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Predigten

LESEJAHR A

25. Sonntag im Jahreskreis A - 24. September 2017

Mit dem heutigen Gleichnis tut Jesus alles, um nicht nur die Pharisäer und Schriftgelehrten gegen sich aufzubringen, sondern gleich auch die Gewerkschafter aller Zeiten….

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“ - so lautet eines der heutigen Schlagworte, ob in der Diskussion um die Unterschiede der Gehälter bei Mann und Frau oder in anderen Bereichen. 

Und dann diese „Ungerechtigkeit“! Diejenigen, die erst in der letzten Stunde arbeiteten, bekommen denselben Lohn wie jene, die den ganzen Tag schufteten?

Warum eine solche Ungleichheit? Ist Gott ungerecht? Sollte er nicht uns Braven, Frommen, treuen Kirchenbesuchern, ein bisschen mehr Himmel zuteilen als anderen…?

Jesaja gibt uns heute eine erste Antwort: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des Herrn.

Gott denkt in anderen Kategorien. Sein einziger  Wunsch in seiner unendlichen Liebe zu uns ist es: Er will uns bei sich haben! Er will uns an sich ziehen. Deshalb wird er Mensch auf dieser Erde, deshalb teilt er unser Leben, deshalb stirbt er am Kreuz. Er will uns bei sich haben. Er will uns seine Gegenwart schenken. Anfanghaft hier, wenn wir sein Wort hören, wenn wir um seinen Altar versammelt sind, sein Opfer feiern und sein Sakrament empfangen, wo er sich uns in seinem Sohn Jesus Christus ganz schenkt. 

Und in Fülle einst in seinem Reich. Das ist der „Lohn“, den er uns auszahlt. Und diesen Lohn zahlt er jenen, die von Anfang an in „seinem Weinberg“, also in der Kirche gearbeitet haben, ebenso aus, wie jenen, die vielleicht in der letzten Stunde ihres Lebens „die Kurve geschafft“ haben, zum Herrn aufblicken konnten, sich befreien konnten aus den Verfänglichkeiten dieser Welt, die ihnen weismachen wollte, dass es diesen Gott nicht gibt, oder dass wir seiner nicht bedürfen. Jene also, die vielleicht am Totenbett mit einer guten Beichte und dem Ablass in der Sterbestunde vorbereitet werden auf die Gemeinschaft mit ihm. 

Wo ist aber da die Gerechtigkeit?

Die liegt, so bin ich überzeugt, schon in diesem irdischen Leben. Denn jenen, die von Anfang an dabei sind, die in und mit der Kirche zu leben und zu arbeiten gelernt haben, schenkt der Herr seine Gegenwart täglich neu. In der Eucharistie, mit der er uns die Kraft schenkt, bei ihm zu bleiben - und hoffentlich auch den Mut, andere für den Herrn zu begeistern. Das ist die „Draufgabe“, der Zusatzlohn, den wir niemals hoch genug einschätzen können. 

Danken wir dem Herrn, dass er uns von der Taufe an berufen hat, in seinem Weinberg, der Kirche, zu sein. Bemühen wir uns zu jener tiefen gläubigen Erkenntnis des Hl. Paulus zu kommen, dass auch wir sagen können: Für mich ist Christus das Leben - und Sterben Gewinn, weil mir dann die volle Gegenwart Gottes geschenkt wird, weil mein Leben, die Sehnsucht nach der Fülle, eingeborgen wird in Seine Ewigkeit!

Amen. 

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