1. Fastensonntag - B - 18. Februar 2018

Liebe Gläubige!

Das Evangelium am Anfang dieser Fastenzeit beginnt mit einer Wüstenwanderung. Markus schildert kurz und doch so inhaltsreich von der Versuchung Jesu in der Wüste. Und gleich schließt er an mit der schwerwiegenden Nachricht von der Inhaftierung des Johannes des Täufers. Und auf beiden aufbauend gleichsam verkündet Jesus: Das Reich Gottes ist nahe - Kehrt um und glaubt an das Evangelium. 

Eine Wüstenwanderung war dem Volk Israel in seiner Vätergeschichte sehr nahe. Es war die Wanderung aus dem Sklavenhaus Ägypten hinaus in die Freiheit - 40 Jahre lang, so sagen uns die Heiligen Schriften. 40 Tage ist Jesus in der Wüste und gibt uns damit das Vorbild unserer vierzigtägigen Fastenzeit. Ist diese Zeit für uns eine „Wüstenwanderung“. Werden auch wir in Versuchung geführt?

Gemeint ist hier nicht die tägliche Versuchung, so manche Fastenvorsätze zu brechen, doch das Stückchen Schokolade zu naschen, das so laut aus der Küchenlade schreit, doch da oder dort zuzugreifen, obwohl wir uns doch so stark vorgenommen haben, Zurückhaltung zu üben. 

Gemeint ist hier die Versuchung in jener dreifachen Dimension, die uns in den anderen Evangelien geschildert wird. Die Versuchung nach Macht, nach irdischem Reichtum und dazu, Gott auf die Probe zu stellen für die eigenen Zwecke. Gemeint ist die Versuchung, die Schönheit und Wahrheit des christlichen Glaubens, die Schönheit der göttlichen Liturgie, wie sie in der Kirche gefeiert wird preiszugeben, zu verkaufen - besser zu „verscherbeln“ um den Preis irdischer Popularität, menschlicher „Erfahrungswerte“, die sich dann dem göttlichen Gebot entgegenstellen. 

Nützen wir diese Zeit der Gnade, dem Herrn einen Schritt entgegenzugehen. Und dieser Schritt dem Herrn entgegen ist, wie Papst Benedikt immer wieder betont hat, ein Schritt der Kirche entgegen, ein Schritt in die Kirche hinein. 

Es ist wahrlich eine Wüstenwanderung, sich neu mit der eigenen Kirchlichkeit auseinanderzusetzen, nachzudenken, wo ist mein eigener Platz, letztlich nicht von mir gewählt, sondern von Christus schon lange in Liebe bestimmt, wenn er den Jüngern sagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt!“.  Denn in unserem kirchlichen Leben dürfen wir begreifen, was dieser Neue und ewige Bund ist, den der Gottessohn mit uns geschlossen hat. In der Feier der heiligsten Eucharistie dürfen wir täglich neu eintreten in diesen Heiligen Bund. Und wir dürfen die Verheissungen ernst nehmen, die Gott schon dem Noah gegeben hat. Wir dürfen Gott beim Wort nehmen, dass wir dort, wo wir bereit sind, unsere Schritte in die Kirche, unserem Herrn und Gott entgegen, zu tun, nicht von den Fluten des Zweifels und der Säkularisierung, nicht von den Wellen des Kirchenhasses und der unmenschlichen Kirchenkritik weggespült werden. 

Denn all das Geschrei und Gerangel, das die Medien oftmals als „kirchliches Leben“ verkaufen wollen verblasst und verschwindet gegenüber dem Geheimnis, in das wir als Christen hineingenommen sind, in Tod und Auferstehung des Herrn Jesus Christus, der als Gerechter für die Ungerechten gestorben ist, der im Geist lebendig wurde, um uns das wahre Leben zu schenken. - Das Leben in Wahrheit, nicht in der Verlogenheit menschlicher Intrige und scheinheiliger Kritik an der Kirche, sondern in jener Wahrheit, die Jesus Christus selbst ist. 

Amen. 

 

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