Kleruskongregation

7. Juni 2013

Liebe Mitbrüder im Priesteramt, liebe Freunde!
Aus Anlass des kommenden Hochfestes des heiligsten Herzens Jesu am 7. Juni 2013, an dem wir den Weltgebetstag zur Heiligung der Priester begehen, grüße ich jeden einzelnen von Euch sehr herzlich und danke dem Herrn für das unsagbare Geschenk des Priestertums und für die Treue zur Liebe Christi.

Quelle: clerus.org

Wenn auch die Einladung des Herrn, »in seiner Liebe zu bleiben« (cfr. Joh 15,9) allen Getauften gilt, so erklingt sie doch am Fest des heiligsten Herzens Jesu mit neuer Kraft in uns Priestern. So hat uns der Heilige Vater bei der Eröffnung des Priesterjahres mit den Worten des heiligen Pfarrers von Ars daran erinnert, dass »das Priestertum ... die Liebe des Herzens Jesu« ist (cfr. Predigt in der Zweiten Vesper am Hochfest des heiligsten Herzens Jesu, 19. Juni 2009). Aus diesem Herzen – und das dürfen wir niemals vergessen – ist das Geschenk des priesterlichen Amtes entsprungen.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Tatsache, in »seiner Liebe zu bleiben«, uns kraftvoll zur Heiligkeit antreibt. Zu einer Heiligkeit – das wissen wir sehr gut –, die nicht in außerordentlichen Taten besteht, sondern darin, Christus zu erlauben, in uns zu handeln und seine Haltungen, Gedanken, Verhaltensweisen zu den unseren zu machen. Die Karatmessung der Heiligkeit ist gegeben von der Gestalt, die Christus in uns annimmt, davon wie sehr wir in der Kraft des Heiligen Geistes unser ganzes Leben nach ihm gestalten.
Wir Priester sind geweiht und ausgesandt worden, um die Heilssendung des menschgewordenen Gottessohnes zu vergegenwärtigen. Unsere Funktion ist für die Kirche und die Welt unerlässlich und erfordert von uns vollkommene Treue zu Christus und unaufhörliche Vereinigung mit ihm. So sind wir in demütigem Dienst Führer, die die unserem Dienst anvertrauten Gläubigen zur Heiligkeit führen. So wird in unserem Leben der Wunsch Jesus abgebildet, den er selbst im Hohepriesterlichen Gebet nach der Einsetzung der Eucharistie zum Ausdruck gebracht hat: »Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. (...) Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. (...) Heilige sie in der Wahrheit; (...) ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind« (Joh 17,9.15.17.19).

