9. November  - Weihetag der Lateranbasilika

Ist es nicht merkwürdig, daß das Fest der Weihe der Lateranbasilika in Rom, also ein 1200 km entferntes Kirchweihfest die Feier des 32. Sonntags im Jahreskreis verdrängt? Sind diese Kirche und ihr Weihetag so bedeutsam und wichtig, auch für uns?

Immerhin ist die Kirche San Giovanni in Laterano die älteste der vier Patriarchal-Basiliken, gestiftet von Kaiser Konstantin unmittelbar nach dem Jahre 313. Ursprünglich war diese Kirche Christus, dem Erlöser, geweiht: ein fünfschiffiger Bau, der zugleich die Kirche des Bischofs von Rom ist. Daneben steht die älteste, noch heute benutzte Taufkirche der Christenheit. Und im angebauten Palast residierten über 1000 Jahre lang die Päpste; 28 von ihnen sind in dieser Kirche

bestattet. Außerdem war der Lateran ein Ort von bedeutenden Kirchenereignissen, besonders von Synoden und Konzilien. Da ist es sehr verständlich, dass auf der Fassade der Basilika in lateinischer Sprache zu lesen ist: „Aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises Mutter und Haupt". Die Lateran-Kirche ist also die erste unter allen katholischen Kirchen der ganzen Welt.

Als 1994 durch einen Sprengstoffanschlag der Mafia diese Lateranbasilika schwer beschädigt wurde, ging ein Aufschrei durch die Reihen der Kunstfreunde, aber nicht weniger der Christen in aller Welt. Denn dieses Attentat verstanden alle nicht nur als Beschädigung von unersetzlichem Kulturgut, sondern auch als Stoß ins Herz

der Mutter aller Kirchen Roms und des Erdkreises. - Auch die Zerstörung des Tempels, von der Jesus bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel in Jerusalem spricht, mussten die jüdischen Zuhörer als Angriff auf die Religion verstehen, ja als Gotteslästerung und Blasphemie. Denn für den Tempel wurde sogar ein göttlicher Bauplan und ein Modell im Himmel vorausgesetzt, wie wir in der

Lesung aus dem Buch des Propheten Ezechiel gehört haben. Für die gläubigen Juden war und blieb der Tempel selbst nach seiner Zerstörung Ort der Gegenwart Gottes und seiner Herrlichkeit. Deshalb spielte auch beim Prozess Jesu vor dem Hohen Rat sein Wort von der Zerstörung und Wiederaufrichtung des Tempels eine große Rolle

(vgl. Mt 26,61). Doch Jesus meinte mit der Zerstörung und dem Wiederaufrichten des Tempels in drei Tagen sich selbst: seinen Leib, der getötet werden und am Dritten Tag wieder auferstehen sollte. Selbst die Jünger verstanden dieses Wort erst nach diesen Ereignissen.

Jesus hat also einerseits das Bauwerk des Tempels als Heiligtum Gottes geachtet; er pilgerte dorthin, er hielt sich dort „täglich" auf, dort lehrte er, dort betete er, dort fand er sich ein zur Versammlung und zur Verehrung Gottes. Und doch ist auch die Distanz zum Tempelkult bei Jesus unübersehbar. Denn in seiner Person, in seinem

Reden und Handeln war der neue Weg des Heiles erschlossen, kam die Gottesherrschaft zum Vorschein. Und damit hatte die Zeit begonnen, wo man weder auf dem Tempelberg von Jerusalem noch auf einem anderen Berg den Vater anbeten würde, sondern „im Geist und in der Wahrheit", wie es im Johannesevangelium steht. Der Leib des auferstandenen Herrn ist der neue Tempel: Wo immer sein Gedächtnis gefeiert wird, geschieht Anbetung im Geist und in der Wahrheit. Kirchen haben so als Räume der Erfahrung heiliger Gottesnähe, als Räume der Feier der Anbetung und besonders der Feier von Tod und Auferstehung Jesu Bedeutung. Sie dürfen daher nicht zum Marktplatz werden, zur Halle der Geschäfte, zum Konzertsaal aus kommerziellen Gründen. Sie dürfen aber auch nicht zur Spielwiese der Profilierungssucht einzelner werden, denen es um den eigenen Glanz anstatt um Gottes Ehre geht. Jesus reinigt den Tempel, um wieviel mehr will er seine Kirche rein halten, den Ort seiner Gegenwart im Wort und im Sakrament. 

Paulus geht noch einen entscheidenden Schritt weiter. Er sagt: Durch den Glauben und die Taufe sind wir alle Wohnung des Heiligen Geistes geworden und deshalb sind wir alle Gottes Tempel. Zusammen bilden wir den Tempel aus lebendigen Steinen, zentriert und ausgerichtet um den Grundstein Jesus Christus. Er ist das Fundament, ein anderes gibt es nicht. Das ist die neue Würde, die allen Getauften und Glaubenden zukommt: Gottes heiliger Tempel zu sein, in dem der Geist Gottes wohnt.

Noch ist diese Herrlichkeit verborgen. Aber zur Wirkung kommen kann und muss sie - durch unser Leben: durch die Frucht des Geistes, die in Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung besteht, wie wir im Galaterbrief lesen. An solchem Schmuck sollen wir als Tempel des Heiligen Geistes reich sein, deswegen sollen wir von den Menschen bestaunt und bewundert werden. Und die Sorge um solchen Schmuck sollte uns noch wichtiger sein als die Sorge um den Schmuck unserer Kirchen, so wichtig dieser ist. Denn was nützt es, wenn die Menschen die Kunstwerke der Kirchen bewundern, aber von den Christen nicht viel oder nichts halten, weil an ihrem Leben der Glanz des lebendigen Gottes nicht zu erkennen ist.

Am Weihetag der Lateranbasilika dürfen wir so auf dieses ehrwürdige Gotteshaus in Rom schauen. Mehr noch sind wir aufgerufen auf uns, unser christliches Leben, unser Leben mit den Sakramenten und durch die Sakramente zu achten. Wenn wir den Menschen unserer Zeit wieder sichtbar Tempel Gottes sind, dann wird sich auch dieser Tempel Gottes, unsere Kirche, wieder füllen. 

Amen. 

 

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