7. Sonntag der Osterzeit - 24. Mai 2020

Wir leben nach Christi Himmelfahrt in der Zeit der Kirche. Jesu Vermächtnis in den Abschiedsreden und im sogenannten Hohenpriesterlichen Gebet ist uns teuer und wichtig. Darin hat Jesus sein Herz auf die Zunge gelegt. um unsere Herzen anzurühren und in seinem Geist christliches Leben zu gestalten.

Jesus hält Rückschau und betrachtet sein Leben im Licht seines himmlischen Vaters.

 Er spürt, daß sein irdisches Leben gewaltsam zu Ende geht. Er läßt seinen Rückblick in die Worte „Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan" einmünden. Damit ist alles gesagt. Wenn Jesus den Namen Gottes offenbart, läßt er uns einen Tiefenblick tun in das innere Wesen Gottes. Mose erfährt aus dem brennenden Dornbusch den Namen Cottes, welcher zugleich sein Wesen ausdrückt: „lch bin der Ich bin da" .

Dieser Name - das Wesen Gottes - ist zusammengefaßt in der Person Jesu Christi. Alles, was Jesus gesagt und getan hat, läßt uns erahnen, wer und wie Gott ist. Die Bergpredigt, die Seligpreisungen, die Gleichnisse, seine Wunderzeichen, seine Freundschaft mit Zöllnern und Sündern, sein Umgang mit Kindern und Frauen erzählen von Gott. Gott sehen wir über Jesus. Gott erkennen wir über Jesus Christus. Gott können wir auch nur über Jesus Christus erreichen. 

Doch nicht nur Jesu Leben, genauso, ja erst recht sein Sterben zeigen Gottes Liebe bis zum äußersten. Gott in Jesus hört nicht auf zu lieben, auch wenn Menschen ihn ans Kreuz schlagen. Er lässt sich sein Herz mit der Lanze öffnen, nach seinem Tod, damit es nie wieder zuwachsen kann, damit es offen bleibt für uns. 

Der Theologe Eugen Biser sagte in einer Predigt: „Das Kreuz Jesu ist die mit Blut und Wunden angefertigte Magna Charta der Gottesoffenbarung. Das Letzte in der Lebensgeschichte Jesu ist jedoch, wie wir dankbar bekennen, nicht der Tod, sondern die Auferstehung. In ihr hat Gott erst recht seine Wahrheit aufleuchten und in das Dunkel dieser Welt hineinstrahlen lassen."

Das ganze Leben Jesu, seine Verkündigung, Tod und Auferstehung sind in dem kleinen Satz des Hohenpriesterlichen Gebetes enthalten: „lch habe ihnen deinen Namen kundgetan:“

Wäre es nicht angebracht, im Licht des Heiligen Geistes einmal selbst zurück auf die eigene Glaubensgeschichte zu schauen?

Seit Kindertagen ist wohl den meisten unter uns der Name Gottes vertraut. In Familie, Religionsunterricht und Predigt haben wir immer wieder neu die alten Jesusgeschichten gehört. Vielleicht haben wir als junge Menschen eine zeitlang alles abgetan und für Humbug erklärt, was der Pfarrer erzählt. Ein Ereignis, ein Gespräch oder einfach das Älter- und Reiferwerden hat uns nachdenklich gemacht. Wir fingen wieder neu an, uns mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Und in dieser Auseinandersetzung ist Berufung entstanden. Und heute tut es uns gut, tagtäglich Messe zu feiern, das Wort Gottes zu hören, an der Eucharistie teilzunehmen. Jeder hat seine eigene Glaubensgeschichte. Umgekehrt hat auch Gott mit jedem Menschen seine eigene Liebesgeschichte.

Fragen wir uns doch:

Wie hat sich mein Gottesbild im Laufe der Lebensjahre gewandelt? Wie hat sich auch das Studium auf mein Gottesbild ausgewirkt?

Welches Bild von Gott prägt mich heute? Bin ich bereit, für Fortbildung und Vertiefung meines Glaubens Zeit und Kraft einzusetzen?

Tradiere ich den Namen Gottes an die jüngere Generation, ist mir das ein Herzensanliegen, bin ich missionarisch eingestellt?

Kehren wir zurück zum Evangelium. Jetzt weitet sich das Gebet Jesu „für alle, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein" 

Jesus weiß sich total in Gottes Hand; er weiß aber auch die Seinen in der guten Hand des Vaters. Er behält gar nichts für sich zurück. Ein inniger Austausch im Geben und Empfangen besteht zwischen ihm und dem Vater. 

„Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein" . 

Und weil er seine Jünger im Herzen trägt, empfangen auch sie Gottes Glanz und Lebensfülle, so daß Jesus beten kann: 

„In ihnen bin ich verherrlicht" .

Die junge Gemeinde der Glaubenden gereicht auch ihm zur Ehre, weil er sich für sie verausgabt hat.

Diese Verbundenheit hört auch im Tod nicht auf. In seinem Heimgang nimmt er alle mit. Sie bleiben seine Schwestern und Brüder. Doch zugleich bleiben sie zurück in der Welt.

„Welt" hat für das Johannesevangelium ein doppeltes Gesicht: Sie ist Gottes Welt. „So sehr hat Gott die Welt geliebt..." (Joh 3,16). Zugleich aber ist sie auch eine angeschlagene Welt, wie wir sie von den Massenmedien her kennen, wie wir sie in uns erfahren. Er, der ihnen den Namen Gottes aufgedeckt hat, bittet jetzt: „Bewahre sie in deinem Namen“. Laß auch sie in deinem Herzen einen Platz finden. Es ist das innerste Anliegen Jesu, daß alle, die Gott ihm gegeben hat, mit hinein genommen werden in diese unzertrennliche Einheit zwischen ihm und dem Vater, wie es im gleichen Atemzug im Gebet heißt: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir" ( 17,11).

Es ist ein großer Trost, zu wissen: Wir haben alle einen Platz im Herzen Gottes in guten und in schweren Tagen. Und auch die Menschen, um die wir uns Sorgen machen - Eltern etwa um ihre heranwachsenden Kinder - sind überhaupt nicht abgeschrieben von Gott. Da, wo unsere Phantasie, unsere Anstrengungen zu Ende sind, fangen Gottes Möglichkeiten erst an, auch wenn wir Geduld aufbringen müssen. Oft erst im Nachhinein dürfen wir feststellen, wie Gottes Hand mit im Spiel war in unserem Leben oder im Leben nahestehender Menschen.

Jesu Gebet für uns schenkt zugleich eine Bewußtseinserweiterung. Diese Welt, unser Leben auf Erden ist nicht alles. Es lenkt unseren Blick zum Himmel, so wie es zum Beginn des Hohenpriesterlichen Gebetes heißt: „Jesus erhob seine Augen zum Himmel" ( 17,1).

Nicht von einem frommen Prediger in der Kirche stammen die folgenden Worte, sondern von dem Schriftsteller Hermann Hesse: „Die Gemeinschaft der Heiligen, sie wurde in früheren Zeiten von den Malern dargestellt in einem goldenen Himmel, strahlend schön und friedvoll. Es ist das Reich jenseits der Zeit und des Scheins. Dorthin gehören wir, dort ist unsere Heimat, dorthin strebt unser Herz.“

Amen. 

 

 

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