Im Jahr des Glaubens
Diese Gedanken nehmen im Zusammenhang mit dem von Papst Benedikt XVI. durch das Motu proprio Porta Fidei (11. Oktober 2011) ausgerufenen Jahr des Glaubens eine besondere Bedeutung an. Es hat am 11. Oktober 2012 begonnen, dem 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, und wird am Hochfest Christkönig am kommenden 24. November enden. Die Kirche muss mit ihren Hirten auf dem Weg sein, um die Menschen aus der „Wüste“ hinauszuführen, hin zur Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes, der das Leben für die Welt ist (cfr. Joh 6,33).
Unter diesem Blickwinkel richtet die Kongregation für den Klerus diesen Brief an alle Priester der Welt, um jedem zu helfen, den Einsatz zu verstärken, dieses Ereignis der Gnade zu leben. Dabei sind wir in besonderer Weise gerufen, Protagonisten zu sein und uns mit Eifer für eine Wiederentdeckung des Glaubens in seiner Ganzheit und Faszination einzusetzen, angeregt von der Überlegung, dass die Neuevangelisierung gerade auf die genuine Weitergabe des christlichen Glaubens ausgerichtet ist.
Im Apostolischen Schreiben Porta Fidei bringt der Papst die Empfindungen der Priester nicht weniger Länder zum Ausdruck: »Während es in der Vergangenheit möglich war, ein einheitliches kulturelles Gewebe zu erkennen, das in seinem Verweis auf die Glaubensinhalte und die von ihnen inspirierten Werte weithin angenommen wurde, scheint es heute in großen Teilen der Gesellschaft aufgrund einer tiefen Glaubenskrise, die viele Menschen befallen hat, nicht mehr so zu sein« (Nr. 2).
Die Feier des Jahres des Glaubens stellt sich als eine Gelegenheit für die Neuevangelisierung dar, als Anlass, die Versuchung zur Entmutigung zu überwinden, um unsere Kräfte unter der Leitung des heutigen Nachfolgers Petri immer mehr einzusetzen. Glauben zu haben bedeutet vor allem, sicher zu sein, dass Christus, der in seinem Fleisch den Tod besiegt hat, für die, die an Ihn glauben, die Möglichkeit eröffnet hat, diese seine Bestimmung zur Herrlichkeit zu teilen und die Sehnsucht nach einem vollkommenen Leben und vollkommener, ewiger Freude zu stillen, die im Herzen jedes Menschen wohnt. Deshalb gilt: »Die Auferstehung Christi ist unsere größte Gewissheit; sie ist der kostbarste Schatz! Wie sollten wir diese Gewissheit, diesen Schatz nicht mit den anderen teilen? Sie ist nicht nur für uns da, sie ist da, um weitergegeben zu werden, um sie den anderen zu schenken, um sie mit den anderen zu teilen. Gerade das ist unser Zeugnis« (PAPST FRANZISKUS, Generalaudienz, 3. April 2013).
Wir müssen uns als Priester darauf vorbereiten, die Gläubigen zu einem reiferen Glauben zu führen. Wir spüren, dass wir selbst die Ersten sind, die ihr Herz mehr öffnen müssen. Erinnern wir uns an die Worte des Meisters am letzten Tag des Laubhüttenfestes in Jerusalem : »Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war« (Joh 7,37-39). Auch aus dem Priester, alter Christus, können Ströme von lebendigem Wasser fließen, in dem Maße, wie er die Worte Christi gläubig trinkt und sich dem Wirken des Heiligen Geistes öffnet. Von seiner „Öffnung“, Zeichen und Mittel der göttlichen Gnade zu sein, hängt letztlich nicht nur die Heiligung des ihm anvertrauten Volkes ab, sondern sie ist auch der Stolz seiner Identität: »Der Priester, der wenig aus sich herausgeht, der wenig salbt – ich sage nicht „gar nicht“, denn, Gott sei Dank, entreißen die Leute uns die Salbung – kommt um das Beste unseres Volkes, um das, was das Innerste seines Priesterherzens zu aktivieren vermag. Wer nicht aus sich herausgeht, wird, statt Mittler zu sein, allmählich ein Zwischenhändler, ein Verwalter. Wir kennen alle den Unterschied: Der Zwischenhändler und der Verwalter „haben bereits ihren Lohn“, und das sie ihre eigene Haut und ihr Herz nicht aufs Spiel setzen, empfangen sie keinen liebevollen Dank, der von Herzen kommt. Genau daher kommt die Unzufriedenheit einiger, die schließlich traurig, traurige Priester, und zu einer Art Antiquitäten- oder Neuheitensammler werden, anstatt Hirten mit dem „Geruch der Schafe“ zu sein – das erbitte ich von euch: Seid Hirten mit dem „Geruch der Schafe“, dass man ihn riecht –, Hirten inmitten ihrer Herde und Menschenfischer« (IDEM, Predigt in der Chrisam-Messe, 28. März 2013).

