Geistliches Tagebuch von Maria Sieler
und Schriften über Maria Sieler

 

* 3. Februar 1899 in Winterdorf, Steiermark;
† 29. Juli 1952 in Rom

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Gesamtes Dokument

Seiten: 1.309
Wörter: 677.379
Zeichen (mit Leerzeichen): 4.528.163

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Letzte Bearbeitung

Mittwoch, 12. September 2018

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Digitalisiert von Romano Casanova
Bearbeitet von Dominik Wagner
Herausgegeben vom Verein Priesterforum

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Versionshinweis

D4

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Bearbeitungen und Hinzufügungen

Etliche Korrekturen
Absatznummerierung durchgehend
Endnotenverweise (die Endnoten selbst sind in Bearbeitung und wurden vorerst ausgelagert)

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Aufgrund des Umfanges werden die Briefe Maria Sielers in einem separaten Dokument gesammelt

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Übersicht

 

Geistliches Tagebuch von Maria Sieler  und Schriften über Maria Sieler 1

Übersicht 2

Geistliches Tagebuch von Maria Sieler 3

Vorwort des Digitalisierers über die Bearbeitung des Textes 4

Die Jahre 1918-1924 5

Das Jahr 1925 20

Die Jahre 1928/29 27

Das Jahr 1937 31

Das Jahr 1938 43

Das Jahr 1939 51

Das Jahr 1940 63

Das Jahr 1941 137

Das Jahr 1942 243

Das Jahr 1943 399

Das Jahr 1944 523

Einiges aus meinem privaten Tagebuch 738

Das Jahr 1945 757

Das Jahr 1946 837

Das Jahr 1947 862

Das Jahr 1948 948

Das Jahr 1949 980

Das Jahr 1950 1047

Das Jahr 1951 1063

Schriften über Maria Sieler Verschiedene Zusammenfassungen 1090

Leben_ 1091

Gutachten über Maria Sieler 1133

Allgemeines 1223

Pro Memoria 1264

Grundlegende Umrisse über das Priesterwerk 1281

Ausführliches Inhaltsverzeichnis 1287

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geistliches Tagebuch von Maria Sieler

 

Vorwort des Digitalisierers über die Bearbeitung des Textes

Maria Sielers Tagebuch wurde von Hand geschrieben. Es gibt bei Frau Sieler zwei Arten von Tagebüchern: Ein persönliches und jenes, welches über die Priestererneuerung im Geiste Gottes berichtet. Das hier vorliegende Werk gehört der zweiten Art an. Vereinzelt sind jedoch auch Inhalte aus dem persönlichen Tagebuch eingeflossen. Die zugrundeliegenden Manuskripte (künftig M), die ich bei mir hatte, sind mit Schreibmaschine geschrieben und daher bereits als eine Auswahl und Bearbeitung zu betrachten – Maria Sieler arbeitete nämlich handschriftlich. Alle M's weisen für sich eine kontinuierliche, einheitliche Schreibweise auf. Ich konnte zwei Arten von M's ausmachen: (1) Eine Art von M (künftig M1), die kein „ß“ haben. Sie weisen zusätzlich auch einen einheitlichen übereinstimmenden Schreibstil auf und sind betreffend der Grammatik fast ohne Fehler. (2) In der zweiten Art von M (künftig M2) wurde die „ß“-Regel beachtet. Sofern vorhanden wurde immer M1 als Grundlage genommen, da auf diesen Skripten meist ein Vermerk war: „Komplett“. Die Angabe darüber, welches Skript als Grundlage genommen wurde, steht unterhalb des jeweiligen Titels.

Zu Grammatik und Rechtschreibung im digitalisierten Werk: Es wurde grundsätzlich die neue Rechtschreibung beachtet und dahingehend korrigiert (Duden). Manche Worte weisen jedoch eine Eigenart (Mundart, veraltete Aussagen etc.), die zu verändern einen schweren Eingriff darstellen würde. Diese wurden also möglichst beibehalten. Bespielsweise liest man in M diesen komplizierten Satz: „So schaute ich gleichsam den psychologischen Weg, den dieser Ausspruch Christi gegangen ist von der göttlichen Person als dem 'Ich' bis zum tatsächlichen menschlichen Mitleid und Mitfühlen dieses göttlichen 'Ich', das ein wahrhaft menschlich fühlendes 'Ich' ist.“ Intuitiv würde man die Satzelemente zugunsten der besseren Lesbarkeit anders zusammensetzen oder mehrere Sätze bilden, um das Gemeinte ins Wort zu bringen – das wurde aber im Digitalisierungsprozess unterlassen. Oder: „Unter 'Sinnestätigkeit' oder 'Sinnesleben' ist hier gemeint die allgemeine 'Gefühligkeit' im menschlichen Leib, die zwar …“ Man würde das Verb „gemeint“ an das Ende des Hauptsatzes setzen – auch davon wurde bei der Digitalisierung Abstand genommen. Manchmal sind Sätze also „originell“ verfasst. Wenn der gemeinte Sinn des Satzes nicht eindeutig zu erschließen war, wurde er so belassen, damit sich keine Fehler durch Interpretation einschleichen. Grundsätzlich: Es wurde möglichst so gearbeitet, dass der Sinn des Satzes nicht verändert wird: Entstand der Eindruck, dass der Satz in M stimmig ist, so wurde er so belassen – auch wenn er aus grammatikalischer oder stilistischer Hinsicht anders sein sollte oder könnte. Und im Zweifelsfall wurde ebenso der Text von M übernommen.

Im Falle eines Kongruenz-Fehlers war die Vorgehensweise folgende: Zuerst wurde überprüft, ob das betreffende Wort (oder der Satzteil) dem Satzkontext entspricht. Wenn nicht erfolgte die Korrektur des Wortes oder des (bestimmten bzw. unbestimmten) Artikels oder des Satzteiles. Ansonsten wurde jenes Glied korrigiert, was den Fehler verursacht. Beispiel: „Maria Sieler ist in den Haus.“ Hier ist eindeutig, dass „dem“ stehen muss, da „in“ Dativ verlangt und es keinen Hinweis gibt, dass es „in den Häusern“ heißen soll.

Zuletzt noch ein Wort zum Digitalisierer: Er hat das umfangreiche, vorliegende Werk ehrenamtlich erstellt. Er ist zudem kein Lektor und es werden dementsprechend Fehler unterlaufen sein. Dafür wird der Leser um Verständnis gebeten. Es wurde selbstverständlich versucht, die anvertraute Arbeit möglichst gewissenhaft zu tun. Es wurde genau darauf geachtet, dass der Sinn in den einzelnen Aussagen Sielers getreu überliefert wird.

 

 

 

 

 

 

 

Die Jahre 1918-1924

 

Grundlage M1

 

 

 

 

xx.xx.1918

[Seite 1 fehlt …]

1 |      … fliehen – nicht fürchten vor der Welt, in allen Versuchungen ins heiligste Herz Jesu fliehen. Herz Jesu, du Quell aller Reinheit, erbarme dich meiner! O jungfräuliche Mutter Maria, beschütze mich! – Will mich recht bemühen, freundlich und liebevoll zu sein gegen meine Nebenmenschen. O Jesus, sanft und demütig von Herzen, mach mein Herz dem deinen gleich!

2 |      Aber ich will meinem Jesus nicht nur heute dienen, da er mir so fühlbare Freude gegeben, nein, auch wenn er mir jeden Trost entzieht, wenn's recht traurig und kalt in meiner Seele, wenn ich mich so ganz allein fühle.

3 |      Ein großes Kreuz hat mir der Heiland geschickt: Mein treuer Bruder, gefallen. – Schier zu groß war es mir, es zu tragen. Wie schwer wurde mir die Ergebung in Gottes Willen! Wie habe ich mich dagegen gesträubt! Endlich habe ich mich darin gefunden. Ich gebe mein Kreuz nicht her; ich liebe es. (Schon vorher, als ich für den Bruder betete, trat mir im Gebete wiederholt durch innere Erkenntnis die Möglichkeit nahe, dass mein Bruder nicht heimkomme). – Nicht in Glück und Freude nur soll man Gott dienen, sondern auch wenn er Unglück und Schweres schickt. – Ich hoffe fest von Gottes Barmherzigkeit, dass er eine glückliche Sterbestunde hatte. Ich habe ja so viel für ihn gebetet. Wie oft habe ich ihn dem barmherzigen Herzen Jesu empfohlen nach der heiligen Kommunion, habe für sein körperliches wie für sein geistiges Leben gefleht, um eine glückliche Sterbestunde. Ich glaube, Jesu Herz ist zu gut, als dass er mich nicht erhört hätte. O Jesus, gib ihm die ewige Ruhe!

4 |      Am 3. September heilige Kommunion! Welche Freude für mich! – Montag, 2. September war ein schwerer Tag; ich fühlte meine Kraft zu Ende gehen. Viele Versuchungen, die mir den Herzensfrieden nahmen. Ich sehnte mich hinein in mein Stübchen, um am Fuße des Kreuzes den Frieden zu finden. Ach, wie schwach fühlte ich mich! Der Gedanke an die morgige heilige Kommunion erfüllte mich mit Trost.

5 |      Also, am Dienstag, den 3. September bei der heiligen Kommunion schöpfte ich neue Kraft aus dem Herzen Jesu. Den ganzen Tag fühlte ich so sehr die Nähe des Herrn! Der Gedanke, am Morgen kommuniziert zu haben, beseligte mich den ganzen Tag. O mein Jesus, lass mich nicht scheiden von dir! – 11:00 Uhr abends: Jetzt werde ich mein Abendgebet verrichten und dann schicke ich noch ein inniges „Gute Nacht“ zum Heiland im Tabernakel und werde mich zur Ruhe legen. –

6 |      Freitag, den 6. September. Viele drängende Arbeit, aber erster Monatsfreitag! Heute muss ich zur heiligen Kommunion gehen, und wirklich hab ich's erreicht! Wie groß war mein Verlangen danach und meine Freude! – Ich habe reichlich gefunden, was ich gesucht habe. Den ganzen Tag hat dann die Sonne gescheint in meinem Herzen.

7 |      Samstag: auch wieder Gelegenheit zur heiligen Kommunion. Ja, ich verstehe dich, o Herr. Es ist wahr, wie du gesagt hast: Meine Freude ist es, bei den Menschenkindern zu sein. O Herr, auch meine größte Freude ist es, bei dir zu sein! – Dann kommt der heiß ersehnte Sonntag, an dem ich immer sicher zum Heiland kommen kann. Komm, o Jesus, komm zu mir. Ach, wie sehne ich mich nach dir! – Und er hat sich mir geschenkt. Wer kann deine Liebe, o Herr, zu den Menschen begreifen? Ich stehe vor einem Rätsel. Welche Freude, welcher Frieden! Ganz will ich mich in Jesu Herz versenken. Ach, bräuchte ich doch nie mehr in die Welt zurückkehren! O, dass ich ganz rein wäre vor deinem Blicke – aber wie habe ich mein Kleid beschmutzt? Ach, könnte ich dich so innig lieben, wie du mich liebst! Ich verlange nur nach Liebe, nach wahrer Gegenliebe. – Ja, unermesslich viele Gnaden habe ich heute empfangen und wie hab ich sie benützt? – Wie bin ich so traurig und missmutig! Nur mit Klagen trage ich mein Kreuz. Ich verlange, von Menschen getröstet zu werden. Ich suche die Gesellschaft der Welt, mein Jesus aber sagt mir, die Einsamkeit zu lieben. – Abends nun denke ich zurück an den Tag. Alle Gedanken ziehen an meinem Geiste vorüber. Seltsame Gefühle! So traurig und einsam! Ach, mein Gott, sei du mein Trost! Niemand, gar niemand habe ich, der mich tröstet. Allein bin ich, so allein, niemand versteht mich. Mein Jesus, in dein Herz hinein, da leg ich alle meine Bitten, meine Sorgen, meine Lieben, meine Sünden, ganz tief hinein meine Leiden und Freuden, alle meine Fragen und neuen Tage. – Doch warum schreibe ich dies nieder? Feder, du bist nicht imstande, ein Menschenherz zu ergründen mit seinem Verlangen und Sehnen nach Glück und Befriedigung. Heiligstes Herz Jesu, erbarme dich meiner!

 

April

23.04.1919

8 |      Schon lange habe ich nicht mehr geschrieben. Monate sind vergangen. Wie viel Leid ist seither schon vorüber! Eine schwere Krankheit brachte mich zu Weihnachten an den Rand des Grabes. Doch es war noch zu früh zum Sterben. Der göttliche Heiland, der einst die Kranken von Palästina heilte, kam in nächtlicher Stille zu mir, berührte mich und ich war gerettet. Ja, der heilige Heiland hat den Ruf seines Kindes gehört: „Herr, die du lieb hast, ist krank!“ Wochen sah ich vergehen, und noch immer lag ich im Bett. In schlaflosen Nächten sehnte ich mich nach dem Herrn. Wochenlang den heiligen Sakramenten fernbleiben zu müssen war mir wohl das Allerschwerste. Doch meine Tränen und Bitten rührten Jesus und er kam wieder, mir zur Stärke und zum Trost. In gesunden Tagen bin ich zu meinem Jesus gegangen und er kam zu mir, da ich krank war.

9 |      Endlich, nach Wochen konnte ich wieder das Bett verlassen und doch, jetzt nach Monaten bin ich noch krank. Aber ich kann wieder an Sonntagen wenigstens die heilige Kommunion empfangen, obwohl es mich, ob meiner Schwäche, auch hart ankommt.

10 |                    Lange Leidenstage hat der Herr über mich gesandt. Vielleicht werden sie früher oder später mit dem Tode enden. In diesen dunklen Stunden fühlt man so recht, dass Gott der beste Trost ist. Wie eine gewisse Macht zog es mich hin zu ihm.

11 |                    Und noch immer bin ich krank. Vielleicht werde ich nicht mehr gesund. Vielleicht stehe ich schon sehr nahe meinem Grabe. Ich weiß es nicht, doch ein etwas sagt mir: Ich werde nicht mehr gesund. Nun ja, wenn Gott es will, ich will mich ihm ganz ergeben. Herr, wie du willst, nicht wie ich will! Ich wünsche aber auch viel lieber zu sterben als noch einmal gesund werden; ja, ich freue mich aufs Sterben. Auf der Welt habe ich noch nichts gehabt als Leid und Kummer. Nach dem wird Gott alle Tränen von meinen Augen abwischen. Aber ich wünsche einmal gut und selig zu sterben, auf dass ich auch zu meinem Heiland in den Himmel komme. – Jesus hilf, dass ich dich doch bald in ewiger Lust schauen kann!

12 |                    Was heißt Opferseele sein? – Wenn Jesus sich täglich unzählige Male auf dem Altar im heiligen Sakrament seinem himmlischen Vater opfert und er jedes Mal seine Leiden, seine Verdienste, seinen Tod am Kreuz für die Sünden der Menschen darbringt, soll sich eine Opferseele mit dem Opfer des göttlichen Herzens Jesu vereinigen. – Und ich will Opferseele sein. Fürs erste will ich mich dem liebevollen Herzen Jesu ganz hingeben als SEIN Opfer. Ich will ganz und ohne Vorbehalt meinem Heiland gehören. Ich weihe ihm mein Leben, meine Leiden, vor allem will ich [mich] bemühen, voll und ganz meinen Willen ihm zu opfern. – O mein lieber Jesus, nimm du meinen Willen ganz in Besitz. Ach, so oft folge ich meinem Willen und nur so selten vereinigte ich mich mit dem deinen.

13 |                    Ich will mich recht bemühen, meinem Eigenwillen zu entsagen. Ach, mein lieber Jesus, als du für uns auf die Welt kamst, hast du zu deinem himmlischen Vater gesagt: Siehe ich komme deinen Willen zu tun. – Hilf mir, auch mich dir ganz hinzugeben; ich bitte dich um die Gnade, dies immer besser und vollkommener tun zu können. Mit dem Gedanken „siehe, ich komme, o Gott, deinen Willen zu tun“ will ich jeden Tag aufstehen. Das soll der Grundsatz jeder Opferseele sein und auch der meine.

14 |                    Als Opferseele weihe ich dem Herzen Jesu alle meine Leiden, meine Krankheit. Ich will ihm zuliebe mein Kreuz tragen. Der göttliche Heiland hat ja gesagt: Wer mein Jünger sein will, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Und Kreuzesjüngerin will ich sein. Mein Jesus, in dein Herz hinein, da leg ich all meine Leiden, alle Mühseligkeiten und Schwächen, jeden Schlag meines Herzens und vereinige meine Armseligkeiten mit dem Opferleben deines liebreichen Herzens im heiligen Sakrament. Das soll ja der Hauptzweck der Vereinigung der Opferseelen sein, dem göttlichen Erlöserherzen unsere Opfer und Leiden zu weihen und sie mit den Seinigen zu vereinigen und dadurch das Erlösungswerk vollenden und Seelen für den Himmel retten.

15 |                    Als Opferseele will ich meinen Heiland recht innig lieben. Ich will ihn für jene lieben, die ihn nicht lieben. Er ruft ja vom Tabernakel uns zu: „Ich habe einen glühenden Durst, im allerheiligsten Sakrament geliebt zu werden, und so wenige sind es, die meinem Verlangen entsprechen und mein Herz durch ein wenig Gegenliebe erfreuen“. – O mein liebevoller Jesus, ich will dich recht innig lieben und mich bemühen, dir für deine Liebe recht viel Gegenliebe zu erweisen. Aber wie kalt ist meine Liebe, wie lau und gleichgültig bin ich zu oft! O lebensglühendes Herz, verzeihe mir und erfülle mein Herz mit jenen heiligen Flammen der Liebe, die dein Herz im Tabernakel verzehrt. Und besonders bei der heiligen Kommunion schenkt sich mir der liebe Heiland mit seiner ganzen Erlöserliebe. Da will ich ihn recht innig bitten: Ich liebe dich, mein Jesus, aber ich liebe dich so kalt. Gib mir doch eine glühende Liebe zu dir! Und wenn ich meinem Erlöser nach der heiligen Kommunion 1000 mal dies sagen würde, es wäre noch viel zu wenig oft, kommt mir vor, denn schau, mein liebster Jesus, ich möchte dich so recht von ganzem Herzen lieben.

 

Juni

04.05.1920

16 |                    Beichtzuspruch: Ich will in diesem Monat Maria besonders verehren, sie mit kindlicher Liebe öfters grüßen, zu ihr beten, dass sie auch meine Mutter sei.

 

Juli

xx.06.1920

17 |                    Der Wille Gottes führte mich hierher in die Heilanstalt. Und es gefällt mir gut hier. Der liebe Jesus hat schon für sein Kind gesorgt. Jeden Tag hab ich das große Glück, die heilige Kommunion zu empfangen. Niemals werde ich die Liebe meines Heilandes begreifen können. (In einer Art Beschauung geschrieben:) Wenn ich bedenke: Jesus, der sich unseres Sündenelends erbarmte, kam als kleines Kind in dieses Jammertal, lebte hier 33 Jahre, war nur Liebe und Güte zu den Armen und Kranken … Und wie er am Kreuze unter so großen Schmerzen sein Leben für uns hingab – wie er am Abend vor seinem Leiden im Sakrament der Liebe sich für uns zur Speise hinterließ: Ja, da Jesus die seinen liebte, liebte er sie bis ans Ende. – Aber ach, wie bin ich ihm oft gar so undankbar für seine Liebe! Jesus gibt sich mir täglich in der heiligen Kommunion mit seiner ganzen Erlöserliebe, mit seinem heiligen Herzen, welches ja die Quelle dieser seiner übergroßen Liebe ist. Er, der Heiligste und Vollkommenste, der Schönste kommt in mein armes, armes Herz.

18 |                    „Ich habe die größte Freude, in reinen Seelen zu wohnen“, sagte Jesus einst zu seiner heiligen Braut Gertrudis. Aber ach, wenn ich in mein Herz hineinschaue, was finde ich? Gleichgültigkeit, Kälte, Sünden. Ich fühle meine Unwürdigkeit, ach, ich fühle sie viel zu wenig. Herr, mach mich rein! Nimm du mein Herz, es gehört ja dir. Du willst darin jetzt einziehen und wohnen darin, aber ich bitte dich, bereite es zu einer dir würdigen Wohnstätte! Sieh, o Herr, was ist all mein Bemühen? Ich will mich nur nach dir sehnen. – Jesus täglich in der heiligen Kommunion besitzen, welches Glück! Wer Jesus hat, der hat alles: o wahres Wort. Was kann die Welt mir Glück gewähren? Mir hat die Welt noch kein Glück gebracht. Meine glücklichsten Stunden sind die nach der heiligen Kommunion, vereint mit Jesus. Jesus in der heiligen Kommunion besitzen, welche Freude! Gar so vergänglich sind die irdischen Freuden; es sind nur Scheinfreuden. Jesus besitzen ist wahre Freude. Nein, o Jesus, ich will keine andere Freude, nur dich allein! In dir will ich mein Glück und meine Freude suchen.

 

Unbekannter Monat

xx.xx.1921

19 |                    Weil ich nun so allein bin, will ich wieder einmal in dieses Büchlein schreiben. Aber was soll ich schreiben? Ich fühle in mir eine so quälende Unruhe – es dauert schon einige Wochen – und ich fühle mich innerlich so traurig und verlassen; nichts freut mich, ich sehne mich nach etwas Unbekanntem. Ich habe so große Sehnsucht nach dem Heiland und ich kann ihn nicht finden. Und so oft wiederholen sich diese Seelenleiden.

20 |                    Habe diese Woche viermal die heilige Kommunion empfangen; ich bemühte mich jedes Mal, mich so gut ich es vermochte darauf vorzubereiten, aber ich bleibe dennoch kalt und leer. Heute, Sonntag, nahm ich mir besonders vor, recht gut zu kommunizieren, konnte aber wieder so wenig Andacht finden. Das tut mir so weh, gegenüber meinem Jesus so kalt zu sein. Ich habe immer so sehr Verlangen, Jesus zu besitzen, ja, ihn immer mehr und ganz zu besitzen; ich kann es aber nicht erreichen. Ja, ich fühle es, ich bin viel zu arm und sündhaft, als dass Jesus mir fühlbare Tröstung gebe. Aber so recht innig einmal den Heiland besitzen, danach sehne ich mich gar so sehr. Ich möchte ihm alles sagen, was mein Herz bewegt, aber in der Stunde der heiligen Kommunion, da fühle ich mich so kalt. Aber du weißt, o liebster Jesus, dass ich dich liebe, dass ich nur dir gehören will. Du weißt alles, was ich denke, fühle und was mich bewegt. Wenn du dich auch scheinbar mir entzogen hast, so hast du mich dennoch nicht ganz verlassen. – Ich will mich bemühen, in Geduld zu warten bis du wieder kommst, bis die Zeit der Prüfung vorüber ist.

21 |                    Ich bin noch so jung und sollte doch in der Jugend glücklich sein, aber ich bin es nicht. Ein Etwas, was ich selbst nicht begreifen kann, liegt auf mir, was kein wahres Glück aufkommen lässt. Manchmal fühle ich mich gar so niedergedrückt. Meiner Jugend erstes Sehnen hat sich nicht erfüllt. Mein innigster und aufrichtigster Wunsch, dem lieben Heiland im Kloster zu dienen, hat sich nicht erfüllt. Und das tut weh, tut noch immer so weh, immer brennt noch die alte Wunde im Herzen, weil ich mich halt gar nicht glücklich fühle in der kalten Welt. Ach, wie ekelt mich die Welt an! Ich finde keine Freude in ihr; alles ist Schein und Trug. Statt ins stille Kloster hat mich der Heiland einen anderen Opferweg geführt, den Weg der Krankheit und des Entsagens. Manchmal ist es ein harter Kampf, mich einzufinden. Aber dem Herzen Jesu zu lieb, das doch immer das Beste vorhat, will ich mich ihm ergeben. Ich will mich bemühen, im Geiste der Opferliebe Jesu mein Kreuz zu tragen, Jesus gegenüber willenlos zu sein. Und wenn ich mich ganz dem Willen Jesu übergebe, so finde ich in ihm einen großen Trost, dass ich mit keinem Menschen in der Welt tauschen möchte. Der liebe Heiland will ja, dass wir ihm nicht nur dann treu dienen, wenn wir Befriedigung dabei haben. Er freut sich viel mehr, wenn wir seinem Willen dienen.

22 |                    Ich will keinen anderen Trost als Jesus allein. Ich wünsche, ich sehne mich, ihn ohne Unterlass zu besitzen. Ich habe manchmal eine so große Sehnsucht nach dem Heiland, dass ich nirgends bei Tag und Nacht Ruhe finde. Ich glaube, ich würde nicht erschrecken, wenn meine Krankheit schnellere Fortschritte machen würde. Dann dürfte ich schon bald ganz mit Jesus vereint sein. Das ist das Ziel meines Verlangens. Jesus, hilf, dass ich doch bald dich schauen kann in ewiger Lust! Aber, o Herr, dein Wille geschehe! Ich bin bereit, weiter den Opferweg zu gehen. Ich wünsche nur, dass ich immer geduldiger, demütiger, reiner werde und mein Herz immer mehr und endlich ganz dir ergeben sei. (Ich litt besonders darunter, dass mir ein großes Verlangen nach Heiligkeit gegeben war, ein besonderes inneres Ideal mir vorschwebte, dem mein Leben nicht so entsprach, wie ich es wollte).

23 |                    Du allein, o geliebtester Bräutigam meines Herzens, sollst alle meine Sehnsucht, meine Ruhe und meine Liebe sein. Ich will sein eine Opferseele des göttlichen Herzens.

 

xx.xx.1922

24 |                    Endlich will ich wieder in mein Büchlein schreiben. – Heute, Sonntag, 19. Februar habe ich dem lieben Heiland bei der heiligen Kommunion versprochen, ja nichts Ehrenrühriges über meinen Nächsten zu sagen. Ich will dafür recht oft an Jesus im heiligen Sakrament denken und alle unnötige Zerstreuung meiden.

25 |                    Ich habe heute meinem Heiland versprochen, jetzt überhaupt eifriger zu sein. Ich will mich recht des inneren Lebens befleißen und habe den Heiland recht innig um seine Gnade gebeten. Ach, ich war jetzt immer so lange laufen, habe so wenig auf die Stimme des Heilandes gehört, aber jetzt, mein Heiland, soll's anders werden; ich will von jetzt an das Irdische verlassen und Weltliches abstreifen, um desto inniger Jesus zu finden, will die Einsamkeit des Herzens leben, mich an nichts hängen, in der Welt ein Klosterleben führen. O mein Jesus, lass mich dadurch einen Ersatz finden dafür, dass ich dem Sehnsuchtsrufen meines Herzens nicht folgen kann. Ich will eine dem Herzen Jesu geweihte Opferseele sein, will mit dem geheimnisvollen Opferleben Jesu im Tabernakel mich vereinigen, will recht oft an seine Opferliebe denken. Alles, was ich da schreibe, ach, es ist so eine Anregung und ich will es öfter lesen, will jeden Tag mein Vorsatz für die Woche erneuern.

26 |                    Ich war jetzt lange Zeit so lau; ach, das tut mir so weh; wie wird es erst dem Heiland wehgetan haben. Ich fühlte mich geistig so schwach. Ich weiß auch die Ursache: Weil ich so viel mit der Welt hielt, weil mein Herz von so viel irdischen Dingen erfüllt ist. Darum war meine Liebe zu Jesus so kalt und fühlte ich mich von ihm so verlassen. Aber von jetzt an will ich mich Bestreben, dich innig über alles zu lieben. In meinem Herzen ist eine so große Sehnsucht, den lieben Heiland vollkommen zu lieben, immer mit ihm vereinigt zu sein. Ach, wenn ich nur einen recht frommen Beichtvater und Seelenführer hätte, der es mich lehrte, Jesus über alles zu lieben. Aber ich will ihn bei jeder heiligen Kommunion bitten, dass er es mich lehre, so, wie mir einst bei den Exerzitien ein Priester sagte. – O Jesus, ernähre mich mit deinem heiligen Herzblut, erziehe auch mein Herz nach deinem Herzen!

27 |                    In meinem Herzen ist immer ein gewisses heißes Sehnen nach einem ungestillten Glück, ach ich fühle, es ist die Sehnsucht nach dem stillen Klosterleben. Das macht mich manchmal so unruhig. O Jesus, stille du diese Sehnsucht mit dir selber, denn nur du kannst mich voll und ganz glücklich machen.

28 |                    Ich will von nun an mich bemühen, ein dem Herzen Jesu geweihtes Opferleben zu führen.

29 |                    Ich will jeden Sonntag einen bestimmten Vorsatz für die kommende Woche machen. – Ich will mich recht bemühen, eine dem heiligen Herzen Jesu geweihte Opferseele zu sein.

30 |                    Die Faschingstage haben mir viele Freude gebracht. Ich konnte jeden Tag die heilige Kommunion empfangen, konnte so viel knien vor dem lieben Heiland im heiligen Sakrament; leider war ich wohl lau, sollte noch viel andächtiger gewesen sein.

31 |                    (Aus der heiligen Beichte): Ich soll Jesus danken für die bewahrte Unschuld, eine der größten Gnaden. Ich solle mich dem lieben Heiland ganz aufopfern, das letzte und größte Opfer, das Opfer meines Lebens, immer wieder erneuern. Meine einzige Freude und Trost soll Jesus sein. Ein betrachtendes Leben führen (Leiden Christi), Stoßgebetlein zum heiligen Sakrament; festhalten an dem Gelübde der Jungfräulichkeit; es jedes Mal bei der heiligen Kommunion erneuern; mich Bestreben, recht rein und immer behutsamer zu sein.

32 |                    Erster Grad der Hingabe für Opferseelen: Ich will mich ganz dem liebevollen Herzen Jesu hingeben, mein Leben, meine Krankheit und alle inneren und äußeren Leiden, alle Körper- und Seelenkräfte. Ich will ganz dem Heiland gehören und will diese Aufopferung recht oft erneuern.

33 |                    Ich will diese Aufopferung in die Tat umsetzen. Der Heiland will vor allem mein Herz besitzen. Er soll darin herrschen, nicht ich mit meinen sündhaften Neigungen. Ich will jetzt recht arbeiten und kämpfen gegen meine eitlen und eigensüchtigen Neigungen. Weg mit allen eitlen Gedanken, mit eitler Selbstbeschäftigung und aller Eigenliebe! Ich will dem lieben Jesus alle meine Sinne zum Opfer bringen, recht demütig sein. Ich fühle, dass Jesus das von mir verlangt. Er will mein ganzes Herz.

34 |                    Hilf mir, mein Heiland, das zu erreichen; sonst bin ich keine wahre Opferseele. Nimm du meine Gedanken in Besitz, all mein Wünschen und Wollen! Sei du das Ziel meines Verlangens, dass ich nicht mich suche in meinem Tun! Du, o Jesus, sollst herrschen in meinem Herzen. Hilf mir, recht demütig und abgetötet [zu] sein und hilft mir, mich selbst zu verleugnen. – Der Heiland will ein leeres Herz, wo nicht das Ich und die Welt herrscht. Darum will ich Jesus bei jeder heiligen Kommunion bitten, dass er mein Herz ändere und für ihn umgestalte, dass es ihm ganz allein gehöre, nicht mir und nicht der Welt. Ich will in meinem Inneren jetzt fleißig wegräumen, putzen und abstauben, und Jesus wird mir dabei helfen; es ist ja ganz allein für ihn. Das sei mein Vorsatz; ich lege ihn hinein in Jesu Herz, in seine Liebeswunde, dass er ihn segne und zur Ausführung bringe, denn ohne seine Gnade vermag ich nichts.

35 |                    Schon ein paar Tage fühle ich mich so kalt; kein Opfergeist für den lieben Heiland ist in meinem Herzen. Es ist mir so schwer, mich zu überwinden, gegen meine Selbstsucht und den Ich-Geist zu kämpfen. Und dabei ist mir so bange ums Herz. Gewiss möchte ich anders sein. Sicher habe ich die Gnade des Heilandes nicht gut benützt und er entzieht mir darum jetzt seine Hilfe. – O mein Jesus, in dein Herz hinein lege ich meine Schwäche und meinen Wankelmut. Ich bitte dich, gib mir die Gnade, auf die Einsprechungen deiner liebe mehr acht zu haben. Ich sehne mich nach Kraft, ich sehne mich nach dem Heiland.

36 |                    Heute habe ich wieder das große Glück gehabt, Jesus in der heiligen Kommunion zu empfangen. Ich freute mich schon darauf, denjenigen zu besitzen, der gesagt hat: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“. – O mein Jesus, mein Alles, bleib in meinem Herzen und wache über mich und sei du allein der Vielgeliebte meines Herzens. Sei du meine Freude und mein Glück, auf dass ich nach nichts in der Welt mich umsehe. Hilf mir, eine wahre Opferseele [zu] sein und mich dir ganz [zu] ergeben, mein eigenes Ich [zu] bekämpfen und allein für dein liebreiches Herz [zu] leben und [zu] opfern.

37 |                    Heute heilige Kommunion. Ich habe den lieben Heiland heute recht innig gebeten, dass er das Licht seiner Gnade in meine Seele leuchten lasse, denn ach, ich fühle mich so niedergeschlagen und allein; kein Licht und kein Stern leuchtet mir. Bei der Beichte war es mir schon so bange; so finster war [es] in meinem Herzen. Ach, könnte ich mein Gewissen meinem Beichtvater enthüllen, aber das kann ich nicht. Wenn ich ihn um dies oder jenes fragen könnte, so wäre mir viel leichter, aber so muss man sich immer durchringen, bis man sich wieder auf dem rechten Weg weiß. Ich will gewiss alles tun, dass ich das richtige Ziel erreiche. Ich habe mich in dieser bangen Angelegenheit meinem Jesus empfohlen. Ich fühlte mich angeregt, recht ruhig darüber zu sein, demütig und ergeben und über nichts nachzugrübeln, sondern mich zu bemühen, den Willen Gottes zu tun, so gut ich ihn eben erkenne und mich über nichts unnötigerweise zu beunruhigen. Und jetzt ist es mir viel friedlicher im Herzen. Ich weiß, dass Jesu Liebe und Sorge über mich wacht. Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich!

38 |                    Jetzt habe ich wieder Gelegenheit, dem lieben Heiland ein Opfer zu bringen, wenn ich ihm zu lieb all diese inneren Leiden geduldig auf mich nehme; denn ich will ja eine Opferseele des göttlichen Herzens sein. O mein Jesus, hilf mir, mir selbst entsagen und jeden Augenblick des Tages dir meine verkehrten Neigungen zum Opfer [zu] bringen, besonders alle geistige Eitelkeit und Selbstgefälligkeit!

39 |                    Heute heilige Beichte und Kommunion. Ich fühle mich innerlich immer noch so traurig und verlassen und konnte bei der heiligen Kommunion keine rechte Andacht finden. Das fühle ich so schmerzlich, denn ich möchte dem lieben Heiland wahre Gegenliebe entgegenbringen. Aber du weißt, dass ich dich liebe. Wenn es dein Wille ist, dass ich dir ohne geistigen Trost dienen soll, so will ich demütig fiat sagen. Ich wollte diese Seelenangelegenheit meinem Beichtvater sagen, aber es kommt mir so schwer an, dies zu tun. Ich fürchte, es könnte doch Eigenliebe oder Einbildung dabei sein. Wenn es bis zur nächsten Beichte nicht besser ist, will ich es sagen.

40 |                    O mein Jesus, gib mir Geduld! Diese inneren Leiden zu tragen ist viel schwerer als körperliche Schmerzen: sich so vom Heiland verlassen fühlen, diese Finsternis im Herzen und diese quälende Sehnsucht nach Jesus und ihn nicht finden zu können! Und da bin ich so schnell mutlos und weiß dann nicht, was ich tun soll. Aber ich will ja eine Opferseele sein und da muss ich ja für alles bereit sein, was der Heiland schickt. Ich will mich bemühen, stark zu sein, mich mit dem stets sich opfernden Herzen Jesu vereinigen und mich ihm hingeben, wie es sich für eine Opferseele gehört.

41 |                    Vorsatz bei der heiligen Beichte: „Fiat voluntas tua“ bei jedem Herzschlag, ja in allen Augenblicken des Tages. Ich will danach kämpfen gegen meine Natur und meine Empfindungen, dass mein Leben bis zur nächsten Beichte ein „fiat“ gegenüber dem lieben Heiland sei.

42 |                    Vorabend von Mariä Verkündigung: Heute bei der heiligen Kommunion, endlich meinen Heiland gefunden! Wie glücklich bin ich! O Jesus, du mein Alles, meine Freude und mein Glück! Wie freue ich mich auf morgen, wo ich wieder das Gelübde der Jungfräulichkeit erneuern kann, wo ich wieder sagen kann: Jesus, du bist mein und ich bin dein. Dir will ich gehören, ganz und ungeteilt meine ganze Liebe, meine Herzensreinheit. O Herr, lass mich eine Lilie sein, woran du eine Freude hast! O seliger Tag, wie ersehne ich dich! Ach, wäre ich auch so rein, dass ich meinem himmlischen Bräutigam ganz wohlgefällig sein könnte! O mein Vielgeliebter, mach mein Herz zu einem Brautgemach deiner Liebe! O Maria, jungfräuliche Gottesmutter, schmücke mein Herz für den kommenden Festtag! Hilf mir, deinem lieben Sohne Freude [zu] machen!

43 |                    Ja, das Fest Mariä Verkündigung war ein geistiger Freudentag für mich!

44 |                    Schon lange habe ich nicht mehr in mein stilles Büchlein geschrieben. Wie viel Schweres hat mir das Leben seither gebracht! Welchen Kummer, wie schwer fühlte ich das Kreuz, das mir der Heiland auferlegte! Mein Jesus, in dein Herz hinein, da leg ich alle meine Leiden, dass du mich lehrest stille sein …

45 |                    Aber mehr als alle diese Leiden fühle ich die inneren Kreuze. Wie ist mir immer so bange bei der heiligen Beichte! Wenn ich mich einmal in dieser Hinsicht mit meinem Beichtvater aussprechen könnte, aber ich getraue mich nicht. (In jener Zeit sprach Jesus schon fühlbar zu mir, was mir eine große innere Ratlosigkeit brachte. Das innere Ziel wurde mir höher gestellt) – mein Heiland, gib du mir Licht, dass ich mich nicht verirre! Ich vertraue auf deine Hilfe. Mach du meinen Willen rein und nur dir zugewandt! – In der Nachfolge Christi steht: es gibt keinen Weg zum wahren inneren Frieden als den Weg des Kreuzes und der täglichen Abtötung. – Ich will mich bemühen, diesen Weg gehen zu lernen.

46 |                    O Jesus, reiß mich los von allen irdischen Dingen, von allen Geschöpfen; denn ich glaube, jede Liebe und Zuneigung, die man den Menschen zuwendet, entzieht man gewissermaßen dem Heiland. Er soll mein Alles sein, mein Trost und meine Zuflucht. ihm allein will ich meine Leiden klagen. Ich will nur jene Freuden suchen, die aus Kreuz und Leiden erblühen, nur Kreuzesblumen will ich, sonst keine.

47 |                    Mein Jesus, hilf mir, dies besser und vollkommener tun. Lehre du mich Kreuzesjüngerin sein! Sei du mein Lehrmeister! Ich vertraue mich dir an. Du hast schon so viele Seelen deine Nachfolge gelehrt. Ich will dich bei jeder heiligen Kommunion bitten, du sollst mein Seelenführer sein. Sei du mein Licht, lehre mich meine Sünden und Fehler erkennen, dass mich die Eigenliebe nicht blende. Ach, da ist mir so bange und ich fürchte mich, ob ich wohl auch auf dem rechten Weg bin.

