Der Priester als Mensch und Mann Gottes. Darüber hält Pfarrer Winfried Abel, seit einiger Zeit Spiritual im Priesterseminar Leopoldinum Heiligenkreuz, eine Katechese (Teil 1 von 2). Spiritual Abel stellt uns eine besondere, außerordentliche Stellenausschreibung vor. Hier als Text:

Stellen sie sich vor: In einer Tageszeitung stünde eine Stellenausschreibung für einen Beruf, der etwa folgendermaßen umschrieben wird:
Gesucht wird ein Mann, der bereit ist, sich mit der niedrigsten Stellung zufrieden zu geben, mit dem letzten Platz. Gesucht wird ein Mann, der den Mut hat, den Tod zu riskieren und sich vor den Menschen in der Öffentlichkeit lächerlich zu machen; ein Mann, der die Rolle eines Deppen oder eines verachteten Außenseiters als die Rolle seines Lebens akzeptiert; ein Mann, der nicht stark und vermögend ist – also kein Leistungsmensch oder Manager – sondern schwach und mittellos; ein Mann, der sich von anderen gerne übersehen und an den Rand drängen lässt; der bereit ist, auch dann noch zu arbeiten, wenn er nichts zu essen bekommt, der gerne hungrig und durstig durch die Welt geht; der nicht Wert legt auf gute Kleidung, sondern wenn nötig auch wie ein Penner in Lumpen geht; der zu seiner Überzeugung steht und der sich dafür verprügeln und zusammenschlagen lässt; der auf eine komfortable Dienstwohnung verzichtet und wohnsitzlos von Ort zu Ort zieht; der sich rund um die Uhr abrackert, ohne Absicht, einen Acht-Stunden-Tag zu verfolgen; einer, der keinen Erfolg sieht und trotzdem zufrieden ist – auch mit der Frustration; der sich beschimpfen und verschmähen und verfolgen lässt und der bereit ist, in den Augen der Menschen der letzte Dreck zu sein. Interessenten melden sich bitte unter der Nummer 8703177 bei Pater Karl Wallner in Heiligenkreuz.
Ich wäre einmal gespannt, wer würde sich auf eine solche Anzeige melden.
Was ich Ihnen eben vorgetragen habe, ist nichts anderes als eine moderne Übersetzung des Textes aus dem Ersten Korintherbrief, wo der heilige Paulus schreibt: „Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel an den letzten Platz gestellt wie Todgeweihte. Denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen. Wir stehen als Tore da um Christi willen. Ihr dagegen seid kluge Leute in Christus. Wir sind schwach – ihr seid stark. Ihr seid angesehen – wir sind verachtet. Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, gehen in Lumpen umher, werden mit Fäusten geschlagen und werden beschimpft – aber wir segnen. Wir plagen uns ab mit unserer eigenen Hände Arbeit. Wir werden verfolgt – und halten stand. Wir werden geschmäht – und trösten. Wir sind sozusagen der Abschaum der Welt geworden. Verstoßen von allen bis heute.“
Das klingt doch sehr merkwürdig. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass dieser Text jemanden motivieren würde, Priester werden zu wollen. Irgendetwas fehlt hier. Man spricht von einem sogenannten missing link. Was ist dieses missing link? Was fehlt? – Die wichtigste Prämisse, die heißen müsste:
„Gesucht wird ein Mensch, dessen Herz so brennt von Liebe, der so für Christus begeistert ist, dass er all diese Dinge auf sich nehmen würde, denn die Liebe kennt keine Grenzen und überwindet alle Schwierigkeiten!“
Und wenn der Herr jemanden in seine Nachfolge ruft, dann liegt im Ruf immer auch zugleich die Fähigkeit, das zu tun, was er uns aufträgt. Ich habe einmal den wunderschönen Satz gehört:
„Gott beruft nicht die Qualifizierten, sondern er qualifiziert die Berufenen.“
Das heißt, wir müssen nicht besonders schlau sein, wir müssen nicht einen bestimmten Intelligenzquotienten haben. Entscheidend ist, dass der Herr selbst der Rufende ist; dass er es ist, der uns den Auftrag gibt.

Warum entscheidet sich überhaupt jemand dazu, Priester zu werden?
"Gott beruft nicht die Qualifizierten,
sondern er qualifiziert die Berufenen. ...
Priester zu sein ist eine ganz spannende Aufgabe.
ER ist es, der uns die Fähigkeit gibt, weil ER uns beruft."
(Pfarrer Abel)

"Die Berufung des Priesters ist daher eine sehr hohe Berufung,
die auch für jene, die sie empfangen haben,
ein großes Geheimnis bleibt.
Unsere Grenzen und unsere Schwächen
müssen uns dazu veranlassen,
mit tiefem Glauben dieses kostbare Geschenk zu leben und zu hüten,
mit dem Christus uns sich gleichgestaltet hat,
indem er uns an seiner heilbringenden Sendung teilhaben lässt"
(Benedikt XVI.)