Den Glauben weitergeben
Christus hat den Aposteln und der Kirche die Sendung anvertraut, die Frohe Botschaft allen Menschen zu verkünden. Der heilige Paulus empfindet das Evangelium als »Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt« (Röm 1,16). Jesus Christus selbst ist das Evangelium, die „Frohe Botschaft“ (cfr. 1Kor 1,24). Unsere Aufgabe ist es, Träger der Macht der grenzenlosen Liebe Gottes zu sein, die sich in Christus offenbart hat. Die Antwort auf die großherzige göttliche Offenbarung ist der Glaube, Frucht der Gnade in unseren Seelen, der die Öffnung des Menschenherzens verlangt. »Nur glaubend also wächst der Glaube und wird stärker; es gibt keine andere Möglichkeit, Gewißheit über das eigene Leben zu haben, als sich in ständig zunehmendem Maße den Händen einer Liebe zu überlassen, die als immer größer erfahren wird, weil sie ihren Ursprung in Gott hat« (Porta Fidei, Nr. 7). Möge der Priester nach Jahren des priesterlichen Dienstes mit seine Früchten und Schwierigkeiten wie der heilige Paulus sagen können: »Überallhin habe ich das Evangelium Christi gebracht« (cfr. Röm 15,19; 1Kor 15, 1-11; etc.).
Bei der Glaubensweitergabe mit Christus zusammenzuwirken ist die Aufgabe jedes Christen, in der charakteristischen organischen Zusammenarbeit zwischen Geweihten und Laien in der heiligen Kirche. Diese freudige Pflicht umfasst zwei tief miteinander verbundene Aspekte. Der erste, die Treue zu Christus, was bedeutet, Ihm persönlich zu begegnen, Ihm zu folgen, Freundschaft mit Ihm zu pflegen, an Ihn zu glauben. Im heutigen kulturellen Kontext erweist sich das Zeugnis des Lebens als besonders wichtig – Voraussetzung für Authentizität und Glaubwürdigkeit –, das entdecken lässt, wie die Macht der Liebe Gottes sein Wort wirksam macht. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Gläubigen im Priester den Mann Gottes suchen, das Wort Gottes, die Barmherzigkeit Gottes und das Brot des Lebens.
Ein zweiter Punkt des missionarischen Charakters der Glaubensweitergabe bezieht sich auf die freudige Annahme der Worte Christi, der Wahrheiten, die es uns lehrt, der Inhalte der Offenbarung. Diesbezüglich wird gerade die geordnete und systematische Darlegung der katholischen Lehre, verankert im Wort Gottes und in der immerwährenden und lebendigen Tradition der Kirche, ein grundlegendes Mittel sein.
Wir müssen uns vor allem dafür einsetzen, das Jahr des Glaubens als gottgegebene Gelegenheit zu erleben – und auch andere dazu führen –, um zu verstehen, dass die uns von den Konzilsvätern als Erbe hinterlassenen Texte nach den Worten des seligen Johannes Paul II. »weder ihren Wert noch ihren Glanz verlieren. Sie müssen auf sachgemäße Weise gelesen werden, damit sie aufgenommen und verarbeitet werden können als qualifizierte und normgebende Texte des Lehramtes innerhalb der Tradition der Kirche. Zum Abschluss des Jubiläums fühle ich mich mehr denn je dazu verpflichtet, auf das Konzil als die große Gnade hinzuweisen, in deren Genuss die Kirche im 20. Jahrhundert gekommen ist. In ihm ist uns ein sicherer Kompass geboten worden, um uns auf dem Weg des jetzt beginnenden Jahrhunderts zu orientieren« (JOHANNES PAUL II., Apostol. Schreiben Novo millennio ineunte, 6. Januar 2001, 57: AAS 93 [2001], 308, n. 57).