48 |                    Heute Fronleichnamsfest, das Hochfest der Liebe. Da soll ich dem lieben Heiland recht von Herzen dank sagen für die Einsetzung des heiligen Sakramentes.

49 |                    Ach, wenn Jesus nicht dieses Liebessakrament uns gegeben hätte, wie traurig wäre es auf der Welt! Wem könnte man Freud und Leid erzählen, wer würde uns helfen, unsere täglichen Kreuze und Kreuzlein zu tragen? Aber so sind wir so glücklich, Jesus in unsere Mitte zu haben. Leider vergessen die Menschen, vergesse auch ich so oft, dem Heiland für diese große Liebe zu danken. – Mein Heiland, heute an diesem hohen Fest nimm meinen innigsten und heißesten Dank entgegen! – Wenn ich bedenke, wie viele, unzählige Gnaden du mir durch deine liebevolle Gegenwart im Tabernakel gegeben hast, ach, da bin ich wohl ein großer, großer Schuldner. Wie viele Kälte, Undank, Gleichgültigkeit, ja vielleicht sogar laue Kommunionen ich dir für deine Liebe gab, das muss dir wohl recht weh tun. Aber guter Jesus, ich knie mich geistigerweise hin vor dem Tabernakel und es kommt von meinem undankbaren Herzen: Mein Jesus, Barmherzigkeit! Verzeih mir, jetzt will ich aber anders werden, wirst es sehen, mein Heiland! Schenk mir, ich bitte dich, auch ferner deine Liebe! Nicht wahr, liebster Jesus, kommst wieder gerne in mein Herz bei der heiligen Kommunion? Schau, ich komme auch so gern zu dir! Bereite du mein Herz jedes Mal vor, denn ich bin es nicht imstande. Gib mir, o Jesus, ein recht großes Vertrauen auf deine Liebe, besonders bei der heiligen Kommunion, denn das Vertrauen ist ja der Schlüssel zu deinem Herzen!

50 |                    Ich habe immer ein solches Verlangen nach dem Heiland und, wenn ich so sagen darf, eine gewisse Sehnsucht nach Leiden. Kommt das von Jesus oder ist es seine Täuschung? Ich fühle immer eine solche quälende Sehnsucht, die sich nicht befriedigen lässt. – Du hast unser Herz für dich geschaffen und unruhig ist es, bis es ruht in dir, o Gott!

51 |                    Ich will immer mehr nach der Vereinigung mit Jesus streben. Welches ist der kürzeste Weg dahin? Ich glaube, Liebe und Leiden, ein verborgenes Leben, wahre Kreuzesliebe. – Mein Heiland, sei du mir Licht, sei du mein Seelenführer, dann werde ich nicht irregehen.

52 |                    Heute habe ich den lieben Heiland wieder beleidigt; darüber ist mir so bange. Was soll ich tun? Mich ihm zu Füßen werfen und ihn um Verzeihung bitten, dann wird er mir wieder gut sein; bei der nächsten Beichte es sagen mit dem Vorsatz, diesen Fehler mit seiner Gnade nicht mehr zu begehen. – Wenn es in mir manchmal so unruhig ist und ich genau nachdenke, dann habe ich bestimmt den Heiland in irgendeiner Weise beleidigt. Das ist eine ernste Mahnung von ihm.

53 |                    Heute Abend will ich eine Stunde lang aufbleiben, um dem Heiland in geistiger Weise Gesellschaft zu leisten vor dem Tabernakel, besonders aber, um seine Todesangst am Ölberg zu verehren, so wie er es von der heiligen Margareta Maria verlangt hat.

54 |                    Mein Jesus, mach mich zu einer wahren Opferseele deines heiligen Herzens, so wie es Zweck und Ziel des Vereins ist!

55 |                    Wie glücklich bin ich, dieser Vereinigung anzugehören, dir Liebe und Sühne und Opfer darzubringen für jene Seelen, welche dich verachten und beleidigen! Hilf mir immer vollkommener [zu] werden; ich gehöre dir, bin dir geweiht durch das Gelübde der Jungfräulichkeit. Hilf mir, mein liebster Bräutigam, reinen Herzens sein, um dich einst ewig zu schauen. Jesus hilf, dass ich doch bald dich schauen kann in ewiger Lust!

56 |                    „Mein Jesus, ich will nichts als dich, was du mir nimmst; ich beuge mich. Nimmst mir mein Liebstes: Herr, es sei, bricht auch das Herz mir, wird's doch frei. Ja, nimm nur alles hin von mir, nur Eins – das flehe ich heiß zu dir – und lass mir, lass mir bis ans End: Die Nähe von deinem Sakrament!“

57 |                    Heute Herz-Jesu-Sonntag, einer meiner liebsten Festtage des Jahres. Besonders heute sollen wir dem Herzen Jesu Sühne und Liebe bringen und ihm Abbitte leisten für all die Sünden und Verbrechen, die seinem heiligen Herzen zugefügt werden. Ehre, Liebe, Sühne dem göttlichen Erlöserherzen!

58 |                    Ach, ich fühle mich heute so allein und niedergedrückt. Meine Seele sehnt sich nach Licht. Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich!

59 |                    Wenn ich mich nur einmal mit einem Priester aussprechen könnte, aber so habe ich immer wieder Zweifel und Bangigkeit. Ich habe auf der Welt niemand, dem ich mich anvertrauen könnte. „Aber wenn ich auch wandle in Totesschatten, so fürchte ich kein Unheil, weil du bei mir bist“. Der Herr ist mein Licht, was soll ich fürchten?

60 |                    Aber nur nicht verzagen! Jesu Herz wird mich nicht verlassen. Ich bin ja eine Opferseele; da darf ich nicht sogleich verzagt sein.

61 |                    Mein Jesus, in dein Herz hinein, da leg ich mein Seelenheil, alle Unruhe! Sei du mein Seelenführer, auf dass ich mich nicht verirre! In dein Herz lege ich das Opfer, das du jetzt wieder von mir verlangst, die Verkennung und Verdemütigung, so schwer es mich auch ankommt, den letzten Trost, den ich noch auf der Welt hatte. Ich leg dieses Opfer in dein heiliges Herz; gib mir dafür recht innige Liebe zu dir!

62 |                    Los von allem, was du, o Herr, nicht bist! Lös mich los von allen irdischen Banden! Herr, dich allein! Ich will eine Opferseele sein, ganz dir hingegeben für alles Kreuz, das du für mich bestimmt hast!

63 |                    Durch Leiden kann man am wirksamsten an der Rettung der Seelen für den Heiland wirken. Ich will großmütig sein gegen den Heiland. Nur keine Kreuzesscheu, mutig und ohne Zögern dem Heiland das zum Opfer bringen, was er von uns verlangt!

64 |                    Als Opferseele muss man auch bereit sein, dem Heiland Sühne und stellvertretende Genugtuung zu leisten für alle unglücklichen Seelen, die in der Sünde fortleben. Durch Opfer und Leiden müssen wir als Opferseelen dem Heiland einen Ersatz bieten, um Ihnen dafür die Bekehrung zu erflehen.

65 |                    Ich möchte dem göttlichen Herzen gern ein Opfer bringen für Seelen, die mir nahe stehen. Ich möchte dem Heiland das Opfer meines Lebens bieten, um Seelen vor dem ewigen Verderben zu retten, aber noch fühle ich nicht ganz den Mut und die Kraft dazu. Da sehe ich wieder, wie sehr ich noch am Leben und am Irdischen hänge, und zudem muss man noch die Erlaubnis des Beichtvaters haben und das getraue ich mir nicht zu sagen. Mein Jesus, gib mir die Kraft! Wenn es dein Wille ist, wird es schon noch geschehen.

66 |                    (Jesus verlangte von mir im Jahre 1922 das Opfer des Lebens, gebracht am 15. August 1922. – Jesus versprach mir damals: „Wenn du das tust, wird keiner deiner Angehörigen verloren gehen.“)

67 |                    Mein Heiland, sei du mein Licht, dass ich mich nicht verirre! Erleuchte mich, dass ich meine Sünden erkenne! Da ist mir immer so bange! Sei du, o Herr, mein Licht, dass mich die Eigenliebe nicht blende! Gib mir wahre Demut, dass ich mich selbst erkenne! O Jesus, gib mir die Gnade der Demut und Erkenntnis meines eigenen Nichts!

68 |                    Exerzitien 1922: Ich will mich bemühen, gute Exerzitien zu machen; ich bitte dich, mein Heiland, gib mir deine Gnade! Dazu hast du mich hierher gerufen, um einige Tage die weltlichen Dinge zu vergessen und mit dir allein zu sein. Ein einziger Gedanke: Jesus und ich! – Das soll der Grundgedanke dieser Tage sein: Dich, mein Heiland, immer mehr zu erkennen in deiner großen Liebe, in deine grenzenlose Hingabe an die Geschöpfe; mein eigen Ich zu erkennen, all meine Sünden und Schwächen, meine Gleichgültigkeit dir gegenüber. O Jesus, hilf mir, mich selbst erkennen! Gib mir die Gnade einer guten Exerzitienbeichte. Ich will all meine Zweifel und Unruhen dem Priester sagen. Sprich du durch ihn zu mir, dass ich den richtigen Weg finde, der mich immer näher zu dir führt!

69 |                    Gib mir, mein Heiland, die Gnade, das Opfer (= das Opfer meines Lebens anbieten) zu bringen, das, wie ich glaube, du von mir verlangst. Gib mir Großmut gegen dich, dass ich kein Kreuz und kein Opfer scheue!

70 |                    Maria Himmelfahrt: (1922) ein Tag reinster Freude für mich! Bei der heiligen Kommunion mich dem göttlichen Herzen ganz aufgeopfert, so wie ich erkenne, dass er es will (das Opfer meines Lebens angeboten). Und ich bin so überaus glücklich darüber. O mein Jesus, nimm mich hin, wann ich dir am liebsten bin!

71 |                    … Ich will mich von jetzt an mehr bemühen, mein nichtswertiges Ich zu bekämpfen, auf dass Jesus immer mehr in meinem Herzen zur Herrschaft komme und ich endlich sagen kann: „Ich lebe, doch nicht ich, sondern Jesus lebt in mir!“

72 |                    Mein Heiland, bewahre du dein Kind rein von jeder Sünde; ich hätte dann auch eine große Freude.

73 |                    Die heilige Kommunion – mein Himmel auf Erden! Mein größtes Glück! Mein Jesus, mein Alles! Mein Lehrmeister, mein Seelenführer. – Mein Jesus, in seliger Vereinigung gibst du mir alles zu erkennen, was du von deinem Kinde willst! Ein reines, stilles Herz, leer von der Welt, immer bereit, deiner Stimme zu folgen, volle Hingabe an deinen heiligen Willen, reine, glühende Liebe, die sich im Opfergeist äußert.

74 |                    Wie süß die Rast nach Leid und Last, an Jesu Brust, der treuen! Wie muss das Herz trotz Kreuz und Schmerz beim Heiland sich erfreuen!

Gebetssammlung November:

75 |                    Mein Heiland, hilf, dass ich es auch einmal zu was bringe! Ich will nicht früher ruhen als bis ich meinen verdorbenen Willen und meine bösen Neigungen gänzlich unterdrückt habe und Jesus allein in meinem Herzen herrscht. Sonst kann ich nie eine wahre Opferseele sein.

76 |                    Eine Opferseele des Herzens Jesu in ihrer Vollendung! O du mein höchstes Ideal!

77 |                    Mein Heiland, mach aus mir eine vollkommene Opferseele, ich biete mich dir an, vernichte allen Widerstand, den dir meine Armseligkeiten und Sünden entgegenstellen! Mit der glühenden Liebe deines Herzens fülle den Abgrund, der mich von dir trennt, dass ich dir immer näher komme!

78 |                    Wenn ich auch durch das Opfer meines armen Lebens irgendwie zur Rettung der Seelen beitragen kann, Herr, so nimm es hin!

79 |                    Mach mich stark zu jedem Opfer und wenn es mein Herzblut wäre! Du weißt, mein Heiland, du weißt alles!

 

Januar

01.01.1923

80 |                    Neujahrstag. Was soll ich meinem Jesus als Neujahrsgeschenk bringen? So dachte ich mir heute Morgen bei der heiligen Kommunion. Was wird ihm am meisten Freude machen? – „Mein Kind, gib mir dein Herz!“ So rufst du immer wieder den deinen zu.

81 |                    Mein Jesus, ich gebe dir heute mein Herz und als Gegengabe, mein Heiland, was gibst du mir? – O senk in dieses dir geweihte Herz neue, glühende Liebe zu dir hinein!

82 |                    Ganz lege ich ins heiligste Herz Jesu das ganze kommende Jahr und alles, was es bringen wird, Freud und Leid, all meine geistigen und leiblichen Angelegenheiten.

83 |                    Mein Jesus, eine Bitte: Gib mir mehr Vollkommenheit, mehr Seeleneifer, mehr Opfergeist, mehr Liebe, mehr Hingabe!

84 |                    Im neuen Jahr nur eine Liebe – Jesus; nur eine Sehnsucht – Jesus; nur ein Wunsch – Jesus; nur eine Freude – Jesus; nur ein Ziel – Jesus!

85 |                    Mein Jesus, ich erneuere heute wieder meine Hingabe an dich als Schlachtopfer. Herr, nimm an das Opfer deines Kindes!

86 |                    Ich biete mich dir für alles an als dein Opfer, über das du verfügen kannst nach deinem heiligen Willen. Ich biete dir an das Opfer meines armen Lebens. Mein Jesus, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe. O mein Jesus, nimm mich hin, wann ich dir am liebsten bin!

87 |                    Endlich bin ich eine mit Jesus auf dem Altare dargebrachte Opferhostie. Mein Heiland, wie danke ich dir für diese so unendliche große Gnade! Du hast gesiegt, und was soll dein Kind anders als sich dir ergeben? Du hast mir deinen Diener gesandt, hab Dank, mein Heiland, dafür!

88 |                    Und jeden Tag opfert mich jener Gottgesandter immer wieder mit dem Heiland vereint bei der heiligen Messe. Meine Seele, bedenke, was das für eine große Gnade ist!

89 |                    Täglich opfert mich ein Priester bei der heiligen Messe dem lieben Heiland und jeden Tag morgens vereinige ich mich mit jenem Priester, der mich bei der heiligen Messe zum Opfer bringt.

90 |                    Sooft ich tagsüber oder in der Nacht denke, erneuere ich dieses Opfer. Jeder Schlag meines Herzens soll es erneuern.

91 |                    Schon seit Wochen lagert in meiner Seele tiefe Nacht und Verlassenheit. Kein Licht, kein Sternlein leuchtet mir. Mein Jesus, ist das deine Antwort, die du deinem Kinde schickst?

92 |                    Wohlan, mein Jesus, deine übergroße Liebe war es, die mich zu jener Hingabe befähigte, deine Liebe hat mich an dein Herz gezogen, deine Gnade wird mich stützen, die Folgen dieser Hinopferung zu tragen.

93 |                    Trotz dieser inneren Verlassenheit und Dürre bin ich so voll Ruhe und Ergebung. Nur die Sehnsucht nach dem lieben Heiland quält mich, und die Furcht, ihn zu beleidigen.

94 |                    Bei der heiligen Kommunion am Mittwoch leuchtete wohl ein Sternlein durch die dunkle Nacht meiner Seele. – Da, am Herzen Gottes erkennt man so vieles, was ich nicht imstande bin, niederzuschreiben. O mein Jesus, wie bist du so gut! Dir vertraue ich mich ohne Vorbehalt an.

95 |                    Heute heilige Kommunion. Nachmittags will ich zurückdenken an diese wonnevolle Stunde. O, dass ich die Liebe meines Heilands besser begreifen könnte! Mein Jesus, dein Kind hat immer so sehr Sehnsucht nach dir!

96 |                    Ich habe heute Jesus gebeten, dass er immer in meinem Herzen bleiben möge, nicht nur bei der heiligen Kommunion, wenn auch nicht in fühlbarer Weise, auch dann, wenn ich mich scheinbar von ihm verlassen fühle in innerer Trockenheit und Traurigkeit.

97 |                    Mein Heiland, verlasse dein Kind nicht! An deinem süßen Herzen lässt du mich erkennen, dass deine Gegenwart aller Opfer wert ist, dass du mich vollkommen beglücken willst. Nur volle Hingabe verlangst du. Ach, wie wenig entspreche ich deinem Verlangen. Habe Geduld mit mir! Du weißt, dass ich dein schwaches Kind bin. Mit deiner Gnade werde ich dir doch immer wohlgefälliger werden.

98 |                    Wie oft wundert es mich, dass ich dir nicht zu untreu bin. Wie viele Rückfälle an einem Tag! Wie ist es mir dann bange, wenn ich das so erwäge: Wie kann der liebe Heiland an mir Freude haben mit meinen vielen Untreuen?

 

99 |                    Herr, du allein genügst! Das war der Ruf deiner Auserwählten. Herr, dich allein! Das soll der Sehnsuchtsruf meines Herzens sein. Und wie viel ließest du mich über dieses Wort erkennen bei der heiligen Kommunion! Nach dir soll all mein Streben gehen, all meiner Sehnsucht Ziel sollst du sein. Du mein alles, mein einziger Schatz und mein liebster Bräutigam. Dir habe ich die Lilie meines Herzens geweiht. Du bist mir Alles geworden.

100 |              Zu dir erhebt sich mein Geist des Morgens, dich wenigstens geistigerweise auf dem Altare anzubeten, wenn ich es nicht wirklich tun kann. Nach dir sehne ich mich, nach sakramentaler Vereinigung oder doch wenigstens geistig im Verlangen, dich zu empfangen.

101 |              Und untertags will ich mich auch bemühen, recht oft die innigsten Grüße zum Tabernakel zu schicken, um immer in deiner Gegenwart zu sein. Und über den Zerstreuungen des Tages sucht mein armes, unruhiges Herz wieder Ruhe abends im Gebetsverkehr. Jeden Tag freue ich mich auf das Abendgebet, um mein kaltes Herz wieder am Herzen Jesu zu erwärmen. Wenn ich nachts erwache, so bist du wohl mein erster Gedanke, dich im Tabernakel zu grüßen.

102 |              Mein Jesus, du hast mich bewogen, mich dir als Schlachtopfer deiner Liebe hinzugeben. Wie viele andere Seelen werden dir aber treuer als ich! Dieser Gedanke hat mich lange Zeit angehalten, mich dir in dieser Weise zu opfern.

103 |              Wie wenig Gegenliebe erweise ich dir, wie bin ich so kreuzesscheu und zaghaft, wenn ich mich überwinden soll, meiner Eigenliebe [zu] entsagen, meinen Willen [zu] brechen!

104 |              Ach, mein Jesus, ich mache dir wohl wenig Freude. Und das tut mir selbst weh und betrübt mich. Ich möchte dir gegenüber glühend sein. Mein Heiland, schick mir einen frommen Führer, der mich lehrt, dir recht treu zu sein, auch im Kleinen!

105 |              Jesus muss herrschen, ich muss abnehmen! Das soll mein Kampfesruf sein, denn ich täglich erneuern will. Jesus, um diese Gnade bittet dein Kind.

 

Juli

01.06.1924

106 |              Was habe ich heute am Anfang des Herz-Jesu-Monats meinem lieben Heiland bei der heiligen Kommunion versprochen?

107 |              Gleichsam tot und abgestorben sein mir selber, keinen Willen, keinen Wunsch zu haben; nur Jesus soll in mir herrschen.

108 |              Wie viele Gnaden habe ich in letzter Zeit von Gott erhalten! Ich durfte durch besondere Anregung der Gnade das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit ablegen. Welch große Gnade, die Gott nicht jeder Seele gibt!

 

Exerzitien 1924 im Vinzentinum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Jahr 1925

 

 

 

 

Juli

25.07.1925

109 |              Wie lange schon lagert tiefe, dunkle Nacht über meiner Seele; kein Sternlein, kein Sonnenstrahl erhellt das Dunkel. Mein Herz sehnt sich nach Licht von oben, meine arme Seele verlangt nach Ruhe und Frieden, aber wie sie auch ruft: Es bleibt Nacht. Wenn Jesus, das ewige Licht, zu mir kommen wird, so ist vielleicht morgen meiner Seele Sonnentag. Mein Jesus, wenn du bei mir einkehrst, dann werden die Nebel verschwinden, denn ich habe schon so sehr Sehnsucht nach dir; und wenn es auch Nacht bleibt in mir, du gibst mir doch Kraft zum Durchhalten in den Prüfungen, die du über meine Seele verhängt hast. – Und wenn mein Herz so mit Sehnsucht nach meinem Heiland erfüllt ist, so ist das immer ein gutes Vorzeichen. Jesus wird mich dann bald heimsuchen.

 

26.07.1925

110 |              Mein erster Gedanke am Morgen: Heute kommt mein Jesus zu mir. Viel leichter als sonst ist es in meiner Seele; eine innige Freude erfüllt mein Herz. Jesus, mein Jesus, ach, wäre der Augenblick schon da, der mich mit dir vereint! Sonst bin ich so kalt, so trocken; heute ist mir alles so klar! Mein Gott, mach mich so rein, so heilig, ganz wie deine Mutter es war, als sie dich empfangen hat, ganz so, dass ich dir gefalle! – Ein inniges Vertrauen erfüllt mein Herz; es zieht mich so mächtig hin zum Tabernakel, zu ihm, dem Geliebten meiner Seele. – Und endlich, endlich habe ich ihn, o Seligkeit! O Glück nach langen, langen Leidensnächten! Heute darf ich bei Jesus sein und Jesus würdigt sich, seinem unwürdigen Kinde Zeichen seiner Gegenwart zu geben. Ich fühle gleichsam seinen Herzschlag in mir; ich fühle mich eingetaucht in ein Meer von Glück und Freude und Liebe, die mich ganz überfluten. Alle Zweifel schwinden wie Nebel vor der Sonne.

111 |              Heute kann ich bei Jesus sein. Wenn ich meinen Heiland sehen könnte, es würde keine größere Freude sein, als die ich jetzt empfinde. Alle Leiden, alle Zweifel und alle meine Kämpfe, alles Schwere erzähle ich ihm wie ein Kind seinem Vater. Jesus spricht zu mir, zu meiner Seele; ich darf mit ihm reden, so wie man mit Menschen verkehrt. Ja, wenn ich ihn bitte in den übervollen Gefühlen meines beglückten Herzens: „Rede Herr, dein Kind hört“, sagt Jesus so vernehmlich: „Ist meine Gegenwart nicht eine laute Sprache?“ – Niemals wäre ich imstande niederzuschreiben, was ich empfunden. Jesus belehrt mich, wie ich ihn mehr lieben, ihm treuer sein kann; wie es mir leichter sein wird, seinen inneren Einsprechungen zu folgen, wie ich immer mit ihm vereinigt bleiben kann.

112 |              Jesus zeigte mir, wie ich gleichsam immer in ihm sein soll, leben soll von seinem Leben. Ich fühlte mein Herz sich in seinem Heiligsten Herzen verlieren; ich war so unbegreiflich eins mit ihm. So solle es immer sein: ein Herz mit dem göttlichen Herzen, ein Leben von seinem Leben, ein Opfer mit dir, du immerwährendes Schlachtopfer; ein Opfer in deinen Händen, dir ganz ergeben, ob Freude oder Leid. Leiden sollten meine Freude sein. Du zeigtest mir, o Jesus, die Gesinnungen deines Herzens; du willst mir diese Gesinnung einflößen. Ich solle ganz durchglüht, ganz durchdrungen sein von dir, mein Jesus, mein alles.

113 |              Wie wenig kann man von allem erwähnen. Es muss selbst gefühlt und erlebt sein, was in dieser Viertelstunde nach der heiligen Kommunion Jesus mir erwiesen hat. Schon ein Augenblick dieses seligen Genießens macht vergessen alle Seelenleiden, alle Kämpfe und Versuchungen. Ich fürchte keine Leiden mehr; im Gegenteil, das Kreuz ist es, was mich mit Jesus vereint.

114 |              Am Nachmittag kann ich es nicht unterlassen, in die Kirche zu gehen und Jesus nochmals zu danken für alle Gnaden der heiligen Kommunion. Ja, heute war meiner Seele Sonntag. Aber abends zog schon wieder Trockenheit in meine Seele, und Jesus, die ewige Sonne, verbarg sich hinter schwarzen Wolken.

 

27.07.1925

115 |              Montag beginnt wieder das gewöhnliche, opferreiche Leben. Trockenheit, und innere Finsternis, ist ja die Tagesordnung; doch gibt Jesus hie und da ein Lichtstrahl, der das Dunkel meiner Seele erhellt. Einen Augenblick seliger Ruhe im Herzen Jesu: Jesus zeigt sich mir als der liebste Freund und Führer meiner Seele, dem ich in jeder Weise vertrauen kann; er wolle nur das Beste für mich; er wolle mein ganzes Herz besitzen, ganz und ungeteilt. Nichts schmerze ihn mehr als Misstrauen und Wankelmut, mit dem ich so oft sein Herz verwunde. Nur Liebe und Hingabe verlange er und beständig gleichen Opfergeist.

116 |              Und ich bitte Jesus, er möge nicht achten auf das Widerstreben meiner Natur; er möge diesen Widerstand vernichten, durch den ich immer wieder seine Liebe abweise. – Mein Jesus, hab mit mir Geduld; ich will alles, was du willst. Gib mir eine große, innige Liebe zu dir, denn die Liebe überwindet alles. – Dann wieder dunkle Nacht.

117 |              Nach dem Abendgebet sagte mir eine innere Stimme: „Was würdest du tun, wenn jetzt Jesus zu dir käme?“ – Ich antwortete: „Ich würde mich an sein heiliges Herz werfen und nie mehr von ihm weggehen.“ Und sogleich war ich mit meinem Erlöser vereinigt. Er gab sich mir in fühlbarer Weise.

118 |              Ach, könnte ich so rein, so heilig sein, dass Jesus nur Freude an mir habe! Aber alles, was ich tue, ist so unvollkommen und mangelhaft. Ich wünsche, immer glühend zu sein Jesus gegenüber.

 

28.07.1925

119 |              Ein Tag voller innerer Kämpfe und Schwierigkeiten. Vollständige innere Verlassenheit; viele Zweifel und Versuchungen steigen in meiner Seele auf. Diese beständige innere Abtötung, die Jesus von mir verlangt, fällt mir so schwer. Ich kann zum Heiland rufen und flehen, er hört mich nicht. Mein Herz sehnt sich, meinem Seelenführer sich auszusprechen, aber das kann ich nicht mehr so leicht wie früher.

120 |              Als ich aber abends den schmerzhaften Rosenkranz betete – bei den Geheimnissen „der für uns das schwere Kreuz getragen hat“ und „der für uns gekreuzigt worden ist“ –, da würdigte sich Jesus, mich zu erleuchten. Er gab mir zu verstehen, wie er aus Liebe zu uns das Kreuz, das Holz der Schmach und Schande nach Kalvaria trug, wie er verspottet, beschimpft und wie ein Auswurf der Menschheit behandelt wurde. Alles war mir klar, alle Bosheit, die man an ihm verübt hat, wie er dann am Kreuze starb, verlassen, verlacht, als der größte Missetäter. Jesus gab mir über sein schmerzvolles Leiden so viel zu erkennen und zu begreifen. Er gab mir zu verstehen, dass sein Lebensweg auch der meine sein werde, dass ich verachtet und verkannt würde, dass ich einmal auch so sterben werde. Er wolle mich als treuen Gefährten auf seinem Kreuzweg; ich möge nur Vertrauen auf ihn haben und nicht mutlos werden – zuerst bäumte sich etwas in mir auf gegen das, was Jesus mir zu verstehen gab; eine leise Furcht erfüllte mich. Aber dann gab mir Jesus so viel inneren Trost, dass ich mich bereit erklärte, mit ihm diesen Kreuzweg zu gehen.

 

29.07.1925

121 |              Ich machte wieder den Vorsatz: Mein Jesus, alles, nur keine Sünde! Ferner nahm ich mir vor, ganz auf den lieben Heiland zu vertrauen, mich ihm ganz zu überlassen. Innig freute ich mich auf die heilige Kommunion. Und Jesus ließ mich seine gnadenvolle Gegenwart fühlen. Ich war so eins mit seinem lieben Herzen. Er belehrte mich, wie ich immer so eins sein soll mit ihm. Ich müsse mich seiner Führung ganz überlassen, ihm ganz vertrauen, wenn ich auch scheinbar von ihm verlassen sei. Und wenn ich in vollständiger innerer Verlassenheit und in Seelenleiden wäre und doch ganz auf ihn vertraue und ihm die gleiche Liebe entgegenbringe wie zur Zeit seiner Gegenwart, so mache ich ihm die größte Freude.

122 |              Jesus verlangt so sehr nach meiner Liebe; er bittet mich gleichsam, ihn zu lieben über alles. Soll das mein Herz nicht rühren?! Ich wünsche, tausend Herzen zu haben, um sie ihm zu weihen. O, dass mein Herz immer rein und glühend wäre, aber du siehst, lieber Heiland, wie kalt und öde es in meiner Seele ist. Das ist mein größtes Leid, dass ich meinen Gott nicht so lieben kann, wie ich möchte.

123 |              Der Morgen brachte mir viel Freude; ich fühlte ja die Welt nicht mehr; ich war bei Jesus. Aber unter tags so viele innere Kämpfe. Satan bemüht sich, mich abzubringen vom rechten Weg; er will mich abhalten vom Gehorsam gegen meinen Seelenführer; er flößt mir ein solches Verlangen nach äußerem Trost ein, dass es mir schwer wird, vollkommen von allem losgeschält zu sein und Jesus ALLEIN zu vertrauen.

 

30.07.1925

124 |              Gestern und heute ist wieder Trockenheit mein Anteil und tiefe Trostlosigkeit, aber ich will nicht verzagen und mutlos sein, sondern ganz auf den Heiland vertrauen. Ich will mich recht bemühen, beständig ganz leer zu sein von mir selbst, mein Herz, all meine Geisteskräfte in ihn versenkt sein zu lassen. Morgen habe ich ja Gelegenheit zu kommunizieren. Ich will mich heute schon durch innere Abtötung darauf vorbereiten.

 

August

01.08.1925

125 |              Der heutige Tag brachte mir das Glück der heiligen Kommunion. Aber so leer, so kalt fühlte ich mich bei der Vorbereitung. Auch nachher bei großer Trockenheit mein Anteil. Ich fürchte dann immer: Vielleicht habe ich etwas nicht recht gemacht oder bin ich in Sünden. Ich fürchte in solchem Zustand immer, Jesus beleidigt zu haben. Aber wenn ich auch nichts von seiner Gegenwart fühle, er ist doch bei mir. Für diesen Glauben wäre ich bereit mein Leben hinzugeben, jederzeit. – Ich will mich in solcher Trockenheit recht bemühen, mit dem lieben Heiland recht herzlich zu sein. –

126 |              Auch den ganzen Tag hindurch war ich leer und fühlte ein solches Widerstreben gegen Jesus in meiner Seele, dass der bloße Gedanke an ihn mir direkt zur Qual wurde. Ich sah in mir nichts als drückende Leiden im Dienste Gottes; so wenig Freude bringe es mir; die Hingabe an den Heiland schien mir wie drückende Sklavenketten. Und ach, diese innere Finsternis! Ich kann Rufen und Schreien zu Gott: Es verdoppelt noch meine Seelenqual! O, wie lang ist solch ein Tag und wie viele solche Tage liegen hinter mir! Und doch, nicht verzweifeln und mutlos sein oder verzagen! Jesus wird mir auch die Kraft geben, durchzuhalten, wenn ich nur festen Willen habe. Er hat mich einmal nach der heiligen Kommunion belehrt, in solchen inneren Leiden solle ich mir vorstellen, ich sei in einem Kerker. Da sei es immer finster und traurig und öde, aber dieser Kerker sei sein heiliges Herz. Und wenn ich alles noch so schmerzlich empfinde, wie könnte ich da mutlos sein? Wenn ich mit seinem heiligen Willen vereint sei, wäre ich ja immer in ihm, und zu ungeahnter Zeit käme er, mir einen lieben Besuch zu machen. – O Jesus, gib mir ein unbegrenztes Vertrauen auf dich!

 

xx.xx.1925

127 |              Am Sonntag war meine Seele nach der heiligen Kommunion voll von Freude und Frieden. Ja, ich durfte wieder am Herzen Jesu ruhen. – Der liebe Heiland belehrte mich, wie ich ihm ganz hingegeben sein soll und mir selbst abgestorben. Je mehr ich mich selbst verlasse, desto inniger würde ich mit ihm vereinigt. Jesus ließ mich das unendliche Glück der Vereinigung mit ihm kosten. Ich war ganz erfüllt und durchdrungen von ihm; ich fühlte mich gleichsam selbst nicht mehr. Der liebe Heiland zeigte mir, wie ich ihm ein beständiges Opfer sein soll. Das wenige, das ich für ihn tun könne, würde er alles mit seinen unendlichen Verdiensten umgeben und bereichern. Er würde mich seinem ewigen Vater als stellvertretendes Opfer für die Sünden der Menschen vorstellen, und Gott Vater würde mich annehmen Jesu wegen. Ich müsse beständig mit seinem heiligen Willen vereinigt sein, ihm immer zu Diensten und mir selbst ganz abgestorben.

128 |              Ich hatte so ein glühendes Verlangen, dem Herzenswunsch meines Erlösers ganz zu entsprechen. Es war mein größter Schmerz, dass ich es so wenig kann. Ich bot mich für alles an, was er für mich wolle. Mein Jesus, mach mit mir, was du willst, aber gib mir auch deine Gnade dazu! Achte nicht auf das Widerstreben meiner Natur, sondern tue mit mir, was dich am meisten verherrlicht! – Wie klein und nichtig erscheinen mir in solch glücklichem Zustand alle Opfer und Leiden! Wie leid tut mir alle Zaghaftigkeit und Leidensscheu, womit ich so oft das liebe Heilandsherz betrübe.

129 |              Die kurze Zeit der heiligen Kommunion ging vorüber. Ich fühle Jesus nicht mehr bei mir. Innere Verlassenheit und Trockenheit herrschen wieder in mir. Ich sehe ihn mir nichts als drückende Leiden und ein unbegreifliches Widerstreben gegen das, was Jesus von mir verlangt. Ich wähne mich in einem tiefen Abgrund, in dem es nur Finsternis und Seelenqualen gibt. Ich fühle mich so trostlos, und doch verlangt mein Herz so sehr nach äußerem Trost. Jeder Gedanke an inneren Trost ist mir zur Qual. –

130 |              Ich habe doch noch das Glück gehabt, Exerzitien machen zu können. Ich freue mich schon sehr darauf, aber nicht, weil ich vielleicht viele Tröstungen erwartet hätte, nein, um mich innerlich zu stärken und zu festigen. Es gibt da in diesen Tagen so viel innere Kämpfe; auch die innere Finsternis umgibt mich. Mein Jesus, gib mir die Gnade der Beharrlichkeit! – Ich will recht innig beten zu Schwester Therese vom Kinde Jesu. Ich habe so großes Vertrauen auf sie; sie wird mir den richtigen Weg zeigen. –

131 |              Es lebe Jesus in meiner armen Seele! Das ist ja die beständige Forderung, die der liebe Heiland immer wieder an mich stellt. Aber ich wünsche auch nichts so sehr, als dass Jesus ganz in mir lebe, nicht bloß nach der heiligen Kommunion, sondern IMMER. – Jesus lebt in dem Maße in mir, als ich mich selbst vernichte und alles in mir zerstören lasse, was von mir noch da ist. Er muss herrschen, ich muss abnehmen!

132 |              Wie viele Belehrungen hat mir der liebe Heiland über diesen Punkt gegeben, namentlich nach der heiligen Kommunion, wo er mir durch seine heilige Gegenwart so viele Gnaden gewährt, wo ich gleichsam seinen Herzschlag fühle, wo er mich in den Schleier seiner Gegenwart einhüllt, wo ich wirklich bei Jesus sein darf und äußerlich mir alles entschwindet. Es ist unmöglich, dies auszudrücken; man muss es selbst erlebt haben. Aber nicht dieses Leben allein meint der Heiland, sondern etwas anderes, was meiner Natur sehr widerstrebt. –

133 |              Heute ist mein Herz so leer, so trocken. Ich habe das lebhafte Gefühl, dass Jesus in mir ist, aber es bringt mir nur Schmerz, weil ich ihm gar nichts an Liebe schenken kann. Wenn ich mich auch noch so sehr bemühe, es scheint unmöglich, dass Jesus an mir Freude habe, so arm, so träge, so kalt bin ich. –

 

15.08.1925

134 |              Sind auch die Leiden manchmal sehr schwer, Jesus gibt mir dann auch wieder große Gnaden.

 

17.08.1925

135 |              Heute ließ mich Jesus nach der heiligen Beichte schauen, mit welcher Liebe er seine liebe Mutter in den Himmel aufnahm, aber nicht nur in den Himmel: Er versenkte sie auch in sein heiliges Herz zum Lohne dafür, dass sie ihn mit so großer Liebe in ihrem Herzen trug.

136 |              Und Jesus sagte mir innerlich vor der heiligen Kommunion, er wolle mir heute die Gnade geben, dass er mich in sein heiliges Herz aufnehme; doch müsse ich zuvor alles, was von mir ist, ablegen; nur die Kleinen, die Armen und Losgeschälten könnten in sein Herz eingehen. Und ich sah und fühlte geistig, wie mir alles abgenommen wurde, was mich natürlicherweise erfüllt – gerade so, wie man ein beschwerendes Kleid abnimmt; es wurde mir so frei und leicht, nur ganz Geist.

137 |              Nach der heiligen Kommunion hat mir Jesus jene Gnaden in ganz fühlbarer Weise geschenkt. Ich war ganz durchdrungen von ihm, ganz im Herzen Jesu. Er gab mir dann so kostbare Belehrung und das Versprechen, er würde mich immer in seinem Herzen tragen, wenn ich mich bemühen würde, in ihm zu bleiben. Er sagte mir: „du bist meine Auserwählte; ich habe dich auserwählt als mein Herzenskleinod; wo immer auf der ganzen Welt ich mich in der heiligen Messe meinem himmlischen Vater zum Opfer bringe, biete ich auch dich meinem Vater dar; ich bringe dich dar, du kannst mich aufopfern“.

138 |              Er gab mir sein Herz zur beständigen Wohnung als den Ort der Ruhe, wo ich ausruhen könne von allen Leiden, als Quelle der Kraft, um mich geistig zu erneuern, als Ersatz meiner eigenen Unfähigkeit und Schwäche. Er stellte mir all seine Tugenden und Reichtümer und die Heiligkeit seines Herzens zur Verfügung, dass ich mich damit bekleidete und sie mir gleichsam aneigne. Jesus schenkte mir die Fülle der Liebe seines Herzens.

139 |              Dies ist die Stunde der Gnade, um stark zu werden, in ihm, den diese Vereinigung mit ihm sei die Quelle vieler Leiden. [sic!] Alle Leiden hätten ja in seinem Herzen ihren Ursprung genommen. Er zeigte mir alle Leiden seines heiligen Herzens wie einen Abgrund aller Arten von Seelenpeinen. Alles hätte er in seinem Herzen durchgekämpft und vorausgekostet. Ach, so ein Meer von Schmerzen tat sich vor meiner Seele auf, so unermesslich – er zeigte mir, wie er in seinen Leiden allein war; niemand konnte es recht begreifen.

