Aus der Natur können wir Menschen viel lernen. Zu den interessantesten Wissenschaften gehört die Erforschung der Natur, wie alles aufeinander abgestimmt ist, wie es Leben geben kann, was Leben überhaupt ist.

Gestern hat mir ein Mitbruder über das erstaunliche Verhalten von Kühen in extremen, besonders herausfordernden Situationen erzählt. In Seckau kennt er ein Ehepaar, das ihre Kühe auf einer Alm weiden lässt. Zweimal täglich sehen sie nach den Kühen. Da kann es vorkommen, dass eine Kuh fehlt und sie suchen müssen. Der eine Abgang von der Alm verläuft flach über Wiesen, der andere über eine steile Wand. Einmal verlief sich eine Kuh in diese steile Wand und blieb in einem engen Felsvorsprung stecken. Man darf dieser Kuh nicht helfen, sonst wird sie nervös. Sie befreit sich selbst in winzigen Schritten aus der gefährlichen Situation. Am nächsten Tag ist sie wieder bei der Herde.

Beeindruckend ist die Gelassenheit, mit der das Tier die bedrängende, beängstigende Situation überwindet.

Wir finden ein Gegenbild zu dieser Gelassenheit in der Lesung aus dem Buch Genesis. Diese ersten Kapitel des ersten Buches der Bibel enthalten aufschlussreiche Einsichten darüber, wie der Mensch ist. Eva und Adam zeigen sich Gott gegenüber nervös, sie schieben aufeinander der Schuld, das Vertrauen Gottes gebrochen zu haben. Sie haben eine Grenze überschritten, wollten selbst Gut und Böse bestimmen. In der inneren Gier, über die eigenen Grenzen zu gehen, merken sie, dass sie scheitern.

Das Evangelium nach Lukas stellt uns ein anderes Verhalten vor, eine Persönlichkeit, die viele beeindruckt: die Jungfrau Maria in Nazaret. Sie erlebt etwas Ungewöhnliches. Sie ist in einer gänzlich neuen Situation ihres Lebens. Sie begegnet einem Engel. Maria spürt die Gegenwart Gottes, die im Engel sichtbar wird. Was sie erschreckt, ist die würdevolle Anrede „Sei gegrüßt, du Begnadete,

der Herr ist mit dir“. Dann überlegt sie ruhig, was der Gruß bedeuten kann. Sie erfährt es gleich  in dem Auftrag, den Gott für sie hat. Ihr bleibt die Freiheit, anzunehmen oder abzulehnen. Das Gespräch erfolgt in Ruhe. Maria ist ein Beispiel von Gelassenheit. Es ist keine Apathie, sondern ein Überlegen, Mitfühlen, Nachdenken. Sie spürt ihre Verantwortung. Maria sagt Ja. Durch sie nimmt Gott Fleisch an, Er wird durch sie Mensch im vollen Sinn des Wortes.

Woher kommt diese Ruhe und gleichzeitig Kraft, die Maria ausstrahlt? Später sagt sie es ihrer Tante Elisabeth, dass sie Gottes Wirken in sich erkannt hat: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter.“

Sie erkannte ihre persönliche Erwählung. Ihr wurde bewusst, dass Gott sie auf diese Entscheidung vorbereitet hatte, indem er ihr Gnade geschenkt hat. Welche Gnade ist hier gemeint? Es ist die Freiheit von der Nervosität zu kurz zu kommen. Adam und Eva scheitern in ihrer Grenzüberschreitung, Maria wird von Gott über die Grenzen des rein menschlich Möglichen geführt. Adam und Eva meinen, dass sie alles aus sich heraus schaffen. Maria vertraut sich dem Willen Gottes an.

Das ist der Inhalt des heutigen Festes. Gott bewahrte sie vor der Urnervosität des Menschen, der Urangst, zu kurz zu kommen, der Ursünde. So wurde sie frei zu entscheiden. Dieses Entgegenkommen Gottes ereignet sich in jeder Taufe. Gott macht den ersten Schritt auf uns zu, damit wir aus seiner Kraft gelassen und freudig unseren Lebensweg gehen können. Amen.

Fürbitten:

 

Lasst uns beten zu Gott, dem allmächtigen Vater, der Maria, die Mutter seines Sohnes, den Menschen zur Fürsprecherin gegeben hat:

Du hast Maria zur Mutter Deines Sohnes gemacht;

  • lass die Kirche unter ihrem Schutz geborgen sein.

Du hast Maria den Menschen zur Mutter gegeben;

  • auf ihre Fürsprache gewähre den Kranken Heilung und den Trauernden Trost.

Du hast Maria vor jeder Sünde bewahrt;

  • stärke alle Neupriester in ihrem Dienst der Versöhnung der Menschen mit Dir.

Du hast Maria die Fülle Deiner Gnade geschenkt;

  • auf ihre Fürsprache schenke allen Menschen Frieden und Heil.

Du hast Maria zum Urbild Deiner Kirche gemacht;

  • gib, dass in unserer Pfarre einmütig mit Maria im Gebet verharren.

Du hast die unbefleckte Jungfrau mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen;

  • schenke unseren Verstorbenen die ewige Freude mit Maria und all Deinen Heiligen.

 

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.


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