Die Inhalte des Glaubens
Der Katechismus der Katholischen Kirche – gewünscht von der außerordentlichen Bischofssynode 1985 als Mittel im Dienst der Katechese und verwirklicht in der Zuammenarbeit des gesamten Epoiskopats – erläutert den Gläubigen die Kraft und die Schönheit des Glaubens.
Der Katechismus ist eine authentische Frucht des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils, das den pastoralen Dienst vereinfacht: ansprechende, eindrückliche, tiefe Predigten; Katechese und Kurse theologischer Bildung für Erwachsene; die Vorbereitung der Katecheten, die Ausbildung der verschiedenen Berufungen in der Kirche, insbesondere in den Priesterseminaren.
Die Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens (6. Januar 2012) bietet weitgefächerte Initiativen, um diese besondere Zeit der Gnade vereint mit dem Heiligen Vater und dem Bischofskollegium zu leben: die Pilgerfahrten der Gläubigen zum Stuhl Petri, ins Heilige Land, zu den Marienwallfahrtsorten, der nächste Weltjugendtag in Rio de Janeiro im kommenden Juli, die Symposien, Tagungen und Versammlungen, auch auf internationaler Ebene, insbesondere jene, die der Wiederentdeckung der Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils gewidmet sind; die Organisation von Gruppen von Gläubigen zur Lektüre und gemeinsamen Vertiefung des Katechismus mit einem erneuerten Einsatz für seine Verbreitung.
Im gegenwärtigen vom Relativismus geprägten Klima ist es angebracht, zu unterstreichen, wie wichtig die Kenntnis der authentischen katholischen Lehre ist, untrennbar verbunden mit der Begegnung von anziehenden Glaubenszeugnissen. Von den ersten Jüngern Jesu in Jerusalem wird in der Apostelgeschichte berichtet: »Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten« (Apg 2,42).
In diesem Sinne ist das Jahr des Glaubens eine besondere Gelegenheit, um die Predigten, Katechesen, Ansprachen und anderen Beiträge des Heiligen Vaters aufmerksamer anzunehmen. Für viele Gläubige wird die Möglichkeit, den Text der Predigten und Ansprachen bei den Audienzen zur Verfügung zu haben, eine große Hilfe sein, um den Glauben an andere Menschen weiterzugeben.
Es geht um Wahrheiten, aus denen man lebt, wie der heilige Augustinus sagt, als er in einer Predigt über die redditio symboli die Übergabe des Credo beschreibt: »Ihr habt es also empfangen und wiedergegeben, aber im Geist müsst ihr es immer gegenwärtig halten, ihr müsst es im Bett wiederholen, auf den Plätzen darüber nachdenken und es während der Mahlzeiten nicht vergessen; und selbst wenn euer Leib schläft, muss euer Herz in ihm wachen« (AUGUSTINUS, Sermo 215, über die Redditio Symboli).
In Porta Fidei wird ein Weg skizziert, der die Glaubensinhalte tiefer zu verstehen hilft und ebenso den Akt, mit dem wir beschließen, uns Gott in völliger Freiheit gänzlich anzuvertrauen: Es besteht nämlich eine tiefe Einheit zwischen dem Glaubensakt und den Inhalten, denen wir zustimmen (cfr. Nr. 10).

Im Glauben wachsen
Das Jahr des Glaubens stellt also eine Einladung dar, uns zu Jesus zu bekehren, dem einzigen Erlöser der Welt, und im Glauben als theologischer Tugend zu wachsen. Im Vorwort zum ersten Band Jesus von Nazareth schreibt der Papst von den negativen Konsequenzen, die es hat, wenn man Jesus als Persönlichkeit darstellt, über die man wenig Sicheres weiß: »Eine solche Situation ist dramatisch für den Glauben, weil sein eigentlicher Bezugspunkt unsicher wird: Die innere Freundschaft mit Jesus, auf die doch alles ankommt, droht ins Leere zu greifen« (S. 8).
Es lohnt sich, diese Worte zu betrachten: »die innere Freundschaft mit Jesus, auf die doch alles ankommt«. Es geht um die persönliche Begegnung mit Christus – die Begegnung eines jeden von uns und jeder unserer Brüder und Schwestern im Glauben, denen wir in unserem Amt dienen.
Jesus begegnen wie die ersten Jünger – Andreas, Petrus, Johannes –, wie die Samariterin oder wie Nikodemus, ihn im eigenen Haus aufzunehmen wie Martha und Maria, auf ihn zu hören, indem man oft das Evangelium liest; mit der Gnade des Heiligen Geistes ist das der sichere Weg, um im Glauben zu wachsen. So schrieb der Diener Gottes Paul VI.: »Der Glaube ist der Weg, auf dem die göttliche Wahrheit die Seele erreicht« (Insegnamenti, IV, S. 919).
Jesus lädt uns ein zu spüren, dass wir Kinder und Freunde Gottes sind: »Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet« (Joh 15,15-16).