140 |              Dann zeigte mir der Heiland seine äußeren Leiden und alle Absichten höchster Verherrlichung in seinen Leiden, die er mit mir vorhabe. – Ich fühlte ein verzehrendes Verlangen in mir, diese Leiden mit ihm zu teilen, mit ihm Schlachtopfer zu sein.

141 |              Ich opferte mich ihm ohne Rückhalt auf und gab ihm all meine Freiheit, um ganz in seinem Banne zu leben. Was denkt man da an die Wirklichkeit der kommenden Schwierigkeiten! Da wird man nur von der Liebe beherrscht: O Jesus, du für mich und ich für dich!

142 |              Alle Gnaden und Einsprechungen, mit denen Jesus mich bedenkt, zielen hin auf das Mitleiden mit ihm, und zwar durchging ich drei Abschnitte der Vorbereitung:

1. Mitleiden der schauenden Seele;

2. Mitleiden mit ihm oder in ihm;

3. Leiden an seiner Stelle, ihm einen leidensfähigen Leib und

Seele bietend, da er jetzt nicht mehr leiden kann.

143 |              Der liebe Heiland will sich nochmals seinem himmlischen Vater opfern können. – Alles in innigster Beziehung zur heiligen Eucharistie und heiligen Messe (dann zeigte mir Jesus das innere und äußere Mitleiden).

144 |                    

145 |              

 

 

 

 

 

 

 

Die Jahre 1928/29

 

 

 

 

 

Oktober

xx.xx.1928

146 |              Durch die Vereinigung mit dem Herzen Jesu fühlte ich einen unbeschreiblichen Schmerz in mir, gerade als ob unzählige Bande, die mich an mich und an die Welt fesselten, abgeschnitten würden, damit ich mich ganz Jesu Leiden hingeben könne.

147 |              Am 28. wurde es in mir etwas leichter; ich fühlte mich aber körperlich krank. Jesus sagte mir, ich würde bald krank und schwächer werden. Er wolle auch meine leiblichen Kräfte in Besitz nehmen, damit ich auch in dieser Hinsicht keine Befriedigung habe.

148 |              Am Montag sagte mir Jesus nach der heiligen Kommunion, es würden heftige Seelenleiden über mich kommen, sodass alle leiblichen Kräfte davon aufgebraucht würden. Er zeigte mir dann, dass ich mich ihm ganz, meine Natur überlassen solle, um mit seiner gottmenschlichen Natur vereinigt zu werden. Es war mir alles so klar, unaussprechlich.

149 |              Am Dienstag sagte mir der liebe Heiland nach der heiligen Kommunion, er lasse mich heute in den Abgrund seines Herzens schauen. Nachher fühlte ich mich innerlich ganz versenkt in das göttliche Herz, als in den Ort des Anfangs aller Liebe und Leiden und Bitterkeit, alles dessen, was er in seinem Leben gelitten habe; ich schaute, wie seine unendliche Liebe immer die Triebfeder all seiner Werke war, wie sich seine menschliche Natur ganz der Liebe seines Herzens unterordnete. Jesus verlangte von mir die innigste Nachfolge. Ach, wie ist man da begeistert, wie klein kommen mir da meine Leiden vor im Hinblick auf Jesus! Wie bittet man das so innig: Lass mich aus dir Kraft schöpfen, lass deine Liebe übergehen auf mich! Man fühlt nur den einen Schmerz: Dass man so wenig lieben und leiden kann.

150 |              Keine Menschenzunge ist imstande, alle Gnaden und Herablassung Jesu auszusprechen. Der Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf scheint aufzuhören. – Auch untertags fühlte ich oft Jesu Gegenwart.

151 |              Am Mittwoch hatte ich während des Empfanges der heiligen Kommunion einen bitteren Geschmack (Gefühl) derselben. Jesus sagte mir dann innerlich: „So bitter wird dir meine Gegenwart sein“. – Er zeigte mir dann, wie er in seiner größten Liebe ganz Leid und Schmerz sei. Diese Gegenwart müsse mir gerade so lieb sein. Er werde mir diesen Zustand schenken, aber mit seinen Leiden auch seine göttliche Kraft.

152 |              er belehrte mich, wie ich mich ihm ganz überlassen solle, wie er in mir gleichsam seine Leiden erneuern wolle. Er mahnte mich, seine heilige Gegenwart recht auf mich wirken zu lassen, um dadurch stark zu werden in der Liebe und im Vertrauen … Auf meine Zaghaftigkeit hin sagte er mir: „du musst mir vorher deine Liebe geben“. – Ich kann nicht anders als Vertrauen; ich kann mich seiner Gnaden nicht entziehen. Es ist doch so süß, bei Jesus zu sein. Gewiss werden mir schwere Leiden bevorstehen, aber wenn er der Urheber alles dessen ist, was in mir vorgeht, brauche ich nicht zu fürchten. Meine einzige Furcht wäre nur, dass ich in der Welt bleiben müsste. Doch auch hierin kann ich nicht anders als Vertrauen auf das, was er mir sagt. Und dies (dass ich in der Welt bleiben müsste) hat er noch nie von mir verlangt.

153 |              Ich kann nur das Wenigste beschreiben; das Meiste entfällt mir wieder, oder ich bin nicht fähig, es auszudrücken.

154 |              Am Tage vor Allerheiligen fühlte ich mich so krank, dass ich nur mit Mühe zur Kirche gehen konnte. Den ganzen Tag fühlte ich mich krank und schwach und erschöpft. – Nach der heiligen Kommunion sagte mir Jesus, ich müsse natürlicherweise aufhören zu leben, alle meine Körperkräfte müssten im Dienste des Leidens mit Jesus verwendet werden. Er zeigte mir, wie sich meine menschlichen Kräfte mit den Seinigen vereinigen. Eine unaussprechliche Vereinigung ließ er mich schauen.

155 |              Am Allerseelentag hatte ich beim Empfang der heiligen Kommunion den unbegreiflich bitteren Geschmack und zugleich fühlte ich im Herzen Jesu einen bitteren Schmerz. Ich sah wieder die Leiden, mit denen Es vom Anfang seines Lebens bis zum Kreuze erfüllt war. – Der liebe Heiland ließ mich mit sich mitfühlen und zeigte, wie ich alles empfinden werde. Ich war ganz verzehrt vom Verlangen danach, obwohl ich beinah bewusstlos war im Anblick dessen, was ich erlebte. – Jesus sagte mir dann, das sei nur ein Tropfen aus seinem Leidenskelch.

156 |              Er gab mir viele Belehrungen: Ich solle seine Gegenwart recht auf mich wirken lassen, auch wenn sie nur verhüllt sei; das reinige mich. In der Liebe seines Herzens müsse ich vollendet werden; darum solle ich dem schmerzhaften Gefühl nicht ausweichen. (Das habe ich leider oft getan, indem ich mich äußerlich mehr beschäftigte; dadurch verlor sich die innere Qual). Jesus sagte mir, wie rein ich sein müsse, um seine inneren Leiden mehr mitfühlen zu können; denn jeder Fehler vermindere die Liebe und das Mitleid. Er wolle mich zur höchsten Reinheit führen. – Kein Menschen Mund kann sagen und begreifen, wie Jesus sich zu mir herablässt …

157 |              Ach, welch tiefe, finstere Nacht herrscht jetzt wieder in meiner Seele! Alle Gnaden scheinen mir Täuschung und Traum. Peinvolle Zweifel quälen mich. Und doch fühle ich mich auch wieder mit dem Herzen Jesu vereinigt. Aber das ist ein Schmerz, dass das Herz fast ohnmächtig zusammenzuckt. Von ihm geht dieser unaussprechlicher Schmerz aus, so arg, dass ich fast jeden Tag abends ganz krank und schwach bin. – Jesus hat mich das voraussehen lassen. Doch dies bringt mir keinen Trost, weil mir alles Täuschung zu sein scheint. Hie und da lässt mich aber ein Blick in das schmachgesättigte Herz Jesu erkennen, dass alles, was ich fühle, nur ein Tropfen ist aus seinem Leidenskelch. Dann neue Liebe und Hingabe – und wieder unbegreifliche Finsternis.

158 |              Ach, so viel Sehnsucht: Weg von der Welt, in ein stilles Plätzchen! Hier halte ich es auf die Dauer nicht mehr aus. Der Gedanke daran macht mich schon mutlos. So allein, ohne Führung! – Wie froh wäre ich, wenn alles Täuschung wäre und wenn doch alles aufhören würde! – Der liebe Heiland findet viel treuere Seelen, als ich es bin. Solange keine Antwort von meinem Seelenführer! Das macht mir so viel Zweifel.

159 |              Am Sonntag (5. November) fühlte ich beim Genuss der heiligen Hostie einen ganz bitteren Geschmack und sogleich in meinem Herzen durch die Vereinigung mit Jesus ein ganz schmerzhaftes, bitteres Gefühl. Ein Blick in das leidende Herz Jesu! Es ist ein großer Trost, mit Jesus fühlbar zu leiden, auch wenn es schmerzlich ist. Aber wenn er die fühlbare Gnade zurückzieht und man ganz den natürlichen Empfindungen hingegeben ist, dann fühlt man so etwas, wie Jesus fühlte, als sich nach seinem Willen seine Gottheit mehr in die Heilige Dreifaltigkeit zurückzog und er ganz seiner heiligen Menschheit hingegeben war. Und zu diesem Grade des Mitleidens will mich der liebe Heiland führen. Darauf gingen in letzter Zeit alle Einsprechungen und die innere Führung aus.

160 |              Mein Jesus, lass mich nicht mutlos werden! Doch er tröstet mich oft mit den Worten: „Mit meinen Leiden gebe ich dir auch meine göttliche Kraft“. – Darum wünsche ich auch, so schwer es ist, nichts anders als Leiden; denn je mehr ich durch Jesus leide, desto mehr lebt er durch seine Leiden in mir, – und das ist der sehnlichste Wunsch meines Herzens, das er GANZ in mir lebe. – Nur weg von der Welt! Das ist meine einzige Bitte an ihn.

161 |              „Himmlischer Vater, ich opfere dir das Herz deines Sohnes auf als Quelle aller Liebe, aller Leiden, das Herz, das sich für uns geopfert hat, um uns zu erlösen und uns von unseren Sünden abzuwaschen.“ Dies Gebet hat mich Jesus gelehrt und jedes Wort besonders erklärt.

162 |              Ich solle mich recht von dem Gedanken durchdringen lassen, dass Jesus mich liebt. – Mein Jesus, ich glaube an deine Liebe zu mir! – Ich müsse den höchsten Grad der Vereinigung mit Jesus Erlangen, ein ähnliches Freisein von allem, wie es die ersten Menschen hatten bei der Erschaffung. Es soll ein Zustand des Friedens und der Ruhe in Gott sein.

 

Ostern 1929

163 |              Jesus zeigte sich meiner Seele fühlbar, wie er bei seiner Auferstehung war, in seinen Wunden, die er bei seinen Leiden empfunden hatte. – Er sagte mir, ich solle das Leben, das er bei seiner Auferstehung angenommen habe, in mir weiterleben lassen. Er wünsche es von mir fortgesetzt, wie er in der heiligen Eucharistie sich uns beim letzten Abendmahl geschenkt habe. Seine Leiden und Wunden sollen sich geheimnisvollerweise ständig in mir erneuern. – Die Gesinnungen seines Heiligsten Herzens sollen die meinen sein; so innig solle ich mit ihm vereinigt sein wie Leib und Seele …

164 |              Jesus fragte mich immer wieder, ob ich ihn aufnehmen wolle mit seinen heiligen Wunden und mit seinem Herzen. Im Vertrauen auf seine Gnade bot ich mich an für alle seine Absichten, die er mit mir habe. Wie könnte ich anders, da er mir dadurch die höchste Vereinigung mit sich versprach!

165 |              Der liebe Heiland eröffnete dann immer mehr seine Absichten, die er mit mir habe; wie ich seine Leiden mitfühlen werde und wie ich mich dabei verhalten soll. (Das muss innerlich selbst erlebt werden; ich kann es nicht aussprechen). –

166 |              Diese Tage waren wirklich Tage der Vereinigung mit Jesus, voll Freude und Frieden in ihm. Gar bald wird diese freudvolle Vereinigung in Leiden übergehen, wie Jesus mir gesagt hat; nur seine Leiden sollen der Beweis seiner Gegenwart in mir sein. Ich fühle aber keine Angst und bin innerlich ruhig.

167 |              Am Ostermontag sagte mir Jesus: „Lass mich dich überfluten mit meiner Gegenwart!“ – ich solle mich ganz von ihm in Besitz nehmen lassen, besonders von seinen Leiden. Diese sollen für mich die größte Demütigung sein, – wie es war bei seinen Leiden, wo er ganz seiner heiligen Menschheit hingegeben war. Er zeigte mir dann, wie er unter der Verachtung und Schmach von Seiten der Menschen gelitten habe, und wie ich es miterleben werde. –

168 |                    

169 |              

 

 

 

 

 

Das Jahr 1937

 

Basiert auf Manuskript 2 (M2)

M1 enthält keine Datumangaben.

 

 

 

 

Mai

07.05.1937a1

170 |              Wie sind Gottes Wege doch wunderbar! Wie hatte er mich doch wunderbar in dieses Haus geführt und mich diesen Priester … finden lassen. Ich danke dir recht innig dafür, mein Heiland! Wie viele Freude des seelischen Einsseins in deinem heiligen Herzen hast du damit gegeben! Ja, wir wollen dir recht treu sein. – Du gabst mir auch die Möglichkeit, mich vollends auszusprechen mit meinem Seelenführer und gabst so viele Gnaden inneren Lichtes. War auch meine Seele gewöhnlich in Finsternis, so sprachst du doch so oft zu meinem Herzen.

171 |              Eine besondere Gnade war es, dass ich das Gelübde der „vollkommenen Hingabe an Gott“ machen durfte. Das war wieder eine Gnadenstunde. Du wolltest, o mein Heiland, ich solle mich dir vor der heiligen Kommunion aufopfern; zuerst möge ich mich dir schenken, dann wolltest du dich mir geben.

172 |              In besonderer Weise ließ mich Jesus wieder eins werden mit sich; ich war gar nicht mehr vorhanden; alles in mir bei Jesus, doch war ich dabei so klar, so ruhig und fühlte mich so sicher in ihm. – Er sagte immer: so wahr du glaubst, dass ich jetzt (in der heiligen Hostie) zu dir gekommen bin, so sicher kannst du an die Gnaden glauben, die ich dir schon gegeben habe und immer noch gebe, besonders an jene, dass ich in dir die Folgen der Erbsünde ausgelöscht habe und dich mein heiliges Herz bzw. dessen innere Leiden miterleben lasse. – Jesus gab mir im Einzelnen viel Licht über die unermesslichen Gnaden, die mir immer noch so unbegreiflich waren und mir deshalb zum Gegenstand wiederholter Zweifel und Verzagtheit wurden.

173 |              Jetzt bin ich so eins mit dem Heiland, nicht in Süßigkeit und Tröstungen, sondern im sicheren Bewusstsein der Echtheit und Übernatürlichkeit meines Seelenlebens. – Ich will an seine Gnaden glauben, auch ganz nach dem Auftrag meines Führers. Eine innere Ruhe ist jetzt in mir und es ist in mir so ganz wunschlos geworden. – Der liebe Heiland sagte mir über diesen Akt der Hingabe an ihn, er wolle dadurch in mir die Gnaden der geistigen Vermählung erneuern und noch mehr zur Vollendung bringen. Ihm sei gedankt! (Herz-Jesu-Freitag)

 

August

19.08.1937

174 |              „Ich will neue Gnaden über das Priestertum ausgießen, da der Priester mit den gewöhnlichen Gnaden2 den Anforderungen3 der Zeit nicht mehr entsprechen kann. Ich will meine Priester zu einer Macht heranbilden und diese der Hölle und dem Zeitgeist entgegenstellen. Meine Priester, ganz von mir erfüllt, werden die bösen Geister in den Abgrund der Hölle zurückbannen.

175 |              Ich will, dass die Priester in dem von mir bestimmten Geiste erzogen werden, dass sie an die besonderen Gnaden glauben, dass sie ganz von meiner Liebe beherrscht seien. Meine Liebe soll in den Priestern wieder herrschend werden, um die erkaltende Welt durch die Liebe wieder zu erwärmen. Ich will ihnen gleichsam mein Herz öffnen und sie ganz an mich ziehen. Von ihnen erwarte ich alles.

176 |              Die Seelen sollen durch die Priester wieder den Weg zu meinem Herzen finden. Doch so viele Priester leben in Selbstsucht und Leidenschaft und die Seelen können dadurch nicht zu mir gelangen, da der Weg, der über die Priester führt4, nicht durchsichtig und klar ist. Ich will von den Priestern alles entfernen, was die Seelen hindern könnte, zu mir zu kommen. Ich will die Priester ganz an mein Herz ziehen und sie lehren, was ich für die Seelen von Ihnen erwarte.

177 |              Ich will mit ihnen teilen, was der Vater mir an Liebe für die Seelen in mein Herz gelegt hat. Ich will sie ganz teilnehmen lassen an mir, aus Ihnen einen zweiten Erlöser und Heiland machen, um die leidende und gedrückte Menschheit wieder an mich zu ziehen.

178 |              Doch sollen sie vor allem an meine große5 Liebe glauben. Mein Herz steht Ihnen offen. O, dass sie an meine große Liebe glauben möchten! Ich will meine Liebe gleichsam verströmen lassen auf alle Priester meiner Kirche.

179 |              Ich will sie aber besonders in einem Werke ausströmen lassen, das ich bilden werde für meine Priester. Dies soll zur Zentrale der Gnaden werden und gleichsam das Senfkörnlein sein, das sich über die ganze Welt verbreiten soll, da ich alle Priester an mein Herz ziehen will.

180 |              Wenn ich Wunder und Gnade wirkte, so tat ich es in meinen Aposteln, da wenige die Welt für mich gewannen. Ich lebte ihn ihnen; sie glaubten an mich, ihren Meister; das war das Geheimnis ihrer Kraft. Der Glaube (an ihr Priestertum) ist in den Priestern fast erstorben. Sie glauben zu wenig an ihr Priestertum. Mein Leben lebt nicht so recht in ihnen; sie leben sich selber. Ich will den Glauben an ihr Priestertum wieder stark und mächtig machen6. Ich will ihr Leben sein, ganz mit ihnen eins werden, mich ihnen mitteilen. Mein Herz soll ihr Herz werden.

181 |              Mein Herz hat so viel Liebe für die Priester bereit, dass noch wenige dahin gelangt sind, diese Schätze zu entdecken. Aber jetzt will ich sie meinen Priestern zeigen, da die Not meiner Kirche so groß ist und die Seelen zu mir um Erbarmen und Hilfe schreien. O, dass doch alle Priester zu mir kämen, dass ich allen mitteilen könnte, was ich so lange in meinem Herzen verschlossen habe!

182 |              In meinem Herzen werden die Priester alles finden, was sie für die Seelen brauchen, besonders die Liebe. Die Priester, meine Priester sollen ganz von meiner Liebe beherrscht sein, von meiner Liebe ohne Ende.

183 |              EINE Liebe, ein Herz mit mir soll der Priester haben. Er soll ganz eins sein mit mir und mein Freund, dem ich Seelen anvertrauen kann. EINE Liebe soll ihn täglich zum Altar führen, um sich mit mir meinem Vater zu opfern für die Seelen; EINE Liebe soll ihn gleichsam beständig am Opferaltar festhalten, um zu sühnen, wie ich gesühnt und geopfert habe. Er soll den Seelen nochmals Erlöser werden und die Seelen in meinen eucharistischen Bann ziehen. Am Altar soll der Priester sein Leben verbringen. Das soll der Mittelpunkt seines Strebens und Verlangens sein. Hier bin ich mit meinen Priestern und mit den Seelen in Verbindung. Und hier kann ich Wunder der Liebe in ihnen wirken. Ich will die Priester7 ganz in meiner Nähe haben, um sie ständig zu beeinflussen, ihr eigenes Ich aufzugeben.

184 |              Was gibt der Priester auf, wenn er sich selbst aufgibt? Ein schwaches, unfähiges Nichts. Was gebe ich ihm dafür? Ich lasse ihn an meiner Göttlichkeit teilnehmen und will gleichsam sein Herz werden, durch das ich mich den Seelen mitteilen will.

185 |              Meiner Gesellschaft (Jesus des Hohenpriesters)8 will ich den Vorzug9 geben, diese neuen Gnaden an meine Priester zu verkünden. Es sollen wirklich neue Gnaden sein. Überall kann man sehen, dass die Priester den Anforderungen der Zeit nicht mehr entsprechen können und dass der Glaube an ihr Priestertum zu wenig lebendig ist. Ich erwarte von den maßgebenden Persönlichkeiten, die ich an die Spitze meiner Kirche gestellt habe, dass sie meine Priester an mein Herz kommen lassen und sie zu meinem Herzen führen.

 

14.08.1937

186 |              Das Werk soll den Namen haben: Das Werk Jesu des Hohenpriesters, weil ich selbst der Gründer des Werkes sein werde; darin werden sich meine Absichten verwirklichen, die ich für die Erneuerung des Priestertums vorhabe, so, wie ich es meinem Kinde geoffenbart habe. In diesem Werke will ich eine Anzahl Priester bilden, die ganz nach meinem Geiste leben, so wie ich sie dem heutigen Zeitgeist entgegenstellen will. In meinen Absichten werden sie Apostel sein.

 

187 |              Ich habe einen Priester schon lange vorbereitet, damit er in dem Werk gleichsam meine Stelle vertrete. Durch diesen will ich die Gnaden für meine Priester ausgießen. Er soll der Geist des Werkes sein. Der inneren Ausgestaltung nach muss es das Werk meiner Dienerin Luise Margareta sein, der ich schon lange vorher diese meine Absichten gezeigt habe, die ich für die heutige Zeit vorbereitet habe. Es wird sich herausstellen, dass es im Grunde nur ein Werk ist und dass ein Ganzes sich bildet aus zweien. Daraus wird man auch ersehen, dass alles vom Heiland ausgeht.

188 |              Gleichsam eins mit dem Priesterwerk soll jenes Werk der Gesellschaft Mariens sein, in einem verbunden. Es darf nicht getrennt werden, da ich dadurch meine Mutter ehren will als die Vermittlerin der Gnaden für das Priesterwerk10 und da ich gleichsam fühlbar und sichtbar werden lassen will, was gegenseitiges Beten und Opfern für die Früchte in der Kirche bringen kann. Man ist von diesen Absichten, die ich bei der Gründung der Kirche hatte, zu weit abgewichen und hat zu menschlich gehandelt. Das muss in der kommenden neuen Zeit geändert werden. Ich will meine Kirche gleichsam auf eine neue Grundlage stellen und die Einheit der Kirche wiederherstellen, wie sie in der ersten christlichen Zeit war. Maria will mitwirken am Neubau der Kirche, der durch die Priester geschehen soll. – Es soll eine neue Art der Tätigkeit der Gesellschaft Jesus sein, ähnlich wie z. B. die überseeischen Missionen. Ein Teil der Gesellschaft Jesu soll sich dazu hergeben. (Wahrscheinlich können Weltpriester mittun.)11

189 |              Meine Wahl ist es, meine Gnaden zu offenbaren, wem ich will. Wenn ich das kleinste Kind erwählte, so habe ich dabei meine allerweisesten Absichten. So wenig Widerstand erwarte ich von den maßgebenden Persönlichkeiten, dass sie mit Kindeseinfalt an die Gnaden und Wege glauben, durch die ich meine Kirche zur Einheit führen will. Meine Liebe will mehr Einheit in der Kirche herrschen lassen. Die Einheit macht meine Kirche stark. Die Feinde haben dann keinen Zutritt.

190 |              Alles Gute soll in der Kirche verwertet werden, von dem man in reichlicher Prüfung annehmen kann, dass es von mir kommt. Ich will das Haupt der Kirche sein; die Priester sollen mein Herz sein; alle Glieder sollen sich durch das Herz zum Haupte wenden. Ich will, dass die Einheit der ersten Christenheit wiederhergestellt werde, um dadurch die Feinde zu besiegen und meiner Kirche zum Triumphe zu verhelfen.

191 |              Ich habe M. zur Botin meiner Liebe zu den Priestern gemacht.12

 

21.08.1937

192 |              Ich will mir ein Werk gründen, das ganz für die Priester ist. Da will ich die Gnaden meiner Erneuerung ausgießen. Es soll wirklich MEIN Werk sein, weil ich es ganz nach meinen Absichten ausgestalten will.

193 |              Ich will mich zu den Priestern herablassen, sie als meine Söhne und Freunde behandeln und sie bilden13, dass sie ganz gefügig in meiner Hand den Seelen dienen können. Ich will sie bilden, wie ich meine Apostel befähigt habe, eine Welt voll des Heidentums für mich zu gewinnen.

194 |              Ich will die Priester an mein Herz ziehen, das ihnen so viel Schätze der Liebe und Auserwählung bereithält, mit denen ich sie erfüllen will. Ich will ALLE Priester für mich gewinnen; darum soll es ein weltumfassendes Werk werden. Ich will es den Söhnen meiner geliebten Gesellschaft Jesu14 anvertrauen, von denen ich erwarte, dass sie meine Absichten kräftig unterstützen und die Einflüsse des bösen Feindes, der sich dagegen erheben wird, möglichst fernhalten. Es werden sich auch Priester dagegen erheben, die unter dem Schein meiner Freundschaft gegen das Werk kämpfen werden; doch ihre Macht wird zerschellen. Allen jenen, die mein Werk nach meinen Absichten fördern, werde ich gut sein und meine Liebe besonders beweisen; vor allem in ihrer Sterbensstunde werde ich sie in mein Herz aufnehmen.

195 |              Ich habe mir einen Priester herangebildet, dem ich die innere Gründung meines Werkes anvertrauen will. Er soll aus seiner innersten Überzeugung heraus den Priestern meine Absichten verkünden, da er selbst Zeuge ist, wie viele Gnaden ich für das Priestertum in der heutigen Zeit bereithalte und wie viel ich ihm selbst davon geschenkt habe. Er soll der Apostel meiner Absichten sein, weil ich keinem so viel geoffenbart habe wie ihm. Er soll in dem Werk meine Stelle vertreten und ich erwarte von ihm, dass er für meine Absichten ganz Opfer sei.

196 |              Das Werk soll in innigsten Zusammenhang gebracht werden mit den Offenbarungen, die ich meiner Dienerin Luise Margareta gegeben habe und die vornehmlich dieser Zeit angepasst sind; jetzt will ich diese Absichten verwirklichen. Meine Liebe soll wieder meine Priester beherrschen und so die Seelen an mich ziehen und sie einen Gott der Liebe und zumal unendliche Barmherzigkeit finden lassen.

197 |              Mein Herz hat Erbarmen mit so vielen Seelen, die eines Führers bedürfen, so vieler Armer, die nach einer Zuflucht verlangen und in die kalte Welt hinausgestoßen sind. Meine Priester sollen wieder meine Liebe und Barmherzigkeit verkünden und vor allem sollen sie selber lebende Abbilder meiner selbst sein. Mein Leben soll in ihnen herrschen.

198 |              Was der Welt heute am meisten fehlt, ist die Liebe. Meine Liebe soll wieder der Anteil meiner Priester werden; darum müssen sie an mein Herz kommen, um daraus Liebe zu schöpfen. Meine Priester sollen meine Liebe predigen, sollen sein Leben „leben“, sollen mir ähnlich werden in der Hingabe an mein Erlösungswerk, für das sich als Gott Mensch geworden bin. Sie sollen wieder den Wert der Seelen begreifen und sich in den Dienst meiner Seelen stellen.

199 |              Was mich beleidigt und betrübt, ist dies, dass die Priester für sich selbst15 leben, im Beruf ihr zeitliches Fortkommen sehen und so wenig höhere Interessen haben. Mein Herz ist so beleidigt deswegen. Wer gibt mir die Seelen zurück, die durch die Nachlässigkeit der Priester verwirrt und verirrt sind und so eine Beute der Welt und meines Feindes werden? Wer entschädigt mich für so viele Kinderseelen, die einen Freund suchen, dem sie sich mitteilen können und von dem sie Liebe erwarten – die aber keinen solchen finden und so der Verführung anheimfallen und für mich verloren sind?

200 |              Meine Priester sollen wieder Hirten der Seelen werden; mein Hirtenherz will ich ihnen schenken. Ihr Leben soll mein Wandel sein. Dazu gebe ich ihnen meine besondere Gnade und ich will, dass man daran glaube. Die Priester sollen zu diesem Glauben geführt werden. Sie sollen wieder ihren Heiland und Meister kennenlernen.

201 |              In meiner Kirche werde16 ich mein Erlöserleben fortsetzen. Vor allem soll sich bewahrheiten: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“. Darum gebe ich diese Gnaden jetzt, da die Not meiner Kirche und der Seelen so groß ist. Zeichen und Wunder werden meine Priester begleiten, wenn sie an meine Gnade und vor allem an die Gnade des Priestertums glauben. Warum sollte meine Macht weniger groß sein als zur Zeit der Apostel?

202 |              Ich will wieder groß werden in meinen Priestern. Mein Leben wird sich in ihnen widerspiegeln und sie werden meine Priester sein. O, dass sie es erkannten, wie ich sie liebe, was ich von ihnen erwarte, welche Schätze der Gnade ich in ihre Hand gelegt habe, und wie die Seelen meist nur durch sie zu meinem Herzen finden!

203 |              Ich habe nun einmal diesen Weg (doch das Werk) gewählt um die Priester an mich zu ziehen. Ich will dort die Gnaden direkt ausströmen lassen durch den Priester, den ich mir dazu erwählt habe. Mein Leben soll wieder in den Priestern herrschend werden. Darum ist notwendig:

1. Ehrfurcht vor sich selbst und vor dem Zweck, zu dem die Priester bestimmt sind;

2. Glauben an ihr Priestersein, d. h., sie sollen alle Gnaden verwerten, die ihnen damit geschenkt sind, und sollen diese den Seelen zuwenden.

3. Ihr Leben soll Abtötung und Entsagung sein; nicht dass sie sich unter Menschenwürde erniedrigen sollen, doch ihr INNERES Leben soll MEIN Leben sein.

4. Sie sollen ihr Leben geistig17 auf dem Altar verbringen, sollen ein Opfer mit mir sein in beständiger Hingabe an den Vater, sollen ein Leben der Sühne für die Sünden leben.

5. Sie sollen ihr Leben auf dem Altar leben18, d. h., meine Gegenwart im heiligen Sakrament sollen sie zum Mittelpunkt ihres priesterlichen Lebens machen. Da sollen sie einen Freund finden, der sie versteht; da die Kraft, sich ganz zu opfern. Was mich betrübt ist dies: dass meine Gegenwart im Sakrament von den Priestern so wenig geschätzt wird. Und doch bin ich ihnen so nahe und möchte ihnen alles geben. Da sollen die Seelen wieder zu mir geführt werden. Alle Mühe der Priester wird vergeblich sein, wenn sie die Seelen nicht mit mir in Verbindung bringen.

6. Die Priester sollen wieder Vorbilder der Menschheit werden. Habe ich Menschen zu so hoher Würde erhoben, so kann ich sie auch durch meine Gnade zu größtmöglicher sittlicher Höhe bringen, dass sie meiner Gnade Ehre machen. Ich will heilige Priester erwecken. Meine Heiligkeit soll wieder in den Priestern herrschend sein. Jeder Priester soll sich zur Aufgabe machen, seinem Meister ähnlich zu werden. Meine Liebe muss wieder in den Priestern lebend und herrschend sein.

204 |              Nichts kann mich davon abbringen, auch wenn man versucht, meinen Absichten entgegenzutreten19. Meinen Kindern, die ich damit beauftragte, gebe ich Martyrergeist. Sie werden mir kein Opfer verweigern und werden mir gefügig sein. Alle jene, die mitarbeiten, werden großen Segen erfahren. Meine Feinde werde ich in den Abgrund der Hölle stürzen; meine Absichten werden sich verwirklichen und meine Kirche wird erneuert und verjüngt werden20.

205 |              Ich will, dass meine Gedanken21 jedem Einzelnen beigebracht und von den Priestern geglaubt werden. Darum will ich ein eigenes Institut, wo das gelehrt und berücksichtigt wird, weil es in dieser Form am meisten vertieft werden kann. Der Priester soll es im Einzelnen aufnehmen, für sich verwerten und hinaustragen und Apostel sein. Es soll sich über die ganze Kirche verbreiten.

206 |              Zu diesem22 Werk verbunden soll das meiner heiligen Mutter sein. Ihre Fürbitte für die Priester hat vieles bei mir erreicht. Ihr zu Ehren soll es EIN Werk sein. Sie soll die Freiheit haben, ihre Hilfe zu betätigen für die Erneuerung der Priester. Ich will sie dadurch ehren als die Vermittlerin aller Gnaden für das Priestertum. Sie will ihr Leben und alles, was sie mir gegeben hat, für diesen Zweck nochmals fruchtbar machen.

207 |              (Der Heiland sagte mir, er habe Pater Ferdinand Baumann zur Gründung und Leitung dieses Werkes nach seinen Absichten sich vorbereitet; das sei der Priester, der mir geistig23 schon seit Jahren bekannt war und für den ich opfern und beten musste, ohne dass ich ihn persönlich kannte. Im Jahre 1936/3724 führte mich der Herr mit ihm zusammen.)

 

Grundlegende Umrisse des Werkes

208 |              Hauptzweck der Gründung ist:

1. Selbstheiligung und innere Umgestaltung der einzelnen Mitglieder in Christus dadurch, dass sie sein Leben in sich aufnehmen.

2. Einführung aller Priester der Kirche in diesen Geist und ihr Zusammenschluss in diesem Geist.

3. Zusammenschluss von Priester und Volk zur Einheit der Kirche.

209 |              Das Werk soll ganz „jesuitisch“ sein, was die Ausbildung der Mitglieder im Noviziat betrifft. „Der Geist des heiligen Ignatius“ darf nicht verloren gehen.

210 |              Seelisch werden sie gebildet nach dem Vorbild Jesu des ewigen Hohenpriesters, sein Leben in sich aufnehmend. Sie sollen:

a) an alle neuen priesterlichen Gnaden glauben; denn Jesus will neue Gnaden des Lichtes und der Einsicht in die Bedürfnisse der heiligen Kirche und der Jetztzeit geben.

b) an die Macht und Würde des Priestertums glauben, in einem neuen Glaubensleben bezüglich ihres heiligen Berufes. Sich stützend auf ihre göttliche Sendung sollen sie von ihren Würden und Gewalten ganz Gebrauch machen. Sie sollen sich als von Gott gesandt betrachten: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“. – Sie sollen in allem Christi Stelle einnehmen wollen: Der Priester, ein zweiter Christus!

211 |             „Ich habe das Werk erwählt zur Zentrale aller neuen Gnaden für mein Priestertum. Ich werde es mit meinem Lichte und meiner Kraft umgeben. Die Mitglieder des Werkes werden diesen Geist bis an die Grenzen der Erde tragen. Es wird neues Leben in meiner Kirche entstehen25“.

212 |             Ausgangspunkt und Mittelpunkt der Erneuerung der Priester ist das rechte Mitopfern mit der heiligen Messe.26 Der Priester soll ein Opfer sein mit dem göttlichen Erlöser und Hohenpriester. Von da werden jene neuen Gnaden der Vereinigung mit Christus und neue Fruchtbarkeit des priesterlichen Wirkens ausgehen.

213 |             Jesu Leben soll des Priesters Leben werden. Jesu Interessen und Anliegen müssen im Priester zur Tat und Verwirklichung werden. Der Priester soll tun, was Jesus getan hat, gleichsam als dessen zweite Persönlichkeit sein Wirken fortsetzend. – „Ich werde in ihnen lebend sein, und sie werden nicht enttäuscht werden.“

214 |             Die Priester sollen die Leiden des Herzens Jesu zu ihren eigenen machen, sollen Jesu Erlöserleben und seine Sorge um die Seelen in sich selbst fortsetzen. Der Priester soll an Christi statt und nach seinem Vorbild der große Büßer, der Versöhner der göttlichen Gerechtigkeit sein. Er soll eindringen in Christi Herz, das ein beständiges Schlachtopfer für die Sünder war. In dem Maße, als der Priester vor Gott der Versöhner an Jesu statt ist, im gleichen Maße wird er den Seelen die Erlösungsgnaden Christi zuwenden und sie fruchtbar sehen in den Seelen. Alle Gnaden der Erlösung und der Heiligung für die Seelen müssen vom Priester sozusagen mitverdient werden durch ein beständiges Mitopfern mit Christus. Nur ein priesterliches Opferleben wird die Erlösungsgnade Jesu für die Seelen zu ihrer vollen Frucht, Kraft und Wirksamkeit vollenden. Dies ist ein Hauptübel, dass die Priester ihr Leben in dieser Beziehung nicht für maßgebend betrachten27.

215 |             „Alle Gnaden, die ich meinen Aposteln gegeben habe, werde ich neu ausgießen und dadurch neues Leben in den Seelen wirken. Die Schäden meiner Kirche brauchen ein neues Heilmittel und das werde ich sein. Mit dem Heiligen Geist ausgerüstet, sandte ich meine Apostel aus. Mein Leben in den Priestern dieser Zeit wird nicht weniger Frucht bringen. Aber man soll an dieses neue Leben glauben, das ich den Priestern vermitteln will. Aus dem Glauben wird die Kraft kommen, dass die Priester mein Erlöserleben in der Kirche fortzusetzen vermögen. Meine Kraft, mein Leben wird sich in meiner Kirche neu entfalten, aber alle Gnaden sollen vom Priester mitverdient werden“.

216 |             Die Liebe zwischen Priester und Volk, die fast erstorben ist, und vielfach dem Hasse weichen musste, soll durch Christi Liebe in den Priestern wieder neues Verstehen und aufrichtiges Zusammenarbeiten erwirken. So wie die Apostel es getan haben, so soll heute wieder ein neues Zusammenwirken zwischen Priester und Volk entstehen28.

217 |             Die Welt befindet sich wie in einem neuen Kampf zwischen Himmel und Hölle. Wie die Hölle alle ihre Vertreter ausschickt, so will Christus in seinen in ihm umgestalteten Priestern die Welt wieder für sein Reich gewinnen.

218 |             Dem Werk Jesu, des Hohepriesters, soll angeschlossen sein die Tätigkeit für die Erneuerung der Familien im christlichen Geiste. Von den Mitgliedern sollen Laienhelfer ausgebildet werden, und zwar:

a) männliche, die durch entsprechenden Unterricht29 und Aufklärung einen neuen Geist in die zu gründenden Familien tragen. Sie sollen besonders in Jugendvereinen in diesem Sinne arbeiten. Es sollen auch ausgebildete Kreise sein30, die sich ganz dem Werke des Hohenpriesters als Mitarbeiter anschließen;

b) die weiblichen Helferinnen sollen ebenso in Mädchenvereinen gute christliche Mütter heranbilden und sollen den heutigen unsittlichen Ehezuständen wirksam entgegenarbeiten durch Aufklärung, durch Schulung und diesbezügliche Tagungen und Kurse in den Jugendvereinen.

219 |             Der Priester soll auch in dieser Aufgabe direkt für die Erneuerung der Familie und damit für die Kirche arbeiten. Priesterarbeit ist Volksarbeit.

