herren, das Bewusstsein des Reiches Gottes, macht das Leben nicht unbedingt einfacher. Aber es lässt uns zu Hause sein; es schenkt uns trotz allem – ein Gefühl der Geborgenheit. Wenn wir die Worte, Bilder und Gleichnisse Jesu betrachten, dann erkennen wir, dass unsere Umgebung, unsere Welt es ist, in der wir dem Heiligen begegnen. Es ist unsere Welt, die Jesus heiligt. Und damit die ganz alltäglichen Dinge. Denn in Jesus ist Gott Mensch geworden, ganzer Mensch, der den Tod des verkannten Verbrechers starb, um der Welt das Heil zu bringen. 

Mit Jesu Tod ging die Welt nicht unter. Im Gegenteil. Gottes Welt ging auf. Sie zeigte in vielen Menschen ihre Wandlungsfähigkeit. Das kann sich auch an uns beweisen. Der Advent richtet sich an uns, an unsere Bereitschaft, das, was uns umgibt, bewusst von einer anderen Seite anzuschauen. Beispielsweise die Scheinmacht des Geldes, die Ohnmacht der Politik, die selbst ernannten Untergangspropheten – bewusst anzuschauen und dann auf den Kopf zu stellen. Dann wird vieles nicht übrig bleiben.

Was aber übrigbleibt, ist der unverbrüchliche Hoffnungsstrahl, dass diese Welt Tag für Tag, Stunde um Stunde der Vollendung in Gott entgegengeht, jenes Gottes, der sich klein gemacht hat, um uns das Große schenken zu können. 

Eine Kerze brennt am Adventkranz. Noch nicht viel Licht, aber ein Anfang, um das Licht Christi zum Weihnachtsfest erwarten zu können. 

Amen. 

 

 

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