2. Februar 2019 - Darstellung des Herrn

Wenn ich den Text des Lukasevangeliums am heutigen Fest lese - ein Text, der uns sehr vertraut ist - so kann ich mir sehr gut vorstellen, wie Lukas bei der Niederschrift geschmunzelt hat. 

Da spricht er vom eingeborenen Sohn Gottes, von Gott selbst, und lässt die Weisung des Alten Bundes aufleuchten: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein.

Wer sonst ist Gott dem Herrn so „geweiht“ wie der Gottessohn selbst?  - Aber Lukas zitiert den Alten Bund, um uns zu zeigen, wie sich Jesus Christus, unser Herr, ganz einfügt in die Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk, zugleich in die „Unheilsgeschichte“ der Menschheit, die nach Erlösung rief. Nicht nur nach dem einen oder anderen Wort des Propheten - viele sind ungehört und unerhört verhallt - Nicht nur nach dem Eintreten so mancher Kreuzungspunkte mit dem göttlichen Weg, nach dem Auftreten so vieler Könige und Richter.

Nein - Die Welt, die erlösungsbedürftige Welt - schrie gleichsam nach einem ganz besonderen „Boten“, wie ihn der Prophet Maleachi heute schildert. 

In diese Unheilsgeschichte des Menschen tritt Jesus ein. Sein Eintreten wird aber begleitet vom glaubenstreuen Gehorsam seiner irdischen Eltern Maria und Josef. Sie folgen dem Gebot ihrer Religion, sie wissen um die Rückbezogenheit alles Sichtbaren auf ihren Herrn und Gott, auf ihren Schöpfer. Sie kommen mit dem kleinen, gerade 40 Tage alten Kind in den Tempel. 

Die eigentliche Tempelzeremonie, die Darbringen des Reinigungsopfers wird von Lukas nur am Rande erwähnt. Ihm geht es um etwas ganz anderes. Ihm geht es darum, dass da zwei Propheten nun in einer Art und Weise über den Erlöser sprechen können, wie es noch keinem Propheten zuvor möglich war. Der greise Simeon und die Witwe Hanna sehen den Erlöser von Angesicht zu Angesicht. 

Simeon kann den großen Lobgesang das „Nunc dimittis“ anstimmen, das die Kirche als so kostbaren Schatz erachtet, dass sie es in die Komplet, in das letzte Gebet im Tagesablauf aufgenommen hat und täglich betet. 

„Meine Augen haben das Heil gesehen“ - Diese Worte dürfen wir uns auch zu eigen machen. Täglich neu. Angesichts des Heils, das augenscheinlich vor uns liegt - nicht nur in der Sehnsucht des Alten Bundes, nicht nur im Hilfeschrei einer erlösungsbedürftigen Schöpfung, sondern in der Gegenwart des Herrn in Wort und Sakrament, vor allem im Sakrament des Heils, in der Kirche. 

Lukas schweigt über den Inhalt der Prophetie der Hanna. Lassen wir diese „Leerstelle“ zu. Und füllen wir sie durch unseren eigenen Lobgesang, durch unser eigenes Glaubenszeugnis über den, der gegenwärtig ist in unserer Welt und Zeit, der versprochen hat, bei uns zu bleiben bis ans Ende der Tage. 

Amen. 

 

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