220 |             Den ignatianischen Geist soll man besonders pflegen durch Priesterexerzitien in diesem Geiste. – Die Priester sollen im Werk ein Heim finden, wo sie die Möglichkeit haben, für kürzere oder längere Zeit sich in diesem Geiste auszubilden. Es sollen priesterliche Schulungskurse in dem von Gott gewollten Geist gehalten werden, damit diese Priester sich wieder untereinander in diesem Sinne betätigen können. Es sollen Priesterheime, Ferienheime errichtet werden, wo der einzelne Priester einen Mitbruder findet, wo Fehlende und Wankende neu aufgerichtet werden. Alles soll im Geiste des Herzens Jesu geschehen, dessen Leben ein Leben der Liebe ist.

221 |             Alles dies will Jesus voll Liebe getan wissen. Seine Liebe soll in diesem Werk neu erstehen. Jesus will der Menschheit wieder näherkommen, ähnlich wie damals, als er auf Erden lebte. Jesus mit seinem menschlichen Leben nach den Menschen unserer Zeit greifbar nahe: Er will es werden durch ganz in ihm umgestaltete Priester! –

222 |             MARIA wird die Führerin sein in der Erneuerung der Priester nach den Absichten des heiligen Herzens Jesu. Sie wird sich auch heute noch als starke Frau erweisen, die der Schlange den Kopf zertreten hat, und sie wird ihre Würde und macht als „Miterlöserin“ dem verderblichen Geist der Jetztzeit entgegenstellen.

223 |             Niemand steht dem Herzen Jesu so nahe wie der Priester. Deshalb will Maria ihre ganze Mutterliebe aufwenden, um ihrem göttlichen Sohn würdige Priester zu vermitteln. – Man soll mehr glauben, wie sehr sie um das Heil und Wohlergehen der Kirche besorgt ist; man glaubt viel zu wenig daran.

224 |             Maria war nach dem Tode ihres göttlichen Sohnes die Mutter der jungen Kirche. Sie war es, die die ersten Priester erst so recht in den Geist und in das Wesen ihres göttlichen Sohnes eingeführt hat und ihnen vollends das Innerste des Heilands mitteilte und sie darin festigte.

225 |             Maria hat sich für diese Zeit von Jesus die besondere Gnade erbeten, ihr Leben nochmals für die Priester zu schenken. Dies sei eben eine neue Gnade, um sich dadurch als Vermittlerin aller Gnaden für dieses Priestertum zu zeigen und um ihre Würde als „Miterlöserin“ geltend zu machen.

226 |             Um dies zu erreichen, wünscht Maria, ihr Leben gleichsam nochmals gelebt zu sehen von den Schwestern der Gesellschaft Mariens. – Maria will sich diesen Seelen gleichsam leihen, um deren Gebete und Opfer für das Priestertum fruchtbar zu machen und um dadurch die Vermittlerin der Gnaden für31 das Priestertum zu sein.

227 |             Diese Schwestern sollen das Leben Mariens nachleben und ihre Tugenden sich aneignen, besonders ihre Verborgenheit und ihre Demut – denn kein Heiliger hat das verborgene Leben so geübt wie Maria; dazu ihre beständige volle Hingabe an den Willen Gottes, ihre ständige Bereitschaft gegenüber den Absichten Jesu, ihre tiefe Verbundenheit mit Jesus auch nach der Mutterschaft, ihr Weiterleben des Heilandes auch nachher, als sie das Leben Jesu in einem wahren Sinne weitergelebt hat32. – Die Schwestern sollen, wie Maria, die Absichten Jesu bezüglich der Not der Kirche und der Erneuerung der Priester ganz erfassen. Maria gibt diesen Seelen die besondere Gnade, sich ganz mit ihr vereint für dieses größte Anliegen des Herzens Jesu zu opfern. –

228 |             Durch das Nachleben des Lebens Mariens und durch Mariens besondere Fürbitte und Gnade wird das Leben, Beten und Opfern der Schwestern einen viel höheren Wert erlangen; dies wird sie ihrem göttlichen Sohne zur Verfügung stellen, um die neuen Gnaden auf das Priestertum herabzuziehen. Sie will sich Seelen heranbilden, um ihr Leben für die Priester weiterzuleben.

229 |             Je mehr die Schwestern das Leben Mariens in sich aufnehmen und weiterleben, desto mehr werden sie das Leben Jesu in sich zur Wirklichkeit machen. Dieses „Leben Jesu“ werde durch die Fürbitte Mariens den Priestern übermittelt und in das Leben Jesu in den Priestern übergeben. Der Heiland will seine Mutter in dieser Weise ehren und will neue Gnaden für das Priestertum geben. Dadurch will er das Wirken Mariens für die Priester zur Anerkennung bringen, da Maria, und ihr Leben, von den Priestern zu wenig geschätzt wird …

230 |             Niemand hat sich für die Absichten des Herzens Jesu so bereitgestellt wie Maria. So sollen die Schwestern der Gesellschaft Mariens ganz im Geiste Mariens sich dem Herrn opfern und hingeben, und sich für diese Gnade bereit machen. Sie sollen sich selbst ganz aufgeben, um Jesus in sich leben zu lassen und dadurch den Priestern diese Gnaden zu verdienen. – Mit Jesus sollen sie im Geiste Mariens ein Opfer auf dem Altare sein.

231 |             Die Genossenschaft soll dadurch die notwendigen Gnaden durch Gebet und Opfer auf die Kirche und für die Erneuerung des Priestertums herabflehen, „um die Welt aus dem heutigen Neuheidentum zu retten. Die betenden Frauen sind die Kraft der Kirche“. – Es muss33 vielmehr auf das gegenseitige Beten und Opfern in der Kirche vertraut werden, auf dieses gegenseitige Sich-ergänzen und Sich-stützen. Es soll damit das volle Zusammenarbeiten, und die Einheit in der Kirche, betont werden.

232 |             Die neuen Gnaden werden dem Priester durch das beständige Mitopfern mit der heiligen Messe zufließen. Durch das gänzlich sich Hingeben und Opfern in Gemeinschaft mit Christus und durch die Bereitschaft, mit ihm Sühnopfer zu sein, empfängt der Priester von Jesus tatsächlich jenes versprochene Einssein mit ihm. Jesus nimmt den Willen zur Tat, zieht den Priester ganz an sich, formt ihn nach seinem Herzen und gibt ihm dadurch die Kraft, sich aus den menschlichen Niederungen in jene für den Priester bestimmte Christusähnlichkeit zu bringen.

233 |             Der Priester ist nach den Absichten Jesu, als bevorzugter Jesu Christi bestimmt, die vollen Früchte der Erlösung in sich Wirklichkeit werden und sie auf sich selbst als Ersten wirken zu lassen. Durch das beständige Mitopfern mit dem Opfer Jesu in der heiligen Messe soll der Priester:

a) sich Christus ganz zur Verfügung stellen für diese Art der priesterlichen Teilnahme an ihm.

b) Mit ihm Opfer sein wollen, um dadurch zur Teilnahme und zum Einssein mit Jesus zu gelangen.

c) Mit Christus mitsühnen, täglich gleichsam mit ihm auf den Kalvarienberg gehen, sich als wirkliches Opfer mit dem unblutigen Opfer Jesu vereinigen, in der heiligen Messe ganz eingehen in die Gesinnungen34 und Eigenschaften Jesu, sodass wirklich nicht nur Christus Opfer sei, sondern alle Priester mit ihm und dass sie dadurch gleichsam eine neue „Erlösung“ der Menschheit herbeiführen.

234 |             In jedem Priester soll wieder das Opfer Christi, die Erlösung der Menschen erneuert werden, und der Priester soll dadurch zur Christusähnlichkeit herangebildet werden; damit sollen neue Gnaden für die Menschheit verdient werden. Das soll keine bloße Gefühls- oder Formsache sein, sondern der Priester wird durch ein wirkliches, volles Bereitschaftsopfer in die Opfergesinnung und in das Erlöserleben Jesu hineingezogen, wodurch ihm dann diese „neuen Gnaden“ des wirklichen Lebens mit Jesus mitgeteilt werden.

235 |             Diese Lebensverbundenheit mit Jesus wird zur Quelle der Gnaden für die Seelen werden. Dadurch wird der Priester zum lebendigen Kanal und Mittler35 zwischen Jesus und den Seelen.

236 |             Aus dieser fruchtbaren Lebensgemeinschaft des Priesters mit Jesus ergibt sich eine äußere Nachbildung des Priesterlebens nach dem Leben Jesu, sodass er auch äußerlich sein Leben für die Seelen zu einem beständigen Kreuzopfer gestaltet. Dazu werden die Priester immer mehr sich Jesu Herz zu eigen machen. Als Ersterlöster soll ja der Priester das Leben Jesu leben.

237 |             Welcher Art sind nun die „neuen Gnaden“, die der Herr verspricht?

238 |             Es sind wirklich neue Gnaden, die der Herr geben will, Gnaden, die im Erlöserleben und in den Erlöserverdiensten enthalten und eingeschlossen sind, die aber bis jetzt noch nicht so ganz verwertet und nicht so allgemein eröffnet worden sind. Jetzt will der Herr sie neu jenen Priestern geben, die bereit sind, die Früchte der Erlösung in der Form zu gebrauchen und sich anzueignen, wie es in den fortlaufenden Offenbarungen und Aufzeichnungen angegeben ist.

239 |             Dies wird für die Priester zu einer (subjektiven) „Vollerlösung“ führen36, zu einer aufsteigenden Entsündigung, zu einer sittlichen Erhebung des „alten Menschen“ in einen neuen, erlösten Menschen, der Kraft dieser sittlichen Erhebung einer inneren Umwandlung in Christus nahekommt.

240 |             In der Kraft Christi werden dann die Priester imstande sein, das Angesicht der Erde zu erneuern. Der Herr will aber den Glauben daran, dass diese Gnaden einer Vollerlösung wirklich in seinem Erlöserleben eingeschlossen sind, und er will, dass diese Gnaden angestrebt und verwertet werden. – Er will sie aber zuerst gleichsam grundlegend im Priesterinstitut, dessen einzelne Mitglieder es sich zur Pflicht machen sollen, nach diesen Gnaden zu streben und alle Priester in diesen Geist und in dieses Streben einzuführen und so die ganze Welt dafür vorzubereiten. – Es wird eine Zeit kommen, da diese jetzt noch „neuen“ Gnaden allgemein zugänglich gemacht und gegeben werden. Es ist darin nichts gegen den Geist des Evangeliums oder gegen die Lehre der Kirche. Es muss nur ein vertiefter Glaube geübt und danach gelebt werden. Mit Gottes Gnade ist es möglich, dass der gefallene Mensch sich erhebe zu einer stufenweisen Befreiung von den sittlichen Folgen der Erbsünde und dass er damit Christus anziehe, wie der heilige Paulus sagt: „Zieht an unseren Herrn Jesus Christus!“ Durch eine tiefere Kenntnis des innersten Erlösergeheimnisses soll der Reichtum der uns erworbenen Erlöserverdienste gleichsam neu entdeckt werden und sollen die Früchte der Erlösung voll anerkannt und angestrebt werden.

241 |             Es sind Gnaden einer fortschreitenden und aufsteigenden Entsündigung und Freimachung von den sittlichen Folgen der Erbsünde, Gnaden der sittlichen Erhebung des „alten Menschen in einen neuen“, erlösten Menschen, der Kraft dieser sittlichen Erhebung und auch subjektiven „Vollerlösung“ einer inneren Umwandlung in Christus nahekommt, und dies aufgrund des Eingehens auf die gottgewollte Glaubensvertiefung. „Es sind wirklich neue Gnaden, die ich gebe, Gnaden, die in meinem Erlöserleben und in meinen Erlöserverdiensten eingeschlossen sind, die aber bis jetzt noch nicht so verwertet und noch nicht allgemein eröffnet wurden. Jetzt aber gebe ich sie neu den Priestern, die bereit sind, die Früchte der Erlösung in jener Form zu gebrauchen und anzuzeigen, wie es in den fortlaufenden Offenbarungen angegeben ist. Dies wird für die Priester zu einer Vollerlösung werden, zu einer aufsteigenden Entsündigung, zu einer sittlichen Erhebung des alten in einen neuen, erlösten Menschen … In meiner Kraft werden dann die Priester imstande sein, das Angesicht der Erde zu erneuern. Ich will aber den Glauben daran, dass diese Gnaden einer Vollerlösung wirklich in meinen Erlöserverdiensten eingeschlossen sind, und ich will, dass diese Gnaden angestrebt und verwertet werden.

242 |             Ich will sie aber zuerst grundlegend im Priesterinstitut, dessen einzelne Mitglieder es sich zur Pflicht machen sollen, nach diesen Gnaden zu streben und als Priester in diesem Geiste und in dieses Streben einzuführen und so die ganze Welt dafür vorzubereiten.

243 |             Es wird eine Zeit in der Kirche kommen, da diese jetzt noch 'neuen' Gnaden allgemein zugänglich gemacht und gegeben werden. Bis dahin wird aber noch ein großer geistiger Umschwung in der Kirche kommen, um die Menschen allgemein darauf vorzubereiten. Es kommt ein neues geistiges Zeitalter der Kirche.

244 |             Nichts darin ist gegen den Geist des Evangeliums oder gegen die Lehre der Kirche. Es muss nur ein vertiefter Glaube geübt und danach gelebt werden. Mit Gottes Gnade ist es möglich, dass der gefallene Mensch sich in einer stufenweisen Befreiung von den sittlichen Folgen der Erbsünde erhebe und dass er damit Christus anziehe, wie der heilige Paulus sagt: 'Zieht an unseren Herrn Jesus Christus!'

245 |             Durch eine tiefere Erkenntnis des innersten Erlösungs-Geheimnisses soll der Reichtum der uns erworbenen Erlösungsverdienste gleichsam neu entdeckt werden und sollen die Früchte der Erlösung voll anerkannt und angestrebt werden.

246 |             Ich selbst würdige mich, der Menschheit zu zeigen, welches Mittel sie aus der heutigen Verderbnis retten und erhöhen und wieder zu mir zurückführen kann. Darum offenbare ich dieses Mittel, das sie selber anwenden sollen. Ich selbst will die Welt retten und ich bin selbst das Heilmittel, das sie im Reichtum meiner Erlöserverdienste finden. Es soll nichts menschlich Erdachtes, nicht menschliche Weisheit sein, wodurch die Menschheit wieder zu mir zurückgeführt werde, sondern ich selbst zeige ihr den Weg.“

247 |             Christus schenkt sich neu der Menschheit in den Priestern, die nach seinem Herzen gebildet sind.37

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Jahr 1938

 

Grundlage M1

 

 

 

 

 

Februar

11.02.1938

248 |             Durch die Priesterweihe tritt der Priester in innigste Lebensgemeinschaft mit Christus. Das Priesterleben soll in jeder Beziehung das Leben Jesu wiedergeben. Jesu Erlöserleben soll im Priester wiedergelebt werden.

249 |             Was Jesus im Kreuzesopfer uns an Gnaden und Verdiensten erworben hat, das soll in der heiligen Messe gleichsam neu wieder den Seelen zugewendet werden und das soll vor allem die Aufgabe des Priesters sein. Jesu Aufgabe als Welterlöser soll in Kürze im Priester bei der heiligen Messe wiederholt werden.

250 |             Stufengebet und Kyrie: Beim Confiteor tritt der Priester mit Christus hin vor seinen Vater als der beständige Versöhner und Vermittler zwischen Himmel und Erde. Mit Jesus nimmt er die Sünden der Menschen auf sich und bekennt sie vor dem ewigen Vater als seine Schuld. Es ist ein Hauptzweck der heiligen Messe, Gott zu versöhnen und seine Barmherzigkeit neu auf die Menschheit herab zu flehen. Vor dem Geiste des Priesters sollen nicht nur seine eigenen Sünden stehen, sondern die ganze Schuld der Welt. Mit Christus geht er nun hin, um Barmherzigkeit von Gott zu erbitten. Er bietet sich mit ihm an, Erlöser der Seelen bzw. Miterlöser zu sein, und wird dadurch mit einbezogen in das Erlöserleben Jesu. Die Gesinnung des Priesters soll die Gesinnung Jesu sein, mit der er freiwillig die Schuld der Menschen auf sich nahm und sich selbst als Lösepreis einsetzte. Der Priester steht eben nicht als Einzelperson vor dem Altar, sondern im Auftrag Christi, als Vertreter der sündigen Menschheit. So will es seine Auserwählung als Priester und so erwarten es die Seelen von ihm. Bei der heiligen Messe soll sich der Priester nicht als gewöhnlicher Mensch betrachten, sondern als Mittler, als Christus, der Versöhner des beleidigten Gottes. An Christi Stelle schenkt er wieder Verzeihung, Lossprechung, Gnade und Erbarmen. Tritt der Priester in dieser Opfergesinnung „als Christus“ zum Altar hinan, wird ihn der ewige Vater gleich seinen Sohn in seinen ewigen, göttlichen Erlösungsplan miteinbeziehen und durch ihn neue Barmherzigkeit und Gnade ausgießen. An Christi Stelle soll er der Sohn des Vaters sein und durch dieses stellvertretende Opfer will der Vater nochmals ähnliche Gnaden geben. Des Priesters Flehen um Erbarmen wird vom Vater gehört werden, wenn er sich selbst ganz ausschaltet und vor Gott als der Schuldige hintritt wie Jesus – beim Stufengebet und Kyrie.

251 |             Gloria: Dann tritt der Priester schon zuversichtlich, auf Gottes Barmherzigkeit vertrauend zu dessen Throne hin und dankt ihm und lobt ihn beim Gloria, dass er auch anstelle der Seelen des Volkes als Lobgesang Gott darbringen soll. Im Namen und anstelle Christi soll der Priester vor Gott ein beständiges Lobopfer sein. Als der vielgeliebte Sohn, an dem der Vater sein Wohlgefallen hat, als ein neuer Ersatz an Treue, Liebe, Anbetung und Verherrlichung für das, was die Sünder dem Herrn durch ihre Abkehr versagen, soll der Priester als zweiter Sohn Gottes durch seine Lebensgemeinschaft mit Christus gelten.

252 |             Dominus vobiscum: Im Vertrauen, dass Gott sein Lob und seine Anbetung angenommen hat und ihm dafür seine Teilnahme an Christi Leben geben wird, will der Priester seine Freude darüber auch den Anwesenden mitteilen und bietet auch ihnen die Teilnahme an Gott an – im Dominus vobiscum. Er soll ja das Leben Jesu weitergeben; er empfängt es nicht für sich.

253 |             Orationes: Als der große Beter mit Christus will er nun alle Anliegen des Volkes Gott vortragen, wiederum als Vermittler in Christi Namen in innigster Gemeinschaft mit der heiligen Kirche. Die Anliegen Jesu und die der Gläubigen sind die seinigen geworden.

254 |             Epistel und Evangelium: Als dem Lehrer und Verkünder der göttlichen Wahrheiten an Jesu Stelle will ihm Gott gleichsam die Schatzkammern der göttlichen Geheimnisse öffnen, in die einzudringen nur seine Auserwählten, die Priester, berufen sind. Was er den Seelen verkündet, dafür soll er ständig bereit sein, sein Leben zu opfern. Sein Leben soll ein getreues Abbild dessen sein, was er seinen Gläubigen lehrt und was er ihnen zu befolgen empfiehlt. Hier wird sich besonders die Kraft der göttlichen Gnade zeigen: Das Leben des Priesters nach dem heiligen Evangelium wird den Seelen die Gnade verdienen, ganz einzudringen in die Absichten Gottes und den Priester als ihr Vorbild und ihren Lehrmeister zu betrachten.

255 |             Credo: Der Glaube ist das Fundament des religiösen Lebens, die Kraftquelle, woraus sich das übernatürliche Leben der Gnade entwickelt. Darum ist der Priester der Erstberufene, seinen Glauben vor Gott und den Gläubigen zu bekennen. Der Priester soll glauben an Stelle aller Ungläubigen, Schwachgläubigen, Heiden und Sünder. Seine apostolische Liebe soll sich auf alle erstrecken. Er tritt vor Gott hin als Vertreter, auch aller Irregegangenen und Abgefallenen und bietet sich ihm als Werkzeug an, diese verlorenen Seelen wiederzugewinnen. Von Gott und der heiligen Kirche ist er gesandt, den Glauben an den dreieinigen Gott auf der ganzen Welt zu erhalten und zu verbreiten in Gemeinschaft mit den Gläubigen und in Einheit mit der Kirche und seinen geistlichen Mitbrüdern. Alle Priester zusammen bilden vor Gott gleichsam nur ein Priestertum in Christus.

256 |             Dominus vobiscum: Als Ausspender der göttlichen Gnade bietet der Priester dem Volke abermals „den Herrn“ an. Ist sein Herz von lebendigem Glauben an Gott und an seine Priesterwürde und Priestermacht erfüllt, so wird Gott seinem Diener diesen Wunsch zur Wirklichkeit werden lassen und die Seelen zu sich an den Altar heranziehen und sie zur innigsten Teilnahme am heiligen Opfer befähigen.

257 |             Opferung: Wie Brot und Wein eine Gabe der Natur sind, so ist der Priester gleich allen Menschen allen menschlichen Schwächen unterworfen. Wie aber auch Brot und Wein bei der Opferung aus dem gewöhnlichen Gebrauch herausgehoben werden, so soll der Priester durch den Dienst Gottes, wozu ihn Gott als Auserwählten berufen hat, diesem reinen Brote gleichen, und soll dem Willen nach nichts mit der niedrigen Verderbtheit des Alltagsmenschen zu tun haben. Wie der Wein etwas Geistiges, Höheres versinnbildet, so soll des Priesters ganzes Streben sein, Christi Geist und Kraft in sich aufzunehmen und göttliche Kraft den Seelen zu vermitteln. Brot und Wein und des Priesters Leib und Seele sollen zusammen und zugleich Opfergabe sein, ausdrücklich für Gott zubereitet zur Annahme seines göttlichen Lebens. Im heiligen Messopfer soll der Priester zum Opfer Christi das Opfer seines eigenen Wesens hinzufügen, um Gott dem Vater auch ein wirkliches, lebendiges Opfer zu bieten. Je mehr der Priester sich selbst ganz aufgibt und, dem reinen Opfer von Brot und Wein gleich, sich als lebendige Opfergabe zur Umgestaltung in Christus bereitet, desto mehr wird er die Verwandlungskraft Jesu in sich wirksam machen. Eine vollkommene Selbstaufgabe wird eine noch höhere Art des Eingehens in das Leben Jesu bewirken.

258 |             Lavabo: Beim Lavabo will sich der Priester mit dem Unschuldigen und Reinen vereinen, um Gott in Christus ein würdiges Lobopfer zu werden. Seine Sorge soll sein, sich selbst rein zu bewahren, den Dienst am Altar würdevoll und heilig zu gestalten, nichts gemein zu haben mit denen, die die Welt und ihre Freuden lieben. Seine Ehre und Freude soll die Verherrlichung der heiligen Dreifaltigkeit sein, die ihn als Vermittler zwischen Gott und den Menschen erwählt hat. Das Volk sieht auch auf die Händewaschung und erwartet vom Priester ein Vorbild, einen treuen Spiegel, der das Leben Jesu wiedergibt.

259 |             Suscipe S. Trinitas: Nochmals bittet der Priester um gnädige Aufnahme seiner Opfergaben zum Andenken des Leidens Jesu Christi usw. Er legt sich selbst mit all seinen Opfern, Mängeln und Schwächen als Opfergabe hinzu und bietet die reinste Jungfrau und die übrigen Heiligen um ihre Fürsprache bei Gott. Er soll sich auch in diesen Gebeten selbst mit zu einem Opfer machen.

260 |             Orate fratres: Nochmals wendet sich der Priester zu den Gläubigen und bittet sie ebenfalls um Gebet, dass „mein und euer Opfer vor Gott wohlgefällig sei“. Mein Opfer = die Opfergaben UND mein eigenes Opfer meiner selbst; euer Opfer = Brot und Wein UND eure Mitopferung; das Opfer meiner Selbsthingabe und Brot und Wein, was nach der heiligen Wandlung in EIN Opfer verschmelzen soll; Brot und Wein und euer Mitopfern, was sich ebenfalls mit dem Opfer Christi vereinigen soll. – Der Priester steht eben als Vertreter des Volkes und Vollbringer göttlicher Opfergewalt am Altar.

 

April

19.04.1938

261 |             Heute will ich dir, liebster Jesus, noch einmal danken für alle Gnaden, die du mir in der letzten Zeit geschenkt hast. Jetzt gehöre ich dir noch vollkommener an durch das Gelübde, dein Leben weiterzuleben und mit dir selber deine Leiden in mich aufnehmen zu wollen. Ich möchte dich so herzlich bitten: Lebe ganz in mir mit deiner Liebe, mit deinem vollen Heiligen Leben, das du deiner heiligen Mutter geschenkt hast bei deiner Menschwerdung! Ich möchte dir auch diese heilige Reinheit und vollkommene Hingabe bieten wie Maria, möchte dir für deine Absichten mich so zur Verfügung stellen wie sie, die voll der Gnade war.

262 |             Das ist es, was du lieber Heiland so oft von mir gefordert hast, die Art der Hingabe Mariens. Ein liebens- und leidensfähiges Menschenkind suchtest du, indem du dein Lieben und Leiden erneuern willst. Ich darf, ähnlich wie Maria, geistige Mutterstelle vertreten, um dadurch Mutter der Priester zu werden. – Dies Gelübde hast du mir, mein Heiland, schon jahrelang vorausgezeigt. Ich habe es aber nie begriffen, welch weiten Weg du mich bis dahin führen würdest, bis du mich, voller Geduld mit deinem schwächsten Kinde, so weit gebracht hättest. O, dass ich nun nie mehr zu mir zurückkehre! – Viele Leiden, ja ein Leben voll Leiden wird die Folge dieser Hingabe sein und eigentlich der Beweis für dieses von dir gewollte Gelübde. Am meisten Angst hatte ich vor dem teilweise schon voraus erlebten Leiden, das aus dem „Sühne-sein“ folgt, nämlich „alle Sünden der Priester nochmals zu sühnen, um dadurch neue Gnaden für dein Priestertum zu verdienen“.

263 |             Wie du mir am Gründonnerstag gezeigt hast, willst du dein zu gründendes Priesterwerk und damit das neue Priestergeschlecht mit überschwänglichen Gnaden ausstatten, gleichsam neu lebenskräftig machen. Deine Gerechtigkeit verlangt aber dafür Entschädigung und Sühne. Auch die Sünden und Nachlässigkeiten der heutigen Priester verlangen Sühne und Genugtuung. Wie sehr wirst du, lieber Heiland, heute in deinen Priestern entehrt! Deiner Kirche gereichen sie zur Schmach. Das willst du gutmachen und gleichsam alles neu machen.

264 |             Deine heilige Mutter will sich dafür verwenden. Ihre Lebensbereitschaft soll in den für deine Absichten bestimmten Seelen neu fruchtbar werden, um neues übernatürliches Leben in den Priestern zu wirken. Mir scheint: Das soll ein viertes Gelübde in der zu gründenden Genossenschaft sein, das die Mitglieder aber erst nach reiflicher Prüfung ablegen.

265 |             Am heiligen Karfreitag durfte ich mich in der von dir gewollten Weise opfern. Meine vorhergehende Angst ging in Freude und Zuversicht über, mich endlich ganz aufgeben und verlieren zu dürfen. Ich glaube, dass Jesus mich, sein ärmstes Kind, mit Freuden aufgenommen hat. Es war eben alles Freude in mir, so stille, heilige Freude. Ich war wie ganz er.38 Ich fühlte von mir nichts, auch vom Heiland nichts. Es war ein Geist geworden aus uns. Ich kann diese Art der Vergeistigung nicht verstehen, viel weniger erklären. Und doch verstehe ich die Worte Jesu so klar. Er sagte mir – aber „sagen“ ist nicht der richtige Ausdruck; es ist ein Erfassen der innigsten Liebe, die er mir erwies und in der er mich begreifen ließ. – „Ich habe dich so rein gemacht, wie die Menschen bei der Erschaffung waren; denn nur in einem Zustand solcher Reinheit kannst du meine Gegenwart und mein innewohnendes Leben ertragen. Ich habe alle Erlösungsgnaden, alle meine Leiden dir so voll zugewendet, als hätte ich alles für dich allein gelitten und geopfert.“ (Jesus ließ mich früher sooft erkennen, dass er alle Priester in diesen geistigen Zustand der vollen Wirksamkeit seines Erlöserlebens und Leidens führen wolle.)

266 |             Jesus versprach mir, er wolle diesen Seelenzustand und diese Reinheit in mir erhalten und er werde für immer in mir bleiben und mich als „sein leidensfähiges Leben“ gebrauchen. Zugleich mit ihm würden auch seine Leiden, sein „Sühnopfer-sein für die Sünden“ in mir wachsen. Wie er vor seinem himmlischen Vater wie ein Sünder dastand, so würde ich dies mit ihm und wie an seiner Stelle leiden. Ich würde mit diesen Sünden, die er gesühnt haben wolle, (mit den Priestersünden) zu kämpfen haben, als wären es meine eigenen Sünden. Ich würde wie belastet sein mit dem, was ich gutmachen und sühnen und tragen müsse. Das würde ein großer Teil meines Leidens sein. Durch die allerhöchste Reinheit, die er mir geschenkt habe, würde ich den kleinsten Fehler, der mir wie mein eigener erscheine, und das kleinste dieser Leiden schwer empfinden und mich dadurch immer mehr für größere Leiden befähigen. Meine Lebensaufgabe sei, „seine Leiden um die Priester nochmals zu leiden und dadurch neue Gnaden auf das Priestertum herabzuziehen“. – Um diese in höchstmöglicher Vollkommenheit zu erwirken, schenke er sich mir derart.

267 |             Wie habe ich mich am Karfreitag auf die heilige Kommunion gefreut! Jesus war in mir; alles in mir war Jesus! Ich kann mich nicht anders ausdrücken. Ich habe aber nie irgendwelche geistige Tröstungen, sondern das sichere Erleben Jesu.

268 |             Ein Leben Mariens solle mein Leben für ihn sein; Maria habe sich in mir wieder, wie damals, ihrem lieben Jesus zur Verfügung gestellt. Sie sei in mir die Vermittlerin, dass Jesus in mir leben könne. Es sei eine Gnade Mariens für mich und zugleich für die Priester, dass sie dadurch die Vermittlerin des „neuen Lebens Jesu in den Priestern“ werde.

269 |             Ich sah und begriff innerlich alles so klar in einem geistigen Wissen und Erkennen. In Worten könnte man das nicht so bestimmt zeigen.

270 |             So darf ich dem ewigen Vater gleichsam ein doppeltes Leben bieten. Durch Mariens Gnade werde ich das Leben Jesu vollkommener leben. – Es ist eine große Ruhe über mich gekommen. Könnte ich immer felsenfest an die großen Gnaden glauben! Doch er sagt mir oft, gerade meine Leiden seien ein Beweis der Gnade Jesu.

271 |             Ich will nichts mehr für mich. – Jesus verlangt jetzt oft von mir, ich müsse hingehen und für seine mir geoffenbarten Absichten Zeugnis geben und eintreten. Es werde ein großer Triumph werden für sein Herz. Ich muss mich im Voraus so herzlich darüber freuen oder freut sich Jesus darauf? Ich kann es nicht unterscheiden. Mach das bald, lieber Heiland! Komm mit deiner göttlichen Allmacht deiner glühenden Liebe entgegen!

 

Juni

02.06.1938

272 |             Indem ich Mariens Leben-Jesu nochmals darbringe und auch gänzlich auf Trost vonseiten Mariens verzichte, würde von ihr den Priestern Trost und Licht und Gnade gegeben. So würde ich in tiefster Weise Jesu, ihr Leben, nochmals leben. Mein Glaube, das innere Wissen und die tief innerliche, geistige Betätigung müssen mir genügen. Auf diese Weise würde Maria zur Vermittlerin der Gnaden für das neue Priestertum.

273 |             Ich solle in vollkommenem Verzichten, ohne Rücksicht auf meine geistigen Bedürfnisse und ohne Verlangen nach Trost usw., Jesu innerstes Leben erfassen und mich darin verlieren. – Gewiss ist das in Worten nicht auszudrücken, doch mein Inneres ist darüber sicher und lichtvoll. – Sein Leben soll ich in mir zur vollen Wirksamkeit kommen lassen und dies allein solle mir genügen, um dadurch neue Gnaden für die Priester zu verdienen und gleichsam auf Vorrat zu sammeln; sie sollen dadurch anderen überreichlich geschenkt werden. Jesu Leben war ja auch ein beständiges, selbstloses Verdienen für die Seelen und für die Kirche.

274 |             Die Tiefe und Weite dieser Forderung Jesu lässt sich nicht ausdrücken. Damit trete ich in das Innerste des Herzens Jesu ein und erfasse ihn innerlich. Er lasse mich an ihm in einer vollkommenen Art teilnehmen. Alles dies steht klar vor meinen Augen.

275 |             Ich trete gleichsam ein in Jesu Erlöserleben und erlebe damit das innerste des Herzens Jesu. Vor zehn Jahren etwa hat mir Jesus oft versprochen: „Ich werde dich das Innerste meines Herzens erleben lassen; ich werde dir die Geheimnisse meines Herzens offenbaren“. Er machte es im höchsten Sinne war. – Ich bin so ruhig und vertrauensvoll, dass ich auch kann, was Jesus von mir verlangt. Wenn die Gnade echt ist, muss sich daran die geistige Wirksamkeit knüpfen. Das soll mir das sicherste Zeichen der Echtheit sein.

276 |              Bis jetzt ist, mein Innenleben betreffend, alles geistig vorher geschaute wahr geworden und kann ich mit der führenden Gnade innerlich das wirklich ausführen. So leitet mich Jesus schon 16 Jahre lang von Stufe zu Stufe. – Ich fühle mich seelisch wie neu, an einer bestimmten Entscheidung meines Innenlebens angelangt. Etwas Ruhiges, Sicheres und Festes beherrscht mich. Er sei gepriesen!

 

Juli

13.07.1938

277 |              „Lieber Heiland! Nimm mich ganz hin als dein zweites Ich, dein erneutes menschliches Leben, um die Absichten deiner Liebe zu erreichen! Nimm mich hin als ein vollkommenes, vollständiges Opfer für deine Kirche, für ihre Erneuerung durch heilige Priester! Ich will dir dienen mit jener Bereitwilligkeit und Hingabe, mit welcher dir einst den von deiner heiligen Mutter angenommenen Leib in allem unterworfen war. Ich will dir mit jener Liebe ganz zu Diensten sein, mit der Maria, deine heilige Mutter, es tat, um dir nach deinem heiligen Willen eine neue Menschheit in mir zu schaffen. O Jesus, du enttäuschest deine dir vertrauenden und dir ganz geopferten Kinder nicht!“

 

22.07.1938

278 |             Beim ersten Erwachen heute früh war ich wie vernichtet und zerschlagen durch meine seelische Unfähigkeit, geistige Armut und mein „Nichtssein“. Aus diesem Vernichtetsein entstand in mir etwas wie ein neues Leben Jesu. Im Voraussehen waren mit den inneren Leiden Jesu auch seine körperlichen Leiden verbunden. Ich würde sein Erlöserleben in mir erneuern, sodass ich infolge des Aufnehmens seines „ganzen Lebens“ auch in jener Weise ihm ähnlich sein werde. – Nach diesem geistigen Voraussehen kam wieder die gewöhnliche innere Vernichtung.

279 |             Nach der heiligen Kommunion war ich wieder im Zustand des fühlbaren Seins im Heiland. Es war ein wirklich erlebter Zustand: Jesus in seinen Leiden lebend in mir; ich, als Opfer für die Kirche, von Gott gesandt als Licht und Gnade zur Erneuerung der heiligen Kirche, als Werkzeug, durch das Jesus neue Gnaden vermittle, ihm ganz restlos als sein zweites Ich zur Verfügung gestellt, ganz für seine Absichten bereit. Zugleich war mein armes Wollen hineingestellt in Jesu allerhöchstes Wollen. Ich war so eins mit Gott, für mich nicht mehr vorhanden. – Es ist mir alles so sicher. Ich bin in dem Zustand meiner Aufgabe.

280 |             Den ganzen Tag über war ich innerlich vernichtet, unfähig, seelisch ruhig zu sein; mein Leben schien mir wie wertlos und umsonst. – Beim heiligen Segen am Abend war ich wiederum bewusst in jene geistige Aufgabe hineingestellt. Ich sehe alles in mir gegenwärtig, nein, ich bin oder soll sein, was ich sehe; und es kommt wie aus mir selbst.

281 |             Jesus in der heiligen Hostie würde mir nicht zur fühlbaren Kraft oder äußeren Anregung werden, sondern er sei „mein Leben“, d. h. sein Leben aus mir heraus, die Kraft seines Lebens, das Sein in mir, oder besser gesagt: Ich bin das, was ich sage, ein Opfer für die heilige Kirche. Die Kirche rüstet oder vielmehr Jesus rüstet seine Kirche zum großen Entscheidungskampf. Er wolle in mir der Kirche Beistand und Licht sein; ich solle ihm für diese Absichten ganz geopfert sein (in Worten ist es nicht auszudrücken. Jesu Leiden und Leben solle neu seiner Kirche in dieser bedrängten Zeit zugewendet werden durch mich.)

282 |             Ich sah mich wie nochmals an Jesu statt leidend und opfernd und seine Stelle vertretend im Leiden. Ich solle ganz Ja sagen zu meiner Aufgabe. Jesus sagte: „du bist nicht mehr; ich bin in dir.“ Wie in den Zeiten der Apostel gebe er auch jetzt seiner Kirche eine Mutter, dass neues Leben in der Kirche hervorgehe. (Man bedenkt zu wenig, wie sehr Maria Jesu Stelle vertreten hat.) – viele Seelen beten und opfern in dieser Absicht mit mir. Eine große Aufgabe stand teilweise unverhüllt, zum größten Teil verhüllt von mir. Ich bin in diesem Zustande Jesu, seine Stelle vertretend, seine Leiden erneuernd, irgendwie Ratgeberin und Stütze (der Kirche und des Papstes), wodurch Jesus seiner Kirche in dieser bedrängten Lage zu Hilfe kommt.

283 |             Ich bin mir selbst ganz wertlos. Bin ganz den Bedürfnissen seiner bedrängten Kirche anheimgestellt.

284 |                    

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Das Jahr 1939

 

 

 

 

 

 

Mai

07.05.1939

286 |             Nach vielen, unbegreiflichen Leiden wurde ich in den Zustand des wirklichen „Seins Jesu“ geführt. Ich war nicht mehr; er war das Leben, das Alles. Und ich sah, d. h., er ließ mich wissen, in menschlichen Worten ausgedrückt: Ich sei seine zweite menschliche Natur. (Ich war es, in der mir das erklärt wurde). Wie einst Maria, so ähnlich soll und sei ich sein zweites Leben. Eine zweite Art der geistlichen Vermählung gebe er mir, aus der viele, besondere Gnaden für mich fließen [würden].

287 |             Es war ein unaussprechlicher Zustand der Ruhe, und ich war wie er geworden. Ich sah auch die Verbindung mit Maria zur Möglichkeit eines Erlöserleibes. Ich solle ihm durch diese Art der Verbindung als Werkzeug dienen zu einer besonderen Erneuerung seiner Kirche durch die Priester. Es sei ein Grad der Einheit und Vereinigung, zu der Gott bis jetzt niemand geführt oder zugelassen hätte; Maria sei meine einzige Freundin und Vorbild. Wie aus ihr Jesus als Werkzeug (menschlich gedacht) hervorging, so werde aus dem Leben Jesu in mir neues Leben für die Kirche hervorgehen. Baumann habe die Berufung, als reine Quelle alle neuen Gnaden weiterzugeben.

