Das Evangelium verrät uns das tiefe Geheimnis der Berufung: Jesus rief die zu sich, die er selbst wollte und sie kamen zu ihm (Mk 3,13). Im Grund liegt darin schon die ganze Dimension der Berufung versteckt.

Jesus rief zu sich: Er war zunächst nicht daran interessiert, Menschen auf irgendeine Mission zu schicken, ihnen große Aufgaben zu geben, große Taten für die Welt zu fordern usw. Nein, er rief die Jünger zu sich, damit sie bei ihm seien. Eine Berufung ist ein Ruf an dich selbst, der dich mit deinem ganzen Sein fordert, mit allem was du bist: deinen Stärken, deinen Vorzügen, deiner Vergangenheit, deiner Leidenschaft und Liebe, deiner Gebrochenheit und Sünde. Nichts ist davon ausgeschlossen. Und der Ruf ergeht an dich, um ganz zu Jesus zu kommen. Die Berufung führt immer hin zu Jesus Christus selbst, mit allem was du bist und hast. Du darfst so sein wie du bist, und dich von Jesus gerufen und angezogen wissen.

die er selbst wollte: Jesus hatte ein spezielles Interesse, genau diese zwölf Männer als Apostel zu wählen und zu rufen. Er ist sich dabei auch der Schwäche jedes Einzelnen bewusst gewesen und hat sie dennoch gerufen. Mit einem persönlichen Ruf des Namens von jedem Einzelnen rief er die Apostel zu sich. Er kennt jeden persönlich und er liebt jeden ungeteilt und leidenschaftlich. Es war die Liebe Christi, welche die Jünger alles verlassen ließ, was sie liebten, um der größeren Liebe von Jesus zu folgen. Und jeder einzelne wurde und wird von der Liebe seines Herzens erfüllt und „gezogen“. Er liebt dich, er ruft dich, er möchte niemanden anderen als eben dich selbst. So unglaublich dieser Gedanke erscheinen mag, so wahr ist er. Jesus liebt dich von Herzen. Er fragt dich, ob du der Freund seines Herzens sein möchtest, wie niemand anderer.

… und sie kamen zu ihm: Der Ruf Jesu hat anscheinend in jedem einzelnen der Apostel und Jünger etwas ausgelöst, was ihr Leben verwandelt hat. Sie kamen zu ihm. So schlicht das ausgedrückt ist, so klar

ist es. Sie verließen ihre Familie, ihren Stand, ihren Status und ihre Arbeit. Das Leben war auf einmal davon erfüllt von dem – „bei Jesus zu sein und bei ihm zu bleiben“. Nichts Wichtigeres gab es mehr auf dieser Welt als bei Jesus zu sein. Mit ihm zu sein und zu leben ist wohl der Kern der Berufung und des Rufes.

Was sich aus der Zeit mit Jesus für die Apostel entwickelt hat war etwas ganz Besonderes: Sie durften in der Sendung Jesu stehen. Er hat sie angenommen als seine Gesandten! „So wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“. (Jo 20,21). Diese Sendung trägt die Kirche bis auf den heutigen Tag. Es ist die apostolische Sukzession, in welcher die Bischöfe stehen und welche der Kirche und der Welt das Priestertum schenkt. Die sakramentale Gegenwart Christi in dieser Welt baut auf das Leben und die Nachfolge der zwölf Apostel auf und lebt durch die Nachfolge der Priester und Bischöfe von heute weiter. Durch die Priester wollte Gott seine sakramentale Gegenwart den Menschen bis zum Ende der Welt schenken, damit der Weg zum Vater und zum ewigen Leben der Welt weiter geschenkt wird. In dieser Sendung vom Vater zu stehen, ist das Geschenk Jesu an den Priester selbst. Der Priester ist Gesandter Gottes in einzigartiger Weise. Das ist Gabe und Aufgabe.

Die Berufung ist (wie in der Heiligen Schrift oftmals bezeugt) nie eine Selbstinszenierung! Keiner hat sich selbst berufen, sondern wurde von Gott selbst dazu berufen und auserwählt. Wenn du kein Erlebnis und keinen Eindruck des Rufes Gottes von außen je bekommen und verspürt hast, dann frag Gott selbst, ob er es ist, der dich ruft und er wird es dir zeigen, wenn es nicht so sein sollte. Gott ruft nicht missverständlich und geheim, sondern natürlich und offen gerade dort, wo die Menschen leben und stehen. Um den Ruf Gottes im eigenen Leben zu hören muss man natürlich aufmerksam sein und es gilt sich dafür Zeit und Raum im Gebet zu nehmen. Wenn du den Ruf jedoch vernimmst, lass dich davon nicht beängstigen oder erschrecken, denn der Ruf der Berufung ist kein „Zwang“ oder „unfreiwillige Rekrutierung“ sondern eine Einladung für ein erfülltes Leben ganz mit Jesus.

Mag. Rupert Santner

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