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Predigten

LESEJAHR A

33. Sonntag im Jahreskreis A

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Auf den ersten Blick hin erscheint das heutige Gleichnis hart, brutal, unbarmherzig. Haben in unserer Welt wirklich nur die "Tüchtigen" das Sagen? War das nicht sogar einmal der Werbeslogan irgend einer Partei? Da muss noch eine andere Bedeutung dahinterstecken, eine andere Ebene muss sich unserem gläubigen Blick auftun.

Machen wir wieder ein Wortspiel: Ersetzen wir Talente einfach mit "Himmel" oder "Hilfe zum Himmel" oder "Gnade". Da hat der eine sehr viel "Hilfe zum Himmel" bekommen. Und er war so geschickt, diese "Gnade" zu vermehren, sehr stark zu vermehren. Gnade Gottes ist ihm geschenkt worden und noch mehr dazu. Sein Leben hat er offenbar darauf ausgerichtet, diese Gnade zu vermehren, so wie der gute Manager sein ganzes Sinnen darauf ausrichtet, sein Unternehmen zum Gewinn zu verhelfen. Auch der nächste hat dies so getan. Egal wie viel oder wie wenig Gnade, er konnte diese vermehren, er konnte eine Menge aufweisen. Genug um am Tag der Wiederkunft des Herrn nicht mit leeren Händen dazustehen. 

Und der letzte? Er hat zwar wenig bekommen - nur Gott weiß warum. Und dieses Wenige hat er auch nicht genützt. Ist gar nicht auf die Idee gekommen, mit der Gnade etwas anzufangen. Nennen wir dieses "Wenige" - auch wenn das schon sehr viel ist - einfach "Taufgnade".  Aus eigener Schuld, vielleicht auch, weil die Eltern ihr Versprechen, das sie bei der Taufe geben, nicht einhalten, wird dieser Schatz, dieses Talent sehr sehr oft vergraben, anstatt genährt, gefördert, vermehrt. Mit leeren Händen stehen die Kinder dann vor der Erstkommunion. Und die Eltern - ihr Versprechen haben sie wohl schon längst vergessen, - finden es nicht einmal der Mühe wert, mit ihnen zum Gottesdienst zu gehen. Da ist der Fußballverein oder der Wandertag oder "die Familie" (die oftmals nur mehr in Wunschträumen existiert) viel wichtiger als dieser Schatz. 

Irgendwann kommt dann die Firmung - Gott will wieder Gnade schenken. Aber mit der vergrabenen Taufgnade, die oft so gut versteckt ist, dass man sie gar nicht findet, lässt sich eben nicht viel anfangen. Man lässt das Sakrament über sich ergehen, hakt auf der Liste alle Bedingungen ab, die der Pfarrer oder die Pastoralassistentin verlangen und dann - "dann sieht mich die Kirche nicht mehr". 

Und irgendwann kommt der Moment, wo eine Zahlungsaufforderung ins Haus flattet. "Trag was bei - ihr Kirchenbeitrag!" - Vorbei mit der Freude! Zahlen soll ich auch noch für diese "Amtskirche" ? - Austritt. Und alle sind schuld, von der schrägen Nase des Pfarrers bis zu den „veralteten“ Moralvorstellungen der Kirche. Den eigentlichen Grund will keiner sehen: Das Talent, der Schatz der Taufgnade wird nicht nur vergraben, sondern weggeworfen, mit Füßen getreten. 

Kein Bewusstsein mehr dafür, was es heißt, diese Gnade einzusetzen, ein wenig sensibel zu sein für Gottes Weg mit den Menschen, sensibel auch für die Gefühle und Rechte des anderen. Scheidung - und die Kinder leiden darunter, täglicher Lebenskampf, der keinen wirklichen Sinn erkennen lässt,  glaubenslose Trauer, wenn ein lieber Angehöriger stirbt, weil dieses Talent der Gottesgnade einfach verschüttet, vergraben, weggeworfen wurde. 

Und das eigene Lebensende: Mit leeren Händen vor Gott stehen, nichts vorweisen können...

Zugegeben, ich habe ein sehr schwarzes Bild gemalt. Gott kennt seine Wege, um Menschen immer wieder neu den Schatz der Gnade anzubieten. Ich freue mich mit jedem Wiedereintritt, ich freue mich bei jedem Beichtgespräch, wo Menschen wahre Umkehr erleben dürfen. Erleben, dass es nicht nur Schikanen sind, die diese Kirche anbietet, sondern das Leben! Ein Leben, das diese Welt nicht schenkt, weil sie die erforderlichen Schätze, die Gnadenmittel Gottes nicht hat. Ein Leben, das Antwort gibt auf die letzten Fragen des Menschen, nach Sinn, nach Ziel, nach Zukunft!

Die Kirche hat von Gott den Auftrag, Verwalterin seiner Gnadenschätze zu sein. Wer dies annimmt, und nicht äußerer Makel wegen ablehnt, der wird vor Gott nicht mit leeren Händen dastehen, sondern einer sein, zu dem Gott sagt: "Du warst im Kleinen treu, ich will dir Großes - Himmelreich, Ewiges Leben - schenken!"

Amen. 

 

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