Was macht eine Pfarrgemeinde aus? Es ist eine Gemeinschaft von Menschen, die im Himmel verankert ist. Damit schwebt sie nicht im luftleeren Raum oder in der Vergänglichkeit. Durch unsere Berufung, die uns Gott schenkt, überschreiten wir Raum und Zeit. Wir sind als Christen verbunden mit Menschen, die vor uns gelebt haben und die entfernt von uns wohnen. Gott verbindet uns genauso mit der Zukunft, weil alles, was wir tun, seine Wirkung haben wird.

In den letzten Tagen und Monaten haben sich zahlreiche Leute aus der Pfarre in die Vorbereitung des Pfarrfestes investiert. Seit 2015 begehen wir das Patrozinium mit einer Feier in der Kirche und im Pfarrhof. Es ist genau zehn Jahre her, dass unsere Kirche restauriert worden ist – das erste Mal seit der Renovierung nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Restaurierung können wir wie ein Bild des christlichen Lebens sehen. Die Kirche sollte wieder so werden, wie sie im Anfang geplant war. Man machte sich auf die Suche nach den ursprünglichen Malereien auf der Decke und den Wänden. Spannende Entdeckungen traten zutage: Vor allem die vielen Sterne, die über die Decke verstreut sind, überraschte Restauratoren und uns selbst. Als die Kirche innen eingerüstet war, sind immer wieder Menschen hereingekommen, um den Fortschritt der Restaurierung zu beobachten. Und dann kam die große Überraschung nach dem Abbau des Gerüsts. Dorfbewohner hohen Alters kamen in die Kirche und staunten: Sie sieht aus wie in ihrer Kindheit. Die Kirche bleibt untertags für alle offen. Ein automatisches Schließsystem öffnet und versperrt das Haupttor. Wenn man die Kirche betritt, wird das Gewölbe und das Hochaltarbild zart beleuchtet.

Man könnte die Renovierung so überschreiben: „zurück zum Ursprung und mit den Errungenschaften der Zeit“. Technik und Sicherheit ist auf dem neuesten Stand und das alte Gebäude zeigt seine Stabilität und Schönheit.

So ist es auch mit der Kirche: Sie erneuert sich ständig nach dem Vorbild Christi. Sie strebt immer wieder Seiner Botschaft treu zu bleiben, die Er uns durch die Apostel übermittelt hat. Die Kirche orientiert sich an ihrem Ursprung, der über die Zeit hinaus wirkt. Christus ist gegenwärtig von Anfang an. Der Heilige Geist wirkt in der Kirche durch die Sakramente, wie Er zu Pfingsten die 120 Jüngerinnen und Jünger erfüllt hat. Von Gott Vater geht unser ganzes Sein aus, wir sind nicht ohne Ihn, wir leben nicht ohne Ihn. Aus Ihm sind wir und gehen zu Ihm zurück. Der eine Gott in den drei Personen ist unser Lebensprinzip, unsere Verankerung in der Ewigkeit. Zur Kirche gehören, Christ sein bedeutet, Sinn zu finden, der über den Alltag hinausgeht.

Das kann man leicht spüren. Es schenkt innere Zufriedenheit, in der Kirche mitzuwirken, weil man weiß, dass man Gutes tun kann. Die Feier der Gottesdienste, die Weitergabe des Evangeliums und der Dienst an den Armen sind die drei Säulen des kirchlichen Lebens: Liturgie, Verkündigung und Diakonie. Alles gehört zusammen, nichts kann ausgelassen werden, weil wir von Gott dazu berufen sind.

„Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“, hat Jesus uns ins Herz geschrieben. Dann spürt man den Segen, der von Gott ausgeht. Nicht umsonst beten wir im „Ave Maria“: „gebenedeit bist du unter den Frauen“.  Gebenedeit ist eine deutsche Abwandlung von „benedicta“, „gesegnet“. Maria ist gesegnet, weil sie von Anfang an und immer wieder neu auf Gott gehört hat. Durch ihr offenes Ohr, durch ihr bereites Herz kam der Segen Gottes zu ihr und zu den Menschen. Maria Geburt ist ein Bild für die Geburt des Christen zum gesegneten Menschen.

Segen bedeutet Sinn, Kraft, Verankerung. Deshalb ist unser Patrozinium, das Fest unserer Kirchenpatronin ein Zeichen für die persönliche Berufung von jedem einzelnen von uns. Das Patrozinium ist ein Fest der Dankbarkeit Gott gegenüber, der uns berufen hat. Besonders ist es eine Gelegenheit, einander zu danken, dass der andere aus diesem Glauben in der Pfarre mithilft, sie durch seine Gegenwart prägt, ihr aus der Kraft Gottes eine Lebendigkeit verleiht – in der Liturgie, in der Verkündigung und in der Diakonie. Wie Maria dürfen wir durch unser Wirken in der Pfarre und in der Welt Christus zu den Menschen bringen, durch unser Denken, Reden und Tun: „Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus.“ Amen.

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