24. Sonntag im Jahreskreis A - 13. September 2020

Liebe Schwestern und Brüder, versammelte Gemeinde!

490 mal vergeben!! Billiger hat es uns unser Herr wohl nicht machen können. 

Brechen wir diese Zahl einmal herunter. Stellen wir uns einen Anlassfall vor, wo wir vergeben müssten. Einem Menschen der uns anlügt beispielsweise.

Wenn er am 1. Jänner beginnt uns anzulügen, dann müssten wir diesem Lügner bis zum 3. Mai des nächsten Jahres täglich vergeben, auch wenn er Tag für Tag eine neue Lüge auftischt. Wer hat denn einen solchen langen Atem?

Wäre nicht schon das „7mal“, also eine ganze Woche, genug gewesen, wie es der Hl. Petrus vorschlägt? Oder gerade noch das 77 mal - wie es früher übersetzt wurde, also mehr als drei Monate täglich? 

Wenn wir so zu rechnen beginnen, befinden wir uns kräftig auf dem Holzweg!

Darum geht es dem Herrn nicht. Er möchte uns ans Herz legen, ein wenig in das Geheimnis der Erlösung einzudringen! Was heißt es denn, dass Gott barmherzig ist, dass er uns - wie wir es auch jetzt wieder feiern - seinen Sohn gesandt hat, der für uns, für unsere Sünden in den Tod am Kreuz gegangen ist, der den Tod am Ostermorgen überwunden hat, damit wir mit ihm auferstehen können?

Was heißt es denn, dass Gott in seiner Barmherzigkeit uns immer neu verzeihen will? Dass er uns mit der Beichte, dem Sakrament der Versöhnung ein Gnadenmittel geschenkt hat, dass wir diese Verzeihung zugesprochen bekommen, dass wir die Kraft zu einem Neuanfang geschenkt bekommen?

Die großen Theologen und Philosophen des Mittelalters haben eines erkannt. Alle „Eigenschaften“, die wir Gott zusprechen können, die ja letztlich nur Vergleiche aus unserer irdischen Welt sind, können nur schwache Beschreibungen sein. Wenn wir Gott als barmherzigen Vater bezeichnen, muss uns klar sein, dass es keinen Vater auf dieser Welt geben kann, der wirklich auch nur annähernd an die Barmherzigkeit Gottes heranreicht. Mit jeder Ähnlichkeit, die wir aussprechen, wird die Unähnlichkeit immer größer.

Deshalb diese große Zahl, die uns Jesus hier angibt. Denn auch in seinem Gleichnis vom König, der Rechenschaft verlangt, kann die Größe und Liebe und Barmherzigkeit Gottes nur erahnt werden. Es geht Jesus aber darum, uns aufzumuntern, durch unser Tun, durch unsere Bereitschaft zum Verzeihen, durch unsere Bereitschaft zur gelebten Liebe die Nähe und Gegenwart Gottes, seine Menschenfreundlichkeit und Barmherzigkeit zu bezeugen. 

Deshalb sagt uns schon das Buch Jesus Sirach: „Denk an die Gebote und grolle dem Nächsten nicht, denk an den Bund des Höchsten und übersieh die Fehler!“

Und Paulus erinnert uns daran, dass wir nicht als Monaden, als unabhängige Einzelwesen in dieser Welt leben: „Keiner lebt sich selber, keiner stirbt sich selber“ - Und würden wir hier noch ein Stückchen weiterlesen, so käme die Warnung, dass wir alle einmal vor dem Richterstuhl Gottes Rechenschaft ablegen müssen. 

Was haben wir dann vorzuweisen? Abweisung und Unversöhnlichkeit, oder die offenen Arme, die in der Bereitschaft zu verzeihen den Nächsten in Liebe annehmen?

Denken wir heute nach, ob es jemanden gibt, wo wir von Herzen verzeihen sollten. Und setzen wir den guten Vorsatz in die Tat um. 

 

Amen. 

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