23. Sonntag im Jahreskreis – B - 9. September 2018

Jesus öffnet dem Taubstummen Ohren und Mund. Er kann nun hören und sprechen, er kann Kontakt aufnehmen zu den Menschen um ihn. All diese Wunder, die Jesus wirkt, alle Heilungen sind aber nicht Selbstzweck, sondern deuten hin auf das angebrochene Reich Gottes.

 Jesaja hat es prophezeit: „Habt Mut, fürchtet euch nicht, Gott selbst wird kommen und euch erretten, dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen, die Zunge des Stummen jauchzt auf!“

Der Taubstumme zeigt uns heute aber noch viel mehr! Es geht nicht nur um einen Kranken, einen Behinderten, der nun von Jesus geheilt wird. Dieser Taubstumme ist doch Sinnbild des Christen allgemein! 

Immer wieder stehen wir in der Gefahr, uns von Gott zu entfernen, immer ferner wird sein Wort für uns, bis wir es überhaupt nicht mehr hören können, bis alles um uns herum lauter auf uns eindröhnt. 

In unserer Gottferne werden wir auch mehr und mehr sprachlos. Wo wir – erfüllt von seinem Geist – den Menschen Trost und Zuversicht zusprechen können, müssen wir mehr und mehr zum Elend schweigen, weil uns selbst Glaube und Hoffnung fehlen. „Wir sind taub, wir sind stumm, wollen eigene Wege gehen, heißt es in einem Lied aus dem Gotteslob.

Es heißt dort aber auch weiter: Wir graben unsere eigenen Gräber, wir geben selber uns den Tod.

Betrachten wir nüchtern unsere Welt. Geht nicht wirklich ein Hauch des Todes durch sie? Ist es nicht oft wie auf der bereits zum Untergang verurteilten Titanic, wo die Menschen noch tanzen und ausgelassen sind, obwohl der Wasserspiegel drohend höher steigt?

Wir haben sovieles erreicht in dieser Welt, die Grenzen des Machbaren scheinen sich mehr und mehr aufzulösen, wir haben die Mittel und Möglichkeiten in der Hand, letztlich alles zu tun, den Menschen nach unserem Wunsch zu gestalten, unsere Welt zu vernetzen, alle Informationen für jeden zu jeder Zeit an jedem Ort anzubieten.

Doch wer auf der Strecke bleibt, das sind wir selbst. Jugendliche haben es oftmals aufgegeben, miteinander in normalen menschlichen Kontakt zu treten, sie sitzen nur mehr vor dem Bildschirm und „chatten“, wie der Fachbegriff heißt. Sie sitzen nebeneinander schweigend in der U-Bahn und schicken sich gegenseitig SMS oder WhatsApp oder kommunizieren über sonstige soziale Foren, anstatt sich in die Augen zu schauen. Spontane menscheneigene Kommunikation durch Hören und Sprechen wurde abgelöst vom eintippen witziger Phrasen in das Computerprogramm. Wir sind also taubstumm geworden und bedienen uns anderer Möglichkeiten.

Wir haben zwar soviele Mittel und Wege zur Kommunikation, Mobiltelefon und Fax, eMail und SMS, dennoch aber sterben in den Großstädten Menschen allein und einsam, und ihre Leichen werden oft erst Monate oder Jahre später gefunden. Niemanden sind sie abgegangen, nicht einmal am Arbeitsplatz, weil sie schon als Lebende keinen Kontakt mehr pflegten, nicht mit anderen sprachen.

Es ist uns also nicht nur Gott fremd geworden. Wir sind uns selbst fremd geworden. Wir sind nicht mehr fähig, in zwischenmenschlichem Kontakt zu treten, in regen Austausch von Freuden und Sorgen, in offenes Gespräch über Probleme und Zukunftsfragen. Wir haben es nötig, daß uns der Herr wieder Ohren und Mund öffnet.

Vielleicht gibt es einige unter Ihnen, die vor kurzen bei einer Taufe anwesend waren. Im Taufritus gibt es im Rahmen der ausdeutenden Riten den Effataritus. Der Priester berührt die Ohren und den Mund des Neugetauften Kindes und spricht: Der Herr lasse dich wachsen und wie er mit dem Ruf „effata“ den Taubstummen Ohren und Mund geöffnet hat, so öffne er auch dir Ohren und Mund, damit du sein Wort vernimmst und  den Glauben bekennst zum Heil der Menschen und zum Lobe Gottes.

Wir dürfen uns neu darauf besinnen, daß wir von der Taufe an diese Aufgabe haben. Offene Ohren für Gottes Botschaft, für sein Wort. Immer neu ist es eine Bitte wert, uns die Ohren öffnen zu lassen. Immer neu dürfen wir auf Seine Hilfe hoffen, unsere Sprachlosigkeit zu überwinden.

Wenn wir mit offenen Ohren, bereit, Sein Wort zu hören, und die Sorge unserer Mitmenschen nicht zu überhören, und mit  offenem Mund – bereit für ein Wort des Zeugnisses, des Glaubensbekenntnisses, der Botschaft an diese Welt  - durchs Leben gehen, dann kann auch bei uns Reich Gottes anbrechen, dann kann unser Leben dieser Welt zu einer neuen Qualität verhelfen.

Amen

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 button praedicatio; Till Magnus Steiner;

 

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