288 |             Ich solle glauben an diese große Gnade, so sicher wie ich glaube an die Menschwerdung in Maria. Der Glaube werde sich auch aus der Wirksamkeit dieser Gnade in mir ergeben.

289 |             So tief sah ich die Gottheit herniedersteigen, um sich mit einer Menschheit zu verbinden; zum Vergleich sah ich, was in Maria geschah. Deshalb gingen in mir die vielen Leiden der inneren Vernichtung und Verdemütigung voraus, damit Jesus sich vollen Raum schaffen könnte, damit von mir nichts mehr da sei. Ich fühlte und sah mich darum auch vorher ganz aufgelöst und wie einen Geist oder wie nicht vorhanden, wie ein Wesen, das nicht mehr existierte. So war es auch heute früh, als Jesus mir dies erklärte; man verliert da sozusagen den Boden unter den Füßen.

290 |             Und nun fühle ich eine neue Art der Einheit und sein volles Leben in mir; wir sind eins geworden für immer.

291 |             Bleibe, O Jesus, immer! – So musste ich immer wieder bitten – ich will dir alles sein, wie Maria es dir gewesen! Was kann doch deine Liebe ersinnen, um sich mit dem ärmsten Menschenkinde zu verbinden! Ich will, O Jesus, ich will! – Das war meine einzige Antwort auf die große Gnade Jesu.

292 |             Als ich ihm in dieser fühlbaren Einheit alle meine besonderen Anliegen vorbrachte, sagte er mir: „du wirst immer mit deinen Bitten Zutritt haben zu meiner Gottheit“. – Und ich sah das Priesterwerk aus dieser Art der Vereinigung als Frucht hervorgehen. Er würde es gerade so hochstellen, wie seine Gnaden in mir groß und überfließend seien.

293 |             Ich bin so voller Ruhe, nein ich bin die Ruhe, die Einheit, das Leben, der Glaube; zu deutlich ist die Wirksamkeit dieser Gnade in meiner Seele. Es war ein volles Versenktsein in seine Gottheit, in der nur Gott war und die ein Wesen in sich aufnahm.

294 |             Herr, nie mehr zurück zu meinem elenden Nichts! Vernichtet sein für mich auf immer!

295 |             Vorher sah ich die Art der heutigen Priestererziehung: Wie man einen guten Menschen, einen pflichtgetreuen, reinen Priester machen will.

296 |             Das werde anders werden: Jesus werde den Priester erziehen; er werde volle Gewalt über die Priester erhalten durch die Einwirkung seiner Gnade und durch das Bewusstsein und Mitopfern des Priesters. Sein (Jesu) Leben werde alles bewirken. Und ich sah große Scharen von Priestern, wie sie jetzt sind – und dann, wie sie später sein werden, voll Glauben und Leben Christi. Es war ein großer Unterschied: früher ihr eigenes Tun, später das Leben Jesu in ihnen.

 

25.05.1939

297 |             Bei der heiligen Wandlung in der heiligen Messe wurde mir wieder das Wesen und die Aufgabe einer Hostie in Bezug auf meine Aufgabe gezeigt, und zwar in Verbindung mit Maria: ganz rein, aufnahmefähig für Jesus, ganz und willenlos seinen Absichten dienend.

298 |             Es wurde mir auch gezeigt: Maria als das Werkzeug für die Möglichkeit des menschlichen Lebens Jesu, ganz bereit, in sich den Allerhöchsten bilden zu lassen, sich darbieten für das Leben Jesu zum Zweck der Erlösung und Hinopferung am Kreuze, zur Hingabe Jesu in der heiligen Eucharistie für die Seelen.

299 |             Meine innere Aufgabe: In ihr Leben, ihre Gesinnung ganz – nicht dem Gefühle oder dem Willen nach – einzugehen und dies Jesus darzubieten, in ähnlicher Art wie Maria, für ein neues Leben in der heiligen Kirche; mich ganz zu opfern, um ein „neues Leben Jesu“ in mir bereiten und geben zu können für die Erneuerung in den Priestern: „Es werden Ströme neuen Lebens Jesu in den Seelen der Priester daraus hervorgehen“.

300 |             Alle Priester sollen einer Hostie gleichen, in der Jesus zum Leben gelangt und vollendet wird durch die eigene Mitwirkung. In der Vollendung dieses Geistes wird die Erneuerung des Priestertums bewirkt werden.

301 |             Der ganze Tag war eine Vorbereitung, eine Wegnahme alles dessen in mir, was den Absichten Jesu noch hinderlich wäre, ein weiteres Aufgeben meiner selbst.

 

Umwandlung in Jesus

302 |             Schon Ende 1922 hatte ich die beständige Mahnung, ich müsse mich dem lieben Heiland in der Art opfern, wie er sich ständig vor seinem himmlischen Vater opfere. Wie Brot und Wein als Opfergaben in der heiligen Messe in seinen Leib und sein heiliges Blut verwandelt werden, so müsse und würde ich in ihn umgewandelt und dadurch ein brauchbares Werkzeug für seine Absichten werden. Oft nach der heiligen Kommunion zeigte mir Jesus diese Art der Umgestaltung in ihn …

303 |             Durch den Begriff seiner Menschwerdung wurde mir diese innere geistige Umwandlung begreiflich gemacht; wie er als Gott eine menschliche Natur annahm, so ähnlich wolle er in mir wiederum eine menschliche Natur annehmen. Maria bot ihm die Möglichkeit einer leidensfähigen Menschheit. Was durch menschliche Seele und Leib gefehlt wurde, das sollte durch das Werkzeug der heiligen Menschheit Christi gutgemacht werden. Jesus, Gott mit göttlichen Eigenschaften, ließ sich herab in diese arme menschliche Hülle, um durch die menschliche, mit der göttlichen verbundenen Natur das gefallene Menschengeschlecht wieder zu Gott zu erheben und zu vergöttlichen. Der erste Zweck des menschlichen Lebens Jesu war Sühne; dann aber die Einbeziehung und Umgestaltung der Menschheit in göttliches übernatürliches Leben. Jesu Leiden und Sterben war der göttliche Preis und Einsatz, um den Menschen dieses übernatürliche Teilhaben an seinem Leben mitzuteilen, damit der Mensch wieder werde, wie er im Paradiese war. Der ewige Vater nahm diese Liebestat Jesu an und schenkte allen Menschen durch die Verdienste des Leidens und Sterbens Jesu dieses göttliche Teilnehmen als Frucht der Erlösung. (Diese durch die Verdienste je so erworbene Einbeziehung der Menschen in das höhere, göttliche Leben der Gnade wurde mir Wochen und Monate lang erklärt.)

304 |             Wie er mir versprochen hatte, sandte mir Jesu einen Priester, den ich bitten sollte, dass er mich bei der heiligen Messe opfere, wie Brot und Wein geopfert werden. Durch dieses beständige Mitopfern und diese fortwährende Opfergesinnung, die nach und nach in mein tägliches Leben überging, sollte sich diese geheimnisvolle Umwandlung und Einbeziehung meiner armseligen Menschheit in sein göttliches Leben vollziehen. Jeden Tag eine Opferhostie sein, die bestimmt ist, mit Jesus auf dem Altare er zu werden: Das war die ständige Forderung Jesu an meine Seele. Was anfangs vielleicht nur Willenssache und Gewohnheit war, sollte in wirkliches Leben im Heiland übergehen. – Freilich kann man erst dann in das Wesen eines anderen vollends und dauernd eingehen, wenn vom ersten Wesen nichts mehr vorhanden ist; so erklärte mir der liebe Heiland oft. Darum heißt es, den alten Menschen ausziehen und ein neues Leben annehmen, sich selbst sterben, Jesu Leben annehmen …

305 |             Nach ein paar Jahren sagte mir der liebe Heiland: „du bist jetzt eine zubereitete Hostie, um mein göttliches Leben in dich aufzunehmen“. Er ließ mir das oft fühlbar werden und gab mir Einsicht in sein fortschreitendes Leben in mir. Bei der Opferung gab ich mich ganz dem lieben Heiland hin, d. h., ich vereinigte mich jeden Tag mit der heiligen Messe jenes Priesters, dass Jesus an mir das Wunder der Umwandlung in ihn vollziehe. Wie nach der heiligen Wandlung Brot nicht mehr Brot, sondern Jesu Leib ist, so wolle er über das Opfer meiner selbst die Worte sprechen: Das ist mein Leib, mein Leben, das ich für meine Absichten gebrauchen will. Das wurde mir zum inneren, so sicheren Erlebnis, und dies war im Allgemeinen der Grundgedanke der göttlichen Führung in meiner Seele.

306 |             Jesus sagte mir aber oft auch dies: „du sollst mir ein Opfer sein für die Erneuerung meines Priestertums. – Ich will mir neue Priester schaffen, die mein Leben leben, die ganz in mich umgewandelt werden. Der Mittelpunkt der priesterlichen Tätigkeit soll und muss mein beständiges Hinopfern an meinen himmlischen Vater für die Sünden der Menschen sein. Jeder Priester soll teilhaben an dieser meiner täglichen Hingabe an meinen Vater. Ich will jeden Priester in eine solche Opferhostie umgestalten. Mein Leben wird dann in ihnen leben und sie werden mit mir eine wahre Versöhnungsgabe sein. Jeder Priester ein Opfer mit mir, Opfer in seinem ganzen Sein und Wesen und besonders bei der heiligen Messe! Da, wo er unmittelbar meine Stelle vertritt, soll er eins sein mit mir als Opfergabe. Da soll er eintreten in diese geheimnisvolle Umwandlung seines Wesens in mein Leben. Das Leben des Priesters soll sich auf dem Altar vollziehen. Die Zentrale der Mitteilung des göttlichen Lebens an die neuen Priester ist der Altar. Ich werde durch ihre tägliche Hinopferung jene geheimnisvolle Verbindung mit ihnen bewerkstelligen, die nach und nach ihr ganzes Priesterleben durchdringen wird und sie in mich umgestaltet. Ich werde in diesen eucharistischen Opfern ihre Seele mit mir selbst erfüllen, dass sie in ihren täglichen Pflichten mein Leben wiedergeben können. Von diesem Opfersein mit mir auf dem Altare wird neues Leben ausgehen auf die einzelnen Priester. Sie werden eine lebendige Quelle der Gnade für die Seelen werden. Soviel ich im einzelnen Priester lebe, soviel wird er mein Leben den Seelen vermitteln können. – Allen Priestern, die sich mit mir auf dem Altar opfern und diese Opfergesinnung in ihr priesterliches Leben hineinzutragen sich bemühen, werden mein Leben in sich verwirklicht sehen. Ich will damit allen Priestern einen neuen Strom ganz neuen Lebens eröffnen, der ich selbst bin, und sie werden neues geistiges Leben in den Seelen wecken. Ich stelle mich allen Priestern sozusagen zur Verfügung, dass sie am Altare von mir nehmen, d. h., ich nehme sie durch ihre Mitopferung in mich auf, gebe mich ihnen zurück. Dieser Strom meines Lebens wird meine ganze Kirche überfluten.“

307 |             Alle angehenden Priester sollen in dieser Opfergesinnung erzogen werden. Sie sollen in der Ausbildungszeit innerlich für dieses Ziel geformt werden, dass Jesus sie zur Zeit ihrer Weihe für diese Gnade bereit finde. In diesem Sinne wird den zum Priestertum Berufenen neues Licht zukommen, dass sie sich mit Eifer dieser Gnade fähig machen. Durch eine entsprechende Aufopferung sollen sie sich ganz dem Herzen Jesu für diese Annahme seines Lebens bereit und zur Verfügung stellen. Diese Art der Priestererziehung wird im Priesterwerk ernstlich gepflegt werden und wird eins zur Grundidee der allgemeinen Priestererziehung der heiligen Kirche werden. Dies hat Jesus in den Jahren 1929-31 oft gesagt und versprochen.

 

Über das Priestertum

308 |             Der Priester soll wirklich und in Wahrheit ein „zweiter Christus“ sein, soll in höchstem Maße teilhaben an seinem Leben, seinem Priestertum, seiner Erlöseraufgabe, seinem ständigen Sich-opfern für die Ehre des Vaters und das Heil der Menschen; er soll ganz aufgehen in Christi Leben, Lieben und Interessen.

309 |             Deshalb soll er schon ein vorbereitetes Opfer sein, wenn er zur Priesterweihe kommt; da soll er dann wirklich ganz eins und gleichförmig werden mit Christus; nichts Menschliches soll mehr im Wege stehen; mitverdienend und miterlösend soll er die Gnaden vermitteln und spenden, die aus diesem Einssein mit Christus kommen – ähnlich wie es Maria getan hat, die durch ihr Einssein und Mitopfern mit Christus die Königin der Priester und Apostel wurde.

310 |             Der Beweis, dass der Heiland wirklich solch große, neue Gnaden allen Priestern geben will, soll – nach dem Willen des Heilandes – das Innenleben von M. sein: Sie soll sühnend und das Leiden Jesu nachleidend diese Gnaden verdienen, vorbildlich in Empfang nehmen und soll dieses Leben leben, das der Heiland seinen Priestern geben will zur Erneuerung der Kirche und der Welt.

311 |             Deshalb führte sie der Herr in Wahrheit zu jenem Einssein mit ihm und zu jenem Aufgehen in seiner Gottheit, wie es in höchstem Maße seine heiligste Menschheit hatte und wie es im Übrigen schon das Wesen der heilig machenden Gnade als Ziel und letzte Bestimmung für jeden Getauften mit sich bringt, „bestimmt, gleichförmig zu werden dem Bilde seines Sohnes“ (Römer 8,29).

312 |             Die heilige Menschheit Christi fand nun aber ihren Abschluss, ihre Vollendung, nur in der göttlichen Person des ewigen Wortes. Das allein schon bedeutete für die Menschheit Christi ein beständiges Leiden, das eigentlich schon Erlösung war. Sie sah sich in einem Zustand der Vernichtung, leer, veranlagend; sie litt unter der eigenen Unfertigkeit, die ihre Vollendung nur in dem unendlichen Wesen der Gottheit fand.

313 |             Sie litt aber auch unter der Vereinigung mit der Gottheit (die an sich hätte höchste Beseligung sein müssen), insofern sie deren unendlich hoher Abstand in ständiger Verdemütigung hielt.

314 |             Sie litt unter dem Alleinsein, da sie innerlich weit weg war von allen Geschöpfen und auch wieder unendlich verschieden von der Gottheit, die sich mit ihr in der Einheit der Person verbunden hatte.

315 |             Sie litt ferner unter dieser besonderen Menschheit, die „in allem uns gleich war, die Sünde ausgenommen“, und die an sich die Möglichkeit und den Keim der Unordnung in sich trug, freilich für die Auswirkung unmöglich gemacht durch die Verbindung mit dem Wort Gottes. In dieser Menschheit sollte und wollte Christus die große Unordnung des geschöpflichen Stolzes und Unabhängigkeitsstrebens und die entsetzliche Weltschuld sühnend wegleiden und tilgen.

316 |             Die heilige Menschheit Christi litt auch unter der überschwer und unmöglich scheinenden Aufgabe. Da Jesus die Gottheit nur so weit auf seine menschlichen Fähigkeiten einwirken ließ, als es seiner Erlöseraufgabe dienlich war, musste Christus als Mensch heroischen Glauben haben an die Erfüllung einer Aufgabe, die ganz unmöglich und bei der er ganz allein schien, ja sogar Gegenstand des Abscheus vor seinem himmlischen Vater – wobei er anderseits immer dessen viel geliebter Sohn blieb und seiner höheren Erkenntnis nach sich als solcher wusste. M. soll nun Jesu Herz erleben, den inneren Zustand seiner heiligen Menschheit nachleben, seine Leiden durch ihr Einssein mit ihm nochmals leiden und neuerdings wie Jesus und an seiner Stelle, vorbildlich für die Priester, fruchtbares Opfer, Erlöser und Heiland sein. Die Muttergottes leiht ihr Herz und ihr Leben, das von neuem Christus geboren werde und wachse in den Priestern und damit in der Kirche und Welt.

317 |             Deshalb ging ihre Gnadenführung immer schon darauf hinaus, sich mit dem Heiland zu einem liebenden Opfer zu machen, so wie er es tat und tut vor dem himmlischen Vater. Wie Jesus aus und in Maria eine menschliche Natur annahm und diese als Werkzeug seiner Erlösungsabsichten gebrauchte, will er es ähnlich nochmals mit und in ihr tun.

318 |             Wie er durch seine Menschwerdung die ganze Menschheit, deren Glied er wurde, wieder in Verbindung mit der Gottheit brachte, so will er es heute gleichsam nochmals tun, eine neue Erlösung bewirkend. (M. Maria von Jesus Deluil-Matiny sagte schon: „Es braucht eine zweite Menschwerdung, um die gegenwärtige Menschheit zu retten, eine mystische Menschwerdung Jesu in den Seelen der Priester vor allem …“)

319 |             Wie M. durch Gottes wunderbare Gnade in ihn umgewandelt ist, an seiner Stelle steht, ihn lebt, so soll auch der Priester nicht mehr sich selbst leben, sondern Christus herrschen und leben lassen, opfernd, liebend, sühnend, erlösend, Verzeihung, Gnade und Belehrung spendend.

320 |             Bei der heiligen Messe mit dem Höhepunkt der heiligen Wandlung soll diese Hingabe seiner selbst und Umgestaltung in Christus täglich neu, inniger und bewusster werden, dass Christus auch vom Priester sagen kann: Das ist mein Leib.

321 |             Um aber derart übergehen und aufgehen zu können in Christus, ist das volle Erstreben seiner selbst notwendig, das Verleugnen alles entgegenstehenden Menschlichen.

 

August

17.08.1939

322 |             Jesus bei der heiligen Kommunion: Mit der Hingabe Mariens, seiner Mutter, solle ich ihm einen leidensfähigen Leib bieten, dass er bei seiner Kirche bleibe. Ich sah die restlose Hingabe Mariens. Ich solle ihm alles mit Liebe geben, wie sie es getan habe und wie sie es jetzt an meiner Stelle tun würde. (Man hat kein Wort dafür.) – Jesus wolle alle „neuen Gnaden“, die er den Priestern anbiete, vorbildlich mir geben. Ich solle alles mit der Liebe Mariens in Empfang nehmen.

Am Vormittag

323 |             Jesus wolle alle Gnaden, die er für das Priestertum bereithalte, in meine Seele legen als Beweis, dass er sie wirklich geben wolle. Ich solle das Opfer sein. – Ich bin in einem unaussprechlichen Leiden, in einem beständigen Todeskampf. Jesus sagte: „Durch dieses Leiden verdienst du die wirklichen Gnaden für die Priester. Alle Gnaden, die ich zum Beweis dir gebe, will ich allen Priestern geben, aber es muss erlitten und verdient werden“.

324 |             Mein inneres Leben soll ein Beweis sein für die Echtheit der Absichten der Erneuerung des Priestertums. Meine Leiden sollen mir der Beweis dafür sein, dass er mich als Werkzeug in diesem Sinne gebrauche.

Über Maria und das Priestertum

325 |             Maria hat dem Heiland das leibliche Leben gegeben. Der Priester soll es ihm gleichsam nochmals geben, und zwar in zweifacher Art:

1. indem er sein „zweites Ich“ sein soll.

2. in anderer Weise kraft seiner Vollmacht der Konsekration bei der heiligen Wandlung.

326 |             Jesus will das „Leben“ in seinen Priestern sein. Der Priester soll sich ihm gleichsam lebens- und leidensfähig leihen, oder vielmehr schenken und sich ihm geben, Maria ähnlich, die ihm das Leben geschenkt hat.

327 |             Der Heiland gebe den Priestern diese Gnade seines Lebens in Ihnen. Er gebe sie mir vorbildlich zum Beweis seines Versprechens, indem er in mir jene Gnaden ausgieße, die er nun im Begriff sei, seinen Priestern zu schenken.

328 |             Ich sah innerlich so vieles über Maria und das Priestertum: eine gewisse Ähnlichkeit des Berufes: Christusträger(in), Lebensspender(in). Das innige Verhältnis zum Heiland, wie es auch bei Priestern sein soll und muss. Maria nach dem Tode ihres göttlichen Sohnes die Hilfe und Stütze der Apostel, die Ratgeberin der ersten Priester; – die Mitbegründerin der Kirche, Führerin und Mutter der jungen Kirche, anwesend bei der Herabkunft des Heiligen Geistes, wie sie die Apostel noch tiefer in das Wesen und den Willen ihres göttlichen Sohnes einführte.

329 |             Die Apostel, die ersten Priester, die Jesus ihren Meister nannten, brauchten Maria, seine Mutter, um ihn noch besser kennenzulernen, da sein Beruf mit dem Mariens eine gewisse Ähnlichkeit hat.

330 |             Maria ist die Mutter nicht nur ihres göttlichen Sohnes, sondern aller Priester; wie sie die Priester als das „zweite Ich“ ihres Sohnes liebe, für sie bitte und ihnen das „Leben“ ihres Sohnes mitzuteilen bereit sei. Maria, die „Leben-Jesu-Spenderin“ für die Priester.

331 |             Jesus will mehr Gemeinschaftssinn in seiner Kirche, mehr gegenseitiges Zusammenarbeiten und mehr Verstehen. Große Nöten in der Kirche könnten nur durch echten Gemeinschaftssinn behoben werden. Darum wünsche er, dass auch seine Offenbarungen zur Behebung der kirchlichen und geistigen Nöte gewertet werden, wo kein dringender Grund zur Annahme eines Irrtums gegeben sei.

332 |             Er erwarte auch vonseiten der kirchlichen Behörde volles Entgegenkommen, und dass man nach seinen Absichten alles tue, was nur immer getan werden könne, um der Kirche, ihrem Ansehen und ihrer inneren Erstarkung zum Siege zu verhelfen im Begriff der Absichten seines Herzens.

333 |             Er habe den Aposteln und damit seiner Kirche für immer das Versprechen gegeben: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage“. Nach dem Maße seines Versprechens und in der Unendlichkeit seiner Liebe offenbare er sich fortgesetzt durch die von ihm erwählten Seelen, um seiner Kirche seine Gnaden und seine besondere Hilfe in den Notzeiten angedeihen zu lassen. Darum wolle er auch, dass seine Absichten Gehör fänden.

334 |             Als das „größte Anliegen seines Herzens“ zeigte mir Jesus wiederholt die Erneuerung des Priestertums. Durch die Priester wolle er neues Leben in seinem Geiste und wieder neue Liebe in der Welt erwecken.

335 |             Als den Weg zur Erneuerung der Priester zeigte er mir – wie schon erwähnt – mehr einiges Zusammenarbeiten. Ich sah eine Kluft, entstanden zwischen Priester und Volk. Die Einigkeit, die Kraft allen Bestandes, war zerstört. Eine gewisse Uneinigkeit und ein Getrenntsein in den Absichten und Meinungen bot den Feinden der Kirche und der Hölle Gelegenheit, noch mehr zerstörend einzuwirken. Ich sah und begriff die Bitte Jesu an seinen himmlischen Vater: dass alle eins seien wie du und Ich eins sind.

336 |             Jesus wolle wieder die Einheit in seiner Liebe, das so charakteristische und grundlegende Kennzeichen in der ersten Zeit seiner Kirche und der Apostel, herbeiführen. Die Einheiten seiner Liebe zwischen Priester und Gläubigen müsse eine der Hauptwaffen gegen die Angriffe der Feinde der Kirche werden. Jesus sagte mir wiederholt: „Ich will dich zu einem Opfer für die Priester und für meine Kirche. Ich will durch dich meine Kirche ihrem inneren Geiste nach erneuern“. Wenn er sich zu mir herablasse, um mir – einem Kinde aus dem Volke – die Nöte seiner Kirche zu zeigen, so sei es dabei vornehmlich seine Absicht, zu zeigen, welche Art der Einheit er in seiner Kirche wünsche. Die Gnaden, die er mir gebe, sollen wie eine Brücke sein, um die Abgründe zwischen Priester und Volk zu schließen. Durch das Band der Liebe und des Verstehens und des Einführens in die große Aufgabe, die seiner Kirche gestellt werden, wolle er wieder neues Leben und neue Gnaden auf die verwirrte Menschheit ausgießen.

337 |             In dem Maße, als seine Stimme gehört werde, würden seine Gnaden in den Seelen fruchtbar werden. Mit der Einheit in seiner Liebe würde die Liebe wieder das triumphierende Zeichen seiner Jünger werden. Die erkaltende Welt soll wieder in seiner Liebe fruchtbar und neu belebt werden.

338 |             Seine Liebe zu den Menschen, zu den Seelen, soll die Haupteigenschaft seiner Priester sein. Die Liebe müsse wieder die Priester beherrschen, die Liebe seines Herzens, wie es das letzte Vermächtnis, die letzte Mahnung Jesu an seine Jünger war.

 

Oktober

09.10.1939

339 |             Gestern ging ich zu den Addolorata-Schwestern. Es war so klar und wohl nicht von mir: Jesus will, ich solle mein Leben für immer abschließen, um das seine ganz anzunehmen und zu leben. Ich sah mich innerlich fähig und auf dieser Stufe angelangt. Jesu Leben mein Leben! An diese unbegreifliche Gnade solle ich für immer glauben. Es schien mir so klar und selbstverständlich. Seine Liebe und sein Leben ist ja mein Leben; seine Ruhe, wie ein unbegrenztes Sein, eine geistige Fülle, die alles bietet und ersetzt und die sich in mir durch seine besondere Gnade wiederholen soll.

340 |             Gewiss ist es unbegreiflich, aber wenn ich auf all die Jahre dieses Weges bis heute zurückschaue, finde ich alles klar.

341 |             Ich sah den Willen Jesu, dass ich für ihn durch einen besonderen Akt der Hinopferung für immer ganz bereit sei, ihm opfernd sein Leben nochmals zur Verfügung zu stellen für die Absichten seines Herzens für Kirche und Priestertum. Jesus will sichtbar sein inneres Leben wieder gelebt haben als Offenbarung für die Priester. Jesus will diesen Akt in Form eines Gelübdes für immer besiegelt.

342 |             Nach dem höchsten geistigen Erleben seines „Seins“ in mir würde ich allmählich zurückfallen in sein inneres Leben als Opfer vor seinem Vater, in das Erleben der Leiden seines Herzens besonders für die Priester. Ich würde dies in einem mir wie ganz natürlichen Zustand erleben als meine Leiden, innerlich umgewandelt in ihn, aber menschlich erlebt.

343 |             Jetzt bangt mein ganzes Inneres vor einem solchen Schritt; darf ich es wagen? Ich fürchte mich so sehr vor dem Kommenden.

344 |             O, dass Jesus Leben ganz in uns zur Vollendung komme nach den Absichten seines Herzens; ich möchte schon ganz treu sein, aber wie sehr fühle ich zugleich eine Furcht und Angst in mir, nicht Unruhe, aber die Furcht, ob ich dann auch entsprechend treu sein werde nach dem Maße der Forderungen Jesu. – Es ist ein vollkommenes Verzichten für immer auf mich, ein Eingehen für immer auf die Pläne Jesu – nie würde ich einen solchen Schritt ohne geistliche Leitung wagen.

 

15.10.1939

345 |             Ich erlebte die dreifache Tätigkeit des Heilandes: Zunächst sein ständiges Leben und Sein in der heiligsten Dreifaltigkeit, in einem ständigen, unzugänglichen Licht, das irgendwie immer bleibt – und das auch bei mir irgendwie bleiben wird bei aller Finsternis und bei allem Leiden.

346 |             Dann sein Leben als „Erlöser“: Das unzugängliche Licht seiner Gottheit, und die allerhöchste Reinheit seiner Menschheit, ist verbunden mit der gefallenen Menschheit. (Das ist eben das unbegreifliche Erlösergeheimnis, das man nicht in Worten sagen kann, obwohl man es innerlich begreift). Schon dieser Gegensatz bewirkte ein beständiges Leiden. – Dazu kam, dass er die Sünde der Menschen auf sich nahm, gleichsam als ob es die seinen wären. Durch den Kampf dagegen sollte er die gefallene Menschennatur wieder der Gottheit näherbringen. – So musste auch ich größtmögliche Reinheit erringen und werde ich die Sünden, besonders der Priester, erleiden, die ich zu sühnen haben werde.

347 |             Der dritte Zustand im Leben Jesu war jener, der sich bei seinen Wundern zeigte. Dabei strahlte die Kraft seiner Gottheit aus, verband sich mit der Menschheit zu einem und durch einen Akt seines Willens wirkte er, für gewöhnlich, die Wunder durch das Werkzeug der menschlichen Natur. Die Gottheit war aber nur als tragende Kraft wirksam. Jesus war eben der nach außen sichtbare Gesandte des Vaters in seinem öffentlichen Leben, in seinen Wundern, wobei sich seine Gottheit äußerlich zeigte. So werde auch ich eine entsprechende äußere Tätigkeit haben.

348 |             Diese drei Zustände waren aber bei Jesus wie in einem verbunden und nicht getrennt, und sie hinderten einander nicht; so werde es auch bei mir sein. Ich werde das Leben Jesu so erleben, dass es mein eigenes scheine und doch ganz das Leben Jesu ist (soweit es eben mit der besonderen Gnade menschlich möglich ist). Ich erlebte in diesem geistigen Ziel mein bevorstehendes Innenleben als das innere Leben Jesu. (Meine Seele lebt in Gott, in Jesus, wie ein Wesen in einem geistigen Licht, voll Kraft. – Ich habe kein Wort, dies zu erklären).

 

16.10.1939

349 |             Ich erlebte den unermesslichen Abstand zwischen dem Leben Jesu in mir und meiner eigenen armen Persönlichkeit, die Jesus so hoch in sich erhob. Sein Einstrahlen der Gottheit in mir ist mir eine unaussprechliche Vernichtung, die mich gleichsam ganz auflöst; ich erlebe in ähnlicher Art den Gegensatz: Jesu göttliche Natur und seine menschliche.

 

17.10.1939

350 |             Ich hatte ein großes Sehnen, ganz wie der Heiland zu sein, so wie ich ihn kenne, außer dem Verlangen, ganz bei ihm zu sein. Ein Sehnen, die Grenze und Schranke zu überbrücken, die durch die Sünde aufgerichtet wurde; ein Sehnen, wieder zu dem Besitz und Einssein mit Gott zu kommen, das die Menschen vor der Sünde hatten. So hatte der Heiland in seiner Menschheit auch immer das Verlangen nach der Herrlichkeit, die ihm zustand und die er hatte vor Anbeginn der Welt. – Bei all diesem Leiden bin ich aber doch heiter und glücklich.

 

18.10.1939

351 |             Einssein, ein Leben, ein Wesen, ein Geist, ohne Grenzen oder Gegensatz.

352 |             Ich erlebte die Verbindung der beiden Zustände des Lebens Jesu: das Erlöserleiden und das Sein in Gott. Ich bin ganz eins mit dem Heiland und dabei selig wie ein Kind; es ist unbegreiflich, was der Heiland vorhat. – Es scheint mir: Wenn mir dies geläufig ist, dann wird die äußere Tätigkeit kommen. Jetzt bin ich ganz eins mit ihm, ein GEIST und EIN Geist, ein Wesen; von mir fühle ich nichts.

 

19.10.1939

353 |             Ich erlebe eine weitere Stufe des Lebens Jesu in mir, die mir allerdings früher schon oft angekündigt wurde: Sein Leben derart, dass er sich durch mich den Priestern zeigen, offenbaren kann; dass dieses Leben überströmt auf das Werk. – Dieses Leben gebe ich dem Heiland wieder und gebe es dem Vater und gebe es der Muttergottes.

354 |             Es tat mir leid, dass ich nicht mehr wie früher zu Maria beten konnte; da hatte ich die Erkenntnis, das sei die größte Freude für Maria, wenn sie dieses Leben in einer Seele wiederfindet und sieht.

355 |             Dieses „gelebte“ Leben Jesu sei überhaupt das beste Gebet, lebendes Gebet. So sollen auch die Priester Jesu Leben leben und so will es der Heiland ihnen geben: sein beständiges Leben im Vater, sein Sühnen und Erlösen, sodass sie nur mehr seine Interessen und Anliegen kennen und aus dem heraus wirken.

 

25.10.1939

356 |             Ich bin wie in einem weiten, unermesslichen Raum, der nirgends angrenzt; da kann das Leiden nicht hin; da ist alles Geist; da hat man alles, was man braucht; da fehlt nichts; da braucht man nichts; man ist ganz gesättigt.

 

November

01.11.1939

357 |             Wie könnte ich meinen Seelenzustand schildern? „In ihm lebe ich, in ihm bewege ich mich“. Ich bin wie ein Geist, in dem nichts Irdisches besteht. – Es genügt mir, meinen Gott in so geistiger Art zu besitzen. Es ist kein Trost, nichts was menschlich gefühlvoll oder fühlbar wäre, nein: ein endloser Geist, ohne Grenzen. – Oder ich bin dieser Geist geworden! – Ich kann nicht zu ihm beten, er ist ja in mir; oder bin ich in ihm ganz aufgelöst? In Jesus habe ich alles. Und ich bin wunschlos und ohne Willen.

358 |             Als ich während der heiligen Messe in diesen Tagen die Messgebete beten wollte, sagte mir Jesus – oder tat er es in mir? – Das höchste Gebet ist dies: ihn ihm wieder zu geben, mit all den Wirkungen seiner Gnade, mit der er sich mir geschenkt hat, in jener vollkommenen Vereinigung, wo er sich selber gleichsam wieder empfängt. Und diese Mitopferung bei der heiligen Messe gebe durch ihn seinem Vater die höchste Ehre, weil man Gott nichts Höheres geben könne als: Jesus und Seelen, in denen er lebe. Ich bemühe mich seither, in diesem Sinne die hl. Messe zu leben. So wie Jesus sich gibt, bin ich in ihm ein wortloses Opfer.

359 |             Ich kann das eben nicht in menschlichen Worten ausdrücken; ich bin eben innerlich ganz „Geist“, und das kann ich in Worten nicht sagen.

360 |             Wo ich bin, ist alles Ruhe, Fülle, Erfüllung, Kraft und Einheit. In diesen höchsten Teil der Seele, wo alles Geist ist, kommt jetzt kein Leiden hin.

 

xx.11.1939

(Anfang!)

361 |             Wenn auch diese Vergeistigung von bleibender Wirkung ist, so ist sie doch nicht immer gleich spürbar erlebt. Vieles muss noch weggeschafft werden, was die geistige Vollendung in mir behindert.

362 |             „ihn GANZ leben, nicht nur in seinem beständigen, göttlichen Leben in der heiligsten Dreifaltigkeit“.

363 |             Jesus lebte als Mensch wie in einem geistigen Lichte „seine Gottheit“, die ausging von der Heiligsten Dreifaltigkeit und wieder gleichsam (zu Ihr) zurückging. Mit dieser Gottheit war die Erlösernatur verbunden, beständig von Ihr getragen und durchleuchtet. Selbst der aus dem reinsten Leib Mariens genommene Erlöserleib Christi war vor seiner Gottheit ein Anlass und gewissermaßen Gegenstand beständiger Vernichtung und Verdemütigung.

364 |             Jesus gab mir diesbezüglich viel Licht; ich erlebte in mir jenen Gegensatz: Seine Gottheit verbindet sich in mir mit einer leidensfähigen Menschheit, um in einem leidensfähigen Wesen für die Menschheit, bzw. für die Priester neue Gnaden zu verdienen. Bei der hl. Kommunion verbanden sich diese zwei, das Licht der Gottheit mit dem menschlichen Wesen zu EINEM. Ich kann diesen Seelenzustand dauernd ertragen. Dieser Seelenzustand wurde mir schon lange voraus erklärt.

 

10.11.1939

365 |             Nach vielen unbeschreiblichen Leiden der inneren Verdemütigung und Vernichtung bin ich nun wieder in einem neuen Einssein mit Jesus, noch einfacher, noch mehr Geist. Ich habe alles, was ich brauche; ich habe Überfluss, bin glücklich.

366 |             Alle Leiden der letzten Zeit sollten diese bleibende Möglichkeit herbeiführen. Früher war es nur für kurze Zeiten, um es der Seele begreiflich zu machen; die menschliche Seele könnte auf einmal so viel geistiges Licht nicht ertragen.

367 |             Es ist, wie wenn die Seele gleichsam ein Knäuel wäre, aus dem sich vieles löst und wegfällt und schließlich etwas ganz Einfaches herauskommt. Der Wille arbeitet sich kräftig durch.

368 |             Ich verstehe so gut, dass dieses Leben Jesu das Wertvollste ist, was man tun und geben kann. Ich sehe innerlich, wie Jesus „sein Leben in mir“ wieder fruchtbar werden lässt, wie es neues Leben wirkt, und weitergeht auf andere Seelen. Selbst wenn man gar nicht tätig sein kann, wirkt das doch weiter und geht weiter auf andere. Jesus will mich bereit machen zu einem „erneuten Leben an seiner Stelle“, um dadurch seiner Kirche „neue Gnaden“ zu geben.

369 |             Ich erlebe jetzt Jesus in mir, und zwar so viel von ihm, kann es aber nicht erklären. Oder eine Erklärung: In ihm lebe ich, bewege ich mich. Er ist eine lichtvolle Kraft.

370 |                    

371 |              

 

 

 

 

 

Das Jahr 1940

 

Grundlage M1

 

 

 

 

 

Andeutungen der Hl. Schrift über Jesu Erlöserleiden

Jesajas Kap. 53: Es hat der Herr auf ihn gelegt die Schuld von uns allen. – Wie ein Kleid das ihn bedeckt. (Et Dominus posuit in eo iniquitatem omnium nostrum)

Jesaias Kap. 53: Wir sehen ihn wie einen Aussätzigen.

2 Korinther 5,21: Ihn, der die Sünde nicht kannte, hatte für uns zur Sünde gemacht. (Eum qui non noverat peccatum, Deus pro nobis peccatum fecit)

Galater 3,13: Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes losgekauft, indem er für uns zum Fluch ward. (Christus non redemit de maledicto legis factus pro nobis maledictum)

Römer 8,29: Die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu werden, denn dieser soll der Erstgeborene sein unter vielen Brüdern.

Epheser 4,13: bis wir gelangen … zur vollen Mannesreife, zum Altersmaß für die Fülle Christi – alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.

Galater 2,20: nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.

Kolosser 1,24: Nun ergänze ich an meinem Fleische, was von den Leiden mit Christus noch aussteht, zugunsten meines Leibes, der Kirche.

Epheser 1,23: Haupt der Kirche, die sein Leib ist, erfüllt von ihm, der alles in allem erfüllt.

 

 

 

Januar

10.01.1940

372 |             Ich war abends in der Kapelle, ich war in Jesus. Er sagte zu mir: „Wie liebe ich dich, mein Kind, das ich mir auserwählt und aus vielen herausgehoben habe! Ich liebe dich wie mein menschliches Leben aus Maria. Ich bin im Begriff, Großes zu tun.

373 |             Ich habe mein Leben in dir gepflegt; ich werde es zur Vollendung bringen. Nach diesem erneuten Leben, nach diesem meinem fortlaufenden Leben in dir wird meine Kirche erneuert werden.

374 |             Ich habe mir in dir eine neue Erlösung geschaffen.“ (Ich sehe das in zweifacher Art: Als Herstellung meiner Menschheit wie vor der Sünde und dann in Form neuer Gnaden für die Erneuerung der Kirche.)

