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Predigten

LESEJAHR A

Liebe Gläubige, versammelte Festgemeinde!

Wozu Heiligenverehrung? - Stellen wir uns doch diese Frage nicht im Gestus des Aufgeklärten, sondern als Betende, als Menschen, die letztlich im Licht des Glaubens die Antwort schon kennen. Der grosse Zisterzienserheilige Bernhard von Clairvaux sagte in einer seiner Predigten: „Wozu nützt dem Heiligen unser Lob? Wozu unsere Festfeier? Wozu brauchen sie Erdenruhm, wo doch nach der untrüglichen Verheißung des Sohnes der Vater sie ehrt? Sie sind ja voller Seligkeit! Was sollen ihnen noch unsere Lobsprüche helfen?“

Und weiter sagt der Kirchenlehrer Bernhard: „Es stimmt, die Heiligen bedürfen unserer Ehren nicht und unsere Andachten bringen ihnen keinen Nutzen. Wenn wir aber dennoch ihr Andenken ehren, so ist dies offenbar zum Vorteil für UNS, nicht für sie. Ich für meinen Teil fühle durch dieses Gedenken eine heftige Sehnsucht in mir auflodern“.

Folgen wir doch dieser Spur der Sehnsucht. Jetzt sind wir Kinder Gottes - sagt uns Paulus heute - was wir sein werden ist noch nicht offenbar geworden. 

Wir sind „Heilige“ durch Taufe und Firmung. Aber diese Gotteskindschaft ist noch nicht vollendet, das Heiligsein sozusagen noch nicht gesichert. Wir leben zwischen Gegenwart und Zukunft. Wir wissen und spüren doch immer neu diese Unvollkommenheit unserer irdischen Situation. Wir wissen um unsere Grenzen - und um die Sehnsucht unseres Geistes, der über diese Grenzen hinaus will. Im Schauen wie im Tun. 

Heilige sind also jene, die diese Grenzen ihres Daseins wahrgenommen haben, aber gleichzeitig mit Gottes Hilfe darüber hinausgeschaut haben. Selig nennt sie der Herr im Evangelium. In den verschiedensten Kategorien menschlichen Lebens können wir „selig“, „heilig“ werden. Wenn wir uns nicht mit dem Minimum dieser Welt zufrieden geben, sondern über die Grenze hin zur Vollkommenheit Gottes blicken. Wenn wir nicht die Begrenztheit unseres eigenen Ichs, unseres EGO, als höchsten Maßstab aller Dinge annehmen, sondern wahrnehmen und gläubig in die Tat umsetzen, dass uns in GOTT und unserem Mitmenschen ein Du gegenüber steht. 

Die Heiligen bezeugen uns, dass die allgemeine Berufung zur Heiligkeit nicht nur eine moralische Ermahnung ist. Diese Berufung ist für uns Christen eine unausweichliche Forderung. „Ich bin ja kein Heiliger“, hören wir unsere Mitmenschen oft sagen oder es gleitet uns selbst über die Lippen. Und immer müßten wir uns die Antwort geben: „Aber wir alle sind von Gott dazu berufen, Heilige zu sein!“. Es ist eine unausweichliche Forderung, die sich aus dem Geheimnis der Kirche ergibt. Die Kirche ist als mystischer Leib des Herrn der Weinstock, dessen Reben - also wir - am Heiligkeitsleben des Herrn Jesus Christus teilhaben. 

Und viele - ungezählte - haben es unter Beweis gestellt, dass der Blick über die irdische Grenze ein Schritt zur Glückseligkeit in dieser Welt - und umso mehr in der neuen Welt des Gottesreiches ist. 

Folgen wir ihnen nach - in den kleinen Schritten des Alltags, in der Offenheit für den Weg, der uns liebevoll von unserem himmlischen Vater vorgezeichnet ist. 

 

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 button praedicatio; Till Magnus Steiner;