Christmette - 24. Dezember 2017

Das Weihnachtsfest, ja auch die Heilige Nacht, ist von interessanten Gegensätzen geprägt. 

Wir nennen die Tage davor die „Stillste Zeit des Jahres“ und wissen, dass zwischen der Lautstärke und Hektik und einer wahren Stille und Beschaulichkeit eines Advents Welten liegen. 

Wir sehnen uns nach dem kindlichen Gefühl von Weihnachten, das uns vielleicht in den vergangenen Jahren mit dem Erwachsenwerden, mit dem Reifer-Werden verloren gegangen ist. Und zugleich wollen wir uns mitunter befreien von all zu viel Emotion an diesem Fest, wo die Tränen viel lockerer sitzen als sonst im Jahr. 

Und auch das Lukasevangelium stellt uns einen krassen Gegensatz vor Augen. 

Da ist auf der einen Seite der große Kaiser Augustus, der mächtigste Mann der damaligen Zeit, Herrscher über ein gewaltiges Reich. Sein Befehl lässt die Massen in Bewegung geraten. Überall im Weltreich Roms müssen sich die Menschen in Steuerlisten eintragen, damit aus allen Teilen des Reiches genügend Einnahmen fließen, die der Kaiser braucht, um sein Reich zu finanzieren, seine Macht aufrecht zu erhalten und auszubauen, um das Strassennetz zu erhalten und zu erweitern, die großen Paläste, Stadien, Theater und Bäder zu errichten. 

Auf der anderen Seite greift Lukas das Schicksal einer kleinen Familie aus Nazaret heraus. Sie macht sich auf, um dem kaiserlichen Befehl zu folgen und sich in der Heimatstadt Josefs, in Betlehem in die Steuerlisten eintragen zu lassen. In den Augen der damaligen Welt sind die beiden, Maria und Josef, so unbedeutend, dass für sie kein Palast, kein Hotel, ja nicht einmal ein Quartier in einer Dorfwirtschaft offen steht. Ein Stall muß herhalten, um der Mutter die Geburt ihres Sohnes zu ermöglichen. 

Macht und Größe und Berühmtheit des Kaisers, der im ganzen Reich Frieden stiften konnten stehen gegenüber der Kleinheit und Unbekanntheit dieser beiden. Und doch feiern wir nicht den Kaiser Augustus, sondern die Geburt des Kindes im Stall. Und so bekennen wir: Nicht der Kaiser, auch kein anderer politischer Machthaber in welchem System auch immer, ist Herr der Welt, sondern das Kind in der Krippe. Wieviele Kaiser und Könige, Herrscher und Dikatatoren hat diese Welt in ihrem Zeitenlauf schon gesehen. Fast alle sind in die Vergessenheit der Geschichte versunken, von keinem feiern wir ein Geburtsfest. Doch überall auf der Welt wird seit 2000 Jahren die Geburt dieses Kindes gefeiert. 

Immer noch gilt, was den Hirten vom Engel damals gesagt wurde: Ich verkünde euch eine große Freude - Heute ist euch der Retter geboren!

Und immer noch dürfen wir wie die Hirten damals sagen: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns verkündet wurde. 

Immer noch und immer wieder dürfen wir zur Krippe hingehen.

Und auch wenn so manche Träne unser Augenlicht trübt und das Bild der Krippe verklärt darstellt, dürfen wir einstimmen in den Gesang der Engel „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen seiner Gnade!“

Immer noch ist, gegen allen Anschein von Macht und Krieg und Technisierung die Macht der Liebe größer als die der Waffen. Immer noch erkennen wir, dass dieses kleine Kind mächtiger die Geschicke der Welt verändert hat und heute und hier mein Leben verändern kann als alle Machthaber aller Zeiten und Generationen. 

Damals haben die Hirten, dann die Weisen aus dem Osten bei diesem Kind Frieden gefunden. Und wir dürfen heute dem Aufruf Jesu folgen, selber wie ein Kind werden. Denn dann können wir bei der Krippe des göttlichen Kindes Frieden finden und selber Frieden weiterschenken. Dann dürfen wir spüren, wie er uns in seine Gnade und Liebe einsenken will. 

Amen

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 button praedicatio; Till Magnus Steiner;

 

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