375 |             Jesus wolle „neue Gnaden“ ausgießen, die Erlösung in einer neuen, besonderen Art fruchtbar machen, wozu ich ihm Werkzeug sein soll.

376 |             Ich bat Jesus für Pater Baumann – „er ist die erste Frucht meines Lebens in dir. Viele, viele werden dann nach seinem Geiste sein. Ich werde Großes tun für meine Kirche.“

377 |             Vieles ist nicht in Worten auszudrücken. Ich lebe Jesus, aber es ist ganz einfach, ein Geist voll Ruhe und Einheit.

378 |             Es scheint mir: Ich kann mein Innenleben nicht mehr beschreiben; alles ist tief geistig und doch so klar erlebt. Ich lebe Jesus, aber dieses innere Erfassen geht immer tiefer; ich verliere mich immer mehr in seiner Gottheit und in seiner Geistigkeit. Mein Verhältnis zu ihm soll ähnlich werden und sein, wie das SEINE zum Vater und zum Heiligen Geiste war: Eine volle Einheit; und aus diesem vollen Erfassen (das Ziel ist mir geistig klar) wird sich meine innere Aufgabe entwickeln: sein Leben und Leiden nochmals mystisch wiederholend, für die Kirche fruchtbar machen.

 

29.01.1940

379 |             Es fehlen mir die Worte für das „Tun“ Jesu in mir. Ja, Jesus TUT es in mir; er sagt nichts, aber er arbeitet in mir wie in seinem „sein“, mich vorbereitend auf meinen kommenden Weg.

380 |             Er ordnet unser geistiges Verhältnis als ein wirkliches, treues Zusammenarbeiten für seine Absichten und ein gegenseitiges Sich-Unterstützen.

381 |             Er gibt Bereitschaft meinerseits, alles zu verlassen, damit er in mir sein Werk begründen könne. Er in mir, nicht ich! Er tut alles, ich gehe hin, …

382 |             Es war zuerst ein großer, mir unbegreiflicher Schmerz in mir, ein Sterben; dann löst es sich in mir und fängt an sich fühlbar zu regen als sein Leben, sein Sein. Er gestaltet mich für sein Wollen, dass es nur das seine sei, ich bin mit allem einverstanden. Er nur in mir, ich tue nichts. – Es kommen innere Zusammenhänge mit früher Erlebtem in meiner Seele; es zeigt sich die durchlaufende Führung, die Erwählung für sein Werk, das er in mir, aus mir heraus, gründet.

383 |             „Warum, o Jesus, eine Frauenseele zu so Großem?“ – Ich bin es, der sich in der Schwachheit verbirgt.

384 |             Ich bin ruhig. Es ist alles in Ruhe in mir, auch im Erstreben meiner selbst, im Leiden. – Ich habe Kraft in mir bis zum Überströmen, und doch so viel Schwäche, dass ich mir beständig von ihm geben lassen muss. – Das Verlangen, in ihm vollendet zu sein, wird mir zur größten Qual. Es ist das Verlangen, mich ganz aufzubrauchen. Ich habe so viel in mir, das zur vollen Entfaltung drängt, schon von Kindheit auf einen gewissen Idealismus. Ich fühle dann das Zusammenhängende in meinem Leben.

385 |             Ich sehe und erlebe das Werden seines Werkes: Geschützt, behütet von seiner väterlichen Hand wird sein Werk entstehen, klein, unscheinbar, aber innerlich stark.

386 |             Jesus bereitet mich auf viele Opfer vor, aber unser geistiges Einssein wird nur gestärkt sein, wenn auch örtlich getrennt. Später würden wir für immer zusammenarbeiten dürfen.

387 |             Es tut mir schon weh, sehen und erleben zu müssen, wie Jesus mich mir selber nimmt, aber er gibt mir „sich“, und ich bin reich entschädigt dafür. – Es ist so still in mir, nichts lauter Nichts, ein Geist.

388 |             Ich leide körperlich unter diesem „Tun“ Jesu in mir. Es sind innere Leiden, die mit nichts verglichen werden können. Nichts mehr, gar nichts mehr von mir oder für mich, alles „DU“. Eine Regung meinerseits ist eine Qual, weil man nur Jesu Leben sein will. Alles drängt zur inneren Vollendung, die man nie nach dem Maße des innerlich erlebten Zieles erreichen kann, und dies ist das größte Leid. Man möchte ganz in diesem Geistigen aufgehen, aber Jesus tut es zu unvermerkt und still.

389 |             Soll ich es wagen, ganz in ihm unterzugehen, fraglos über meine Zukunft, allein? Ja, da fühlt man dieses „allein“ mit Gott, in dem jede Seele ist, eigentlich ein Reich für sich, wo niemand so ganz herankann.

390 |             Ich glaube schon, dass der Heiland mir in der nächsten Zeit woanders einen Platz bereitet. Verschiedenes, früher Vorausgeschautes deckt sich damit.

391 |             Es ist nur wenig im Vergleich zu dem Erlebten. Ich habe eigentlich zu allem kein passendes Wort. – Jetzt, am Abend, bin ich ruhig, wenn auch ein wenig leidend. Der Heiland gebe seine alles überwindende Kraft. Maria, reine Hoffnung!39

 

Februar

06.02.1940

392 |             Ich bin ruhig; zwar bin ich in leidendem Zustand, aber ich fühle die Leiden nicht so sehr; es vollzieht sich vielmehr alles „geistig“, wie wenn ich nicht beteiligt wäre. Es betrifft aber mein innerstes Wesen. Alles konzentriert sich auf das „Sein“ JESU in mir. Alles an Kräften und Fähigkeiten in mir wird langsam, sei es mir bewusst, sei es auch unbewusst, von „ihm“ in Besitz genommen. Es ist dies ein innerer Vorgang, den man nicht erklären kann, und doch erlebe ich es klar. Ich lebe dann wieder bewusst JESU innerstes „Sein“; alles in mir wird von diesem „Sein“ aufgesaugt und aufgenommen.

393 |             Stelle ich mich diesem inneren Leiden fremd gegenüber, so kann es wie ein „zweifaches Leiden“ sein – ich kann es nicht anders erklären; bejahe ich es, so empfinde ich mitsamt dem Leiden eine unaussprechliche Ruhe und Seligkeit, die unzerstörbar in mir wohnt.

394 |             Ich will mich für die kommende Fastenzeit bemühen, alles in mir „bewusst“ zu bejahen, mich bewusst „ins Wasser zu stürzen“, ins Meer seiner Gottheit und seines „Lebens“. – Ich habe in mir die Forderung Jesu: Ich soll „wollen“. Ja, dieses Wollen hat so viele Stufen: im Allgemeinen, im Besonderen, im Einzelnen, für ganz, um in den Fluten zu verschwinden, unterzugehen oder fortgerissen zu werden, in ihm „zu schwimmen“, mich „dem Wasser anzuvertrauen“ – wie Petrus; all das liegt darin und ist in diesem „Wollen“ eingeschlossen.

395 |             Er ist das Sein, die Kraft. Er wird alles in mir erreichen: in seinem „Leben“ sich selber, sein Werk, wenn sein „Leben“ meine arme Menschheit überflutet hat, wenn diese ihn ganz zu seinem Leben dienstbar gemacht ist. – Alles soll „ihm“ dienen; dieses „Erleben seines Lebens“ ist das tiefste und geheimnisvollste, und doch ist es mir klar und enthält das Wesen meines Innenlebens.

396 |             Jesus will abermals menschliches „Tun“ und „Wollen“ brauchen, um in seiner Menschheit der Kirche nahezukommen. Zuerst soll sein Leben langsam erlebt werden in seinem kleinsten Kinde, dann gnadenvoll gegeben werden in seinen Priestern. – Jesus will in der Kirche leben; sein Geist, ER selbst will sie erneuern in seinen Priestern. Er fängt so klein, im Verborgenen an, sich opfernd mit dem Herzblut seiner kleinsten Kinder; es soll dies der Same sein für eine spätere Ernte. Wir haben keine andere Aufgabe als diese; alles Andere macht er selbst.

397 |             In der Fastenzeit will ich dieses „Leben“ in mir mehr und vollends, auch bewusst, bejahen. Gewiss tut es weh, bei allem inneren Frieden, aber dennoch!

 

07.02.1940

398 |             Später … wird nach diesen inneren Erlebnissen, die nur Offenbarungen für die Kirche sind, vieles in der Kirche geändert und nach diesem „Leben Jesu“ eingerichtet werden. Der Wert der Gnade wird in ein neues, höheres Licht gestellt werden.

399 |             Ich sah es heute voraus: Nach vielen Jahren wird aus diesem „Leben Jesu“ eine durchgreifende, tiefe Erneuerung der Kirche erfolgen. Jesus will seiner Kirche wieder mehr nahekommen in seinem gelebten Leben, sich dem einzelnen Priester gebend und wirklich kraftvoll erlebt in dieser Art seines Lebens, den Einzelnen erneuernd, umwälzend. Er will dies vorzeigen und schauen lassen in meiner Schwachheit, die getragen sein wird von seiner Kraft, von der Kraft seines „Seins“.

400 |             Es wurde mir erklärt durch den Vergleich mit der Herz-Jesu-Andacht. Wie diese heute die Seelen erfasst hat bis in die letzte Gemeinde, so wird es auch in dieser Sache sein: Alles, die Kirche wird von einer neuen Kraft durchdrungen werden. – Ich kann mich eben nicht anders ausdrücken.

 

08.02.1940

Vormittag:

401 |             Jesus zeigt sich und gibt sich in mir seiner Kirche. Einmal wird sie nach den Grundlagen meiner geistigen Führung eingerichtet werden. Es wird ein großer Triumph für die Kirche werden.

402 |             Ich soll mit der Kirche in innigster Gemeinschaft „geistig“ verbunden sein, weil sie sozusagen „jetzt“ geistig neues Leben erhält, das sie später wirksam erneuern wird. Das soll für mich wie eine Triebfeder sein zu grenzenloser Hingabe. „Neues Leben fängt nicht erst an im Augenblick 'des Lebens'; es geht vielmehr zurück bis auf den ausgestreuten Samen, der gelegt, befruchtet, keimend, wachsend, reifend für neue Ernte bestimmt ist“. Jesus will mich als solches Ackerland für seine Kirche. „Sein Leben“ ist der Same, der hundert- und tausendfältige Frucht bringen wird.

403 |             Dieses innere Wissen meiner Aufgabe ist zwar beschämend und verdemütigend für mich, gibt mir aber viel Kraft im Voraus, die mich befähigt, im Voraussehen meiner Aufgabe der Gnade grenzenlos zur Verfügung zu stehen.

404 |             Jesus wird mich unfähig machen, seinem „Leben“ zu widerstehen. Er wird sein Leben ganz vorherrschend werden lassen in mir für die Kirche, aber still, unvermerkt, bis zu „seiner Stunde“.

405 |             Ich will mich verbergen, vernichten, zertreten lassen –

Abends:

406 |             Weiter kam ich nicht; es ward finster in mir; das vorher so klare Ziel meiner Seele verschwand in scheinbarer Aussichtslosigkeit aller Opfer und Leiden. Ich war meinem Willen selbst weggenommen. – Eine öde Wüste trat an dessen Stelle. Kein Mensch kann begreifen, in welchen Zustand des Leidens man kommen kann: Zertreten in sich selber, sich selbst unwert, voll Ekel und Überdruss gegen sich; es tun sich in einem selbst Abgründe auf; man ist vor sich selber verborgen, vernichtet, zertreten. Solche Leiden sind mir ein Beweis, dass Jesus weitermacht, aber in solchen Zeiten scheinen mir die Leiden wie ein Hohn. –

407 |             Und wie viele Arten von Leiden kann es geben! Auflösend, zerstörend, vernichtend; man kann unfähig werden, sich irgendwie zu beschäftigen; alle Geisteskräfte haben am Leiden teil und sind beansprucht. – Der Heiland weiß, warum er mich für diese Zeit jeder drängenden äußeren Beschäftigung entzogen hat. Ich habe es heute wieder erfahren: Unmöglich könnte man derartige Leiden mit einem nach außen tätigen Leben vereinen. Da wird man sich seiner verborgenen geistigen Kräfte bewusst. Glücklich, wer sie in diesem Leben erfährt! Wie schrecklich müssen die Leiden in der Ewigkeit sein, wo diese Seele sich erst ihrer Selbst, ihres „Seins“, bewusst wird. Das Merkwürdige dabei ist: Man erfährt: „Diese Art des Leidens habe ich noch nicht in dieser Tiefe erlebt“. Freilich muss man immer das gleiche Wort gebrauchen, weil die Ausdrucksweise fehlt für die vielen Stufen und Grade dieser inneren Leiden. Wie aber der Vereinigungszustand, auch im Voraussehen, sich immer mehr erhöht, so geht es auch mit den inneren Leiden: Sie vertiefen und erweitern sich ständig. Es werden gleichsam neue Kräfte der Seele herangezogen; es tun sich neue Leidensmöglichkeiten der Seele auf. –

408 |             Jetzt bin ich ruhig, wie wenn immer Ruhe gewesen wäre. Mittags wurde mir wieder vorausgezeigt, dass ich von hier wegkäme. Ich müsse dann die Sache Jesu vertreten und darum müsse er mich ganz in Besitz genommen haben. In solchem Zustand bin ich so bereit, dass ich imstande wäre, sogleich alles zu verlassen. Ich werde da das wirkliche Leben Jesu inne, in dem Kraft für alles ist.

409 |             Heute Vormittag wurde mir – das geht so in einem Augenblick – die verborgene Art meiner inneren Führung erklärt: Verborgen, mir selbst verborgen, vor den Menschen verborgen, scheinbar ein gewöhnliches Leben. Das war eine große Freude für mich!

410 |             Ich sah auch voraus, oder ich sah abends zurück auf das große Leiden am Nachmittag. Ich meinte bei mir, es müsse sich um eine Art Ekstasezustand handeln, weil alles so rasch verschwindet, als sei es nicht gewesen, und weil alle Seelenkräfte, auch die des Geistes, daran beteiligt sind. Es wurde mir innerlich erklärt, Jesu Leiden waren „bewusst“ gelitten im gewöhnlichen, menschlichen Zustande. Es sei bei mir nur eine Art Tiefenwirkung in der Seele. Später werde sich das bei mir so steigern, dass meine äußere Tätigkeit dadurch unterbunden sei. Ich sah aber, dass dann „jemand“ alles für mich tun wird.

 

28.02.1940

411 |             Bei der hl. Messe vor dem Marienaltar in der Gruft von St. Peter opferte ich die hl. Messe zu Ehren Mariens auf, dass sie bei Jesus fürbitten möchte, im großen Anliegen. Ich überließ alles „ihr“.

412 |             Bei der hl. Wandlung erlebte ich Jesu „Tun und Leben“ fühlbar, obwohl es in den letzten Leidenszeiten unterbrochen schien. In seinem „Leben“ erkannte ich dann meine geistige Aufgabe: Das Leben Jesu leben als Offenbarung für die Kirche, für die Priester. Nach diesem seinem „Leben“ möchte Jesus alle Priester umgestaltet sehen. Ich sah mich innerlich an einem bestimmten Wendepunkt meines Innenlebens angekommen. Ich bin vorbereitet für das, was meine seelische Aufgabe umschließt. – Das „Sein Jesu“ führte mich in den Zustand des Glaubens an diese meine geistige Aufgabe für die Kirche. Durch das erneute Leben Jesu wird mein Leben eine Offenbarung für die Priester bzw. ein Mittel zur Erneuerung der Kirche.

413 |             Ich bin in innigster Gemeinschaft mit und in MARIA, an ihrer Stelle, ihr Leben lebend. Daraus entsteht dann Jesu Leben für eine Erneuerung in der Kirche; hierfür soll ich Jesus ganz als Opfer und Mittel dienen. Ich werde von Maria das „Leben Jesu“ und alles empfangen; durch ihre besondere Fürbitte und Vermittlung wird der Kirche dieses Erneuerungsmittel gegeben. Ich sehe den ganzen Plan als eine Aktion Mariens, weshalb auch eine „Frauenseele“ an ihrer statt erwählt wurde.

414 |             Ich sah den Geist der „Gesellschaft Mariens“. Mariens Verborgenheit, Demut und Schlichtheit waren der Gegenstand des besonderen Wohlgefallens Gottes. Diese Geradheit der Seele – so wie der Mensch aus der Schöpferhand Gottes hervorging – sollen sich jene Seelen aneignen. Was darüber ist, hat sich der Mensch selbst dazu gemacht; die berufenen Seelen müssen „heruntersteigen“, nicht „hinauf“, um diese vom Schöpfer gewollte Natürlichkeit sich aneignen zu können. Ich sah diese entsprechend dem Wesen Gottes, der die Einfachheit und Geradheit ist. In diesem Geiste Mariens fand Jesus die erste und hauptsächliche Vorbedingung zur Menschwerdung in ihr und die Möglichkeit einer Angleichung vorbereitet. Diesen Geist sah ich als erste Grundlage der „Gesellschaft Mariens“.

 

März

06.03.1940

415 |             Nach wochenlangen Läuterungsleiden ist wieder die innere Ruhe in mir. Gewiss, in einem Teil des Inneren ist immer Ruhe und irgendwie Unberührtheit von den Ereignissen des „unteren Teils der Seele“. Das erste Prüfungsleiden war ähnlich den passiven Läuterungsleiden, wo gleichsam alles früher Erworbene zusammengestürzt und alles Täuschung und Nichts erscheint. Die zweite Prüfungszeit war meist ganz geistig, wo der höhere Teil der Seele gar nicht berührt wurde. Man scheint in solchen Leidenszeiten gleichsam zwei Wesen in sich zu haben, zwei Tätigkeiten, von denen sich die eine irgendwie des Erlebens und Seins Gottes erfreut in vergeistigter Art während die andere in unaussprechlichen ganz vergeistigten Leiden verwickelt und wie darin begraben ist.

416 |             Ich erfahre überhaupt zwei Arten von Seelenleiden: ein mehr an die Sinne der Seele gebundenes und ein ganz geistiges. Das Sinnengebundene vollzieht sich im unteren Teil der Seele; man scheint daran selbst beteiligt, man ist hineingezogen, muss mitkämpfen und dagegen kämpfen, muss irgendwie dafür oder dagegen Stellung nehmen. In der letzten Zeit war ich wie ein verdorrter Grashalm in der großen weiten, endlosen Wüste; alles schien weggenommen, die Seele zum Tode, zum Nichts verurteilt, doch wieder zum Leben bestimmt, das man in sich begründen müsse. Die unaussprechliche Verlassenheit von innen und außen ist wie ein Hohn auf alle früheren Gnaden, die irgendwie in Erinnerung kommen. Man will begraben sein im Nichts, zu dem man verurteilt ist und das einem zukommt. – Aus dem Nichts wolle der Heiland sein Leben und sein Sein schaffen, erklärte er mir nachher einmal.

417 |             In der zweiten Art dieser Leiden, im ganz geistigen, ist man selbst wie nicht beteiligt; alles vollzieht sich scheinbar ganz geistig; es ist ein furchtbares, geistiges Feuer, das einen bis ins Höchste, Letzte durchdringt, wie das verzehrende Feuer Gottes selbst, das die Seele bis ins höchste geistige Genießen und Sein Gottes erhebt und doch unaussprechliche, geistige Qual in sich ist. In diesem Leiden ist Gott ein reinigendes Feuer.

418 |             Gott will nochmals das „Wunder einer erneuten geistigen Menschwerdung“ in mir wirken. MARIA war durch ihre Unbefleckte Empfängnis von Anfang an auserwählt und vorbereitet, um dem Heiland diesen Erlöserleib zu bieten (Trotz des inneren Wissens um ihre geistige Reinheit kann man es eben nur in trockenen Worten ausdrücken). Jesus bereitet sich geistig in mir eine „neue Menschheit“, um sein Leben geistig doch wirklich erneuern zu können. Was Maria von Anfang an durch ihren Gnadenvorzug verliehen war, das würde JESUS ähnlich durch wirkliche, praktische Vorbereitung, durch Reinigungsleiden, in mir erreichen; dadurch wolle er die Harmonie und Anpassungsmöglichkeit an ihn herbeiführen; darum gelte dies ständiges Absterben des eigenen Seins, damit Jesus mein Sein für das seine benützen und beherrschen könne.

419 |             Durch dieses, sein erneutes Leben will er sich seiner Kirche nochmals offenbaren, den Bedürfnissen der Zeit entsprechend, dass daraus eine geistige Erneuerung entstehe.

420 |             Dieses innere Wissen um die Art meiner geistigen Aufgabe entspricht jetzt dem, was Jesus mir vor 10 bis 15 Jahren so oft sagte, wofür ich aber damals keine nähere Erklärung finden konnte: „Ich will mich durch dich meiner Kirche nochmals zeigen; ich will in dir meiner Kirche nahekommen“.

421 |             Immer klarer zeigt mir mein inneres „Sein“, dass Gott ein großes Erneuerungswerk für die Kirche plant und dass mir an Maria statt diese Aufgabe zukommt. Wiederholt wird mir das Kommen eines neuen „Zeitalters der Kirche“ gezeigt, eine neue Entwicklung und Vertiefung des Glaubenslebens, „sein nochmals geoffenbartes gelebtes Leben, das sein Leben in den Priestern bewirken wird“.

422 |             Meiner Art und Schwachheit mehr angepasst sei es, wenn ich ganz das Leben Maria mir zu eigen mache und lebe. Maria gibt mir dieses Leben, woraus das Leben Jesu wird. Ich solle mittun und wirklich Mariens geistiges Leben leben wollen.

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423 |             Jetzt bin ich in einem unbegreiflich vergeistigten Zustand, ganz Geist, wirkliches „Sein im Geiste“, der alles aus sich hat und nichts von außen empfängt, ohne Grund, ohne Boden und ohne Grenzen.

424 |             Ich lebe das geistige Sein von innen heraus, angefangen vom erneuten „Jesus gibt sich mir“. Er bleibt in dem Maße in mir lebend als ihm durch die inneren Leiden, bzw. durch das Absterben meiner selbst Raum geschaffen wird. Dieser Weg ist der geistige Entwicklungsgang seit vielen Jahren (fühlbar seit etwa 20 Jahren). Dieses innere Absterben bewirkt ein beständiges Sichauflösen in mir, Vernichtung, Leere, Leichtsein; man verliert die „Schwere des eigenen Seins“ – ich habe keinen anderen Ausdruck für das, was ich gerade in letzter Zeit so besonders erlebte.

425 |             Das geistige, aber nicht fühlbare Erleben Jesu wirkt ein beständiges Sein von innen heraus in mir, obwohl mir das im Einzelnen gewöhnlich nicht zum Bewusstsein kommt, weil ich ständig von dieser Geistigkeit getragen bin.

426 |             Meist wird es mir vor den entsprechenden Vernichtungsleiden erklärt und nachher erlebe ich diese erhöhte Geistigkeit, dieses Leichtsein, in mir.

427 |             Seit Langem erlebe ich viele Abstufungen der Geistigkeit. Der Begriff: „Gott ist ein Geist“ ist eben für den Menschen etwas Unbegreifliches, aber in diesem inneren Leben erfährt man dieses „Geist-sein Gottes“. Mir scheint, die Seele wird dieser Geistigkeit angepasst und geist-aufnahmefähig gemacht. Jesus kann sich der Materie, dem Körperlichen, nicht voll mitteilen. – Zugleich werden auch die „menschlichen Fähigkeiten seiner gottmenschlichen Seele“ mir angepasst, um ihm gesichert für seine Absichten und Pläne zu dienen. Aber alles geht so unsagbar einfach vor sich.

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Nachmittags:

428 |             Vor dem Allerheiligsten trat wieder meine innere Aufgabe ganz klar mir vor Augen: Das Leben Jesu erleben als Offenbarung für die Kirche. Für diesen Zweck soll ich mich dem Heiland leihen.

429 |             Jesus „sagt“ nichts mehr wie früher. „Etwas“, eine höhere geistige Macht tut das in mir oder richtet mein geistiges Sehen und Erkennen hin auf das Tun und Wollen Jesu. Es vollzieht sich alles rein geistig, oder wie wenn er meine Geistesfähigkeit gebrauchen würde, um mir seine Absichten klarzumachen. Nach diesem erneuten Fordern Jesu um mein ganzes Sein, das ich ihm als das seine bereitstellen soll, kam ich aber in Furcht ob der Größe der darin verborgenen Gnade Gottes; ich hatte Angst, ich könnte irregehen und zu hohen Dingen anhängen. Gleich aber trat an der Stelle meiner inneren Angst das Verbundensein und Einssein mit Maria; ich hatte das innere Erkennen und zugleich das Erlebnis der Wirksamkeit der Gnade, mein Leben in ihrer Art, d. h. „ihr Leben“, das sie mir zu diesem Zwecke überlasse und das ich mir aneignen solle, dem Heiland für seine Absichten zur Verfügung zu stellen. Ich war ganz in Maria und erlebte dieses Leben der Reinheit, der Demut, der Einfachheit, das man geistig erkennen, aber nie in Worten wiedergeben kann. Dieses Leben solle ich Jesus nochmals bieten, auf dass er damit „sein Leben“ erneuern könne zum Heil der Kirche.

430 |             Diese so klar erlebte Gnade gab mir vollends die innere Ruhe und Klarheit: Mariens Leben mir zu eigen machen, damit Jesus es nochmals für sich gebrauchen könne.

431 |             Es ist darum mein Vorsatz: Jesu Leben soll nochmals durch Maria in mir gestaltet werden. In ihr will ich mich dem Heiland für seine Absichten ganz zur Verfügung stellen. – Alles in mir ist so einfach; in ihr bin ich verborgen und geborgen. Einmal hat sie mir in schweren Zweifeln und Leiden bei ihr eine Zuflucht geboten mit den Worten: „Bei der Mutter gibt es keine Täuschung und keine Enttäuschung.“

 

16.03.1940

432 |              Im Zustand des tiefen „Seins“ in Jesus sah und erlebte ich: Jesus als Gott (= das ewige Wort, die zweite Person in er Gottheit) verband sich mit der Menschheit, die er aus Maria annahm, zugleich aber nahm er die durch die Sünde gefallene und „von Gott getrennte Menschheit“ an, um in sich die Möglichkeit der Sühne zu schaffen. Jesus erlebte in seinem Herzen alle Möglichkeiten zur Sünde und sühnte sie vermittels des Gegensatzes seiner allerheiligsten Menschheit; diese, verbunden mit seiner Gottheit, schuf durch die Leiden des Gegensatzes die entsprechende Genugtuung.

433 |             Ich sah innerlich die Menschwerdung: Die Gottheit Jesu verband sich mit der Menschheit in Maria; er nahm zugleich das gefallene menschliche Wesen mit allen geistigen und leiblichen Schwächen an. Der Heiland erlebte irgendwie jede Sündenmöglichkeit zugleich als der beleidigte Gott, da er immer in der hl. Dreifaltigkeit lebte; als Mensch schuf er die entsprechende Sühne.

434 |             Jesus will in ähnlicher Weise dieses Leben seiner Sühne in mir wiederholen, um zu offenbaren, in welcher Art die wirkliche Erlösung in seinem Herzen vollzogen wurde. Er hat nicht so sehr durch seine äußeren Leiden, durch seinen Kreuzestod, die Sünden der Menschen gesühnt, sondern hauptsächlich durch eine geistige Sühne in seinem Herzen, weil die Sünde ein geistiges Tun und dadurch vornehmlich eine geistige Gutmachung verlangte.

435 |             Die Möglichkeit der erlösten Seele, sich von der Sünde freizuhalten und diese zu überwinden, hat Jesus durch die Leiden des Gegensatzes geschaffen (sein inneres Bemühen ist uns zur „Kraft“ geworden, die wir die Gnade nennen). Die Erlösung hat sich hauptsächlich geistig vollzogen; gewiss hat das ganze menschliche Wesen Jesu als Mittel und Werkzeug alles mitgelitten und wurde dieses Leiden zuletzt durch den Kreuzestod bis in das höchstmögliche Hinopfern gesteigert und vollendet.

436 |             Jesus will Ähnliches in mir wiederholen; es wird durch eine entsprechende Vorbereitung der Gegensatz zwischen „Jesus Leben“ und einer geistigen Sündenmöglichkeit gebildet; ich solle mich entsprechend bilden lassen. Es wird sich gleichsam alles in einem Teile meines Seins (wie etwa „links“) vollziehen.

 

April

05.04.1940

Herz-Jesu-Freitag
Abends in der Kapelle:

437 |             Jesus erfasste mich innerlich mit seinem vollen „Sein“. Wir sind eins, wie Seele und Leib zu einem Wesen zusammengeflossen.

438 |             Jesus will den Akt der Aufopferung im Sinne meiner geistigen Aufgabe: ihm als „eine Art zweiter Menschheit“ zu dienen, damit er sich seiner Kirche offenbaren könne. Seine Menschheit war ihm das Mittel, um sich opfern zu können; meine Menschheit, mein leidensfähiges Ich, soll ihm die Möglichkeit bieten, „seine innere Erlöserart, sie nochmals erleidend“ zeigen zu können.

439 |             In ihm habe ich mein volles Leben: alles in ihm und von ihm. Wir sind eins für seine Absichten.

440 |             Ich habe im Voraus das Vertrauen auf die Kraft von ihm, die mich dem Leibe nach erhält, wo der gewöhnliche Mensch versagen müsste. Das „Sein in ihm“ wird mich erhalten. Ich muss im Voraus glauben, dass er meine menschliche Kraft erhält, wie einst jene aus Maria, damit er sich opfern und offenbaren könne.

441 |             Jesus verlangt unbedingten Glauben an seine Gnaden, die er bereit halte und für die er mich gebrauchen will. Das ist eigentlich meine Lebensaufgabe: Mein „Leben“ ihm leihen, dass er es gebrauche als das seine. Daher die lange Vorbereitung, dass ich mich vollends verlasse oder mich „ihm“ anpasse, ohne noch je einmal zu mir zurückkehren zu wollen. Nur eines noch: ihm dienen als sein „Sein“.

442 |             Jesus verlangt nichts als Glauben, das volle Eingehen auf seine Absichten, für die er mich schon jahrelang vorbereitet.

443 |             O Jesus, es geschehe alles nach deinen Absichten! Ich will dir ganz zur Verfügung stehen. – Maria ist unsere Mutter!

 

07.04.1940

444 |             Aufopferungsakt: O Jesus, Heiland der Welt, durch Maria, deine und unsere Mutter, opfere ich mich dir ganz und endgültig auf für die Absichten deiner unendlichen Erlöserliebe. Alle Kräfte und Fähigkeiten des Geistes und Leibes stelle ich mit vollem freien Willen und unwiderruflich dir zur Verfügung, dass du damit nach deinem unergründlichen, heiligen Willen, von neuem opfern, und offenbaren kannst. Ich verspreche dir, immer daran zu glauben, dass du dich deines kleinsten Kindes bedienen willst, um gleichsam in einer zweiten menschlichen Leidensfähigkeit mit meiner menschlichen Natur, dich für das Priestertum und die Kirche zu opfern und deine innere Erlöserart, sie nochmals erleidend, zu zeigen. Ich verspreche dir auch, unerschütterlich zu vertrauen, dass dein Sein mir Kraft sein wird, die mich erhält und die mir allein ganz genügt. – O Maria, meine Mutter, lass mich gleichsam an deiner Stelle dem lieben Heiland so ganz und treu zur Verfügung stehen und für seine Absichten dienen, wie du es getan hast! Amen.

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445 |             Heute habe ich mich – im Gehorsam – dem Heiland als sein „zweites leidensfähiges Leben“ für immer aufgeopfert. Die jahrelange Vorbereitung befähigte mich für diese Art der Hingabe für immer. Maria erbot sich mir ganz zu schenken und zur Verfügung zu stellen, damit meine Aufopferungen an Jesus durch sie desto vollkommener sei. Ihre zärtliche Liebe gibt mir Mut und Vertrauen. Sie lässt ihr Kind nicht falsche Wege gehen. –

446 |             Am Sonntagmorgen bat ich sie kindlich, dass eigentlich sie es sei, die diesen Hinopferungsakt in mir vollbringe: sie in mir, an meiner Stelle. Dies ist ja meine einzige Bitte an sie: Mutter, so wie du möchte ich Jesu nochmals ein leidensfähiges Leben bieten, mit deiner Liebe und Bereitschaft; du musst alles in mir vollbringen.

447 |             Ich bin voller seelischer Ruhe, obwohl gestern ein Tag des Kampfes war: Im unteren Teil der Seele lag ich wie im Todeskampf, im höheren Teil war vollkommene Ruhe und ich war doch wieder wie nicht daran beteiligt.

448 |             Durch den Aufopferungsakt bin ich in eine unbegreifliche Einheit mit dem lieben Heiland zusammengeflossen; es ist eine Einheit, die ich früher nicht erlebte, und doch ist alles so einfach und selbstverständlich, dass man keine Worte dafür findet. Ich möchte zum Vergleich hinweisen auf die Wirkung der Mittagssonne. Wenn die Sonne am Mittag am höchsten steht und am hellsten scheint, kann man sie nicht anschauen, sie ist eben da; das ist nur möglich beim Morgen- und Abendgrauen. So ist es gleichsam Mittag in meiner Seele: Das göttliche Sein um- und durchlebt die Seele, aber es ist so einfach und selbstverständlich, dass man es nicht erklären und aussprechen kann. – Jesus und ich sind nun wie Seele und Leib zu einem Wesen verbunden – für immer. Wenn Jesus früher immer ganz besonders den Glauben an die Gnade verlangte, so ist dieser Glaube jetzt erlebte Wirklichkeit …

449 |             O Jesus, vollbringe in mir deine Absichten, die du mit meiner Hinopferung hast! Nimm mich mir für die Absichten deiner Liebe für deine Kirche!

450 |             Dieser Zustand der Einheit ist nun dauernd. Früher hat mich der liebe Heiland diese Einheit zeitweise vorauserleben lassen; jetzt bin ich mit ihm „ein Leben“. Er hatte mir ja voraus erklärt, es würde wie eine zweite Art der geistigen Vermählung sein, ein dauerndes „Sein in ihm“. Es ist aber nicht fühlbar, sondern alles Geist, voll unbeschreiblicher Einfachheit, wofür man keine Erklärung geben kann.

 

11.04.1940

451 |             Dieser Tage war ich trotz der ständig geistig erlebten Einheit mit Jesus wieder in einem inneren Leidenszustand. Das göttliche Sein in mir bewirkt immer wieder neue Arten von Vernichtungs- und Verdemütigungsleiden. Er hat geradezu mit Eile jeden Tag zu tun, um mich vollständig vorzubereiten, mich fähig zu machen für das „Erleben seiner inneren Erlöserart“, wie er mir erklärt. Er wollte das innere Erlösungsgeheimnis seinen Priestern und seiner Kirche offenbaren und bilde sich in mir ein neues leidensfähiges Wesen zu seinem „zweiten Leben“ für diesen Zweck.

 

Nachmittags – in einer Landkirche

452 |             In einer Landkirche war mir das „Sein Jesu“ fühlbar und bewusst. (Diese Einheit löst sich irgendwie, wie in zwei Teile, man wird sich gegenseitig fühlbar bewusst). In diesem Zustand erlebte ich ein weiteres gnadenvolles Tun des Heilands in mir; er wolle in mir „sein Verhältnis zum Vater bilden“, das er einst als Mensch hatte, er, die menschgewordene Liebe Gottes, durch die sich der Vater offenbart. Es ist ein Abstand zwischen Jesus und dem Vater: Jesus ist der, der etwas zu vollbringen hat, wozu ihn der Vater gesandt hat; sein Verhältnis ist Unterordnung und doch wieder Einheit …

453 |             Jesus erklärte mir: Wir beten zusammen, als Eines zum Vater: Vater unser … Jesus will, ich solle an meine Stellung glauben, an seine Stellung zum Vater. Wir sind eins für die Absichten des Vaters. – Begrüßen zusammen als eins die Mutter Maria; sie ist unsere Mutter. Der Heiland lehrt mich ein neues Gebetsleben, das früher nicht war … Wir leben EIN LEBEN, ein neues Jesusleben, ein neues Erlöserleben. Eine geistige Kindlichkeit, ein Glaube an Jesu Absichten ist in mir; alles ist ohne Bemühen, getragen von unbeschreiblicher Geistigkeit …

 

15.04.1940

454 |             Die Einheit mit dem Heiland in einem Sein und Leben ist dauernd, ohne Bemühen, ständig gnadenvoll gelebt. Das Verhältnis zum Vater ist das seine: Wir beten zusammen zum Vater, wir Opfern uns zu einem Opfer bei der heiligen Messe. – Eigentlich ist es ja nur Eines, aber ich kann mich nicht anders ausdrücken als mit „uns, wir“.

455 |             Immer mehr und weiter wie Jesus sein „Leben“ ganz „lebensfähig“ (auf sich gestellt, selbstständig) machen. Ich bin dieser Tage, trotz der ständig erlebten Lebenseinheit im Leiden, in einer noch höheren Entäußerung und Vernichtung. – Um einen Vergleich zu gebrauchen: Es ist so ähnlich, wie wenn man ein neues Haus baut; das Haus ist fertig gebaut, aber es sind noch Stützen und Pfeiler da, innen und außen, die man während der Arbeit gebraucht hat: Diese müssen entfernt werden. So habe ich vielleicht in meiner Seele noch Anlehnungsbedürfnis an den Heiland, und das muss entfernt werden; denn er will und macht, dass wir gleichsam nicht mehr zwei, sondern nur noch „ein“ seien.

456 |             Nachmittags, vor dem Allerheiligsten, erlebte ich den Heiland als Opfer für die Sünden vor dem Vater: Es entstand zwischen Jesus und dem ewigen Vater ein großer Abstand, den seine Gerechtigkeit aufgerichtet hat. – Ich war wie an Jesu Stelle, gleichsam ein Wesen mit ihm, und es war mir meine geistige Aufgabe wie enthüllt, nämlich nochmals dieses Opfer zu werden. – Da wurde mir bang aus Furcht vor dem Bevorstehenden. Jesus aber war mit mir in meiner Angst und sagte mir: „Wir tragen es zusammen, wir leben zusammen ein Leben.“ – Sein kraftvolles Sein ist meine volle Ruhe und Ergebung. Das Wissen um meine Aufgabe gibt meiner Seele jetzt nichts Erdrückendes, nein vielmehr etwas bereitvolles in ihm, seine Ergebung vor dem ewigen Vater.

 

16.04.1940

457 |             Bei der heiligen Messe lebe ich Jesus in EINEM Opfer, in ihm die Gleichheit unseres Lebens, Jesu Erniedrigung vor dem Vater als Opfer für die Sünden und sein inneres Opfer in mir wiederholend. (Ich sehe da wiederum meine Aufgabe.)

458 |             Nach der heiligen Kommunion sind wir zu EINEM Leben, ein neues sich offenbarendes Erlöserleben. – Ich habe kein Wort, um dieses „EIN Leben“ zu beschreiben. Wir leben „EIN Leben“ nochmals. – Seine Liebe und Herablassung steht vor mir und teilt sich mit in neuer gegenseitiger Hingabe. Er verlangt von mir ein volles, freies, gern gegebenes Ja zu diesem seinen Leben als Opfer; es soll nicht gleichsam in einer Ekstase ohne freien Willen geschehen, sondern ein voller, freier Mensch soll seine Zustimmung geben und mitwollen. – In neuem Licht erscheint mir die Güte und Liebe Jesu. Mit Maria betete ich wiederholt ein inniges Magnificat, das ja seit vielen Jahren der erste Gruß an den Heiland nach der heiligen Kommunion ist.

