25. Sonntag im Jahreskreis B - 23. September 2018

Liebe Schwestern und Brüder, versammelte Gemeinde!

„Sie verstanden aber den Sinn seiner Worte nicht!“, so zeichnet der Evangelist Markus, der uns in diesem ganzen Lesejahr B begleitet, die Reaktion der Zuhörer Jesu. Ja mehr noch: Sie scheuten sich aber, ihn zu fragen. 


Die Reaktion ist menschlich verständlich. Da spricht einer, von dem man sich erhofft hatte, er sei der neue König von Israel, er werde sein Volk aus der Unterdrückung durch die römische Besatzungsmacht befreien, plötzlich von Auslieferung und Tod, ja schlimmer noch von einer „Auferstehung“ nach 3 Tagen. Ist Auslieferung und Tod zwar nicht im Plan der Hoffnung auf eine Befreiung Israels enthalten, so wenigstens menschlich denkbar. Aber „Auferstehung“? Was ist mit diesem Begriff gemeint? 

„Sie verstanden aber den Sinn seiner Worte nicht!“ - Heute ebenso nicht wie damals! Denn da wird das Tun Christi - und auch seiner Priester - auf die soziologische Ebene reduziert und der Arbeit einer Krankenschwester oder eines Altenhelfers gleichgestellt. Da wird nicht jene Dimension gesehen, von der Christus gerade heute spricht: Von einer Überwindung des Todes, und damit von einer Überwindung jener irdischen Barriere, die so unverrückbar vor uns steht, unser Leben auf dieser Welt beendet und über dieses Leben das große Fragezeichen der Sinnhaftigkeit stellt, wenn nicht Christus uns die Antwort der Auferstehung gibt. 

Und angesichts der tragischen Skandale der letzten Monate müssen wir auch ehrlich eingestehen, dass auch Priester und Bischöfe, auch Kardinäle „den Sinn seiner Worte“ nicht verstanden haben - oder nicht wirklich umgesetzt haben in ihrem Leben!

Jesus weiss um sein irdisches Ende. Er weiss um die Verfolgung, um die Verspottung, um all die Schmerzen, die ihm zugefügt werden. Und die Schriften des Alten Bundes haben uns dies ja schon vor Augen geführt: „Laßt uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem, sein Tun ist uns im Weg“ - Ja, das Tun Jesu und seiner Kirche war und ist den Menschen aller Generationen - auch manchen Vertretern der Kirche selbst! -  dann im Weg, wenn sie ihren Horizont auf die Innerweltlichkeit eingeschränkt haben. Wer nur im Diesseits lebt, kann den Sinn des Lebens, Leidens und Sterbens Jesu nicht begreifen, muss gleichsam zwangsweise Jesu Anspruch an unser Leben ablehnen - und damit auch die Kirche verurteilen, die diesen Anspruch verkündet - ohne aber zu verschweigen, dass es um das „Leben“ schlechthin geht, nicht um die defizitäre und reduzierte Diesseitigkeit. 

Auch die Jünger waren nicht davor bewahrt, in den irdischen Kategorien zu denken. Während Jesus von der Erlösung der Welt, von seinem Tod und seiner Auferstehung spricht, unterhalten sie sich, wer von ihnen der Größte sei. Doch Jesus kehrt die irdisch gesinnten Gedanken um, stellt das verkehrte Denken vom Kopf auf die Füsse, wenn er ihnen das Kind vor Augen hält und den Jüngern zeigt, dass wahres Handeln im Reich Gottes das Dienen ist. 

Nehmen wir Jesu Wort ernst. Reduzieren wir unser christliches, unser kirchliches Leben nicht auf eine Handvoll sozial gefärbter Alibi-Handlungen, sondern werden wir nicht müde, uns selbst und unseren Mitmenschen den Blick zu öffnen für die wahre Wirklichkeit des Lebens, die uns Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung erwirkt hat. 

Amen. 

 

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