13. Sonntag im Jahreskreis B - 1. Juli 2018

 

Was haben wir mit der kranken Frau gemeinsam, die bemüht ist, den Saum des Gewandes Jesu zu berühren? Mehr noch, was übersteigert unsere Begegnung mit dem Herrn sogar gegenüber der Begegnung Jesu mit dieser Frau?

Sie konnte nur den Saum des Gewandes berühren, wir dürfen den Herrn in der Eucharistie ganz und gar berühren, ihn in uns aufnehmen, uns von ihm erfüllen lassen. Wir dürfen uns von ihm in den anderen Sakramenten anrühren lassen. Wir dürfen erkennen, wie er den Kindern die Hände auflegt, wenn sie von den Eltern zur Taufe gebracht werden. Wir dürfen staunend miterleben, wie er aus dem Geschöpf Gottes ein wahres Kind Gottes, einen vielgeliebten Sohn, eine vielgeliebte Tochter macht - durch das einfache Zeichen der Taufe. 

Einfache Zeichen sind es, die er uns übergeben hat, in denen Gott Großes wirkt. Wir dürfen sehen, wie der Herr den Kranken liebevoll über den Kopf streicht, wenn der Priester das Sakrament der Krankensalbung spenden darf. 

Wir können sehen, wie er - wie am Ostertag - uns sagt „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“, wenn Menschen diese Vergebung im Beichtstuhl erbitten. 

Und wir hören den liebevollen Aufruf: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“, wenn Menschen einander das Jawort geben und sich gegenseitig das Sakrament der Ehe spenden, wo wir als Priester oder Diakone den Segen Gottes für diese beiden erbitten - und den Mut, zueinander zu stehen in guten wie in bösen Tagen. 

 Und der Herr selbst ist es, der - wie den Jüngern zu Ostern - auch den Firmkandidaten wieder zugesprochen hat: „Empfangt den Heiligen Geist“. 

Der Herr ist es auch, der durch die Hände des Bischofs junge Männer ganz in seine Nachfolge ruft, sie ihm gleichgestalten will im Sakrament der Hl. Weihe, ihnen ihren Platz in seiner Stellvertretung als Diakon, als Priester, ja als Bischof zuweist. 

 

Das haben wir mit der kranken Frau gemeinsam, ja das haben wir ihr VORAUS. 

Diese volle und ganze Begegnung mit dem Herrn Jesus Christus. Er sucht nach der Frau in der Menge, nicht um sie bloßzustellen, sondern um das Beispiel ihres Glaubens den anderen zu zeigen. Er fordert vom Synagogenvorsteher Glauben ein, als er dessen Tochter heilt. 

Und er ruft uns zum Glauben auf, dass wir fähig werden, diese Berührungen, die er uns schenkt, auch in ihrer Tiefe und Wirksamkeit zu erfassen. 

Denn wir sollten aus dieser Nähe zum Herrn erkennen, was uns das Weisheitsbuch heute neu vor Augen hält: „Zum Dasein hat er alles geschaffen… Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen! Das Reich des Todes hat keine Macht mehr über die Erde“

Wir sind sehr nahe an diesem heiligen Geschehen - ob in einem Priesterseminar wie dem Leopoldinum in Heiligenkreuz, ob in einer Pfarrgemeinde, ganz eng verbunden mit den Festen und Feiern des Kirchenjahres, unterworfen einer christlichen Lebensordnung mit regelmäßigem Sonntagsgottesdienst, regelmäßiger Beichte, mitfeiern der Sakramente. Und wir setzen uns damit durchaus der Gefahr der Alltäglichkeit des Heiligen aus, der Gefahr der Routine, die tödlich und oberflächlich sein kann. 

Daher ist es besonders wichtig, jene Sehnsucht der kranken Frau im Herzen zu haben, die Nähe des Herrn zu suchen. Auch außerhalb der vorgeschriebenen Feste und Feiern, auch außerhalb eines Rahmens, der uns vorgegeben ist. Den Augenblick leben, in dem wir die Ewigkeit Gottes berühren dürfen. 

„Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.“, sagt uns das Weisheitsbuch heute. Überwinden wir die todbringende Bequemlichkeit des Alltags und suchen wir die Nähe des Herrn - weil er uns lebensspendend, heilend und erlösend anrühren will!

Amen. 

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 button praedicatio; Till Magnus Steiner;

 

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