459 |             Jesus hat, so scheint es, noch viel Arbeit in mir. Den ganzen Tag war er tätig in mir; ich bin teilweise im Leiden und möchte zur Erklärung den Vergleich mit der Arbeit eines Schmiedes heranziehen: Dieser hält das Eisen ins Feuer und hämmert dann daran herum, um ihm eine bestimmte Form zu geben, und das wiederholt er so lange, bis sein Plan gelungen ist. – Ich bin in Finsternis bezüglich seines Lebens in mir, aber fühlbar arbeitet Jesus in mir, dort und da etwas wegnehmend und ersetzend. –

460 |             Das merkwürdige bei meiner jahrelangen Gnadenführung war und ist, dass ich in solchen inneren Prüfungsleiden keinen Schritt voraussehe, bis der Heiland nicht selbst wieder das Ziel sehen lässt. Für gewöhnlich gehe ich gleichsam planlos und ziellos mit ihm. –

 

17.04.1940

461 |             Heute bin ich – als sein Leben – schon freier und selbstständiger geworden. Schon bei der heiligen Messe bin ich an „seiner“ Stelle, ihn vor dem Vater nochmals vertretend, stellvertretend, ihn wiederholend. Sein sakramentales Leben bestätigt dieses erneute Sein. Es ist eine unsagbare Ruhe und geistige Kindlichkeit dabei in mir. –

462 |             Jesus entfernt allmählich seine früheren geistigen Stützen und lässt mich geistig an seiner Stelle seine eigenen Schritte gehen. Der Heiland „gebraucht“ mich als sein Leben. – So klar und stark auch die innerlich erlebte Gnade ist, es gibt doch kein Wort um sie zu erklären. Sein göttliches Sein durchlebt mich und wird zur lebendigen Kraft, – die er ist oder die ich bin? Ich bin wie „sein sich wiederholendes Sein“, doch ruhig, bereit und voll Sicherheit als „er“ – es IST das Leben an seiner Stelle, dass er mir schon seit so vielen Jahren in geheimnisvollen Gnadenstunden, ganz an ihn gebunden, vorauserleben ließ: Voll erfasst von ihm, an seiner Stelle für seine Absichten, sein zweites leidensfähiges Leben. –

463 |             Der Heiland macht bis ins Kleinste alles wahr; was er mich oft, so oft schauen und voraus erleben ließ, ist nun zur ständigen Wirklichkeit geworden. –

 

28.04.1940

464 |             Die ganze Woche hindurch war ich in seelischen Leiden wie begraben; d. h., diese wickeln sich im unteren Teil meines Seins ab. Ich leide, bin aber zugleich wie nicht leidend, bin darum wie nicht beteiligt. Mein oberes Sein ist Ruhe, volles einheitliches Leben Jesu, wenn auch im Zustand der sich weiter entwickelnden Prüfungsleiden. Die Einheit mit dem Leben Jesu ist immer da, ein dauernder Zustand, immer wirksam. Ich bin „sein Leben“, das er für seine Absichten ausgestaltet und „gebrauchsfähig“ macht. – Nach der heiligen Kommunion bin ich „im Vorausleben“ gebrauchsfähig als Jesu sich wiederholendes Leben.

465 |             Jesus ist ganz Mensch mit allen menschlichen Fähigkeiten, von denen jede Einzelne bis ins Höchste entwickelt und ausgeprägt ist. Er ist Mensch mit vollem freien Willen und ist selbstständig in all seinen Handlungen. Sein Wille ist vollkommen frei, doch vermöge [sic!] seiner Erlöseraufgabe dem Willen des Vaters untergeordnet: ein fertiger Mensch, in dem alle möglichen Akte des Wollens in Selbsttätigkeit gesetzt werden können.

466 |             Mit all diesen Fähigkeiten erlebe ich Jesus als sein sich wiederholendes Leben vor dem Vater und dem Heiligen Geiste. Der liebe Heiland will, ich solle immer im tiefsten Glauben meine Aufgabe leben. In der Kapelle sagte er mir: „Mein Leben, du sollst immer im Zustand deiner Aufgabe sein“. Immer bewusst, soweit es möglich, im bleibenden Akte des Glaubens sein, um sein Leben in mir lebend zu verwerten. –

 

Mai

09.05.1940

467 |             Nach zwei Wochen schweren Leidens, eine Art Prüfungszeit, wie ein gleichsames „Todleiden“ in höherer Art selbstständiger Willens- und Seelentätigkeit, kommt heute wieder Licht und Entspannung in die Seele, das mir meine Aufgabe neu zeigt. –

468 |             Jede eigene Seelentätigkeit soll gleichsam in mir ausgelöscht werden, schon von der ersten Willensregung an, jede unwillkürliche Aktmöglichkeit in ihrer ersten Regung und Wurzel an umgebildet und für Jesu in mir nachgebildete Seelentätigkeit fähig gemacht werden. Und um gleichsam immer im tiefsten Sein, im geistigen Tun ganz für Jesu Absichten mich abschließen zu lassen, auf jede von außen einströmende Hilfe verzichten zu können, kam ich in diese Art rein geistiger Läuterungsleiden in einen unerklärlichen Leidenszustand: Abgeschlossen als Geist in unaussprechlicher Verlassenheit, abgesondert von jedem geistigen Trost und jeder nur im kleinsten Ausmaß möglichen geistigen Betätigung, ganz Geist, um immer mit rein geistigem Umgang innerlich zufrieden sein zu können, im geistigen meine ganze Lebensbetätigung zu finden und diese als geistig erworbenen Güter Gott wieder zurückzugeben. Der Heiland will in mir seine innere Erlösertätigkeit nachbilden, um sie nochmals in mir, mich als Werkzeug gebrauchend, erleidend, sie wiederholend, seiner Kirche zu offenbaren.

469 |             Aber immer blieb in diesem schweren Geistesleiden das tiefste Sein Jesu in mir zu einem Wesen wie ein neues Leben verbunden, und dieses Sein Jesu wirkte wie ein Feuer, das nicht belebt, wie im gewöhnlichen ruhigen Seelenzustande, sondern totmacht.

470 |             Jetzt bin ich im Zustand, dass ich meine geistige Lage gleichsam überschauen kann und erkennen in seinem Sein. Im tiefen, doch wieder wie im selbstverständlichen Schauen, in einem Lichte, das in mir das Licht und mein ständiges Licht und mein Wesen ist, aber nicht immer gleich wirksam ist, erkenne ich Gottes Absichten in seiner Schöpfertätigkeit im Menschen, die Seele in ihrer Urbestimmung, die Sünde im Entstehen, den seelischen und leiblichen Verfall des Menschen, die Erlösungsnotwendigkeit, den Erlöser usw. –

471 |             Nach diesem inneren Erkennen hatte die aus der Schöpferhand hervorgegangene Menschenseele nach Gottes ewigem Ratschluss und Urgesetz zwei Möglichkeiten:

1. Die vorhandenen Keime zum Guten zur vollen Entfaltung und zur Tätigkeit zu bringen, alle Anlagen zur Entwicklung zu benützen; die keimhaft veranlagten Tugenden zum vollen Ebenbild Gottes auszugestalten; oder

2. durch den freien Willen jene Möglichkeiten in den, der Tugend entgegengesetzten, Akten zu verwirklichen, die wir die Sünde nennen.

472 |             Alle von Gott geschaffenen, entwicklungsfähigen guten Anlagen sind im Augenblick der freien Willensentscheidung der ersten Menschen in „mögliche“ gottwiderstrebende und gottwidrige Akte verwandelt worden, seelisch und dem Leibe nach: Der Mensch verfiel in sich dem Gesetz der Sünde. – Zufolge der Willensentscheidung des Menschen verwandelten sich die Anlagen in Gott widerstrebende Möglichkeiten.

473 |             Zum Unterschied vom Menschen vollbringt Gott mit göttlich freiem Willen immer nur gute, göttliche Akte. Der Mensch aber muss sich unter Gott erniedrigen und unterordnen. Die erste Sünde war nun im Augenblick des Geschehens ein Abkehren von Gott, ein Gott-gleich-sein-wollen, eine Überhebung der Gott untergeordneten Menschennatur, ein Nicht-achten auf das ewige Gesetz: Es gibt nur einen Gott – woraus sich eine absolute Abhängigkeit aller Geschöpfe ergibt. Gott hatte den Menschen aus Liebe geschaffen, um ihn teilnehmen zu lassen an ihm, nicht aber, dass der Mensch Gott gleich sein wolle. Die Seele überhob sich wider den Schöpfer, wollte ihm gleich sein, ohne sich an den göttlichen Plan der Entwicklung zu halten, wonach die Seele, Gottes Ebenbild voll entwickelnd, als neuer göttlicher Ertrag zu Gott zurückkehren sollte, um von ihm in ewiger Seligkeit wieder aufgenommen zu werden. Der Plan Gottes, sich in seinem Geschöpfe gleichsam wiederzufinden, wurde durch die Sünde zerstört, das Ebenbild Gottes zerrissen. – Und da Gott in der ersten Menschenseele, bzw. den ersten Menschen nach seinem ewigen göttlichen Ratschluss die Richtung geben wollte und so gewissermaßen der ganzen Schöpfung, dem gesamten Menschengeschlecht, verfiel der Mensch nach Adam [und] die ganze Nachkommenschaft, selbst verschuldet, einer noch höheren göttlichen Unterordnung und zugleich Strafwürdigkeit. –

474 |             Wie nun Gott der Menschenseele bei ihrer Erschaffung die Entscheidung über zwei Möglichkeiten gegeben hatte, so war damit auch die Belohnung oder Bestrafung für Gut und Bös gegeben. Selbst wenn man sich Gottes Gerechtigkeit wegdenkt, liegt im Wesen des Guten schon eine bestimmte Frucht, eine Belohnung, eine Befriedigung, die in der gottgewollten Betätigung der vorhandenen Anlagen und Keime verborgen ist. Jeder gutgetane Akt ist für sich schon der Seele eine natürliche Belohnung, die nach Gottes Gesetz und Willen die Betätigung der gottgewollten Anlagen mit sich bringt, es folgt daraus eine Freude, ein Glück, vom Schöpfer hineingelegt.

475 |             Anderseits trägt – auch abgesehen von der Gerechtigkeit Gottes – jede Sünde Gottes gesetzwidrige Handlung in sich eine Strafe, einen der Naturanlage folgenden Schmerz, der Befriedigung entgegengesetztes Gefühl, weil ja die Seele die hohe Bestimmung hat, Gottes Ebenbild in sich möglichst auszugestalten, durch die Sünde aber dieser naturgegebenen Bestimmung entgegengehandelt wird. Der Mensch verfiel damit der Seele und dem Leib nach dem Gesetz des Leidens. Dazu kommt die naturgemäße Strafe durch die Gerechtigkeit Gottes, weil die Seele absolut abhängig ist von Gott.

476 |             Durch die Empörung der ersten Sünde wurde der ganze Mensch, Seele und Leib, dem Ausbruch aller in ihm schlummernden, durch die freie Willensentscheidung verkehrten Anlagen überantwortet, bis der Erlöser kam und gleichsam eine Heilung, eine Neuordnung aller Aktmöglichkeiten vornahm. – Der Leib hatte eingewilligt in das Begehren der Seele: Seine Trennung von Gott wurde zur Strafe – eine zeitliche; er verfiel dem Gesetz des Todes, bis Gott am jüngsten Tag das menschliche Leben wieder erhebt durch die Verdienste der Leiden und des Todes des Erlöserleibes.

477 |             In einem Ausfluss des Erbarmens des Vaters und der Liebe des Heiligen Geistes schuf Gott gleichsam eine zweite, neue Menschenseele und übergab sie seinem Sohn. – In der gottmenschlichen Seele wurde dem Vater ein neuer göttlicher Ertrag geboten infolge der Bereitschaft des göttlichen Wortes, das wie ein Mensch werden wollte. Was in der ersten Seele verdorben wurde, sollte in der „zweiten“ als voller Erfolg und Ersatz der Gerechtigkeit Gottes geboten werden.

478 |             Weil die Sünde zuerst in der Seele geschah, das Ebenbild Gottes zerstörend, war darum die „SEELE JESU“ der Hauptfaktor in der Erlösung.

479 |             Die zweite göttliche Person wurde nach Gottes liebendem Ratschluss in die Welt gesandt, um die gefallene Menschheit wieder mit der beleidigten Gottheit zu versöhnen und zu verbinden. Dazu bedurfte es des Zusammenwirkens der Gottheit und der Menschheit. In einem Ausfluss göttlicher Liebe bot sich das ewige Wort freiwillig an, die menschliche Natur anzunehmen, die einst aus der Schöpferhand des Vaters hervorgegangen war und darum einbezogen in Gottes unendliche Liebe und Herablassung.

480 |             Wie jedes Geschöpf in sich die Spuren der Weisheit und Allmacht Gottes trägt, so war der Mensch, als Krone der Schöpfung nach Gottes Ebenbild erschaffen, vor allen Geschöpfen von Anfang an bestimmt, Gottes übertragbares Wesen und sein in sich zu gestalten. Die Absicht Gottes war, sein inneres Wesen dem Menschen gleichsam mitzuteilen und ihn teilnehmen zu lassen an der Glückseligkeit seines innersten Wesens.

481 |             Dazu erhielt die Menschenseele die höchstmöglichen Anlagen. Ein Hauch vom unendlichen Wesen Gottes war sie von Anfang an bestimmt und veranlagt für göttliches Erleben. Als Ebenbild Gottes mit freiem Willen begabt war sie bestimmt, ein neues, übernatürliches Ebenbild Gottes in sich zu schaffen und zu erwerben. Sie war im Anfang der Erschaffung veranlagt und fähig, Gott in sich aufzunehmen, sich zu höchstmöglichem, gleichsam neuem „göttlichen Tun“ zu entwickeln, und dies alles der göttlichen Majestät als Produkt und neuen Ertrag der göttlichen Schöpferliebe zurückzugeben. So sollte in jeder Seele sich wiederfinden und neue Selbstverherrlichung in Empfang nehmen. [sic!] – Nicht, dass der Mensch Gott werde, sondern: Wie jedes Geschöpf den Stempel göttlicher Herkunft und den Keim zu weiterer Ausgestaltung und Vollendung in sich trägt, so sollte der Mensch den in seine Seele gelegten Keim göttlichen Ursprungs in vollendeter Art entfalten und entwickeln und Gott den Ertrag seines göttlichen Schöpfergeistes wie ein „göttliches Werk“ als neuen Akt der Selbstverherrlichung bieten. Die Menschenseele sollte den von Gott geschaffenen göttlichen Wesenskeim, das übernatürliche Ebenbild Gottes, MITWIRKEND zur Vollendung bringen.

482 |             Die Gottheit der zweiten göttlichen Person hat sich allen Glanzes und aller Herrlichkeit entkleidet und sich in der Seele Jesu verborgen. Immer wohnend und wirksam in der menschlichen Natur, lebte Sie zugleich verbindend wie ein göttlicher Strahl im Vater und im Heiligen Geist, wieder zurückkehrend in das menschliche Sein.

483 |             Die Seele Jesu war, gemäß ihrer Bestimmung, befähigt, ein unermessliches Wesen, die Gottheit des ewigen Wortes, voll in sich zu tragen; sie hatte dementsprechende Anlagen. Die Gottheit war im höchsten geistigen Teil der menschlichen Seele Jesu wie in einem geistigen Lichte anwesend, wie auf der höchsten Spitze des Geistes seiner Seele.

484 |             Das göttliche Wort hat als Erlöser zeit seines Lebens als höchste Verdemütigung freiwillig verzichtet auf göttliche Macht und Herrscherrechte, um in allem als Mensch befunden zu werden. Der Erlöser hat zeitlebens die Wirkung seiner Gottheit wie in scheinbarer, und doch wieder wirklicher Abhängigkeit seinem Vater anheimgestellt, für sich als höchste Verdemütigung, die vor seinem himmlischen Vater der erste und größte Akt und Grad der sühnenden Genugtuung wurde.

485 |             Diese gänzlich göttliche Willensentäußerung dem Vater gegenüber vollbrachte Jesus, das göttliche Wort, als ersten Akt vor seiner Menschwerdung: in allem wollte er dem Willen des Vaters unterworfen sein wie ein Mensch. Und der Vater nahm diese gänzliche Entäußerung an, wohlgefällig, liebend, als höchsten erlösungskräftigen Akt, in dem sich die zweite göttliche Person erniedrigte. Da Jesus zugleich bereit war, alle Schäden der Menschenseele innerlich zu tragen und zu heilen, war der Vater auch bereit, mit dem Sohn alle Menschen wieder an Kindesstatt anzunehmen.

486 |             Der Heiland hat somit als Erlöser seine göttliche und menschliche Freiheit seinem Vater, und damit zugleich der göttlichen Gerechtigkeit übergeben und zeitlebens in einem ständigen Genugtuungsakt sich dieser unterworfen.

487 |             Mit seinem göttlichen Wissen sah Jesus alle Sünden und Schäden der Menschenseele in all den tiefsten Auswirkungen voraus, die er bereit war, in sich zu erfahren, obwohl ganz rein und sündenlos; dies war mit eingeschlossen in seiner ganzen, unermesslichen Erlösertätigkeit. – Durch göttliche Unterwerfung, ständig innewohnend seinem menschlichen sein wollte der Heiland die Empörung der ersten Menschenseele gutmachen, verzichtend auf die Ausübung göttlicher Herrscherrechte.

488 |             Dieser seiner Erlöseraufgabe in ihrer ganzen Auswirkung war Jesus vom ersten Anfang seiner Bereitschaft und seiner Menschwerdung an sich ständig bewusst in seiner Gottheit und in seiner gottmenschlichen Seele, die eine wundervolle Harmonie bildeten. Doch hat dieses höchste, göttliche, geistige Wissen menschlich sich ausgewirkt als sich entwickelnd: Sich steigernd wie mit der erwachenden Vernunft des Kindes, wachsend und an Ausdehnung und Tiefe zunehmend; im Mannesalter sich auswirkend wie in einem Zustand des Ringens bis zum Letzten, bis zum Tode, da im allerschwersten Ringen eine unermessliche Aufgabe gelöst WERDEN MUSSTE. Dazu kamen dann als letzter Abschluss und Verdemütigung die äußeren Leiden. –

489 |             Jesus hatte als zweite göttliche Person ein eigenes göttliches Bewusstsein. Wohl ist in der EINEN Gottheit nur ein göttliches Bewusstsein; aber jede göttliche Person hat dieses Bewusstsein wie ein eigenes, ihr zugehöriges. – Das göttliche Bewusstsein des menschgewordenen Wortes war in göttlicher Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geiste einverstanden und doch wieder in jedem Entschluss selbstständig und den anderen göttlichen Personen in voller Einheit sich mitteilend; es war der zweiten göttlichen Person eigen und doch wieder in geheimnisvoller Einheit untrennbar mit den anderen göttlichen Personen verbunden und von Ihnen in vollem Einverstandensein und in voller Einheit dem menschgewordenen Wort zurückgegeben. Dieses göttliche Bewusstsein machte Jesu Erlöseraufgabe voll wirksam, ließ den Erlöser seine Aufgabe absolut anerkennen, wirkte auf seine heiligste Erlösermenschheit, die bemüht war, sich voll, liebend einzusetzen, um dem beleidigten dreieinigen Gott die entsprechende Genugtuung zu leisten. – Dieses göttliche Bewusstsein bewirkte auch, dass jene Genugtuung zugleich als „göttliche“ geleistet wurde.

 

19.05.1940

Dreifaltigkeitsfest

490 |             Welch unaussprechliche Wege völliger geistiger Vernichtung der Heiland mich führt, das bin ich in den letzten Tagen wieder innegeworden. – All diese inneren Leiden sind tief geistiger Art. Man hat kein Wort dafür. Im Hintergrund dieser Leiden steht aber doch manchmal das erlebte Ziel … Jesu Erleben in seiner seelischen Tätigkeit, wozu er mich durch diese Leiden umbildet. –

491 |             In völliger Vernichtung jeder eigenen Regung in mir stehe ich nach der heiligen Kommunion an Jesu Stelle. Ich bin gleichsam „er“ geworden; ich = er, seine liebevollen Absichten in mir verwirklichend. – Dieses Erleben ist in Worten nicht auszudrücken, es ist zu einfach und klar: Ich bin an Jesu Stelle, bin „er“, weil er sich offenbaren will in einem erneuten sein in mir. Es ist alles Ruhe, sein voll Ruhe, gesättigt, erfüllt, wunschlos. – Man kann, auch ohne zu sterben, Jesus in voller Einheit und Wirklichkeit erleben …

492 |             Dieses „ich an Jesu Stelle“ ist mir gegeben, damit er mich unumschränkt gebrauchen kann als ein Wesen, das im dient als sein „ich“. Es wird sich nach dem Maße seiner Absichten noch erweitern und vertiefen. –

493 |             Bei aller Ruhe trage ich eine große Last in mir: die Fülle seines „Seins“ mit so viel Vertiefung- und Ausbreitungsmöglichkeit, zum Überströmen. –

494 |             Mittags kam eine fühlbare innere Bewegung in dieses ruhevolle Ich-an-Jesu-Stelle-sein. Mein innerstes Leben fragte mich: Willst du mir als mein „ich“ dienen und alles annehmen, was „ich“ bin? Ich erkannte, wie ich ganz auf ihn gestellt sei. Ich gab mein „ganzes Sein“ zu einem erneuerten Ich für ihn … Und er sagte mir: „du wirst immer die vielgeliebte Tochter des Vaters und die auserwählte Braut des Heiligen Geistes sein.“ – Und es war in mir: Vater und Heiliger Geist vermählten sich mit mir (in einer geheimnisvollen geistigen Berührung) wodurch der Sohn gebildet würde, geistig sich wiederholend in mir. – Dies wurde vom Vater und vom Heiligen Geist bestätigt und bejaht. – Alles ist ein dreifaches geistiges Zusammenwirken der heiligsten Dreifaltigkeit, ein dreifaches Bejahen, und meinerseits ein volles Bereitstellen. Aber alles unsagbar einfach. –

495 |             Ich war ganz beschämt im tiefsten Wissen meines Nichts und des ganz Geschenkten. –

496 |             So tiefst im Geheimnis Gottes verborgen und aufgenommen, ward Maria noch in besonderer Weise Mutter im Sohne, ihr Muttersein wiederholend. –

497 |             Alles ist Einfachheit und Geistigkeit. Als „er“ habe ich alles in mir. Als „er“ bete ich zum Vater, zum Heiligen Geist. Ich lebe aus der Fülle des inneren Seins, das ich bin.

 

30.05.1940

498 |             Es ist alles in Worten nicht auszudrücken, und dies ist nur eine kleine Andeutung von dem inneren Erkennen meiner Aufgabe. „In diesen Leiden wirst du das Blühen des Werkes (für die Priester) sehen“, – wurde mir versprochen.40

499 |             In den vergangenen Tagen war ich in ein unaussprechliches geistiges Leiden versenkt. –

500 |             Heute, obwohl sehr im Leiden, hat mir der Heiland kostbares Licht gegeben über seinen Erlöserleiden. – Mein jetziges Leiden sei ganz Vorbereitungsleiden.

501 |             So, wie ich ständig mit meinem „Nichts“, mit meiner Ohnmacht zu kämpfen hätte, so musste der Heiland ständig „die Sünden sehen“, alle, jede Einzelne, in allen schrecklichen Auswirkungen für die Seelen und er sah sich wie ohnmächtig denen gegenüber und litt darunter, als wären es die „Seinigen“. Seine Gottheit war gleichsam ein abgeblendetes Licht.

502 |             Zum Vergleich wurde mir gezeigt, wie ein feinfühliger, reinlicher, gebildeter Mensch sich fühlen müsste, wenn er ständig in einem ganz beschmutzten, mit Ungeziefer behafteten Kleid sein müsste. Oder: Ein ganz reiner Mensch, die reinste Seele, mit allen nur möglichen Sünden bedeckt. So stand Jesus vor dem Vater und vor sich selbst.

503 |             Die ganze reine Seele Jesu musste die „sündige Seele“ zeit seines Lebens wie „in sich beherbergen“, war durch seine unaussprechliche Erlöserliebe wie „verantwortlich“ gemacht, musste auch die Bosheit der menschlichen Leidenschaften ertragen. Oder Jesus hatte die sündige Menschenseele gleichsam in sein Herz aufgenommen, und durch stellvertretendes Gutmachen mit den Vollkommenheiten seines göttlichen Herzens der göttlichen Gerechtigkeit Entschädigung geboten. –

504 |             Er will auch in diesem tiefsten Geheimnis seines Herzens anerkannt und verehrt werden, in seiner innersten Erlösertätigkeit.

505 |             Jesus hat dies freiwillig, nach dem Willen des Vaters, auf sich genommen. – Das war zum Teil die Seelentätigkeit Jesu, diese Sühnebetätigung vor der beleidigten Gottheit.

506 |             Meine ähnliche Aufgabe sei darum: zu größtmöglicher Reinheit zu gelangen und dann die „sündige Seele“ aufzunehmen. In diesem Akt, in dem Gegensatzleiden zwischen Reinheit und Sünde liegt die eigentliche Sühnekraft, weil dadurch die Sünde nochmals verabscheut, getilgt, gutgemacht und die Seele, die Wunden der Seele, durch die Erbsünde von all den dem Guten entgegengesetzten Aktmöglichkeiten ausgebessert und geheilt werden. –

507 |             Es war mir entsetzlich bange vor dem Kommenden, aber der Heiland war trotzdem immer der Heiland und hat dadurch nichts von sich verloren. Er wurde nicht befleckt, sondern hat die „Seele“ der Menschheit geheilt von ihren Sünden, Schäden und Wunden.

508 |             Ich würde mich so verlieren, dass nur die „sündige Seele“ bleibe, wie es beim Heiland in seinem höchst gesteigerten Leiden war, aber immer bleibe die göttliche Kraft, das Sein in ihm. – Auch das Versprechen der geistlichen Hilfe und des Verständnisses dafür wie in einem Herzen wurde mir gegeben. –

509 |             Es ist alles in Worten nicht auszudrücken, und dies ist nur eine kleine Andeutung von dem inneren Erkennen meiner Aufgabe.

510 |             „In diesem Leiden wirst du das Blühen des Werkes (für die Priester) sehen,“ – wurde mir versprochen.

511 |             Arm bin ich und nichts und leer, aber ruhig und klar und auch bereit …

 

Juni

08.06.1940

512 |             Keine eigene, innere Betätigung, ganz darauf verzichten! – Mit ihm, mit seinem Leben genug haben! – In Maria sein, ihn leben, in ihm zum Vater, zum Heiligen Geist beten! – Alles von ihm erwarten und mit ihm und den seinen zufrieden sein! – Bereitschaft zur entscheidenden Hingabe dieser Art – für immer! – In diesem Beten „in ihm“ wirst du alles erlangen. –

 

25.06.1940

Über Jesu innere Leiden.

513 |             Jesus nahm als Erlöser die Sündenschuld der Welt auf sich. Wohl konnte er nicht das Unrecht der Sünde als solches, als sein eigenes betrachten, aber er nahm auf sich das Gefühl der Schuld und des Beschuldigtseins, das auf die in der Sünde liegende Befriedigung folgt. Seine Aufgabe war es ja, die Schuld der Menschen gutzumachen, indem er sie auf sich nahm, indem er innerlich als der die Schuld tragende galt vor seinem himmlischen Vater, indem er durch seine liebende Barmherzigkeit zum Beschuldigten und sich „schuldig fühlenden“ wurde. – Die Größe dieses seines inneren Leidens erklärt sich aus seinem gottmenschlichen Wissen:

1. Um die Größe Gottes, der durch die Sünde beleidigt wird.

2. Um das schuldbare Verlieren Gottes;

3. Um die Auswirkung jeder Sünde für Zeit und Ewigkeit.

514 |             Die Schuld der Sünde hat der Erlöser durch entgegengesetztes inneres Leiden bzw. durch entsprechende innere Akte gesühnt. So z. B. bezüglich der Sünde des Zorns erfuhr und ertrug er – als Beschuldigter, der er vor seinem himmlischen Vater wurde – die Auswirkungen dieser Sünde in seinem Herzen: die dadurch bewirkte Entehrung Gottes, die Wirkung in der Seele des Menschen, die Wirkungen dem Nächsten gegenüber, die Wirkungen für die Ewigkeit. Er hatte ja die Schuld stellvertretend auf sich genommen, soweit es möglich war, d. h., die Folgen und Wirkungen der Sünde, da er selbst von der Sünde nicht berührt werden konnte. Und an den Wirkungen der Sünde, die er als Erlöser freiwillig auf sich genommen hatte, fühlte er sich schuldig.

515 |             Diesen verschiedenen Wirkungen, beispielsweise der Sünde des Zornes gegenüber, entfaltete sich seine gottmenschliche Sanftmut als entsprechende Sühne vor Gott. Und so hat Jesus als Erlöser alle Sündenschuld durch entgegengesetztes inneres Leiden bzw. durch seine gottmenschlichen guten Akte gesühnt. Dadurch wurde sein Herz zu einem ständigen Schlachtopfer; dies wirkte sich auch an seinem Leibe zu einem „Ganzopfer“ aus in seinem Tode. – Durch die Akte des menschlichen Bemühens Jesu wurde zugleich für die Sünder die „Kraft“ erworben, sich von der Sünde befreien zu können.

516 |             Bei der heiligen Taufe wird die Seele dieser Kraft und der Verdienste teilhaftig, die Jesus durch seine innere Erlösertätigkeit erworben hat.

 

26.06.1940

517 |             Der liebe Heiland will: Ich solle an nachstehend erwähnte Gnaden glauben und mich dementsprechend opfern:

1. Dass seine Gnade durch die jahrelangen Vorbereitungsleiden mich dahin in den Zustand der ersten Menschen bei der Erschaffung gebracht hat, dass er mir alle seine Erlösungsgnaden vollkommen zugewendet und diese auch von mir entsprechend angenommen und verwertet wurden. Und dass mein Wille mit seinem reinsten Willen im Stande ist zu harmonieren, soweit es der menschlichen Schwäche zukommt.

2. Dass alle meine inneren Leiden nicht meiner sündhaften Natur entspringen, sondern übernatürliche, durch seine Gnade verursachte Leiden sind, Leiden in der Art seiner inneren Erlösungsleiden, geistige und stellvertretende Leiden, bzw. das Nacherleben des Widerstrebens der menschlichen Natur, des Leidens unter den Leiden;

3. Dass ich bereit bin, sein Innenleben aufzunehmen, dieses zu erfahren, zu erleben und zu erleiden;

4. Alles von seinem wirklichen sein in mir zu erwarten, alles an Kraft und Wissen, „in ihm von seinem Sein“ in Empfang nehmen zu wollen, im Glauben an seine Gnade und im Vertrauen auf meine innere Aufgabe; gleichsam „ihn“ zu leben, von seinem Sein, mit allem zufrieden sein zu wollen von ihm;

5. Als sein „zweites sich wiederholendes sein“ mich vom Mütterchen ganz bedienen zu lassen, wie er alles von der Mutter erwartet und in Empfang nahm. – „ihn Leben“ und damit zum Vater und zum Heiligen Geiste beten. –

518 |             Diese Aufopferung soll gleichsam der Abschluss sein von den früheren Reinigungswegen; ich würde nachher in einen neuen Weg des Lebens in Jesus „an seiner Stelle“ gelangen.

 

29.06.1940

Aufopferungsakt.

519 |             O Jesus, mein wahres Leben und meine einzige Liebe, ich glaube dir, dass deine Gnade mich (durch die jahrelangen Vorbereitungsleiden) in den Zustand der ersten Menschen bei der Erschaffung gebracht hat, insofern als mein Wille imstande ist, mit deinem reinsten, allerheiligsten Willen zu harmonieren – soweit dies der menschlichen Schwäche zukommt. –

520 |             Ich will daran glauben, dass alle meine Leiden nicht meiner sündhaften Natur entspringen, sondern dass es übernatürliche, durch deine Gnade verursachte Leiden, Leiden in deiner Art, geistige und stellvertretende Leiden, bzw. das Nacherleben des Widerstrebens der menschlichen Natur, des Leidens unter den Leiden sind. –

521 |             Ich erkläre mich freiwillig und aus Liebe bereit, dein Innenleben aufzunehmen, es zu erfahren und zu erleiden;

522 |             Ich verspreche alles von deinem wirklichen innersten sein in mir zu erwarten, alles an Kraft und Wissen „in dir“ von deinem sein in mir in Empfang nehmen zu wollen, im Glauben an deine Gnade und im Vertrauen auf meine innere Aufgabe. Ich will dich leben, von deinem Sein leben, mit allem „von dir“ zufrieden sein.

523 |             Als dein zweites, sich wiederholendes sein will ich mich ganz von Mütterchen bedienen lassen, wie du alles von der Mutter erwartest und in Empfang nahmst, und dir alles von ihr geben ließest. – Ich will dich leben und so zum Vater und zum Heiligen Geist beten! –

 

29.06.1940

Am Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus

524 |             Heute habe ich mich, nach dem Willen Jesus bereit erklärt, seine inneren Leiden bzw. seine innere Erlösertätigkeit auf mich zu nehmen und diese nochmals zu erleiden, soweit es in den Absichten Jesu liegt. Durch die vielen seelischen Vorbereitungsleiden sollte mir die volle Einheit und Harmonie geschaffen werden, die mich befähigen sollte, sein inneres sein in mir gleichsam wiederholen zu lassen, bzw. meine Kräfte und Leidensfähigkeiten ihm als die seinen zur Verfügung zu stellen und dienen lassen zu können. –

525 |             In den letzten, inneren Läuterungsleiden lag ein ständiges Abkehren, ein vollständiges Aus-mir-herausgehen, ein Vernichten jeder persönlichen Akte. – Zugleich war damit ein schmerzliches „Mich-Sehen-Müssen“ in meiner ganzen Ohnmacht und Unfähigkeit, Sündhaftigkeit und Nichtswürdigkeit verbunden. Es war wie eine ständige verzerrende Sucht, mich ganz zu verlieren zu wollen und zu müssen – um ganz den Heiland an meiner Stelle zu leben. – Man hat kein Wort, um die Tiefe des Erlebens und Erleidens dieser ganz geistigen, zutiefst inneren Reinigungsleiden zu erklären. Nur durch das Ziel könnte dieser innere Geistesweg angedeutet und erklärt werden – irgendwie. –

526 |             Heute habe ich mit ruhigem Herzen – wiewohl im tiefsten und höchsten sein meiner Seele trotz aller inneren Leiden immer Ruhe herrscht – die Aufopferung gemacht. – Nun ist alles tot in mir, wie wenn von mir überhaupt nichts vorhanden wäre. – Jesus muss beginnen, an meiner Stelle, anstelle meines toten Seins sein innerstes Leben bzw. seine inneren Erlöserleiden zu entfalten. Ich gehöre ihm; alle meine Kräfte und Leidensfähigkeiten sind ihm mit diesem Akte ganz zur Verfügung gestellt, so, als wären es die Seinigen. –

527 |             Kurze Augenblicke nach der heiligen Kommunion sah ich voraus einen Grad meiner Leiden anstelle des Heilandes: Alle menschenmöglichen Sünden würde ich innerlich erfahren und erleiden, als Opfer an Stelle Jesu. –

528 |             Der liebe Heiland zeigte mir dann die dritte Art seines inneren Erlöserleidens. (Die erste Art der inneren Erlöserleiden, das Umgeben- und Bekleidetsein – Beladensein wurde mir erklärt am 30. Mai; die zweite Art: das Schuldtragen, Beschuldigtsein, verantwortlich sein für die Folgen und Wirkungen der Sünde, am 25.6).

529 |             Heute die dritte Art: Jesu allerhöchste gottmenschliche Reinheit erhob sich vom tiefsten Wissen um die Sünde in einem beständigen Sühne- und Entschädigungssein zu höchsten entgegengesetzten Akten vor seinem himmlischen Vater. – So würde auch ich wie er und an seiner Stelle alle menschenmöglichen Sünden als Opfer für die Menschen innerlich erfahren, erleiden und so das Opfer Jesu wiederholen. – Alle Sünden würden wie auf einem neuen Kampfplatz auftreten, aber mein geläutertes Inneres würde davon nicht befleckt werden, und der Glaube an Jesu Gnade würde mich aufrecht halten. Die Vorbereitungsleiden haben diese Fähigkeit in mir geschaffen und entwickelt. Das sei jetzt, an Jesu Stelle, meine Aufgabe.

530 |             Je reiner und heiliger die der Sünde entgegengesetzten Akte sind, desto mehr wird der beleidigten Gottheit gleichsam neue Sühne geboten; – im Herzen Jesu aber waren diese Akte in höchstmöglicher Vollkommenheit vor dem Vater tätig. – Und je mehr diese Sühne an Stelle Jesu geboten wird, ihn nochmals vertretend, desto höher ist der Wert der Leiden. –

531 |             Ich erlebe, innerlich in unbegreiflicher Ruhe, Jesu Sein in mir tätig, mich zutiefst in sein Inneres einführend. Es ist eine tiefe, kraftvolle Ruhe in mir. Jesus hat mich mit seinem „sein“ vollends in Besitz genommen und ich habe mein volles „ja“ gegeben zu seiner gnadenvollen Berufung.

532 |             Maria – der Mutter hab ich mein ganzes Innere mit allen Gnaden ihres göttlichen Sohnes übergeben. Ihr sei es geweiht und in ihr Mutterherz gelegt. – So wie Jesus als Kind ganz „ihr Eigentum“ war und sie als Mutter gleichsam Anspruch auf ihn hatte, so sei dieses „erneuerte Jesuleben“ in mir ihr nochmals übergeben.

 

Juli

10.07.1940

533 |             Die erste Woche nach der endgültigen Aufopferung an den Heiland (um sein Innenleben, bzw. seine innere Erlösertätigkeit in mich aufzunehmen) war ruhig, ohne besondere Leiden, wie eine klare, überzeugende Betätigung meines innersten Berufes, um die volle Bereitschaft in mir zu schaffen, mit entscheidender Hingabe einen „neuen Abschnitt“ meines Seelenlebens zu beschreiten. –

534 |             Am Montag (8. Juli), morgens bei der heiligen Messe, wurde ich von einer ruhigen, geistigen Kraft erfüllt und erfasst; sie führte mich über mich selbst hinaus, überstrahlte mich von „oben“ her und belebte mich gleichsam neu; alle meine Geisteskräfte wurden mit „hinauf genommen“; sie wurden mir wie weggenommen oder über mein gewöhnliches geistiges sein gestellt und mit jener allerhöchsten Kraft und mit jenem sein vereinigt. – Bei der heiligen Kommunion war eine wundersame Einheit zwischen diesem göttlichen und meinem armen geistigen sein. Eine bisher nicht erlebte Ruhe und Menschen- und Weltferne ließ mich das volle, göttliche, geistige sein JESU erfassen und verkosten. – Es wurde mir aber keine weitere innere Erklärung vom lieben Heiland gegeben, über den Zweck dieser in höchster Art erlebten Einheit mit ihm. –

535 |             Im höchsten Teil meines Seins blieb zwar diese wunderbare Einheit, aber im unteren Teil meiner Seele wurde ich in den zwei folgenden Tagen in schwere geistige Leiden hineingezogen. Es galt ja noch „höher“ zukommen; es musste vollends irdischer oder menschlicher Palast weggeschafft oder zurückgelassen werden, denn an „dem Ort“, wo ich war, musste vollkommene Freiheit von sich selbst, auch im guten Sinne, herrschen. – Immer wieder strahlte die „mich von oben herab beherrschende Kraft“, das göttliche Sein, auf mein armes, leidendes und ringendes sein herab und wirkte wie ein verzehrendes, durchdringendes Feuer, um alles unter ihren Strahlen aufzulösen und zu vernichten. Doch in all diesen Leiden war Ruhe, ich möchte sagen, tödliche Ruhe, die die Seele in jeder eigenen Selbstbestätigung totmacht oder unfähig für jede persönliche Regung. – (Geistige Regung).