Mittel, um im Glauben zu wachsen. Die Eucharistie
Jesus lädt dazu ein, voll Vertrauen zu bitten, mit den Worten des Vaterunsers zu beten. Mit den Seligpreisungen stellt er allen ein Ziel vor Augen, das aus menschlicher Sicht verrückt erscheint: »Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist« (Mt 5,48). Um eine gute Pädagogik der Heiligkeit auszuüben, die in der Lage ist, sich den Situationen und Rhythmen der einzelnen Menschen anzupassen, müssen wir Freunde Gottes und Männer des Gebets sein.
Im Gebet lernen wir, das Kreuz zu tragen, jenes Kreuz, das offen ist für die ganze Welt, für ihr Heil und das, wie der Herr Hananias offenbart, auch die Sendung des gerade bekehrten Saulus begleiten wird: »Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss« (Apg 9,15-16). Und den Gläubigen Galatiens wird der heilige Paulus die folgende Zusammenfassung seines Lebens geben: »Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat« (Gal 2,19-20).
In der Eucharistie wird das Geheimnis des Kreuzesopfers vergegenwärtigt. Die Liturgiefeier der heiligen Messe ist die Begegnung mit Jesus, der sich als Opfer für uns hingibt und uns ihm gleichgestaltet. »Die Liturgie besitzt nämlich von ihrem Wesen her eine pädagogische Wirksamkeit, die Gläubigen in die Kenntnis des gefeierten Mysteriums einzuführen. Gerade deswegen hatte in der ältesten Tradition der Kirche der Weg der christlichen Einführung, auch wenn er die systematische Einsicht in die Glaubensinhalte nicht vernachlässigte, doch immer den Erfahrungscharakter, in dem die lebendige und überzeugende Begegnung mit Christus ausschlaggebend war, die durch authentische Zeugen vermittelt wurde. Darum ist derjenige, der in die Mysterien einführt, zunächst der Zeuge« (BENEDIKT XVI., Apostol. Schreiben Sacramentum caritatis, 22. Februar 2007, Nr. 64). Daher ist es nicht verwunderlich, dass in der Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens vorgeschlagen wird, die Feier des Glaubens in der Liturgie zu intensivieren, und insbesondere in der Eucharistie, wo der Glaube der Kirche bekannt, gefeiert und gestärkt wird (cfr. Nr. IV, 2). Wenn die Eucharistiefeier mit großem Glauben und großer Verehrung gefeiert wird, dann wird dies sicher Früchte bringen.

Das Sakrament der Barmherzigkeit, die vergibt
Wenn die Eucharistie das Sakrament ist, welches das Bild des Gottessohnes in uns aufbaut, so lässt das Sakrament der Versöhnung uns die Macht der göttlichen Barmherzigkeit erfahren, die die Seele von den Sünden befreit und uns die Schönheit der Rückkehr zu Gott verkosten lässt, zum wahren Vater, der jedes seiner Kinder liebt. Deshalb muss der Priester als Erster selbst überzeugt sein: »Nur wenn wir uns als Kinder Gottes verhalten, ohne uns von unserem Fallen, unseren Sünden entmutigen zu lassen, und uns von ihm geliebt fühlen, wird unser Leben neu, unbeschwert und voller Freude. Gott ist unsere Stärke! Gott ist unsere Hoffnung!« (PAPST FRANZISKUS, Generalaudienz, 10. April 2013).

