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Predigten

LESEJAHR A

26. Sonntag im Jahreskreis A - 1. Oktober 2017

Liebe Gläubige!

Zwei Fragen des Herrn rahmen diese Geschichte ein. Die Antwort ist klar. Die Angesprochenen merken aber noch nicht, dass der Herr sie meint. Natürlich hat der zweite Sohn den Willen des Vaters erfüllt, sagen sie. In einer raschen Wendung erhält die an sich unkomplizierte Geschichte eine Tiefe, in der sich das Drama der Liebe Gottes und der Halsstarrigkeit des Geschöpfes widerspiegelt. Jesus spricht hier zu selbstgerechten Menschen, die sich für treue Beobachter des göttlichen Gesetzes halten. Menschen, die meinen, die Mahnungen Johannes des Täufers gingen sie nichts an, im Gegenteil, ihm müsse widersprochen werden. 

Menschen sind hier angesprochen, die zwar ein „rhetorisches Ja“ zum Glauben kultivieren, sich in den verschiedensten Frömmigkeitsübungen ergehen, aber im Grunde gerade durch dieses Verhalten sich selbst den Weg zu wahrer Umkehr und Reue versperren. Jesus vergleicht sie mit dem Sohn aus der Geschichte, der zwar „Ja“ zum Vater sagt, im Letzten aber nicht dessen Willen tut. Und damit hebt er das Gleichnis aus dem zeitlichen Kontext seines Erdenlebens hinein in die Geschichte der Kirche, in die Aktualität jeder Zeit, auch der unsrigen. 

Wir kennen doch nur allzu gut aus unserem eigenen Leben die Kluft zwischen Denken, Reden und Tun. Wir wissen doch, wie manch guter Vorsatz eben nur Vorsatz bleibt, aber nie zum „Grundsatz“ unseres Lebens wird. Und wir kennen doch auch den inneren Widerspruch, der sich meldet, wenn wir uns mit dem Gott geschuldeten Gehorsam konfrontiert sehen. Doch - und dies sollte uns Mut machen  - trotz des anfänglichen Aufbegehrens gehorcht schließlich der widerspenstige Sohn. 

Wie kann uns aber der richtige Umgang mit dem Auftrag Gottes an uns, der wahre Gehorsam gegenüber Gott gelingen? Dazu dürfen wir auf den Sohn Gottes blicken. Denn in ihm zeigt sich die vollendetste Form dieses Gehorsams. So sagt uns der Philipperhymnus: Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.

Christus gehorcht aus Liebe. Auch dort, wie im Ölgarten von Getsemani, wo sich die menschliche Natur dagegen sträubt, gehorcht er vollkommen, weil er vollkommen liebt. 

Unsere unvollkommene Liebe bringt uns gelegentlich in die Nähe des widerspenstigen Sohnes aus dem Gleichnis. Doch Jesus hat für uns den Trost bereit: Der aufsässige Sohn entdeckt die Liebe zum Vater wieder. Er korrigiert das falsche Wort mit dem richtigen Tun. 

Bitten wir den Herrn, dass es uns immer wieder neu gelingt, über den eigenen Schatten zu springen, den Hochmut einer „aufgeklärten, mündigen“ Menschheit zu überwinden, und die richtige Antwort im Wort und im Handeln auf Gottes Angebot der Liebe zu geben.

Amen. 

 

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