 

11.07.1940

536 |             Bei der heiligen Messe, und besonders nach der heiligen Kommunion, kehrte das volle „Erleben des göttlichen Seins des Heilandes“ in mir wieder. – Es war „er“, der mich lebte und mein armes, schwaches sein aufnahm, damit es fortan ein „sein“ bilde, wo Jesus sein erneuertes sein zur höchstmöglichen Entwicklung bringen wollte. – Ich war mit Jesus „auf den Berg seines Herzens“ gestiegen, welchen geistigen Aufstieg er mir schon vor so vielen Jahren angekündigt hatte („ich will dich führen auf den Berg meines Herzens, dort wirst du mein inneres sein, mein Innenleben, erleben“).

 

11.07.1940

537 |             O, welche Freiheit von mir selbst, von der eigenen, geistigen Gebundenheit! – Es war wahrlich wert, in so vielen Leiden und Beschwerden dieses inneren Aufstieges beharrlich zu bleiben! Wie weit entfernt von aller Welt, von allen Menschen, von aller Anhänglichkeit! Ich war „in Jesus oben“ in seinem höchsten sein. – Unter mir war bodenlose Fülle und Kraft, wie ein Wasser ohne Grund; oben herrschte unumschränkte Freiheit, immerwährendes Leben und volles Erleben, vollständiges „Eingetretensein“ in eine göttliche, unermessliche Weite, ohne Grenze, eine Weite, die immer offen ist in Fülle.

538 |             Und Jesus und sein Sein war diese über Himmel und Erde erfasste Höhe. Ich erfasste in diesem göttlichen sein: Hier wolle er mich ein neues Gebet lehren, das Beten zu seinem Vater, sein Gebet wiederholend; hier werde ich sein inneres Erlöserleben und Erlöserleiden erfahren; hier könne keine menschliche Täuschung sich einmischen, weil alles Eigene „unten gelassen sei“. Dieses höchste sein in dieser Art habe er noch keine Seele erleben lassen. –

539 |             Doch, wie ist alles so einfach! In meinem armen Geiste hat sich ein neuer Geist gebildet, der in der höchsten Betätigung nur Einfachheit und Einheit ist, in dessen Grenzen die immerwährende Ruhe und Fülle ist. – Diese „Ruhe“ ist aber immer tätig; und weil die Seele in den jahrelangen Übungen sich daran gewöhnt hat, sind die Wirkungen dieser „tätigen Ruhe“ für die Seele viel klarer als in den früheren Jahren des Innenlebens, wo der Heiland vielleicht viel lauter zur Seele sprach, wo seine Stimme noch viel eigene seelische Tätigkeit übertönen musste und wo seine fühlbare Gegenwart die Seele voll Trost und fühlbarer Freude machte; jetzt ist das innerste Erleben Jesu ohne Trost, aber zur erlebten Wirklichkeit geworden, die für die Seele nicht mehr überraschend, sondern wie selbstverständlich wirkt.

540 |             Dieses höchste sein in mir ist aber gleichsam noch „leer“; ich bin wie ein Buch ohne Blätter. Diese Leere wird aber nach und nach tätig werden, wie ein neues Wesen, das seiner Aufgabe zugeführt wird, dessen Fähigkeiten gleichsam im tiefsten Grunde der Betätigung harren.

 

12.07.1940

541 |             Dieses allerhöchste sein wird nun mein dauernder Seelenzustand bleiben. Ich kann diesen Zustand ertragen, ohne davon im unteren Teil meiner Seele mich bedrückt oder beschwert zu fühlen; es ist alles Harmonie in mir; der untere Teil folgt dem höheren. –

542 |             Bei der heiligen Kommunion war wieder „alles“ Geist in mir, das höchste Sein Jesu. Es wurde mir gezeigt: Dies ist das innerste Sein Jesu, das ich erlebe, das beständige Wesen und sein seines Herzens, das er mir schenke für immer wie zu meinem Sein und geistigen Leben. Jesus schenkte mir sein inneres sein, dass es nochmals wie zu einer sich wiederholenden Tätigkeit gelange, fruchtbar werde für die Seelen und für die Kirche, neue Erlösungsfrüchte bringe; in diesem seinem innersten sein lag sein göttliches Gebetsleben als Erlöser, lagen aber auch alle Erlöserleiden; dies bereitet „sich wie zu einer Wiederholung“.

543 |             Jesus verlangt von mir oder gibt mir festen Glauben an meine innere Aufgabe; Glauben, dass ich mein armes menschliches Wesen zurückgelassen habe, dass alle meine Kräfte seinem Sein dienen und dass ein neues, leidensfähiges, mit seinem göttlichen sein verbundenes Leben entstanden ist. –

544 |             Ich erlebte so klar Jesu innerstes Sein in seinem menschlichen Leben, die ständige Grundhaltung seines Herzens, die ich in mir besitze, und die neue Früchte bringen soll.

545 |             Ich konnte die Herz-Jesu-Litanei beten oder/und sah und begriff bei jeder Anrufung das Geheimnis des Herzens Jesu. Bei der Anrufung: „Herz Jesu, im Schoße der jungfräulichen … gebildet“[sic!] sah [ich] das göttliche Sein der zweiten göttlichen Person – ich erlebte und erfasste innerlich – wie es sich mit einem menschlichen sein in MARIA vereinigte und wie diese zwei EIN neues Leben in voller Harmonie und Einheit bildeten: Die Gottheit und die Menschheit begegnen sich und vereinigen und vollenden sich zu einem gottmenschlichen Leben, dessen tragende Kraft die göttliche Erlöserliebe ist, der sich bejahend die menschliche Liebes- und Opfer- und Leidensfähigkeit unterordnete.

546 |             Ich möchte mit der Reinheit und der Hingabefähigkeit Mariens dem Heiland alle meine Kräfte geben können, damit diese ihm dienen in jener Bereitwilligkeit, mit welcher der aus Maria genommene Erlöserleib sich dem göttlichen sein restlos zu Verfügung stellte!

 

13.07.1940

547 |             Nach der heiligen Kommunion lebte und war ich in voller Einheit und Harmonie im höchsten geistigen Sein Jesu; es war eine unbeschreibliche Ruhe, Klarheit und besondere Freiheit von sich selbst. Ein ruhiges sein, gänzlich über sich selbst und den eigenen menschlichen Niederungen stehend, lässt die vollkommene Freiheit eines erlösten Gotteskindes verkosten.

548 |             Ich sah Maria, auserwählt vor allen Geschöpfen, von der Sünde nie berührt und dadurch bereit und fähig, der gefallenen Menschheit den Erlöser zu geben, der der Menschheit damit die Erlösung brachte, wie am Eingangstor einer neuen Zeit. Ich war eins mit Maria. Eine andere Aufgabe erlebte ich in meinem geistigen Wissen: Ich soll dem Heiland Werkzeug sein, um ein neues geistiges Zeitalter zu eröffnen. – Eine vertiefte Auffassung der Erlösungslehre wolle er seiner Kirche als neue Quelle der Gnaden offenbaren. – Jesus habe mir all seine Erlösungsgnaden voll zugewendet und geschenkt und somit eine Vollerlösung in meiner Seele bewirkt.

549 |             Alle Seelen sollen trachten und streben, sich der vollen Früchte seiner Erlösung teilhaftig zu machen, d. h., innerlich sich freizumachen von den Folgen der Erbsünde, Kraft der Erlösungsgnaden, die auch diese Möglichkeit in sich schließen (gemeint sind die Fesseln und Wurzeln der Sünde, die Austilgung der Schäden der Menschenseele, die durch die erste Sünde entstanden sind, die Herstellung der geistigen Ordnung, die Gott von Anfang an wollte, die innere Harmonie der Seele mit Gott, die der Heiland als Erlöser zwischen Gottheit und Menschheit wieder möglich gemacht hat.)

550 |             Die inneren Erlösungsgnaden sah ich so reichlich und kraftvoll, dass sie, voll zugewendet, wie eine Entsündigung zu wirken imstande sind, und dies sah ich auch als den Zweck der Erlösung.

551 |             Dieses volle Aufnehmen der dieserart wirkenden Erlösungsgnaden sah ich im neuen Zeitalter der Kirche in erster Linie den Priestern vom Heiland angeboten.

552 |             Untertags sah ich innerlich: den Priestern, jedem als zweiter Christus, wolle der Heiland diese Gnaden geben. Der Priester soll als „Ersterlöster“ sich freimachen von den Folgen der erbsündlichen Unordnung und zu voller Harmonie und zur Einheit mit seinem Meister zu gelangen suchen. Infolge seiner hohen Berufung, in der er Christus zu vertreten habe, solle er sich wirklich als in der Notwendigkeit sich zuerst zu erlösen (= als zuerst zu Erlösender) betrachten.

553 |             Der liebe Heiland hat mir auch wiederholt versprechend gezeigt: er wolle diese Gnaden den Priestern „neu“ geben. Ich sah diese Gnaden zuerst niedergelegt in dem zu gründenden Priesterwerk. Ich sah voraus, wie manche Priester dieses Werkes diese Gnaden rascher wie in einer geistigen Umwälzung in ihrer Seele erhielten, andere sah ich diese Gnaden erringen in dem Geiste, der die geistige Grundlage der Genossenschaft bildet, nämlich im beständigen Mitopfern mit Jesus auf dem Altar. In dem sie diese Opfer Gesinnung Jesu sich in ihrem täglichen Priesterleben zu eigen machen, werden sie als Folge eine Umwandlung in die Gesinnung und in das Innere Sein Jesu erfahren. Alle Priester dieses Priesterwerkes sollen aber dieses Ziel, diese innere Entsündigung anstreben.

554 |             Ich sah alle meine Leiden (alle diesbezüglichen und auch alle anderen Leiden) gleich wie in neuen Gnaden für das Priesterwerk niedergelegt und aufgespeichert, dass Jesus diese mit seinen göttlichen Erlöserverdiensten nach Belieben verteile. Da stand in mir das Verlangen auf, möglichst viel leiden zu können, dass vermöge dieser Leiden das Werk geistig reich ausgestattet werde.

 

August

31.08.1940

555 |             Welche unbegreiflichen Wege der Gnade führt mich der liebe Heiland! Er will anstelle meines Seins ganz sein eigenes einst auf Erden gelebtes Leben aufbauen und alle meine Kräfte und Fähigkeiten für diesen Zweck in sich umgestalten. – Aber der Heiland hat mühsame Arbeit mit einem so unbeholfenen, armen Wesen. Mein oftmaliges inneres Versagen verzögert seine Absichten. Aber besonders auch die Unermesslichkeit und Tragweite seiner Gnaden machen mich oft ängstlich und hemmen das Fortschreiten seines Lebens in mir. –

556 |             Ich muss ganz blind werden für mich, blind mich leiten lassen von seinem führenden „sein“ in mir. Wenn ich auf mich sehe, auf mein armes Nichts, auf meine Unfähigkeit, könnte ich ihrer werden, aber wenn ich immer auf ihn sehe, auf den allmächtigen, dann wird der Abgrund überbrückt durch seine grenzenlose Liebe und Herablassung. –

557 |             Besonders in der letzten Zeit, wo ich eigentlich innerlich wieder einen neuen Läuterungsweg gehe, hat mir Jesus oft den Zweck und das Ziel seiner gnadenvollen Herablassung gezeigt: Jesus bereitet ein neues, geistiges Zeitalter in seiner Kirche vor; er wolle sich seiner Kirche in einer besonderen Art offenbaren, die den geistigen Schäden der heutigen Zeit entgegengesetzt und ihren Bedürfnissen angepasst wäre; sein innerstes Erlöserleben soll besonders anerkannt werden und als neue Gnadenquelle sich über seine Kirche „wie neu“ ergießen. Bisher habe man ihn in der Kirche mehr von „außen“ erkannt, jetzt wolle er die Schätze seines „inneren Seins“ wie einen neuen Strom über seine Kirche fließen lassen.

558 |             Auch die Art, in der Jesus mir jetzt seine Absichten erklärt, hat sich gegenüber der besonderen Führung früherer Jahre sehr geändert. – Früher „sprach“ er gleichsam in einem gnadenvollen, fühlbaren Vereinigtsein zu mir, geistig fühlbar, aber doch klarer und deutlicher als eines Menschen Mund es erklären könnte; mit seinem Worte fließt ja zugleich Licht und Verständnis und Durchdringen seiner Worte mit. – Seine Gegenwart in mir oder um mich oder von mir ließ jede eigene Verstandestätigkeit wie stillstehen und seine geistig gesprochenen Worte und Erleuchtungen in einem vollen „Verschenktsein in ihm“ entgegennehmen. Damals schien mir mein inneres Leben „außergewöhnlich“. Wenn ich das große Leben meines eigenen Unvermögens und meiner Nichtigkeit seiner Herablassung gegenüberstelle, war es mir ganz unerklärlich. –

559 |             In letzter Zeit „spricht“ Jesus nicht mehr zu mir wie früher. Sein Leben und sein Sein offenbaren sich mir mit den tiefsten Absichten seines Herzens. – Wie ein Gut, das man in sich trägt, still, verborgen, und dessen Wert und Fülle und Eigenheit man mit dem Besitz erfährt, so ist Jesus in mir. – In ihm erlebe ich die Fülle seiner Absichten, die Unermesslichkeit seiner Liebe zur Kirche, die er neu bereichern will mit den Schätzen seines Herzens. Und ich trage und erlebe dieses göttliche Gefäß, das daran ist, nochmals seine Liebe in einer besonderen Art seiner schwer bedrängten Kirche zu zeigen und zu schenken. Mit seinem Sein in mir erfahre ich die Wege meiner geistigen Umwandlung, um ihn vollends erfassen zu können und für die Fülle seines Lebens reif zu werden, damit mein menschliches Sein kein Hindernis mehr sei für seine Absichten.

560 |             Es wurde mir dieses Sein Wirken in einem Vergleich deutlich gemacht: Die Erde, auf der wir leben, dreht und bewegt sich immer, und bringt dadurch Tag und Nacht hervor, obwohl wir Menschen von den eigentlichen Drehungen der Erde gar nichts wahrnehmen. Wir spüren und erfahren nur die Folgen und Wirkungen, die Veränderungen der Erde, und damit ist uns alles gegeben, was wir zum Leben brauchen. So ähnlich ist es in meinem Innenleben: Sein Leben bietet Kraft, Licht und Lebendigkeit, wenn es mir auch nach dem gewöhnlichen Erleben nur Ruhe, Stille, Selbstvernichtung, Lahmlegung jeder persönlichen Geistes- und Seelentätigkeit zu bedeuten scheint. – Jesus gleichsam die Erdkugel in mir, dreht und bewegt sich und macht tot jedes eigene Vermögen, um immer mehr an Ausdehnung zunehmen zu können; jeden Augenblick spendet die Fülle seines Seins in mir Leben zum Überströmen, so wie die Erde ihren Kindern in der Fruchtbarkeit ihrer Urbestimmung.

561 |             Und Jesus will zur Vollreife und Vollendung seines Lebens in mir gelangen. Verschiedene Male wurde mir dieses in folgender Weise erklärt: Mein höchstes Vorbild sei MARIA. – In ihr wurde das höchste Geheimnis Gottes verwirklicht; aus ihrem menschlichen Leben hat die zweite göttliche Person Ihr menschliches Leben genommen, den allerheiligsten Erlöserleib, damit Gottes Liebe sich sichtbar offenbaren konnte. Aus des Erlösers Leben ward der Welt Erlösung, das versprochene Heil, die Erfüllung aller Hoffnung für die Zeit und Ewigkeit. Die Sünde der ersten Menschen hatte einen Abgrund aufgerissen zwischen Gott und der Menschheit, den die Liebe des göttlichen Erlösers wieder überbrückt hat. In ihm waren den Menschen alle Gnaden gegeben, die eine Neuordnung der Fähigkeiten der Menschenseele nach ihrer Urbestimmung möglich machen sollten. Die Verdienste des Erlösers und die Annahme und Verwertung der Erlösungsgnaden brachte der Seele wieder die verlorene Teilnahme an Gott, die er in seiner unbegreiflichen Liebe dem Menschen zugedacht hatte. Die Freigebigkeit Gottes, bzw. des Erlösers wollte mit dem Bemühen, der Aufnahmefähigkeit, dem Willen des Menschen zusammenwirken, dass dieses Zusammenarbeiten in der einzelnen Seele, wie eine in ihr hervorgebrachte Erlösung, Frucht bringe. – Gewiss wollte Jesus durch sein Erlöserleben und -leiden die gesamte Erlösung der Menschen bewirken, aber er will ebenso seine Erlösergnaden in der Einzelseele betätigt sehen. Seine Erlösergnaden haben ja in sich die über volle Kraft aus der gefallenen sündlichen Unordnung eine wirklich „erlöste“ Seele zu gestalten, deren Grade und Maße41 von den zugeteilten Erlösungsgnaden und von der Aufnahmebetätigung der Einzelseele abhängen. –

562 |             Der Grundgedanke aller in letzter Zeit vom Heiland erhaltenen Erkenntnisse ist also: Die Erlösungsgnaden haben in sich die umgestaltende Kraft, um in der aller sündlichen Unordnung unterworfenen Menschenseele eine Neuordnung aller geistigen und seelischen Fähigkeiten hervorzubringen, und zwar bis zur sittlichen Vollkommenheit des Zustandes, in dem die Menschenseele in ihrer Urbestimmung von Gott geschaffen wurde. –

563 |             Damit ist aber nicht gemeint, dass der Zustand der gefallenen Menschennatur gänzlich ausgelöscht oder nicht mehr vorhanden sei; die gefallene Menschennatur bleibt vielmehr immer vorhanden, aber durch die Zuwendung der Erlösungsfrüchte ist die Gnadenkraft vorhanden, um die betreffenden Schäden in entgegengesetzte gute Akte zu verwandeln, eine Umwandlung des gefallenen Menschen in einen voll erlösten, durch die Erlösung umgestalteten Menschen zu vollziehen. – Es wurde mir dies mit folgendem Vergleich erklärt: In dem Samenkorn eines großen Baumes ist schon die Möglichkeit für das Wachstum, das Hervorbringen dieses Baumes gegeben; die Entwicklung hängt aber ab von dem Erdreich, in das das Samenkorn gelegt wird, von den Klimaverhältnissen und Gezeiten. So hat Jesus in seinem Erlöserleben den fruchtbaren Grund und die Möglichkeit gegeben zur vollen Umgestaltung der gefallenen Menschenseele; er hat als Erlöser nach dem Willen seines himmlischen Vaters Vollarbeit geleistet. – Es liegt aber in Gottes bzw. Jesu Absichten, die erworbenen Gnaden mehr oder weniger vollwertig und vollkommen den Seelen zuzuwenden und an sie auszuteilen.

564 |             Ich sehe mit der Erlösung gegeben eine Entwicklung und Entfaltung in der Zuteilung der keimhaft vorhandenen Erlösungskräfte, die kraft ihres göttlichen Wertes unerschöpflich in ihrer Wirkmöglichkeit sind. So sehen wir, die Jahrhunderte herauf, in wundervoller Entwicklung eine fortschreitende Bereicherung und Gestaltung der Kirche, entsprechend den Zeitbedürfnissen und Zeitverhältnissen. –

565 |              Schon in den ersten Jahren meiner besonderen Gnadenführung wurden mir alle noch für mich bereitgehaltenen Gnaden gezeigt, entsprechend dem Zweck und Ziel der besonderen Absichten Jesu. Diese haben ihr Endziel in einer Erneuerung seiner Kirche, bedingt durch eine Erneuerung der Priester.

566 |             „Neue Gnaden“ wolle der Heiland seinen Priestern geben, die weiterströmen werden als Erneuerung der heiligen Kirche.

567 |             Die Tragweite dieser Absichten Jesu, die ich in früheren Jahren nicht verstanden und begriffen habe, zeigt er mir in letzter Zeit immer näher und klarer. Zuerst solle ich jene Gnaden selbst erfahren, in ihr Wesen umgestaltet werden und dadurch Kraft dieser gleichsam „erworbenen und vom Heiland gegebenen neuen Gnaden“ das Opfer für seine Absichten werden. Dies soll zum Beweis der Übernatürlichkeit meines Seelenlebens werden. – Wie Maria soll ich mich dem Heiland gleichsam leihen, hingeben, dass er sich wie in einem „neuen, anderen menschlichen Leben“ in mystischer Weise wie „wiederholen“ könne in einer ähnlich erlebten und erlittenen inneren Wiederholung seiner inneren Erlösungsleiden. – Durch dieses, sein wiederholtes inneres Leiden und Leben wolle er diese Gnaden begründet zeigen. –

568 |             Ich bin mir innerlich wie tot; jede Seelentätigkeit ist mir wie weggenommen; eine unbeschreibliche Leere gibt dem doch immer gegebenen Sein Jesu voll geistiger Fülle Raum. „Jesus annehmen, aufnehmen, erleben und erleiden als Begründung seiner besonderen Absichten!“, das wird mir als Ziel der inneren Führung gezeigt. – Seine Gerechtigkeit verlangt Entschädigung, die zugleich Beweis und Offenbarung seines inneren Erlöserlebens sein wird. –

569 |             In den letzten Wochen war ich immer im Zustand seines völligen Ausschaltens meiner selbst; ich kann nicht „beten“, bin mir selbst fern geworden. Es geht stufenweise: Nach dem Maße meines eigenen „Totseins“ wird das Leben Jesu wachsen, zur Fülle und zur Vollendung gelangen. –

570 |             Am Abend des 25. August 1926 hat mir Jesus seine Absichten mehr anschaulich und klar gemacht. Nach peinvoller innerer Verdemütigung, die wohl jeder besonderen Gnade vorausgeht, wurde ich in einen fortgeschrittenen Zustand des „Lebens“ Jesu in mir versetzt. – Ich erlebte den Heiland nicht nur geistig; er teilte sich mir auch in einer körperlich fühlbaren Art mit. Das innerste Sein Jesu in mir „sagte“ mir oder ließ mich wissen: „Ich will mit dir ein geheimnisvolles Brautfest feiern, ein Kreuzfest; ich will das Kreuz sein, woran du gekreuzigt wirst.“ – Jesus war unbegreiflich in mir lebend, auch körperlich fühlbar; sein göttliches, geistiges Leben durchströmte mich ganz in meinen Gliedern; es war eine geheimnisvolle wonnige Glut, die mich durchlebte. Ich fühlte seine Wunden in einem geistigen Erfassen seines erlebten Seins in mir. So habe ich Jesus noch nie erlebt, obwohl es mir vor vielen Jahren als das Ziel meines Innenlebens erklärt wurde. – Ich war in einem geheimnisvollen, nicht zu erklärenden Zustand der geistigen Fülle in ihm, durchglüht von ihm, oder er war in mir Leben, das mein Leben ist. – Ich gab dem Heiland mein Alles, das ihm ein neues sein bieten soll. Da war alles wonniges Sein an ihm, aber ich verstand, dass es ganz in ein leidendes sein übergehen wird, weil eben die Leiden, seine Leiden, der Beweis für ihn sein werden. – Dieser Zustand dauerte, mehr oder weniger spürbar erlebt, bis zum nächsten Tag mittags. –

571 |             Am 23. August hatte der liebe Heiland von mir verlangt, ich solle mit ihm in die Einsamkeit der Exerzitien gehen, in denen er Führer sei. Aber dieser Führer „spricht nichts“. Er „tut“ nur in mir Verschiedenes: Er nimmt mich mir immer noch mehr weg, um seinem Leben noch mehr Raum und Ausbreitungsmöglichkeit zu geben. Ich bin nicht die „Zuhörerin“, sondern die Seele, die alles geschehen lässt. – Jesus arbeitet ständig in mir und ich verstehe seine Arbeit und Tätigkeit ohne Worte. Ich brauche überhaupt „nichts zu tun“, oder darf nichts tun, weil dies seiner Arbeit hinderlich wäre, weil er eben alles sein will in mir. –

572 |             „Leiden“ kann ich diesen Zustand nicht gerade nennen, obwohl in früheren Zeiten solche inneren Läuterungsperioden große seelische Leiden waren. Es ist eben merkwürdig, dass ich jetzt an nichts mehr leide, wo ich früher in ähnlichen seelischen Stadien so arg gelitten habe. – Alles ist jetzt Geist, eine geistvolle Ruhe durchlebt mich ständig, doch kommt mir alles wie gewöhnlich und nichts Außerordentliches vor.

573 |             Vor kurzem (3. September) „sagte“ mir Jesus – ich habe keinen anderen Ausdruck für das fühlbare Mitteilen Jesu oder für das Innewerden seiner Absichten in mir: Ich will dir besondere, große innere Gnaden geben als Beweis für meine äußeren Absichten, damit du mit Vertrauen den Weg gehst und damit du glaubst, dass es von „mir“ ist, was ich dir bezüglich meiner äußeren Absichten „sage“. – Die inneren Gnaden sollen dir der Beweis für meinen Auftrag hinsichtlich des Priesterwerkes sein. – Er zeigte mir wiederholt, dass es „weitergehe“. Er würde den Weg weisen. Die Größe seiner inneren Gnaden gebe mir Mut und Kraft und Zuversicht.

574 |             Dann war ich in letzter Zeit sehr im Leiden, die sich immer auf kommende Gnaden beziehen. Eine geistige „Langeweile“ quälte mich wegen der geistigen Untätigkeit und Leere, in die ich versenkt war. Ich konnte nicht beten; bei der heiligen Messe und Kommunion ist mir jede Betätigung genommen. Ich bin wie „nicht mehr zu Hause“ bei mir, bin mir selber fremd, wie jemand, den man aus seinem eigenen Hause gewiesen hat. Dazu kommt noch die scheinbare Erfolglosigkeit aller bisherigen Opfer und Leiden. Ich komme mir vor, wie jemand der „umsonst auf der Welt“ ist infolge seiner Nichtigkeit und Unbrauchbarkeit. Ich irre seelisch umher, bin aber ein friedlich Verstoßener, weil er eben nichts sein Eigen nennt oder weil er seine Güter einem Höherem übergeben hat, der alles gut verwertet. Darum muss ich meine Leere und Nichtigkeit lieben, denn diese dient einem höheren Zweck, der darauf aufgebaut ist. –

575 |             Trotzdem bin ich heiter und zufrieden; ich will ja nichts für mich. Jesus „nimmt“ das Meine, und gebraucht es als das seine, und dieses innere, immer tiefere „Wegnehmen“ erzeugt eine Art Leiden in mir. Aber es sind friedliche Leiden, die einmal einen Schatz bilden werden für die Kirche als „neue Gnaden“. –

 

September

14.09.1940

Fest Kreuzerhöhung

576 |             Ich war in S. Cruce. Unterwegs kam es zu einer geistigen Scheidung in meiner Seele: Sein Leben überwand das Meinige und wuchs empor, stark, unabhängig, ein neues Sein, das sich in voller Selbstständigkeit entwickelte. –

577 |             Bei der heiligen Messe war Jesus in mir derjenige, der sich am Altar opferte und mich mit sich nahm. Er ließ mich erleben: Sein Leben in mir ist und wird sein das Zeichen einer neuen Zeit in seiner Kirche. Ich bin ja nicht mehr; er will in mir dieses Zeichen werden. Mich gebraucht er nur, (wie er das Holz brauchte, als Kreuz, woran er gekreuzigt wurde), weil er eben für seine Absichten nochmals eine leidensfähige Natur braucht, wie einst jene die er aus Maria annahm. Meine Kräfte sollen ihm Mittel und Möglichkeit bieten. –

578 |             Er ist ganz ER in mir. Er nimmt alles in Besitz wie sein eigenes. Er herrscht in seinem „eigenen Hause“. Ich bin ruhig und stelle ihm alles zur Verfügung. Nach der heiligen Kommunion ist Jesus eben Jesus in mir, an meiner Stelle. – Er nimmt mich zu seinem Sein und ist gleichsam erneut wie in seinem Erdenleben, als er in einem menschlichen sein wohnte.

579 |             So klar ist sein Sein in mir. Da ist nichts Gefühltes; er ist wirklich an die Stelle meines armen Seins getreten! Ich trete ganz zurück. Ich will ja nichts für mich, sondern nur, dass Jesus zur Fülle und Vollendung komme.

580 |             Wie einfach ist dies! Vor Jahren waren wir zu zweien; heute ist nur eines: „JESUS“. – Jesus ist das Gebet in mir, das wirkliche, lebendige Gebet vor seinem Vater; schon sein Sein genügt vor dem Vater, bringt ihm unendliche Ehre und Verherrlichung durch die Herablassung seines Sohnes, der mystisch „nochmals geworden“ ist. – Der Vater stimmt eben zu und ist höchst befriedigt über die Absichten seines Sohnes. –

581 |             Jesus will nicht, dass ich persönlich irgendetwas bete; er ist das lebendige Gebet in mir. Sein gleichsam wiederholendes Leben ist ständig Gebet, Hingabe und Sühne, da sein Sein alles Gute einschließt und enthält. Jede persönliche Selbstbetätigung soll nicht in Form des Gebetes sein, sondern ihn zur Vollendung gelangen lassen, alles ihm zur Verfügung stellen, dem inneren Gnadenzuge folgend ganz zurücktreten, damit sein lebendiges sein wie eine neue Gnade für die Welt erstehen kann. „Beten“ wird er dann in einem neuen, anderen Leben. –

582 |             Jesus lehrt mich oder ich lebe dann sein Gebet vor dem Vater, seine ständige freiwillige Abhängigkeit, seine Hingabe. Ich leihe mich ihm ja zum neuen Sein; deshalb erlebe ich alles, wie wenn ich Jesus wäre, was er mit mir vorhat und ich bin Jesus, weil aus zweien nur eines wurde. Gewiss wird bis dahin noch manche Stufe der geistigen Entwicklung folgen, aber ich erlebe heute im Voraus das Ziel.

583 |             Jetzt muss ich so zufrieden sein, bis Jesus in mir „lebendig“ und tätig wird. Ich sehe „Maria, als sie das Kindlein in sich trug, hat es ihr in diesem sein genügt“; so soll auch mir sein Leben genügen, mit allem, was es in sich ist und mir bietet. Ich kenne und erlebe, was dieses Leben in sich ist: Ein Zeichen, dem man widerspricht, das sich verzehrte in einem geheimnisvollen Dasein bis zur vollen Hinopferung am Kreuze. Dieses geheimnisvolle Leben mit seinen innersten verborgenen Geheimnissen will sich offenbaren, eröffnen, zeigen. Die Apostel glaubten an sein göttliches Sein, weil sie ihn kannten. Der Heiland will sich so seiner Kirche „zu erkennen geben“, damit sie diesen ihren Bräutigam mit neuer Liebe ihren Gliedern zeige.

584 |             Ich darf also nicht „beten“, bis er mich das Gebet zum Vater lehrt, sein Gebet in seinem anderen sein. Ich weiß, wie ich mich innerlich verhalten muss, aber wie könnte ich ein Wort finden, um es zu erklären? Dies Verhältnis zwischen uns (in uns) ist zu „geistig“ und darum nicht in Worten wiederzugeben, aber es ist so klar und wirklich. Unser sein, das Jesus-Sein, ist Friede, Harmonie, so wie einstens auch sein menschliches Leben, sein Leib und seine göttliche Seele. –

585 |             Es bleibt aber eine kleine Sorge in mir: Jetzt kann ich nicht mehr zum Mütterchen beten. Mit diesem Kummer ging ich zu ihr und klagte es ihr. Aber die Mutter wusste einen guten Rat: In der Zeit, wo ich sonst die Lauretanische Litanei betete (dreimal täglich), soll ich ganz besonders in der Gesinnung sein, in der sie Jesus in sich getragen, erlebt und sich ihm gegeben hat für das menschliche Sein. – Ich nehme dann ihre Liebe und Hingabe in mich auf und diese sei die fruchtbarste und wohlgefälligste für den Heiland. „ihm nochmals Mutter sein“, geistig mit der Gesinnung der leiblichen Mutter: Wann könnte man genügend eindringen in das heiligste Verhältnis, das infolge seiner höchsten Heiligkeit und Bestimmung immer Geheimnis bleiben wird. Maria will mich doch ein klein wenig einweihen in dieses Geheimnis, weil dies ihrem göttlichen Sohne Ehre macht; sie will sich mir „leihen“, mir ihre Gesinnung einflößen, weil sie damit sozusagen dem Heiland ihre mütterlich reine Liebe nochmals darbringen kann. – Wie gut kann ich Mütterchen verstehen! Wie bin ich so eins mit ihr! Wie gerne möchte sie sich dem Heiland gleichsam nochmals darbringen, mit allem, was sie ihm einst bieten konnte! – Darum will ich „alles“ von ihr nehmen, um es Jesus als „ganz das Ihrige“ nochmals zu geben. –

586 |             „Es sei eine große Gnade“, die ich heute vom Heiland erhalten habe; so lässt er mich wissen. Er sagt nichts, aber ich erlebe diesen Fortschritt in mir. – Wir sind wie zwei schweigsame Wanderer, es herrscht zwischen uns das tiefste, geheimnisvolle Verstehen; er ist der Führer; er nimmt den anderen, meine Seele mit bis zu den höchsten Bergesgipfeln. – So tut Jesus in mir; er „nimmt mich mit“ in sich hinein, hinein in sein Innerstes, wo nur „eines“ bleibt, im vollen Erleben des Anderen und des Aufgenommen-Werdens und Aufgenommen-Seins in das Innerste seines Herzens.

 

15.09.1940

Fest der sieben Schmerzen Mariens

587 |             „Dem Heiland mystisch Mutter sein“, so wurde mir gestern in S. Cruce vor dem Bild der Schmerzensmutter mein innerer Beruf erklärt. Aber ich wagte gestern nicht, dieses innere Erleben niederzuschreiben. Es schien mir wie eine Anmaßung; noch nie wurde mir meine Aufgabe in dieser Form erklärt. Heute hat der Heiland dieses „Erleben“ wiederholt. Ich bin durch seine Gnade hineingezogen in den Glauben an dieses Geheimnisvolle. Was mir gestern unerklärlich schien, ist heute klar, ja eine Erleichterung, denn MARIA wird ihr Kind nie irregehen lassen und an ihre Seite und mit ihrer Gesinnung und Liebe verliert der böse Feind mit seinen Täuschungen die Kraft. –

588 |             Der liebe Heiland vertraute sich ganz Maria an. Sie gab ihm wirklich von ihrem Leben zu seinem leiblichen Leben, aber sie trennte sich nicht von diesem lebendigen sein, als sie es nicht mehr in sich trug. Sie lebte und litt es vielmehr weiter in geheimnisvoller Einheit bis zum leiblichen Tode dieses von ihr „gegebenen Lebens“. Damit wurde ihr diese Gnade der Auserwählung zum größten Schmerz, den je eine „Lebensspenderin“, eine Mutter getragen hat. Im Himmel besitzt sie das Leben Jesu von innen heraus als ihren besonderen Lohn und „lebt“ ständig wie in „seinem verklärten sein“ zum Unterschied von den anderen Heiligen, die Jesus „von außen“ besitzen, je nach dem gradeweisen Eindringen in die innerste Gesinnung Jesu. –

589 |             Im tiefsten geistigen Erkennen durchschaute ich dieses Geheimnis. Ich sah die Ähnlichkeit meines geistigen Berufes, meine innigste Einheit mit Maria; ich ging gleichsam auf in ihr und wir flossen zusammen in EINER Hingabe an Jesus, in einer geistigen, mystischen Lebensbereitschaft und Lebensbereitung für ihn. –

590 |             Seit der gestrigen großen Gnade bin ich wie in ein zweites wirkliches Leben Jesu eingetreten. Ich bin mit Jesus auf einer vom Meere umgebenen Insel; niemand kann zu mir herüber, ich kann auch nicht zurück, bin allein „er-ich“ in einem sein, das alles in sich hat und nichts zu empfangen braucht, weil es in sich alle Lebens- und Gnadenfülle trägt. –

591 |             Alles aber ist so einfach und ruhig, als wäre es nicht, und doch wieder so klar und bestimmt, voll Kraft und lebendiger Sicherheit. Jesus hat mir gestern die Möglichkeit des persönlichen Gebetes genommen, aber als Ersatz sich selbst, die Fülle lebendigen Gebetes geschenkt, zugleich damit auch das Wissen und die Anleitung, alle Bedürfnisse zu Gebetsaffekten in mystisches sein und Hingabe zu verwandeln. –

592 |             Es ist jedoch anstelle meines persönlichen Gebetes nicht leere Nichtstuerei getreten, wie ich es in der letzten inneren Prüfungszeit als Vorbereitung durchlitten habe, sondern ich bin jetzt in ein anderes gleichsam aktuelles sein mit Jesus eingetreten, wo immer tätiges, erlebtes Leben mit ihm herrscht. – Ich bin in einem außergewöhnlichen, wirklichen Leben an Jesu Stelle, wo dieses Leben alles ersetzt. – Jesus hat mir aber versprochen, er werde mich an Stelle meines persönlichen Gebetes ein anderes lehren, „sein Gebet“, das Beten zu seinem Vater.

593 |             Ich war dann nochmals bei der heiligen Messe. Dabei empfing ich die Anleitung, die heilige Messe, mit ihm zu erleben.

594 |             Vom Anfang bis zur Opferung die Gesinnung, Lebenshingabe und Lebensbereitschaft Mariens annehmen, ihr ganzes Sichbereitstellen für die göttliche Seele Jesu, um ihm einen lebens- und leidensfähigen Leib zu bieten. –

595 |             Mit dieser ihrer, mir gleichsam geliehenen und geschenkten, inneren Verfassung bei der Opferung eingehen in das Opfersein mit Jesus, das er mir gleichsam erneut gibt und ich in ihm empfange. Ich erhalte Jesu innerstes, geistiges sein; Jesus nimmt mein leidensfähiges sein in Besitz, damit das Opfer Jesu am Kreuz sich wie nochmals leiblich in einer mystischen und wieder wirklichen gelebten Opferung wiederholt, auf dem Altar vollziehe …

596 |             Bei der heiligen Wandlung stellt sich mir Jesus in mir, ähnlich wie einst auf Erden, als jetzt sich wiederholendes, leidensfähiges Opfer seinem Vater dar. Jesus kann gleichsam wieder „leiden, opfern, geopfert werden“ in einem lebens- und leidensfähigen sein, mit dem er sich nach seinen geheimnisvollen Absichten in dieser Art verbunden und vermählt hat. Der ewige Vater ist einverstanden mit dieser erneuten Opferbereitschaft und ähnlich erneuerten Opferwirksamkeit. –

597 |             Ich sehe im kommenden Zeitalter der heiligen Kirche dieses tiefste Eindringen und wirkliche Beteiligtsein am Opfersein Christi auf dem Altar vor dem ewigen Vater, den tiefsten Kern und Mittelpunkt des religiösen Lebens und eine neue Gnadenquelle, das Gegen- und Heilmittel gegen die Selbstsucht der Zeit, ein aufleuchtendes Zeichen und eine charakteristische Eigenheit der kommenden Zeit der Kirche.