Der Priester selbst muss in der Welt Sakrament dieser barmherzigen Gegenwart sein: »Jesus hat kein Zuhause, denn sein Zuhause sind die Menschen, sind wir, seine Sendung ist es, allen die Türen zu Gott zu öffnen, die liebevolle Gegenwart Gottes zu sein« (IDEM, Generalaudienz, 27. März 2013). Wir dürfen daher dieses wunderbare übernatürliche Geschenk weder vergraben noch es austeilen, ohne dieselbe Haltung zu haben wie Der, der die Sünder bis zum Höhepunkt des Kreuzes geliebt hat. In diesem Sakrament gibt der Vater uns eine einzigartige Gelegenheit – nicht nur geistlich, sondern wir selbst mit unserer Menschlichkeit –, die sanfte Hand zu sein, die wie der barmherzige Samariter das Öl ausgießt, das den Wunden der Seele Linderung verschafft (Lk 10, 34). Machen wir uns diese Worte des Papstes zu Eigen: »Ein Christ, der sich in sich selbst verschließt, der all das versteckt, was der Herr ihm gegeben hat, ist ein Christi... ist kein Christ! Er ist ein Christ, der Gott nicht für all das dankt, was er ihm geschenkt hat! Das sagt uns, dass das Warten auf die Wiederkunft des Herrn die Zeit des Handelns ist – wir sind in der Zeit des Handelns –, die Zeit, in der wir die Gaben Gottes Frucht bringen lassen sollen, nicht für uns selbst, sondern für ihn, für die Kirche, für die Mitmenschen, die Zeit, in der wir stets danach streben müssen, das Gute in der Welt wachsen zu lassen. (...) Liebe Brüder und Schwestern, der Blick auf das Jüngste Gericht darf uns keine Angst machen. Vielmehr sollte er uns anspornen, die Gegenwart besser zu leben. Mit Barmherzigkeit und Geduld schenkt Gott uns diese Zeit, damit wir täglich lernen, ihn in den Armen und Geringen zu erkennen, damit wir uns für das Gute einsetzen und wachsam sind im Gebet und in der Liebe. Möge der Herr uns am Ende unseres Lebens und der Geschichte als gute und treue Diener erkennen« (IDEM, Generalaudienz, 24. April 2013).
Das Sakrament der Versöhnung ist also auch das Sakrament der Freude: »Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (Lk 15,11-24). Jedes Mal, wenn wir beichten, finden wir die Freude bei Gott zu verweilen, weil wir seine Barmherzigkeit erfahren haben, vielleicht oft, wenn wir dem Herrn unsere von Lauheit und Mittelmäßigkeit verursachten Unterlassungen bekennen. So wird unser Glaube gestärkt, unser Glaube als Sünder, die Jesus lieben und sich von Ihm geliebt wissen: »Wenn jemand vor den Richter gerufen wird oder einen Prozess anstrengt, dann sucht er sich als Erstes einen Fürsprecher, einen Anwalt, der ihn verteidigt. Wir haben einen Fürsprecher, der uns immer verteidigt, der uns gegen die List des Teufels verteidigt, der uns gegen uns selbst, gegen unsere Sünden verteidigt! Liebe Brüder und Schwestern, wir haben diesen Fürsprecher: Wir dürfen keine Angst haben, zu ihm zu gehen und um Vergebung zu bitten, um Segen zu bitten, um Barmherzigkeit zu bitten! Er vergibt uns immer, er ist unser Fürsprecher: Er verteidigt uns immer! Vergesst das nicht!« (IDEM, Generalaudienz, 17. April 2013).
In der eucharistischen Anbetung können wir Christus, der in der heiligen Hostie gegenwärtig ist, mit dem heiligen Thomas von Aquin sagen:

Plagas sicut Thomas non intúeor
Deum tamen meum Te confiteor
Fac me tibi semper magis crédere
In Te spem habére, Te dilígere.

Und auch mit dem Apostel Thomas können wir in unserem priesterlichen Herzen wiederholen, wenn Jesus in unseren Händen ist: Dominus meus et Deus meus!
»Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (Lk 1,45). Mit diesen Worten größte Elisabet die Jungfrau Maria. Zu ihr, der Mutter der Priester, die uns auf dem Weg des Glaubens vorangegangen ist, nehmen wir unsere Zuflucht, damit ein jeder von uns im Glauben an ihren göttlichen Sohn wachsen möge und wir so das Leben und das Licht, die Wärme des heiligsten Herzens Jesu in die Welt tragen!

MAURO KARD. PIACENZA
Präfekt

+ Celso Morga Iruzubieta
Sekretär

Quelle: clerus.org

Im Anschluss an diese Worte folgen Vorschläge für eine Gebetsstunde für den Bischof und das Presbyterium als Gebetsvigil vor dem Weltgebetstag oder auch am Tag selbst: Siehe HIER.

 

 

 

Zitate zum Priestersein

  • Das Stundengebet mit Herz und Mund - und bibelkundig - verrichten (Dir 76)

    Damit die Priester die Bedeutung des Stundengebets vertiefen können, ist es nicht nur erforderlich „die Stimme mit dem betenden Herzen in Einklang zu bringen, sondern auch ‚sich eine reichere liturgische und biblische Bildung‘ anzueignen, ‚zumal was die Psalmen betrifft‘“.Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 76, Stundengebet
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